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Hklsfeliikl Kreisblütt.
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Nr. 120. Donuerstag den 8. Oktober 1891.
-kmmaK-Mtmt.
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Amtliches.
Hersfeld, den 30. September 1891.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Breitenbach a. H. allgemeine Verbreitung gefunden hat, ist, nach einer Mittheilung des Königlichen Laudrathsamtes zu Ztegeuhaiu, Gemarkungssperre angeordnet worden.
9983. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 21. September 1891.
Euer Hochwohlgeboren übersenden wir hierne- ben zwei Exemplare der uns von der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden zur Veröffentlichung zugegangenen Nummernliste der verlosten und zum 1. Januar 1892 gekündigten Neumärkischen Schuldverschreibungen, sowie der schon früher gekündigten ober noch rückständigen Schuldurkünden, nämlich: Staatsschuldscheine vom Jahre 1842 und eine Stawmactie der Münster - Hammer - Eisenbahn Behufs Auflegung in Ihrem Geschäftslokale, und ersuchen zugleich, auf die diese Nummerliste betreffende Bekannt- machung jener Behörde vom 1. September 1891, abgedruckt im Regierung? • Amtsblatts für 1891
Seite 189, und besonders auf die vorbezeichneten schon früher gekündigten, aber noch nicht zum Umtausch eingereichten Schuldurkunden, sowie auf die Auflegung der Nummerliste in den Geschäftslokalen des Laudrathsamtes und der Steuerkassen in dem dortigen Kreisblatte, sofern dies unentgeltlich geschehen kann, aufmerksam zu machen.
Königliche Regierung.
B.: Althaus.
An die Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks. K. 1682.
HerSfeld, den 6* Oktober 1891.
Wird veröffentlicht mit dem Bemerken, daß die oben erwähnte Nummerliste dahier zur Ein- ficht offen liegt.
10137. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleinitz.
König Karl nun Württemberg war seit längerer Zeit leidend. Nach seiner Ueber- stedelung nach Bebeobausen trat in der vorigen Woche in seinem Zustande eine Verschlimmerung ein. Nach einer Berathung der Leibärzte, zu der noch mehrere Medicinalräthe und Professoren zngezogeu waren, wurde dem König die baldige Rückkehr von Bebenhausen nach der Residenz Stuttgart anempfohlen. In Folge dessen traf Se. Majestät am Sonnabend in Stuttgart ein. Die folgende Nacht war sehr unruhig. Ein am Sonntag Mittag ausgegebenes Bulletin theilte mit, daß die Störungen sich in der letzten Nacht bis zu vollständiger Harnverhaltung steigerten, welche eine Punktion der Blase nothwendig machte. Dadurch wurde vorübergehend eine Erleichterung erreicht, während die entzündlichen Erscheinungen sich noch weiter ausbreiteten. Auch am Montag
war der König sehr matt. Nachmittags nahm er das Abendmahl. Eine Depesche vom Dienstag Morgen meldete:
Stuttgart, 6. Oktober.
Der König Karl ist heute früh 6 Uhr 55 Minuten verschieden.
Die Königliche Familie war von Mitternacht bis zum Verscheiden des Königs um das Sterbelager versammelt. Auch der Ministerpräsident von Mittnacht war anwesend.
König Karl I. war am 6. März 1823 in Stuttgart geboren ist also 68 Jahre alt geworden. Zur Regierung kam er nach dem Tode seine- Vaters am 26. Juni 1864. Er war Chef des Greu.-Reg. König Karl Nr. 123, des Ul.-Reg. König Karl Nr. 19 und des Feld.-Art.-Reg. König Karl Nr. 13, des bayrischen 4. Jnf.-Reg., des preuß. Jnf.'Reg. v. Lützow (1. rhein.) Nr. 25, des russ. Drag.-Reg. Nr. 16 und des österr. Hus.» Reg. Nr. 6. Er hinterläßt seine Gemahlin Königin Olga, Großfürstin von Rußland (geb. 30. August 1822), Tochter des Kaisers Nikolaus von Rußland, und zwei Schwestern. Der Erbe des Württembergischen Thrones ist Prinz Wilhelm, geb. 25, Februar 1848, Enkel des Prinzen Paul, des Bruders des Vaters des verstorbenen KönigS Karl I. Der Nachfolger, König Wilhelm, ist in zweiter Ehe mit Charlotte, Prinzessin znSchaum- burg-Lchpe vermählt. Diese Ehe ist bisher kinderlos geblieben. AuS der ersten Ehe mit Marie, Prinzessin von Waldeck, hat König Wilhelm eine Tochter Prinzessin Pauline (geb. 19. Dezember Ib77). Sonst sind Nachkommen auS der Königlichen Linie des Hauses Württemberg nicht vorhanden.
