Beilage zur Nr. 113 des Kreisblatts.
Hersfeld, den 22. September. 1891.
Gaffel, 21. Sept. Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die K a i s e r i n unternahmen gestern Nachmittag 4 Uhr einen Ausflug in ein» fachem zweispännigen Hofwagen ohne Spitzenreiter und Begleitung nach Schloß WilhelmSthal durch die Fürstenallee und kehrten von dort über Harleshausen und Kirchditmold durch die Wilhelmsböher Allee um 6 Uhr zurück. Nach Wilhelmshöhe hatte schon vom frühen Morgen an von hier aus eine förmliche Völkerwanderung stattgefunden. Aber bei den ausgedehnten Ab- sperrungSmaßregeln, die sich bis beinahe nach den Cascade« erstreckten, war es nnr wenigen möglich, etwas von den kaiserlichen Prinzen, welche sich zuweilen auf dem Rasen tummelten und mit ihrem großen Hund, einem Geschenk der Königin von England, spielten, zu sehen. Das Spielen der Kunstwaffer verfolgten die Majestäten vom Schloß aus. Hochdieselben wurden eigentlich vom großen Publikum nur bei der Ausfahrt nach Wilhelms- thal und der Rückkehr von dorther sichtbar, natürlich jedesmal mit jubelnden Hochrufen empfangen. Der Kaiser trug die GeneralS- interimSuuiform und die Kaiserin wieder wie beim Empfang Sr. Majestät ein weißes Cachemtrkleid mit gleichem Jaquet und einen weißen Hut mit hell- und dunkelrothen Rosen. Morgens hatten die Majestäten dem Gottesdienst in der Schloßkapelle beigewohnt. Heute früh 3/47 Uhr fuhr Se. Majestät der Kaiser mittels Sonderzuges von Station Wilhelmshöhe ab, um sich zu den Jagden nach Ostpreußen zu begeben. Die Kaiserin war bis zum Bahnhof mit dem Kaiser gefahren, wo die Majestäten auf das Herzlichste und Liebevollste von einander Abschied nahmen. (A. Z.) D] Frie-ewald, 22. September. Sonnabend Abend feierte der hiesige Gesangverein den Abschied des Herrn Lehrers Frank dahter. Der Verein hat seinem scheidenden Dirigenten als Beweis der Liebe und Aner
kennung einen schönen Ruhesessel zum Geschenk gemacht. Herrliche Stunden haben Dirigent und Sänger gemeinsam verbracht. Nur schade, daß es die letzten gewesen sind. Aber — wenn nun auch getrennt — Dirigent und Sänger werden immer vom Band der Liebe umschlungen bleiben.
Vermischtes.
— Dresden. Im ganzen Königreich Sachsen wird die hundertste Wiederkehr von Theodor K ö r n e r' s Geburtstag festlich begangen werden. Besonders aläuzend wird sich die Feier in Dresden, der Geburtsstadt des Dichters, gestalten. Durch den Rath der Stadt Frankenberg und die Bergakademie in Freiberg, welche Körner bekanntlich besucht hat, werden besondere Festakte vorbereitet.
— G ö r l i tz, 17. September. Die 45. Hauptversammlung ves Gustav- Adolf - Vereins wählte für die große Liebesgabe im Betrage von 18000 M- die Gemeinde Wangen in Württemberg. Zu Mitgliedern des Centralvor- standes wurden wieder bezw. neugewählt: Pastor Terlinden (Duisburg), Hofprediger D. Rogge (Potsdam), Ober-Konsistorialrath Bürger (München). Stadtpfarrer Müller (Hermannstadt) und Kousistorialrath Koch (Danzig).
— I ü t e r b o g, 18. September. Bei dem Garde-Fuß-Artillerieregiment, das gleich dem Fuß Artillerteregiment von Encke (Nr. 4) auf dem hiesigen Schießplatz zur Zeit Uebungen ab- hält, hat sich, der „Soff. Ztg." zufolge, gestern gegen Mittag ein entsetzliches Unglück zugetragen, bet welchem sechs Personen mehr oder weniger schwer verwundet wurden. Die Ladung eines im Panzerthurm befindlichen 5,3 Ceuttmeter-Geschützes (Kartätsche) versagte, man rief zur Entladung den Büchsenmacher, Waffenschmied Schmidt, und als dieser die nöthigen Manipulationen unternahm, explodirte die Kar
tätsche und verletzte dem Schmidt die rechte Hand, daß sie abgenommen werden mußte, die linke Hand, Brust und Schenkel; ferner wurden ein Major sehr schwer, ein Hauvtmann, zwei Kanoniere und ein Lazarethgehülfe verwundet. Sämmtliche Personen brächte man in das hiesige Garnisonlazareth; an dem Aufkommen des Schmidt wird gezweifelt.
— Ein prächtiges Jagdstückchen weiß das »Saarb. Wochenbl.-zu erzählen. Voll froher Hoffnung erwarteten zwei passionierte Nimrods am letzten Sonnabend die Eröffnung der Feldjagd. Punkt fünf Uhr ward ausgerüstet, in einer halben Stunde war man auf etgner Jagd, und nun ging es mit fröhlichem Jagen in den Morgen hinein. Eine volle Stunde, nichts regt und bewegt sich, der brave »Nero- stöbert nach allen Seiten, doch vergebens. Auf einmal erhebt sich ein starker Westwind; da, o Wunder, da streicht ein einzelnes Huhn auf. Ein wohl- gezielter Schuß. — und die Jagd ist mit einem guten Treffer eröffnet Aber nun das Unerhörte: der Nebenmann fühlte auf den Kopf, der Wind hatte ihm die Perücke entführt, und der Kamerad, dieselbe für ein großes Feldhuhn haltend, sie kaltblütig htngestreckt. »Nero- apportterte, wenn auch zwar mit einem verdutzten Gesicht, getreulich; die Perücke wurde, diesmal mit einigen Ventilationslöchern versehen wieder aufgesetzt. Die Freunde schauten sich gegenseitig an, reichen sich die Hand mit dem Versprechen, über die Eröffnung der Jaad tiefes Schweigen zu beobachten. Jedoch dem „Nero", der zwar schon an manches Jagd- stückchen gewöhnt war, ging dies über die Hutschnur, er lief in vollem Lauf in die Redaktion und verrieth das ganze Geheimnis.
— Barbier undBauer. Vor zwei oder drei Wochen rasierte ein Barbier in V^zierS einen Bauer. Der Bauer erzählte dabei, daß auf seinem Gute durchaus kein Mangel an Mäusen sei. „Haben Sie zuviel von diesen Thieren?" —