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Htrssel-er Kreislillltt.

Mit wöchentlicher Hratis-Weilage „Illustrirtes Ituterhaltungsblatt".

Nr. 132. Domierstag den 5. November 1891.

ZImmab-Mstiq.

Bestellungen auf das Hersfelder Kretsdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „JllustrirtesNnterhaltungs-Blatt" pro November u. Dezember werden von ollen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

HrrSfeld, den 29. Oktober 1891.

Wegen Anlegung eines Durchlasses in dem Wegezuge Ausbach-Nippe (Nachbar-Weg genannt) ist diese Straße für Fuhrwerk aus einige Zeit abgesperrt. - 7 .

Bis nach erfolgter Ausführung der Arbeit kann der von dem Orte Ausbach südlich rechts sich abzweigende alte Vachaer Weg benutzt werden. 10976. Der Königliche Landratb

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. November 1891.

Diejenigen Herren OrtSvorstände, welche mit der Erledigung der Verfügung vom 5. September d. I. Nr. 9216 (Kreisblatt Nr. 108) die monat­lichen Berichte über aufgetretene Schweineseuchen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 6. d. Mts. bet Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

9216. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

HerSfeld, den 2, November 1891. Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 16. Okto­

Staub!

Roman auS der Gegenwart von Zo« von Reuß.

(Fortsetzung.)

„Vielleicht gerade aus diesem Grunde füble ich mich gedrungen, Sie in mein Herz blicken zu lassen. Erwarten Sie aber nichts Absonderl'cheS — waS wir Schicksal nennen, ist selten etwas anderes als der Segen oder Fluch, den unsere inneren Bedingungen über uns bringen. „In Deiner Brust ruhu Deines Schicksals Sterne!- lautet ein bekanntes Dichterwort .... Apropos, ahnten Sie niemals den Philologen in mir, ich meine den Philologen von Haus aus?-

Adelaide lächelte: „Vielleicht — doch! Ja, ein wenig?*

„DaS macht- die Gewohnheit deS DocirenS! • - . . Also ich ward Philologe,- fubr Werner Flittner in seiner Erzählung fort. „Von einem lebendigen ForschungStrieb beseelt, war ich ge­sonnen, die Naturwissenschaften zum Studium zu wählen. Sie allein verbürgen dem modernen Denker ein dankbares Feld. Die heutige Forschung ist hauptsächlich auf die Ergründung des innern Zusammenhangs der verschiedenen Zweige der Naturwissenschaft gerichtet, nebst der Entstehung und Entwickelung der Naturkörper. Auch Hum- voldt in seinem KoSmoS verfolgt den Zwcck, die

ber 1883 Nr. 13016 (KreiSblatt Nr. 112) die Einreichung der Anträge zur Erlangung von LegitimationS- und Gewerbescheinen be­treffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. -erinnert.

11122. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Uolitische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser begab sich am Mon­tag Nachmittag zu Wagen nach den Militär- Schießftäudeu in LiefelSgrund bei PotSdam und ließ sich dort ein von dem Potsdamer Kunst­schlosser Dietrich neukonsirutrtes Lauzengewehr vorführen. Hierauf fuhr der Kaiser beim Marine­maler Saltzwanu in NeubabelSberg vor, um in bessert Atelier kurze Zeit zu verweilen. Nach dem Neuen PalaiS zurückgekehrt, hielt Se. Majestät sich nur kurze Zeit daselbst auf und kam alsdann mit Ihrer Majestät der Kaiserin und dem beider­seitigen Gefolge nach Berlin, um der Vorstellung im königlichen Schauspielhaus« dortselbst beizu- wohnen. Am Dienstag erledigte der Kaiser zunächst im Neuen Palais während der Morgen- stunden RegierungSangelegenheiten. Nach 9 Uhr hatte Allerhöchstderselbe eine Konferenz mit dem Reichskanzler General v. Caprivt und arbeitete später auch noch einige Zeit mit dem Cbef deS Militärkabinets. Gegen Mittag begaben sich die Majestäten vom Neuen Palais zu Wagen nach dem Jagdschlösse im Grunewald zur Hubertus­jagd. Nach Schluß derselben kehrten die kaiser­lichen Majestäten alsdann sofort zu Wagen wieder nach dem Neuen Palais zurück.

Das „Deutsche Kolontalblatt- veröffentlicht nachstehende Allerhöchste Ordre über die Anrechnung von Kriegsjahreu für die auS dem aktiven Dienst zur Truppe deS Rüchs- kommiffarS für Ostafrika übergetretenen Militairpersonen:

Gesammtheit der Naturwissenschaften einheitlich i zusammen zu fassen. Ich wandte mich längst im Stillen mit besonderm Fleiß der Naturlehre zu, welche sich mit den unabänderlichen Naturgesetzen beschäftigt, aus denen die Körper entstehen, deren nähere Beschreibung wir Naturgeschichte nennen .... Aber ich docire schon wieder,- lachte Werner.

