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Imftliitr IrrislIntt

Mit wöchmtlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Antrrtzaltuugsölatt".

Nr. 124.

Sonnabend den 17. Oktober

1891.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Landwirthschastliche BerusSgeuossenschast.

Hersfeld, den 9. Oktober 1891.

Behufs gleichmäßiger Behandlung der Anzeigen von Betriebs • Einstellungen, Eröffnungen und Veränderungen rc. sind folgende Formulare:

1) A. 4 zur Anzeige von dem eingetretenen Wechsel in der Person des Betriebs­unternehmers,

2) A. 5 zur Anzeige von der erfolgten Betriebs­einstellung,

3) A. 6 zur Anzeige von der Eröffnung land- und forstwirthschaftlicher Betriebe,

4) A. 8 zur Anmeldung von Betriebsverände­rungen (Zu- und Abgängen)

entworfen worden und unentgeldlich im Geschästs- lokal deS hiesigen LandrathSamtes zu haben. Dieselben sind fortab bet eintretenden Betriebs- Veränderungen zu benutzen und haben die Herren Vertrauensmänner bezw. Ortsvorstände des Krei­ses die Betriebsunternehmer hiervon in Kenntniß zu setzen.

Hierbei wird gleichzeitig noch auf folgende Punkte aufmerksam gemacht:

1) Anzeigen über Betriebs-Aenderungen ganz unbedeutender Art, wie z. B. Zu- und Ab­gänge von einigen are, welche eine Erhöhung oder Verminderung der Abschätzungsergeb­nisse von 1—10 Tagen bei Betrieben mit einer Abschätzung von 20—100 rc. Tagen und eine solche von 10—30 Arbeitstagen bet Betrieben mit einer Abschätzung von 300 und mehr Tagen verursachen, bedürfen der Weiterverfolgung nicht, soweit durch die Aenderung die Zugehörigkeit der Betriebe

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Roman auS der Gegenwart von Zoe von Reuß.

(Fortsetzung.)

Die Gäste kamen jetzt schaareuweise, daS Eltern- paar am Eingang des SaaleS, und das Ge- schwisterpaar hatten vollauf zu thun, um die Honneurs ihres Hauses gebührend zu machen. Doch stimmte alles vortrefflich, der Takt und die Weltgewandtheit der freiherrlichen Familie schienen vollkommen, schon nach Verlauf der ersten halben Stunde schien sich Jedermann behaglich zu fühlen, trotzdem man sich dem Schluß der Saison zu nähern anfing, und darum eine gewisse Gesellschaftsmüdigkeit bereits Raum zu gewinnen anfing. Nachdem Axel und Paula das Eltern- paar eingehend und passend in seinen wirthlichen Pflichten unterstützt hatten, fingen sie an, ihren eigenen Interessen nachzugehen. Lieutenant von vorstenhatte sich vorgenommen, Frau von Flechsen "iwnetdig" den Hof zu machen, wenn auch nur versuchsweise. Der Rath Paulas in solchen w"r niemals zu verachten. Promenirend Ler Dame in der Tattzpause auf war die Unterhaltung ziemlich lebhaft, was immerhin auf ein wärmeres Jutereffe Flechsens zeigte, da sie, Vielfach von

m---»i«..~ ?i^Hit/ uu ju, uitimu; vud „Jedenfalls ist die Idee des Bildes ,snb rosa* Glucksiägern umschwärmt, eine kühle, vornehme genial, alle Kritiken stimmen darin überein.

zu den beitragspflichtigen oder zu den bet- tragsfreien Betrieben nicht beeinflußt wird.

2) Sofern mit den Anzeigen über den Wechsel in der Person eines Betriebsunternehmers die Mittheilung verbunden wird, daß der Betrieb in der seitherigen Weise fortgeführt wird, ist überall weder eine Aenderung der Abschätzung noch eine Berichtigung in der Angabe der Zahlen in den Spalten 6 bis 18 der Unternehmer-Verzeichnisse erforderlich.

3) Soweit es thunlich, dürfte, im Etnverständ- niß mit den betheiltgten Betriebsunterneh- mern, wohl darauf hinzuwirken sein, daß jede angezeigte Betriebsveränderung bei der Genossenschaft erst vom Beginn des­jenigen Monats in Wirksamkeit zu treten hat, welcher unmittelbar auf den Monat folgt, in dem die Aenderung statt- gefunden hat. Zutreffenden Falls ist alsdann dieses in den bezüglichen Anzeigen besonders ersichtlich machen zu lassen.

4) Auch bei Einreichung der Anzeigen von Be­triebseinstellungen kann v! n Einzahlung der Kautionsbeträge abgesehen werden, wenn ge­nügende Bürgschaft sonst geleistet ist oder der Vertrauensmann wegen guter persönlicher und Vermögensverhältnisse der in Betracht kommenden Personen eine Kauttousleistung für nicht nöthig erachtet.

Der Sektionsvorstand: Freiherr von Schletuttz,

A. 1025. Vorsitzender.

Hersfeld, den 16. Oktober 1891.

Für den am 15. Mai 1871 dahier geborenen Kaufmann Oskar T e x t o r ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

10605. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i u i tz.

