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Herssel-kl IttisMatt

Mit wöchmtlicher Kratis-Meilage „IlluKrirtes Nuterhaltungsölatt".

Nr. 133.

Sonnabend den 7. November

1891.

Erstes Blatt.

MmMib-Mliiiillz.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kretsdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllusttirtes Unterhaltungs-Blatt" pro November u. Dezember werden von ollen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amttiches.

HerSfeld, den 4. Nvvttsber 1891.

Die Herren Ortsvorstände deS Streifes werden hierdurch benachrichtigt, daß e8 der durch AuS- schreiben vom 5. September d. JS. Nr. 9216 Kreisblatt Nr. 108 angeordneten allmonat­lichen Erstattung der Anzeige über die Verbrei­tung deS Rothlaufs rc. unter den Schweinebe- ständen fortab nicht mehr bedarf.

Die deShalbigen Einträge in dem Terminkalender sind hiernach zu löschen.

11171. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

HerSfeld, den 4. November 1891.

Den Herren Ortsvorständen werden in Kürze die Rekrutirungs-Stammrollen der Jahrgänge 1869, 1870 und 1871, welche mit den alphabetischen Listen diesseits gleichgestellt worden sind, gemäß §. 46 *2 der Wehrordnung vom 22. November

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Staust!

Roman aus der Gegenwart

von Zo« von Reuß.

(Fortsetzung.)

Frau Winkler war anscheinend übler Laune, verstand es aber einigermaßen zu verstecken. Wenn beim Anblick der goldenen Uhrkette, mit der die Braut unausgesetzt spielte, der Verdruß überbaud zu nehmen schien, war daS Baby in der Wiege drüben im Schlafzimmer gewöhnlich so verständig, aus Leibes!- ästen zu schreien, so daß Frau Winkler nicht umhin konnte eS zu beruhigen. Clara war still und sah wie immer blaß und angegriffen auS, besonders neben der rotbglänzenden einstigen Freundin. Dabei versuchte sie aber fast mit Auf­opferung die Unterhaltung nicht einschlafen zu lassen.

Als Werner eine halbe Stunde später, nach seiner Gewohnheit, drüben in seiner Stube noch eine Weile das Zimmer auf und abschritt, hörte er aus Frau Winkler- Stube deutlich noch immer lebhaftes und erregtes Sprechen. Die Stimme seiner gutmüthigen Wirthin trug heute sogar einen ungewohnten harten und scharfen Ton. Dazu l^68 Schluchzen an sein Ohr. Zum ersten Male fühlte er Interesse, daS heißt Mitleid für Fast fi ig er an, ihr den Platz am Herzen des Freundes zu gönnen.

XV,

ES war Hochsommerzeit mit täglich üppiger werdender, kunterbunter Blumenpracht, und den ersten, alS Hrrbstgrüße gesandten, welken Blättern. Unter den in Horsten weilenden Sommergästen befand sich auch Maler FreseniuS. Er war eines TageS als ein richtiger Künstler und Tourist mit einem Ränzel und der rotheingebundenen Skizzen­mappe angekommen und weilte seit dieser Zeit in dem gastfreien Schlosse.

Paula besonders hatte ihn mit Freuden will­kommen geheißen — nothwendiger Weise mußte er Neuigkeiten, Grüße und Anregungen bringen, da sie besonders in letzter Zeit einen gleichen Bekanntenkreis in der Stadt besessen hatten. Allmählich begann sich die Langeweile des Land­lebens einzustellen. Die Gutsnachbarn wußten über wenig anderes als über das herrliche Wetter zur Grummeternte, oder über die Rindviehzucht zu sprechen — Gesprächsgegenstände, welche Paula jedesmal mit augenfälligem Gähnen beantwortete. Herr von Windheim schien nicht weniger verliebt als sonst, schob aber eine Erklärung immer noch hinaus, anscheinend bis Axel da sein werde. Auch war Paula im Grunde genommen die Verzögerung nicht unlieb, da sie ihr die Möglichkeit eines fortgesetzten und iutimeru Verkehrs mit Maler FreseniuS gewährte. AlS WindbeimS Braut würde sie gezwungen sein, mehr Rücksichten zu nehmen.

1888 zugehen, dieselben sind nebst den Anlagen in der Gemeinde-Reposttur aufzubewahrev.

7411. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Wolitische Wachrichten.

Se. Majestät der Kaiser ließ sich am Mitt- woch Nachmittag gelegentlich eines SpaziergangeS nach dem Marmorpalais dort ein kleines ameri­kanisches Boot neuartiger Konstruktion vorführen. Am Donnerstag Vormittag gegen 8 Uhr unter­nahm der Kaiser einen Spazierritt in die Umgegend von PotSdam, von welchem Se. Majestät gegen halb 10 Uhr znrückkehrte. Von 11 Uhr Vormittags ab arbeitete der Kaiser alSdann mit dem Kriegs­minister General v. Kaltenborn-Stachau und daran anschließend mit dem Chef des MilitärkabinetS.