Der verstorbene König Karl war 1866 ein Gegner Preußens, hat sich aber später Preußen mehr und mehr genähert und seit der Begründung des Reichs seine aufrichtige Bundestreue stets in hervorragendem Maße bewährt.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ktaub!
Roman auS der Gegenwart
von Zo« von Reuß.
(Fortsetzung.)
»Du bleibst sehr lange aus — immer!" sagte Lenchen, indem sie Claras Mantel zum Trocknen auSbreitete. »Du weißt doch, wie ich mich ängstige . . . .*
„Unsinn! UebrigenS wird das ®ef*8ft in dieser Zeit immer erst um neun Uhr geschloffen.*
Hermann Lange wollte widersprechen, aber er wagte es nicht. Seine Augen hingen voll Bewunderung an Claras Gestalt: sie war ihm die Verkörperung alles weiblichen Liebreizes.
»Wissen Sie schon, daß die Ballschuhe in dieser Wintersaison gleichfalls mit Blumen garnirt werden, Fräulein Clara?" frug der junge Schuh machermeister. „Ich würde glücklich sein, wenn' ich einige paar recht geschmackvoll garuirte Ballschuhe im Schaufenster ausstellen könnte . . . .*
„Wenn ich Ihnen einen Gefallen erzeige, Herr Petermann, werde ich Ihnen gern einige paar modern garnieren,* sagte Clara unbefangen. Erst das strahlende Gesicht ihres Verehrers schien sie über die hervorgerufenen Empfindungen desselben zu belehren. Das Wort war aber nicht unge- sprachen zu machen.
Lenchen hatte hausmütterlich einen Teller mit
Aepfeln und Nüssen herbeigebracht, und fing an, ihren Gästen einige Aepfel zu schälen. Clara ließ sich von ihren Verehrern die Nüsse aufknacken, um die Kerne mit ihren kleinen, festen, wie weiße Backsteine aneinandergereibten Zähnen zu zer- malmen. Dazu dehnte sie sich behaglich in ihrem Lehnstuhl, wie eine Prinzessin. Als man sich gegen elf Uhr trennte, war der Schuhmacher entschlossen, sie zu seiner Frau Meisterin zu machen. Eine schönere Frau, eine stattlichere Ladenverkäuferin und eine geschicktere Arbeiterin konnte er unmöglich finden.
'Hermann Lange ging noch bis Mitternacht in seinem Stübchen auf und ab. Auch er war zu einem Entschlüsse gekommen — ganz unmöglich konnte er sich von der Wohnung und von Clara trennen. Aber das Destc't in seiner Kasse? Wie es vermeiden? Halt, er würde sich einen Mitbewohner seiner Stube suchen. Wie um die Sache abzuthun, trat er noch einmal an den Schreibtisch, um ein Zeitungsiuserat aufzusetzen, das er gleich morgen in die Expedition des Tageblattes tragen wollte.
V.
Weihnachten und Neujahr waren vorüber, die Tage fingen an zu langen. Der Maschinendreher Friedrich Schmidt ging noch immer auf Freiers- füßen, da die Köchin in der Ankerapotheke, welcher er einen Heirathsantrag gemacht hatte, erklärte, nur einen Mann »mit einer Dienstmütze* zu
nehmen, unter welcher bevorzugten Menschenrasse sie bereits einen Freier in Aussicht habe. Frau Winkler, der der „Wurm" in der Wiege an's Herz wuchs, war es auch zufrieden, noch für einige Zeit das Haus zu versehen.
Lenchen hatte durch die zufällige Bekanntschaft mit der Kammerzofe einer adligen Familie ihre Kundschaft glücklich erweitert. Gegen Wind und Wetter wohlverwahrt, wanderte sie eines Morgens etwas bänglich nach einem villenartigen Hause der Promenadenstraße zur Arbeit.
»Die Gustel hat augenblicklich vollauf mit den Toiletten zu thun, deshalb mußten wir unS nach Hülfe umsehen,* sagte Frau von Horsten, nachdem sie nacheinander einen wahren Chimborasso von allerlei Näharbeiten für Lenchen aufgethürmt hatte. »Hier, diese Garnitur bitte ich zu verändern, auch muß die Schleppe an dem Moiree- kleide neu gefüttert werden. Wir haben uns doch verstanden, Fräuleins"
Lenchen verneigte sich zustimmend.
»Liebe Paula, möchtest Du nicht doch einmal Marschall-Niel-Rosen tragen?* wandte sich die Baronin au die rintretende Tochter. „Vielleicht zu der marineblauen Atlasrobe? Mir scheint die hübsche Verkäuferin in dem Blumengeschäft hatte nicht Unrecht mit ihrem Vorschläge . . .."
Baroneffe Paula schien in nervöser Morgen- Kimmung, und wenig gut gelaunt. Vielleicht hatte ihr ihr Spiegel heute Morgen schon eine Bußpredigt gehalten — von Abmageruug und