Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

MonnementspreiS: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postaufschlag.

Die Jnsertion«gebühren betragen für dm Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Auftrögen entsprechender Rabatt.

Hklsstliikl Kreisblatt.

__________Mit wöchentlicher Kratis BeilageIllukrirtes Anterhaltungsölatt".__________

Nr. 113.' Dienstag den 22. September 1891.

Dam«b-KMiq.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal er» scheinende

Hersfelder Kretsstlatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllnstrirtes Unterhaltungs-Blatt"

Wir bitten, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das- »Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra­tis-Beilage »Jllnstrirtes Unterhaltungs- blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

3WT Jnseratestnde« zweckentsprechende Verbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 19. September 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstäude, welche mit Einreichung der Klassensteuer-Zu- und Abgangs- liste der Stufen 3 bis 12 bezw. der Zugangsliste der Stufen 1 und 2 pro I. Halbjahr 1891/92 an die Königliche Steuerkasse im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 23. d. Mts. bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe von 3 M a r k erinnert.

9676. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Nachvarskinder.

Novelle von H. Warring.

»Ihr seid ein kluger Mann, Kalgies! Die Sache wird sich rentieren!* sagte einer der Bade­gäste. »Die Städterinnen haben einen gebildeten Geschmack, sie wissen einen Fährmann, wie Euren Endrick, zu schätzen. Gebt Acht 1 Gleich morgen habt Ihr die ganze Damenwelt deß OrtS in Eurem Hause! ES sind gewaltig Hübsche da­runter der Endrick mag sich vorsehen !*

Die Maricke stand neben ihrem Vater und starrte den Herrn, der so gesprochen, mit großen Augen au. Ich sah, wie ihre Brust sich rasch hob und senkte, alS würde ihr das Athmen schwer. Ihre Finger zupften ungeduldig an Schürze und Jäckchen herum. In diesem Augen- blicke legte der Kutter am Stege an und wurde von den Anwesenden mit einem lauten Hurrah begrüßt. Der Endrick stand hoch auf Deck und schwenkte seine Mütze über dem braunen Locken- kopf. Plötzlich wandte die Maricke sich ab und lief die Strandhöhe hinauf. Einige der Herren lachten ihr nach, denn es sah komisch aus, wie sie im tiefen Sand abrutschte und sich doch so hastig vorwärts arbeitete, daß ihr Zopf hin und her pendelte. Aber sie, der sonst eine kecke Erwiderung nie fehlte, blickte nicht zurück. Sie I. 6^agt vorwärts und verschwand in der Thür ihres Hauses. Auch der Alte wartete

Wolitische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser wird bis heute, Montag, in Wilhelmshöhe bei Cassel verbleiben und dann nach Stettin reisen, um dort die Taufe des neuen Panzerschiffes persönlich zu vollziehen.

Der »Retchsanzetger* veröffentlicht die Ein­nahmen an Zöllen und Verbrauchs­steuern vom 1. April bis zum Schluß des August d. J. Dieselben betrugen 203 918 734 Mark, gegen denselben Zeitraum des Vorjahres um 4 745 894 Mark weniger. Die zur Reichskasse gelangte Ist-Einnahme betrug abzüglich der Ausfuhr-Vergütungen und Verwaltungs-Kosten 263 782 822 Mark, gegen das Vorjahr 235 729 Mark weniger.

Das Gesetz, betreffend die Beförderung der Errichtung von Rentengütern, findet bei den Laudwirthen nicht nur Anklang, sondern auch bereits praktische Anwendung. Wie die Frankfurter »Oder-Zeitung* berichtet, find bei der dortigen Königlichen Generalkommisfiou be­reits fünf Anträge aus Zertheilung größerer Güter in kleinere Rentengutsbesitzungen etuge- gangen.

Das 50jährige Jubiläum der Berlin-Anhalti- schen Eisenbahn giebt derD. Verk. Ztg." Ge­legenheit, an der Hand der Statistik einen Blick auf die Entwickelung des Eisenbahn­wesens zu werfen und zu zeigen, daß Ergebnisse erzielt worden sind, wie sie gewiß selbst die Vor­kämpfer dieses Verkehrsmittels vor einem halben Jahrhundert nicht vorauszusagen gewagt hätten. Im Jahre 1845 betrug die im Betrieb befindliche Schtenenlänge 2143 Kilom., im Jahre 1890 da­gegen 40920 Kilom. Für Gesammtdeutschland betrug zu derselben Zeit das Anlagekapital mehr als 10 Milliarden Mark. Die Zahl der Lokomo­tiven rund 13 000, der Peusonenwagen 24000 der Güterwagen 260 000, der Postwagen 1414, der

das Herankommen Endrick's nicht ab. Er stapfte seinem Kinde nach, ohne noch einen Blick rück­wärts zu werfen. Nur die Frau Jonat blieb zurück, um der Nachbarsfamilie ein paar freund­liche Worte zu sagen und Endrick wegen seines schönen BesitzeS zu beglückwünschen.

