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Hersstliiel Kreisblatt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Wuterhaltungsölatt".__________

Nr. 111. Donnerstag den 17. September 189L

Amtliches.

Hersfeld, den 11. September 1891.

Die Geschäftsbücher-Fabrik von J. C. König u. Ebhardtzu Hannover hat ein Sammelbuch der Bescheinigungen über die Endzahlen der Quittungs­Karten angefertigt und offerirt dasselbe für 35 Pfg. ohne Futteral und 45 Pfg. mit Futteral.

Das Buch ist solid hergestellt, enthält gleichzeitig eine Anleitung zur Berechnung der Invaliden- und Altersrente und erscheint von praktischem Werth für jeden Versicherten, weshalb die An­schaffung empfohlen wird.

9389. Der Königliche Landratb

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. September 1891.

Für den am 2. Dezember 1873 zu Mengshau- sen geborenen Schneider Johannes Fraueu- b e r g e r ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

9445. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 14. September 1891. ' Die Herren Bürgermeister und Gemeinde- Rechnungsführer werden ersucht, das Loosholzgeld für 1891/92 bis zum 25. d. Mts. zur unterzeich­neten Kasse sämmtlich einzuzahlen.

Königliche Forstkaffe. Hecker, Rentmeister.

Einladung.

Zu der am Montag den 21. d. Mts. in Weidenhain stattfindenden

Lehrer-Conferen;

werden hiermit die Herrn Lokalschuliuspectoren und Herrn Lehrer ergebenst eingeladen.

Die Oberschulinspection Hersfeld II.

Wotitische Wachrichten.

Bet dem Festmahl deS hessischen Kommunal-Landtages am Freitag Abend im Orangerieschlosse zu Cafsel brächte, wie schon in dem Berichte über dasselbe gesagt worden, Se. Majestät der Kaiser und König nach der Rede des Vorsitzenden des Landesaus- schuffes, Vice-Marschalls der althessischen Ritter­schaft, Kammerherrn von der Malsburg, einen Trinkspruch aus, besten Wortlaut nunmehr vorliegt:

Im Namen der Kaiserin und in meinem Namen danke Ich für die freundlichen Worte und für den liebenswürdigen Empfang, der Uns zu Theil geworden ist.

Aus Münchens Gefilden hergekommen, wo Ich den bayerischen Heerbann besichtigte und vom bay­erischen Volk mit inniger Liebe und Treue aus­genommen worden bin, bin Ich jetzt hier zur Stelle, um die stahlbewährten Söhne des Hessenlandes einer Bestchrigang zu unterziehen. ES wird wohl Niemandem von Ihnen wunderbar erscheinen, wenn Mich beim Betreten des Caffeler Bodens eigenthümliche Gefühle bewegen. Wenn Ich an meine Jugendzeit zurückdenke, von der Ich 21/, glückliche Jahre hier verleben durfte, so er­hebt sich in inniger Verbindung mit diesen Jugend­erinnerungen vor mir zunächst das Bild Meines verewigten Herrn Vaters, in besten Stäbe es mir vergönnt war, den Einzug der Hessischen Regi­menter in Eaffel im Jahre 1871 zu erleben. Das war das erste Mal, wo Ich in Cassel ge­wesen bin. Der Einzug hat auf Mich einen tiefen Eindruck gemacht mit dem Jubel der Be­völkerung über die heimkehrenden Streiter, mit dem Jubel über den wieder auferstaudenen Deutschen Kaiser und das Deutsche Reich.

Seit Meiner Schulzeit sind fünfzehn Jahre verfloffen und auf jene Zeit ist nunmehr eine

Zeit schwerer Verantwortung gefolgt, die Gott der Herr auf Meine Schultern gelegt hat. Die stille Arbeit, die ich hier habe vollführen können, hat Früchte gezeitigt, von denen Ich hoffe, daß sie zum Wohl Meines Volkes gereichen werden.

Auf den Bahnen, die meine Vorgänger beschrit- ten, bin auch Ich entschloffen zu wandeln.

Ebenso wie für Mein altes Preußen schlägt Mein Herz warm auch für das Hessenvolk, und Ich versichere die Provinz Meiner Kaiserlichen Halb und Gnade. Ich spreche dabei zugleich die Hoffnung aus, daß die Provinz auch Mir in Meinem schweren Kampf und bei Meinen schweren Arbeiten helfend und thätig zur Seite stehen möge, ebenso in der Arbeit im Innern, wie die kampfbereiten Söhne zum Schutz deS Friedens nach Außen.

Und so erhebe ich denn Mein Glas und trinke es auf das Wohl der Provinz und ihrer Ver­treter: sie leben hoch! hoch! hoch!

Der am Sorma^nd anläßlich des Parade­diners von Sr. Majestät dem Kaiser ausgebrachte Trinkspruch lautete:

»Meinen Trinkspruch auf das Wohl des Armee­korps beginne Ich mit dem Ausdruck Meines herzlichen Dankes an alle Meine erlauchten Vettern dafür, daß sie hergekommen find, um an der Spitze ihrer Regimenter die Parade mit- zumachen und dadurch derselben die erhöhte Weihe zu geben.

