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(:) Hersfeld, 15. Oktober. (Schöffenge- richt.) Der Tagelöhner Christian B ust von hier wurde wegen Beleidigung zu 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Wegen Feldfrevels erhielt der Heinrich Breul von Kalkob es eine Geldstrafe von 3 Mk. ev. 1 Tag Haft. — Wegen desselben Vergehens wurden die ledige G ertru de B a l d e s und I o s e p h i n e Walter von hier in eine Geldstrafe von je 6 Mk. ev. 2 Tage Haft genommen. — Den Arbeiter Johannes Friedrich Maurer von hier belegte der Ge- richtsbos mit einer Geldstrafe von 3 Mk. ev. 1 Tag Haft, weil er unbefugter Weise Krebse ge- fangen hatte. — Der Maurer Heinrich Hahn von Asbach wurde wegen Mißhandlung zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Ferner erhielt derselbe wegen Werfens mit Steinen eine Geldstrafe von 6 Mark ev. 2 Tage Hast.
t Hersfeld, 16. Oktober. Der Tagelöhner Friedrich S tr ube von hier gerieth am 14. d. M. beim Abladen von Kartoffeln unter einige schwere Kartoffelsäcke, die ihn derart in der Brust verletzten, daß er in das Landkrankenhaus aufge- rommen werden wußte.
(:) Asbach, 16. Oktober. Dem Herrn Lehrer Möhl dahier ist der Kautor-Titel verliehen worden.
[:] Niederaula, 14. Oktober. Mit dem 1. November cr. tritt Herr Kantor Rosenstock hierselbst nach 48jähriger Wirksamkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Ein großer Theil der Einwohner Niederaulas zählt zu den Schülern des Genannten, da Letzterer bereits 35 Jahre an dieser Stelle gewirkt hat. Schon aus diesem Grunde ist ihm die Gemeinde zu Dank verpflichtet. Zudem war Rosenstock als begabter, fleißiger Lehrer und guter Organist bekannt. Möchten daher alle Einwohner ihrem scheidenden Lehrer ein dankbares Andenken bewahren und in den wenigen Tagen, die er noch unter ihnen weilt, recht viel Liebe entgegenbringen.
Gaffil, 15. Oktober. Seine Majestät der K a i s e r hat dem Oekooomen H a m e n st ä d t zu Niederzwehren, auf dessen Hofe Allerhöchst- derselbe bekanntlich zu der Parade zu Pferde gestiegen war, sein Bild mit Unterschrift im Rahmen verliehen.
Gaffel, 14. Oktober. Die Botenfrau aus Gensungen wurde von einem dortigen Kaufmann beauftragt, in einem unverschlossenen Briefe zweihundert Mark in Papiergeld einer hiesigen Firma zu überliefern. Im Comptoir der hiesigen Firma wurde der Brief nachgesehen, es fand sich aber kein Geld mehr vor. Vermuthet wird, daß eine Gaunerin auf der Eisenbahnfahrt von Gensungen nach hier der Botenfrau den Brief aus der ebenfalls offenen Ledertasche genommen und die Scheine aus dem Brief gestohlen hat. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Frommershause«, 13. Oktober. Heute ereignete sich hier ein bedauerlicher Unfall. Ein Knecht, welcher auf der Scheune beschäftigt gewesen, wollte herabsteigen, glitt dabei aus und fiel in eine mit den Zinken nach oben gerichtete Gabel, welche zum Aufreichen des Kornes dient. Dieselbe drang dem Knecht unter dem Arm ein und kam au der Schulter wieder heraus. Er wurde alsbald ärztlicher Behandlung übergeben und wird längere Zeit arbeitsunfähig bleiben.