Den Juni hindurch hatten wir kühles Wetter mit scharfem Ost gehabt, so das auf Anrathen des Arztes die Mehrzahl der Badegäste die Bäder noch ausqesetzt hatte. Erst zu Beginn des Juli änderte sich das. Es wurde plötzlich und unver­mittelt drückend heiß. Die Sonne brannte her­nieder und durchglühte die leichtgebauten Häuser, daß Alles in8 Freie hinauSzva. Dicht an der Spülung hingelagert ließ man sich von dem linden Lufthauch fächeln, der über dem Wasser schwebte. Eine nicht zu überwindende Mattigteit lastete auf jeder Creatur es gehörte ein Sichaufraffen dazu, einige Worte zu sprechen. Da8 einzige Gesprächsthema bildeten Klagen über die Uner- träglichkeit der Hitze, und wie man früher nach sonnenwarmen, windstillen Tagen geseufzt hatte, so seufzte man jetzt nach einem Regenschauer oder einem abkühlenden Gewitter.

Und dieser Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Al8 ich an einem der nächsten Tage Morgens aus der Hausthür trat, bot sich mir ein eigen­thümlicher Anblick. Ein weißer feiner Nebel er- füllte die Luft. Er verhüllte nicht die Gegenstände, er verschleierte sie nur und ließ sie wie in weite Ferne gerückt, schattenhaft und undeutlich er­

reisenden Personen 376 Millionen, der beförderten Frachten 206 Millionen Tonnen. Die Gesammt- etnnadmen der preußischen Staatsbahnen beliefen sich 1889/90 auf rund 856 Millionen (in Deutsch­land auf 1168 Millionen). Die Beträge aber, um welche sich der Gebrauchswerth und der Tauschwerth des Volksvermögens durch die Ver- kehrsschaffeude Wirkung der Eisenbahnen vermehrst hat, die Summen, welche durch die Verbilligung der Frachten, durch die erleichterte ausgleichende Vertheilung der Wirthschaftserzeugniffe und -Be­dürfnisse gespart werden und dem Volkswohlstände zu Gute kommen, bewertheu sich auf Tausende von Millionen.

Im August d. J. wurden aus dem Chemnitzer Konsulatsbezirk nach Amerika nur für ca. 900 000 Mark Textilwaaren exportirt, gegen nahezu 2 Millionen im August des Vorjahres.

Die jetzige Zeit der Reserveuent- l a s s u n g und die der späteren Einstellung der Rekruten giebtVeranlassung, wieder auf einige wichtige Punkte des Gesetzes über die Jnvaliditäts- und Altersversiche­rung hinzuweisen, welche bisher praktisch noch nicht zur Geltung, wenigstens nicht in dem jetzigen Umfange, gekommen sind. Sie zu beachten, liegt, wie die »National-Ztg. zutreffend bemerkt, nicht nur im Interesse der Versicherungspflichtigen, sondern auch in dem der Arbeitgeber, welchen an dem Wvhle ihrer Mitarbeiter gelegen ist. Der R e s e r v i st , der jetzt des Kaisers Rock auszieht, wieder in das wirthschaftliche Leben eintritt und in diesem eine solche Stellung eiuuimmt, welche ihn nach Lohn und Gehalt oder Art der Be­schäftigung gesetzlich zum Versicherungspflichtigen macht, soll sich im eigensten Interesse sofort an seinem neuen oder seinem letzten nicht militairischen Wohnort von der unteren Verwaltungsbehörde seine jetzt beendete Milttairdteustzeit bescheinigen laffen und sich eine Quittungskarte beschaffen.

scheinen. Die See war seltsam still, als lausche sie in schweigender Erwartung irgend einem Ereignisse entgegen. Die Bäume auf der Höhe standen regungslos, kein Lüftchen bewegte sich im weiten Raum. Trotzdem aber begannen die Nebelschleier sich zu bewegen, sie kamen ins Wallen und ballten sich zu großen, lockeren, flockigen Gebilden zusammen. Und am fernen Horizonte, da, wo See und Himmel ineinander flossen, klaffte plötzlich ein weiter Spalt auseiu- ander und daraus brach ein gelbes, strahlenloses Licht hervor. Darunter aber zeigte sich eine dunkelgraue, scharfgezackte Wolkenwand, wie ein von einer Rieseohaud zufammeugeworsener Trümmerhaufe.

»Das giebt heute böS Wetter!* rief eine Stimme hinter mir. Und Endrick, die Mütze lüftend, sprang die Anhöhe hinab dem Stege zu. Ich blieb noch ein paar Minuten stehen und sah, wie der junge Mann die Taue untersuchte, die seinen Kutter am Stege festhielten. Ich sah, wie er die Luken über das Glasdach der Kajüte legte, nachdem er Segel und Tauwerk darin geborgen. Dann kam er erhitzt und athemloS wieder die Strandhöhe herauf.

Bekommen wir Sturm?" fragte ich.

Es sieht so aus, und ich mein', er wird nicht lang auf sich warten lassen. Wir wollen noch versuchen, unsere letzten Fuder Heu einzu- bringen, ehe eS loSbricht."

Ein paar Minuten später sah ich ihn zu Feld