Den guten Traditionen, die das Korps auf den Schlachtfeldern in jedem Treffen stets aufzu- weisen gehabt hat, folgend, wird es, wie Ich vertraue, nach wie vor in allen Vorfällen stets zu Meiner Zufriedenheit sich bewähren im Kriege und im Frieden.

Ich erhebe das Glas und trinke auf das Wohl des XL Armeekorps und seines Komman- direnden: sie leben hoch! und nochmals hoch! - und zum dritten Male hoch!

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Nachbarskinder.

Novelle von H. War ring.

(Fortsetzung.)

Am liebsten aber begleitete die Kleine ihren Vater zum Fischfang auf See und sie jauchzte vor Luft, wenn die Wellen hoch gingen und die Boote am Stege heftig auf- und niederschwankten. Der Mutter, die dann besorgt wehren wollte, lachte sie alle Sorgen vom Herzen und wußte stets ihre Einwilligung zu erschmeicheln.

»Die hätt' ein Jung' werden sollen!" sagte die Frau seufzend, als wir dem Dirnchen eines Tages ? nachschauten, wie es, die Jacke wie ein Bube über die Schulter geworfen, die schweren Ruder hinter - sich herschleifend, das Röckchen geschürzt und kleine ' Schäftenstiefel an den Füßen, dem Vater voraus dem Strande zutrabte.

»Jawohl, das hätt' sie sollen," sagte der Mann, der eben aus dem Hause getreten war und die Worte seiner Frau gehört hatte, »wär die ein Jung', dann möcht' Manches anders sein! Die macht' dem dort schon den Daumen anf's Aug' drucken!" Er deutete mit einer Kopfbewegung nach rechts hinüber, wo dasHaus des Nachbars Kalgies aus dem Tannicht hervorblickte.

i v 3° Vater, was hast Du heut wieder, laß | °en Kalgies doch gehn wie er will!" sagte die 1 Frau beschwichtigend.

"Muß ich auch! Aber ich wünscht', ich könnt'

dem Kerl mal einen Riegel vorschieben, daß er nicht Alles an sich reißt!"

»Na, was hat er denn wieder gethan?"

»Um das Ausschankrecht ist er eingekommen, und hat es erhalten! Und gerad muß er es thun, wie ich dran gedacht hab! Du mußt auf'sLavd- rathsamt gehen, hab' ich mir gesagt, und über die Sach' sprechen, hab' ich mir gesagt, denn zur Sommerzeit, wenn die Stadtlent durch den Wald spazieren, kann das einen guten Groschen ein« bringen. Und gerad', wie ich mir das Ding so recht überlegt hab', da hat der Mensch dort schon das Ganze in der Tasche!" Die Frau schien eine Antwort auf der Lippe zu haben, aber sie unter­drückte sie und sagte ablenkend:

»Nimmst Du die Maricke wieder mit, Vater?"

»Na freilich! Sie geht mir bester zur Hand, wie der alte Hinrich, ich kann ohne sie nicht fertig werden."

»Aber, Vater, was soll draus werden? Sie geht in das dreizehnte Jahr, da ist doch Zeit, daß sie auch Frauenarbeit lernt."

»Ach laß sie man! Das kommt, wenn sie älter wird! Und mit dem alten Hinrich allein geht das nicht mehr. Die Dtrn ist flink und stark wie der beste Jung!"

»Aber Vater."

»Na soll Jener mir auch damit noch über- kommen!" rief der Mann ungeduldig und warf einen düsteren Blick auf das Haus des Nachbars. Dann ging er wuchtigen Schrittes zum Strande

biaab und bald sahen wir ihn mit Knecht und Tochter in See stechen.

Daß die Beziehungen zwischen den beiden Nach­barhäusern nicht mehr die alten, freundschaftlichen waren, hatte ich schon lange gemerkt. Aber da meine Wirthe nicht davon sprachen, so hatte auch ich geschwiegen. Nach dieser Scene aber hielt die Frau sich nicht länger zurück. Sie hatte schon lange den Kammer über den ungerechten Haß ihres Mannes in ihrer Seele herumgetragen, letzt drängte er sich über ihre Lippen.

»Er vergällt sich selbst sein Leben," klagte sie, »und löani* doch zufrieden sein mit dem, was wir haben! Denn wenn es auch oft knapp bei uns ist, gehungert haben wir noch nie! Er kann aber nicht vergessen, daß wir einmal reicher waren, als die Kalgies. Die sind heraufgekommen in letzter Zeit, das muß wahr sein! Aber ich gönn' es ihnen, denn sie haben es sich sauer werden lassen. Die Frau ist tüchtig, und der Mann hat einen findigen, anschlägigen Kovf! Zuerst kam die Ge- schichte mit dem Chausseebau. Da hatte der Kalgies die Steinfuhren accordirt und hat sie ansgeführt, obgleich er sich die Pferde mit ge- liehenem Geld hat kaufen müssen. Tag und Nacht hat er sich nicht Ruhe gegönnt und er hat es gezwungen und einen hübschen Profit gemacht. »Das hätt' ich auch haben können, aber er hat eS mir vorweg genommen," hat mein Alter gesagt. Und ihm widersprechen lohnt nicht, dann steift er sich immer ärger auf die Sach'. Dann kam das