Frankfurt a. M., 14 Oktober. Gestern Nachmittag wurde der Monteur Rau der Maschinenfabrik Oerlikon, welcher bei der Kraft- Übertragung von Lauffen-Frankfurt in Lauffen beschäftigt ist, vo m h o ch g e s p a n n t e u Strome getödtet, er wurde von dem leitenden Ingenieur, der plötzlich an seinen Instrumenten Schwankungen bemerkte, im TranS- formotorenhaus leblos auf dem Boden liegend aufgefunden. Rau hatte, wie die „Fr. Ztg." berichtet, gegen die Vorschrift das Transforma
torenhaus während des Betriebes betreten, wahrscheinlich um eine Veränderung an einer Lampe vorzunehmen, die er ganz leicht nach dem Betrieb hätte vornehmen können. Durch Berührung eines Drahtes in der hochgespannten Leitung ist er dann getödtet worden. Alle sofort angewandten Belebungsversuche hatten keinen Erfolg.
Vermischtes.
— Solingen, 12. Oktober. Am Sonntag starb im hiesigen Krankenhause Frl. Henriette Heiner, welcher während ihrer Krankheit die rührendste, liebevolle Theilnahme der kaiserlichen Familie, besonders der Kaiserin zu Theil wurde. Frl. Heiner war die Pflege und erste Erziehung der kaiserlichen Prinzen anvertraut. Sowohl iin eigenhändigen Briefen als in Telegrammen erkundigte die Kaiserin sich täglich nach dem Befinden der Kranken. Die Kaiserin entsandte sogar ihre erste Hofmeisterin Gräfin Brockdroff nach Solingen, um sich nach dem Befinden der Kranken zu erkundigen und derselben Grüße und Wünsche zu überbringen. Dem hierher geeilten einzigen Bruder der Entschlafenen ließ die Kaiserin folgendes Beileidstelegramm zugehen: »Spreche Ihnen des Kaisers und mein herzlichstes Beileid aus beim Ableben Ihrer armen Schwester; der Tod hat mich sehr betrübt. Sie war eine so treue Seele und hat unsere Kinder mit Aufopferung und Liebe gepflegt. Victoria, Kaisertu und Königin." Frl. Heiner war hier bei einer befreundeten Familie zum Besuch gewesen als eine tödtlich verlaufende Krankheit sie ereilte.
— Nach einem der „Voss. Ztg." aus Hamburg zugehenden Berichte wurde Major C l ü v e r vom Großen Generalstabe, gegenwärtig dem Generalstab zu Altona beigegeben, auf einer Dienstreise als Eisenbahnkommissar am Dienstag Nachmittag, nahe dem Bahnhof Wilhelmsburg, beim Ueberschreiten der Geleise vom Zuge erfaßt. Ein Arm sei abgerissen, der Kopf habe schwere Verletzungen erlitten, und sei der Zustand des Officiers hoffnungslos'
— (WachtelnundHeuschrecken.) Das Journal »L'Cleveur" veröffentlicht einen Artikel über den Handel mit Wachteln, welcher vom Verfasser von einem ganz neuen Gesichtspunkte aus kritifirt wird. Der Korrespondent des »Cleveur" schreibt zum großen Theil die kolossale Zunahme der Heuschrecken, dieser Landplage, von welcher die algerischen Kolonisten gerade dieses Jahr so entsetzlich viel zu leiden hatten, der Gewinnsucht einiger englischer und französischer Geflügel- händler zu. Seit Frankreich von einem beträchtlichen Theil Nordafrikas Besitz genommen hat, ist daselbst ohne jedes Maß und Ziel darauf los gejagt worden. Der Saharastrauß, die Karthago- hühner, die kleinen Trappen, die Feuces, die Rebhühner, die Wachteln sind so furchtbar deciemtrt worden, daß als Jagdgebiet Algerien, von welchem uns die Generale Daumas und Marguerite und der Kommandant Garnier so enzückende Schilderungen machten, zu einer Art Filiale der Provence herab gesunken ist. Und man