Die nächste (120.) Plenarsitzung des Reichs­tages ist vom Präsidenten von Levetzow nunmehr auf den 17. November d. I., Nach­mittags 2 Uhr, «überaus Auf der Tagesord­nung dieser ersten Sitzung nach der Vertagung stehen außer der ersten Berathung deS Gesetzent­wurfs, betreffend die Bestrafung deS Sklaven­handels, vier schriftliche und drei mündliche Berichte der PetitionSkommissiou. Von denselben betreffen die ersteren: die Ausdehnung deS Kranken- und deS UnfallverficherungSgesetzeS auf die In- fassen der Gefangenen-, BefferungS- rc. -Anstalten, die Revision deS WuchergesetzeS vom 24. Mai 1880, die Privatarbeiten der Militairbüchseumacher und den Handel mit Waffen und Munition der­selben, sowie die Beeinflussung der Gastwirthe in Bezug auf Versammlungen durch AmtSvorsteher und Landräthe. Die mündlichen Petitionsberichte betreffen die Einführung eines Zolles auf mit Salz bestreute grüne Heringe und kommunale Besteuerung deS Weins, die Verleihung der Rechte der juristischen Person an JnnunqSauSschüffe,

sowie die Abänderung der Unfallversichernng-ge- setze. Für die dann folgenden Tagesordnungen ist unter Anderem als Material in AuSsicht ge­nommen : der KommissionSbericht über den Ge­setzentwurf, betreffend die Abänderung des GesetzeS der Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883, und der Kommissionsbericht, betreffend den Gesetzentwurf über das Telegraphenwesen des Deutschen ReichS. — Außerdem wird demnächst als Vorlage erwartet: der Gesetzentwurf, be­treffend die Feststellung deS ReichshauShaltSetatS für das EtatSjahr 1892/93, nebst den dazu ge­hörigen Anlagen.

Während der letzten Tagung deS Reichstags ist bekanntlich auch ein Gesetz über die Errichtung eines ReichsschuldbucheS zu Stande ge­kommen. Die Eintragungen in das ReichSschuld- buch dürften schon im nächsten Jahre zu Einnahmen führen und diese im ReichshauShaltSetat ihre Stelle finden. ES würde damit im Etat der ReichSschuld zum ersten Male ein Einnahmeposten erscheinen.

Wie dit „N. rr. Z." erfährt, ist der jüngstge- borene Sohn deS Erbprinzen und der Erbprin- zessin Reuß j. L., dessen Taufe Ihre Majestät die Kaiserin am vergangenen Sonnabend in Gera beigewohnt hatte, am Mittwoch Morgen daselbst nach kurzer Erkrankung verstorben.

Zur Regelung deS G e h e i m m i t t e l - wesenS ist ein Gesetzentwurf dem BundeSrath von der Württembergischen Regierung zugestellt worden.

Vom Chemnitzer Landgericht ist der sozialde- mokrattsche ReichStagsabgeordnete Schmidt (Mittweida) wegen Beleidigung, öffentlicher Aufreizung und Aufforderung zum Ungehorsam gegen behördliche Anordnungen zu ein Jahr und drei Monat Gefängniß verurtheilt worden.

Auf die im Uebrtgen von der gesammten Preffe unbeachtet gelassenen, sehr gehässigen Aeußerungen

»Mir scheint, daß ich heute das richtige Wald­motiv zu meinem neuen Bilde aufgefunden habe, Gnädigste," hatte er am Abend gesagt. .Sie würden mich zum Glücklichsten der Sterblichen machen, wenn sie den Ort morgen begutachten wollten! Ihr Kunstvrrständniß überrascht mich immer von neuem — wollen Sie, Gnädigste?"

«Warum nicht? Zweifeln sie au meiner Theil­nahme für Ihre künstlerischen Bestrebungen? Habe ich sie nicht immer offen gezeigt? . . . Außerdem bat sich die dicke Frau von Reimer- nebst Strickstrumpf morgen zum Kaffee angemeldet. Ha. ich fühle schon jetzt die Gänsehaut . . . ."

Wirklich wanderte man am andern Nachmittag zusammen in den Wald hinaus Paula trug ein gelbliches Sommerkleid mit bordeauxfarbenen Schleifen und sah entzückend auS. Maler Frese-

/^eu sie mit den Augen zu verschlingen und bot ihr den Arm. Leicht wie eine Feder Uritt st- neben ihm her - wenn ihre klugen Worte nicht gewesen wären, würde er gemeint haben, ein Kind an seinem Arme zu führen.

Der Ort, welcher die Scenerie deS neuen Ge- mäldeS bilden sollte, war schnell erreicht. Er war ein kleiner moosbewachsener Hügel, dessen Hintergrund prächtige Buchenstämme bildeten, deren mächtige auSlaufende Aeste sich hoch oben mit den Schwesterbäumen kreuzten. Seitwärts stand eine prächtige Edeltanne, welche ihre starken Wurzeln in den steinigen Boden geschlagen hatte. Paula prüfte den Ort und fand ihn malerisch,