! Zurückhaltung zu zeigen pflegte und aus ihrer ! bescheidenen Reserve nur dann heraustrat, wenn

sie sich sympathisch angeregt fand.

Paula hatte sich in den kleinen Salon ihrer Mama geflüchtet und saß auf der Causeuse des

Schmollwinkels, während ihr letzter Tänzer, Maler Fresenius, ihr gegenüber auf einem Tabouret Platz genommen hatte. Bei ihrer elfenartigen Erscheinung erschien sie in ihrem Cräpekleid, blumenumwunden wie eine Fee. Die Maleraugen hingen entzückt an der Libellengestalt.

„Wie ist Ihnen eigentlich die Idee zu ihrem bewunderten Bilde gekommen? ES ist so in­teressant, daß ich seine Entstehung kennen lernen möchte," frug sie, den Fächer zuklappend.

„Die Idee zu meinem Bilde — woher sie mir gekommen ist?" frug Willibald Fresenius etwas überrascht, und nicht ohne Verlegenheit.

„3ft meine Frage indiskret? Pardon!"

„Keineswegs, Gnädigste, aber schwer zu be­antworten," entgegnete der Maler vollständig gesammelt.

„Wieso?"

„Woher kommt der Blume die Kunst zu blühen, dem Baume die Kraft Früchte zu tragen? Ich meine beim Künstler ists kaum anders: nur ist Blüthe und Frucht beim vollkommener» Kunst­produkt vereinigt!" sagte Willibald Fresenius mit Künstlerstolz.

Wokitische Wachrichten.

Ihre Majestäten der K'aiser und die Kaiserin verweilen gegenwärtig noch auf Jagdschloß Hubertusstock in der Schorfhaide, von wo aus Se. Majestät der Kaiser in der Umge­gend daselbst Hofjagden abhält. — Dem Ver­nehmen nach dürften die Majestäten am Sonn­abend, im Laufe des Nachmittags, vom Jagd­schloß Hubertusstock wieder nach dem Neuen Palais zurückkehren.

Am Sonntag, dem Geburtstage weiland Kaiser Friedrichs wird in Gegenwart des Kaisers, der Kaiserin, der Kaiserin Friedrich und der übrigen anwesenden Mitglieder des Kaiserhauses das Mausoleum in der Friedenskirche bei Potsdam feierlich eingeweiht. Die Kaiserin Friedrich be* giebt sich bald darauf nach Italien.

Die von verschiedenen Seiten betonten Mängel, welche sich beim Gebrauche der QutttunaS- k a r t e n der Jnvaliditäts- und Altersversiche­rung ergeben haben, scheinen eine Abhülfe erfahren zu sollen, wenigster« buchtet die „Voss. Ztg.": „Bezüglich der bisher bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung verwendeten QuittungSkarte hat sich in der Praxis herausgestellt, daß die auf derselben aufgeklebten Beitragsmarken schlecht haften, also leicht abfallen. Die aus diesem An­laß augestellten Untersuchungen haben ergeben, daß eine erhebliche Verbesserung sich durch Ver­wendung eines anderen Klebstoffs auf der Marke erzielen läßt. Weiter ist festgestellt worden, daß auch die Zusammensetzung des Stoffs der Quit- tungskarte einer Vervollkommnung fähig ist, und zwar in der Richtung, daß nicht nur daS Ab­springen von Marken verhütet, sondern auch un­beschadet der Festigkeit und Druckfähigkeit des Papiers eine Verminderung der Dicke und damit deS Gewichts sowie des Herstellungspreises der Karten erreicht werden kann. Es sollen zunächst einzelne Versicherungsanstalten neu hergestellte

Dazu der liebliche Mädchenkopf! . . . Besaßen Sie ein Modell dazu?"

„Ein Modell? Nicht doch! Kaum —" wich der Maler aus.

„Woher auch solche Schönheit nehmen? Fast könnt ich neidisch auf Ihre Leinwand werden!"

„Ich glaube, gnädiges Fräulein überschätzen mein Phantasiegebilde! Es ist nichts weiter als ein lieblicher Mädchenkopf, dem man, wie ich glaube, sogar die kleine Plebejeriu ein wenig an- sieht. In Italien ists anders, dort darf der Künstler dreist ein Weib aus dem Volke nehmen und eine Königin daraus schaffen: Zu solchem Zweck müßte er sich hier in andere Sphären wenden .... Aber ich fürchte, Gnädigste, Ihr Tänzer hat Sie aufgespurt . . . ."

In der That war der junge Banquier Franz in der Thür erschienen und überflog mit suchenden Augen das Zimmer der Baronin, jedenfalls um feine Tänzerin zur Quadrille aufzufinden. In Paulas schönem Antlitz war ein Mißbehagen deutlich erkmnbar, das Maler Fresenius mit triumphirendem Entzücken wahrnahm. Seit er neulich das Glück gehabt hatte, Baronesse Paula von Horsten in der Kunstausstellung umherzu- führen, hatte sich seine Phantasie mit ihr beschäftigt. Neben der Bewundrung ihrer Schönheit, fand sich seine Eitelkeit geschmeichelt durch die An- erkennung, die sie unverhohlen seinem ausgestellten Bilde zu Theil werden ließ.

1 Paula machte noch einen Versuch, sich hinter