erstaunt noch, daß die Insekten in so erschreckender Weise zugenommen haben! Der Verfasser dieses Artikels kommt zu folgenden Schlußbetrachtungen: Eine Wachtel, sagt er, verzehrt täglich 50 bis 60 Gramm an Nahrung, und ganz junge Heuschrecken in der Größe von Hanfkörnern gehen 20 auf ein Gramm, so daß nach seiner Berechnung eine einzige Wachtel täglich ca. 1000 Stück Heuschrecken verzehrt und somit 20000 bis 30 000 Stück während der Periode, wo diese Insekten klein genug sind, um von der Wachtel verschluckt werden zu können. Die tunesischen Jäger, welche am 8. Mai 50000 Wachteln nach Frankreich verschifften, sind also mit Schuld daran, daß einzig dieses Jahr 150 Millionen Heuschrecken weniger vernichtet worden sind durch diese Vogel
art. Im Magen eines Straußes hat mau 4228 Gramm Substanzen gefunden, die aus Speiseresten, Sand, Steinchen rc. bestanden. Nehmen wir an, es seien nur 2 Kilogramm Nährstoffe hierbei gewesen, so würde dennoch ein Strauß täglich 40000 Heuschrecken verzehren. Die so nützlichen Strauße, die oft nur der Federn wegen gejagt werden, finden die Insekten so sehr nach ihrem Geschmack, daß sie selbst im Kameelmist nach ihnen suchen.
— London. Die Küsten von Großbritanien wurden am Dienstag von einem verheerenden Orkan heimgesucht. Zahlreiche kleinere Schiffe scheiterten, darunter 11 Schooner, in der Nähe von Cardiff. Die Mannschaften derselben retteten kaum das Leben. Das Unwetter richtete auch in Dublin, in Iork, sowie an der atlantischen Küste der Vereinigten Staaten großen Schaden an.
— Z a r a, 14. Oktober. Infolge heftiger Wolkenbrüche haben in den letzten Tagen auf der Insel Brazza große Ueberschwemmungen stattgsfunden, bei denen zwei Menschen um's Leben kamen, Zahlreiche Stück Vieh wurden getödtet, Häuser, Felder und Straßen zerstört. Die Gefahr dauert noch fort. Aehnliche Meldungen liegen ans Lefina und Puciese vor.
— Graz, 12. Oktober. Der Ingenieur Maximilian Straßberger aus Wien wurde im Thiergarten in Windischgrätz von einem Hirsch aufgespießt und getödtet.
- L i e b e m ü h l, 14. Oktober. Am 9. d. M., Vormittags, bräunte in Nikelshagen ein Justhaus nieder, wobei drei Kinder der Arbeiter Lindenblatt'schen Eheleute in den Flammen den Tod fanden.
— Ein E r d b e b e v hat die Stadt Nopa in Kalifornien heimgesucht. Dasselbe war von einer Stärke, wie sie dort noch nie erlebt worden ist. Die aus dem Schlafe gestörte Bevölkerung stürzte unbekleidet auf die Straße. Die Schornsteine stürzten von den Häusern herab, die Mauern barsten. In einer Irrenanstalt stürzten die Wände ein. ES entstand eine entsetzliche Verwirrung, da die Irren längere Zeit sich selbst überlassen bleiben mußten. Das Erdbeben dauerte 30 Minuten.
— Jean Lemaitre, einer der reichsten Kaufleute von New -O rlea ns, feine Frau und zwei seiner drei Kinder sind bet einer Feuers- Brunft schrecklich ums Leben gekommen.
— Eine Maurer-Rechnung. 2 Eimer Kalk, 1 Eimer davon gebraucht, 1 Eimer wieder mitgenommen, macht zusammen 4 Eimer Kalk.
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Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst Sountag den 18. Oktober.
Vormittags: Herr Pfarrer H o 8 b a ch. Nachmittags: Herr Pfarrer Schafft.
Mittwoch den 21. d. M. Abendgottesdienst Herr Pfarrer Schafft.
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