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ersseliiel KreisIilM

Mit wöchentlicher Kratis-MeilageJllustrirtes Anterhaltungsblatt".

Nr. 110.

Dienstag den 15. September

189L

Amtliches.

Hersfeld, den 14. September 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfüguna vom 14. August cr. Nr. 8179, Kreisblatt Nr. 99, ge­werbliche Anlagen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 18. d. M t s. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.

8179. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Kaisertage in Lasset.

Se. Majestät der Kais ^r traf am Freitag Abend 8 Uhr in Caffel ein und wurde von Ihrer Majestät der Kaiserin und den Fürstlichkeiten auf dem Bahnhof empfangen. Die Ehrenkompagnie, welche von dem Infanterie-Regiment Nr. 32 ge­stellt war, war mit Fahne und Musik, sowie den direkten Korgefetzten bis zum kommandtrenden General und allen Generalen und Stasoffizieren, sowie allen zur Zeit in Cassel anwesenden Offi­zieren auf dem Bahnhöfe zugegen. Nachdem Se. Majestät der Kaiser Ihre Majestät die Kaiserin begrüßt und die Aufstellung der Generale, sowie die Front der Ehrenwache abgeschritten hatte, fand auf dem Bahnhofplatze der Vorbeimarsch der Ehrenwache statt. Hierauf begaben sich Ihre Majestäten im offenen vierspännigen Wagen in die Stadt, von einer Eskadron des Husaren- RegimentS Landgraf Friedrich II. von Hessen- Homburg (2. Hessischen) Nr. 14 eskortirt. An der Ehrenpforte an der Museumsstraße wurden Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von dem Ober-Bürgermeister Weise an der Spitze der städtischen Behörden empfangen und mit einer Anrede begrüßt. Die Tochter des Ober-Bürger- metsters überreichte Ihrer Majestät der Kaiserin einen Blumenstrauß. Se. Majestät der Kaiser

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Nachbarskinder.

Novelle von H. Warring.

Ich habe sie kennen gelernt, als sie noch Kind war ein kleines, sonnenverbranntes, barfüßiges Ding von etwa drei Jahren. Als ich sie das erste Mal sah, saß sie in einem kleinen, augen­scheinlich von ungeübter Hand gefertigten Wägel­chen, plump und schwer wie ein Kartoffelkasten, auf grob zugeschnittenen Holzrädern laufend, deren Rundung zu wünschen übrig ließ. Das Ding stieß und rüttelte so gewaltig und warf die kleine Insassin so unbarmherzig bin und her, daß ich hinzutrat und den etwa sieben- oder achtjährigen Jungen, der sich davor gespannt hatte, zu er­mähnen, mit seiner kleinen Dame glimpflicher umzugehen. Als ich indeß in das von Lust und Freude verklärte Gesichtchen des kleinen Geschöpfes sah, schwieg ich. Je rascher der Junge lief und le toller die Kleine zusammenaerüttelt wurde, desto lauter jauchzte und lachte sie.

»Die Raye verträgt etwas,- dachte ich lächelnd und blickte dem Paare nach. Jedes der blonden Härchen des Kindes zitterte im Sonnenlicht, die kleinen Hände hatten sich fest um die Seiten- wände des Kastens geklammert, und das helle Sümmchen tönte lachend zu mir zurück, als sie so vor mir her die Lindenallee herabrasselten

gab seiner Freude über den festlichen Empfang Ausdruck. Sodann erfolgte unter Glockengeläute und unter jubelnden Zurufen der zahllosen Menge die Weiterfahrt durch die großartig illuminirten und beflaggten Straßen der Stadt. Vom Friedrichs- Platz durch die Aue bis zum Orangerieschloß bildeten die Turner, die Mitglieder hiesiger Ver­eine und Korporationen sowie Soldaten Spalier.

Bet dem von dem hessischen Kommunallandtage zu Ehren Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin im Orangerteschloß veranstalteten Fest­mahl begrüßte der Vicemarschall der Althessischen Ritterschaft, Freiherr von der Malsburg, Ihre Majestäten mit folgenden Worten:

Allerdurchlauchttgster, Allergnädigster Kaiser und König! Allerdurchlauchtigste, Allergnädtgste Kaiserin und Königin! Eure Kaiserlichen und Königlichen Majestäten wollen den unterthänigsten Dank dafür entgegennehmen, daß Allerböchstdie- selben der Einladung der hessischen Stände in Gnaden entsprochen und ihnen damit Gelegenheit geboten haben, Eueren Majestäten ib'- Huldigung zu Füßen zu legen. Uus-re SantK zeit gegen Se. Majestät unseren Allergnädigsten Kaiser ist um so größer, als uns bekannt ist, mit welcher Fülle von persönlichen Mühen und Anstrengungen es Allerhöchstderselbe nur ermöglicht hat, unserer unterthänigsten Bitte zu willfahren, und glauben wir darin ein besonderes Zeichen dafür erblicken zu dürfen, daß Euere Majestät dem Bezirk, der in früheren Jahren die hohe Ehre genoß, Aller- Höchstdieselben in seinen Grenzen zu beherbergen, eine gnädige Erinnerung bewahrt haben. Nicht minder gebührt unser ehrfurchtsvoller Dank Ihrer Majestät unserer Allergnädigsten Kaiserin; denn wir sind uns dessen bewußt, daß ohne Ihre An­wesenheit diesem Feste die höchste Weihe gefehlt haben würde. Eure Majestät schenken die Ehre Ihres Besuches heute einem Bezirke, der erst seit einem Vierteljahrhundert ein Glied der großen preußischen Monarchie bildet, und mit demselben deswegen noch nicht durch diejenigen Traditionen

und in den Schattenwegen der Plantage ver­schwanden.