„Sehen Sie nicht, welch aufmerksame Schülerin ich bin?- gab Adelaide freundlich Absolution.

„Mein Vater war nicht recht zufrieden mit meiner speciellen Wahl,ihm erschienen die klassischen Studien, denen er selbst sein Leben geweiht, allein des echten Schulmannes würdig zu sein. ES bleibt ihm auch lebenslang ein schmerzlicher Ge. danke, seinen einzigen Sohn in den Reihen seiner täglich wachsenden Gegner zu sehen, welche die Humavitätsstudten als einzig würdiges Bildangs» Mittel anzuzweifeln wagten. Dennoch war er stolz und beglückt, als ich nach einem glücklichen Examen an demselben Lehrinstttut angestellt ward, dem er selbst seit einer Reihe von Jabren als Lehrer der alten Sprachen angebörte. In dieser schönen Zeit durfte ich auch ein liebes Weib heim­führen, die ich seit meiner Primanerzeit liebte —*

„Sie waren — sind vielleicht verheirathet?- fiel Adelaide überrascht ein. „Wo ist Ihre Frau? - Ist sie - todt?-

„Mein Glück war nur von kurzer Dauer — vergänglicher noch als gewöhnlich! Verzweifelnd gab ich die Heißgeliebte nebst unserm Kinde schon

„Ich bestimme, daß die militairischen Unter­nehmungen der Truppe deS ReichSkommiffarS für Ost-Afrika im Sinne deS §. 23 des GesetzeS, be- treffend die Pensiontrung und Versorgung der Militairpersonen deS Reichsheeres und Meiner Marine u. s. w., vom 27. Juni 1871 und deS §. 49 des ReichS-Beamteuaesetzes vom 31. März 1873 alS ein Feldzug anzusehen sind. Denjenigen auS dem Heere oder Meiner Marine zu dieser Truppe übergetretenen Militairpersonen, welche in je einem der Jahre 1889, 1890 und 1891 au einem Gefechte Theil genommen haben, kommt je ein KriegSjahr zur Anrechnung. Der Theilnahme an einem Gefecht ist eine fortlaufende Dienstzeit von zwei Monaten in je einem der drei vorbe- zeichneten Jahre gleichzustellen, mit der Maßgabe, daß, wo zwar eine fortlaufende Dienstzeit von zwei Monaten vorliegt, ihr Ende aber nicht in dasselbe Kalenderjahr wie ihr Anfang fällt, ein Kriegsjahr zur Anrechnung kommt.

Gegeben Neues PalaiS, den 24. Oktober 1891. Wilhelm;. B.

von Caprivi.

An den Reichskanzler (Auswärtiges Amt).-

Betreffs des neuen Artilleriemate­rtals, für welches im neuen Militäretat, wie verlautet, gegen 50 Millionen benöthigt werden, kann ein Berliner Korrespondent der Münchener „Allg. Ztg.- mittheilen, daß eS sich zunächst um die Ausrüstung der Feldartillerie mit neuen Protzen und Lasteten handelt, während die alten Gußstahlrohre in Gebrauch bleiben.

DieüberseetscheAuswauderung auS dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Ant­werpen, Rotterdam und Amsterdam, betrug im

September Januar bis September 1891 . . 9997 90607 1890 . . 8702 72435

1889 . . 7 645 72 371

1888 . . 8637 79952

1887 . . 8155 80763

nach Jahresfrist dem Staube zurück!-

„Armer Manu!-

„Beim Tode meiner Lieben war mir zu Sinne, als sei im Gangwerk meiner Lebens ein Rad ge­brochen. Wo die Liebe recht lebendig ist, verzehrt sie alle Gedanken — um so mehr, als sich meine naturalistische Weltanschauung nicht mit Glau­benströstungen zufrieden stellen lassen wollte. Ich grübelte immer von neuem über daS: Warum? Wohin? Aber „Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist!- klang eS zurück, aus allem Grübeln .... Ich fühlte, daß wir selbst ein staubgeboreneS Geheimniß sind, dessen Lösung, der Tod, wieder ein Geheimniß ist. Weil ich aber, ein zweiter Faust, nicht einzudringen ver- mochte in daS All, in welchem wir aufgeben, be« kann ich plötzlich eine Wissenschaft zu Haffen, die ihren Jüngern unlösbare Räthsel aufgab . . . In solcher Stimmung kam mir ein Gedanke, neu und erlösend, wie vom Himmel selbst gesandt. Wenn ich an einen Verkehr mit den Todten hätte glauben können, würde ich mich überzeugt gehalten haben, meine todte Anna habe ibn mir gesandt. Ihr Vater war Armenarzt und sah alS solcher auf eine lauge und segensreiche Thätigkeit zurück. Ihm wollte ich eS nachthun, und mein Wissen und Können in den Dienst der Menschenliebe stellen! Ein Zerwürfniß mit meinen Collegen, welche mich beschuldigten, die naturalistische Welt- anschauung auch in der Schule zu vertreten, gab