Als ich von meinem Spaziergange zurück kam, traf ich sie noch einmal. Der Junge schien mich von unserer ersten Begegnung her für eine gute Bekannte zu halten. Er blieb stehen und zog seine kleine rothumrandete Soldatenmütze. Darauf betrachtete ich ihn mir genauer: ein hübscher, schlanker Junge mit braunem Gesicht, braunen Augen und braunem, lockigen Haar/

Fährst Du Dein Schwesterchen spazieren?" fragte ich.

Das ist nicht meine Schwester," sagte er und lachte mich an, wobei seine weißen Zähne den einzigen Hellen Punkt in seinem dunkelen Gesichte bildeten,das ist die Maricke Jonat."

Und wie heißt Du?"

Endrick Kalgies dem Fischerwirth Audrees Kalgies seiner."

Hast Du den Wagen gemacht?"

Ja," sagte er stolz. Aber nach einigem Zaudern, während welchem Wahrheits- und Eigenliebe augenscheinlich im Kampfe gelegen, setzte er ehrlich hinzu:nicht allein, der alte Hinrich hat mir geholfen."

Hi, ht!" rief die Kleine ungeduldig,lauf, Endrick, lauf!"

Und die Equipage setzte sich wieder in Bewegung.

Ein paar Wochen später machte ich auch die

verbunden sein kann, welche sich seit Jahrhunderten als ein festes Band um die meisten anderen Provinzen geschlungen haben. Aber in diesen für staatliche Neubildungen kurzem Zeitraum von noch nicht einem Menschenalter sind so schwer­wiegende Ereignisse, und ist so vieles, in das Volksleben tief Einschneidendes gefallen, daß sich unser sonst am Alten gern festhalteuder Volks­stamm diesen Einflüssen nicht entziehen konnte und sich verhältnißmäßig schnell in die größere Familie eingelebt hat, der er durch den Glanz der geschicht­lichen Verhältnisse einverleibt ist. Von höchster Bedeutung darin ist gewesen der große Krieg, der die einzelnen Stämme in früher ungeahnter Weise einander genähert hat, die Wiederauf- richtung des deutschen Kaiserreichs, ferner aber auch der Erlaß vieler das materielle Wohl der Bevölkerung fördernder Gesetze; vor Allem nenne ich jedoch als dea eigentlichen ausschlaggebenden Faktor das feste Vertrauen, welches unser hessisches Volk zu seinen Kaisern und Königen faßte, da es sah, wie unablässig dieselben das Wohl des ihnen von Gott anvertrauten Volkes auf dem Herzen trugen, uno wie deren ständiges Strebe« nur dahin zielte, dem Vaterlaude die höchsten Segnungen, namentlich auch diejenigen des äußeren und inneren Friedens zuzuführen und zu erhalten. Aus dieser Erkenntniß heraus hat sich die treue Anhänglichkeit gegen das kaiserliche und königliche Haus entwickelt, welche sich in die hessischen Herzen bereits tief eingegraben hat, und die heute hinter keiner anderen Provinz mehr zurücksteht. Diesen Gefühlen der Treue und Ergebenheit Ausdruck geben zu dürfen, ist den hessischen Ständen ein Bedürfniß gewesen, und sind sie Eueren Majestäten daher zu besonderem Danke verpflichtet, daß ihnen Gelegenheit geworden ist, dieselben hier auS- sprechen zu können. So erhebe ich denn mein Glas und rufe aus:Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser und König, Ihre Majestät unsere allergnädigste Kaiserin und Königin und das ganze Kaiserliche undKöntgliche Hauslebehoch!

Bekanntschaft ihrer Familie. ES geschah dieS bei Gelegenheit eines StapellaufeS. Einer der Fischerwirtbe des Dorfes das zur Sommer­zeit einen Badeort vorstellte, das aber eigentlich nichts anderes als ein Fischerdorf mit einigen städtisch aussehenden Häusern war hatte sich einen kleinen Kutter gebaut, der von Stapel laufen sollte. Dieses Schauspiel hatte einen Theil der Badegäste am Strande versammelt. Auch ich war hingegangen und sah von der Dünenhöhe auf die geschäftigen Menschen hinab. Mit aller Kraft schob eine Schaar von Männern an dem Fahrzeug, und es erschreckte mich fast, als ich unter den rüstigen Gestalten plötzlich jenes kleine blondköpfige Ding gewahrte, das seine winzigen Händchen gleichfalls angestemmt hatte und mit großer Anstrengung gleich den Andern schob und rückte. Sie mußte wohl allgemeiner Liebling sein, denn sie hatte sich einer gewissen Rücksicht- nähme zu erfreuen. Man hatte ihr am Vorder- theil ein winziges Plätzchen freigelaffen, woran sie ihre Kraft üben konnte. Der Kutter bewegte sich ruckweise vorwärts, und so tapfer stemmte sich die Kleine dagegen, daß sie bei jedem Ruck das Gleichgewicht verlor und sich kräftta in den Sand setzte. Ein lautes Gelächter aller Um­stehenden begleitete dieses sich immer wieder­holende Geschehniß. Die Kleine aber ließ sich dadurch nicht stören. Sie raffte sich rasch und