unter den Augen des obersten Kriegsherrn und vieler berufener Heerführer gegen einander auftreten. Innerhalb beider Armeekorps — bekanntlich des vierten und elften — wird eine Dreitheilung stattfinden, und zwar dergestalt, daß dem schon in gewöhnlichen Zeiten aus drei Divisionen — 21., 22. und 25. — bestehenden 11. Armeekorps, das 4. Armeekorps, gleichfalls in einer Stärke von drei Divisionen — 7. und 8. und Reservedivision — gegenübertreten und nachher mit dem ersteren gemeinsam gegen ein zusammengestelltes Armeekorps fechten wird. Man will an der Aufstellung einer Reservedivision prüfen, wie sich diese ganz wie im Mobilmachungsfall wenige Tage vor Beginn der Uebungen gebildete Truppe, die ausschließlich aus Reserve- und Landwehrmannschaften 1. Aufgebotes bestehen wird, in Bezug auf militärische Anforderungen und Ertragung von Strapazen bewähren wird. Ein weiteres charakteristisches Gepräge werden die thüringischen Kaisermanöver durch die große Kavalleriemasse, welche zu ihnen herangezogen wird, erhalten. Nicht weniger wie 18 Kavallerie-Regimenter mit 85 Eskadron und circa 8000 Pferden werden sich in dem Gelände westlich und nordwestlich ErsurtS tummeln. Die 18 Regimenter kommen dergestalt zur Verwendung, daß je drei Regimenter jedem Armeekorps zugetheilt. während auS den übrigen 12 Regimentern zwei Kavallerie-Divisionen — A u. B — formirt sind. Von diesen Reitermassen wird besonders an den beiden ersten Tagen der Operationen — dem 15. und 16. September — der AufklärungSdienst in großem Maßstabe zur Uebung kommen. Die Operationen der drei Hauptmanövertage — dem 17., 18., und 19. September — werden streng kriegS- mäßig und nach ganz allgemeinen Dispositionen gehalten sein. Die Zeiteintheilung ist folgende: Sonnabend, 12. September: Parade des 11. Armeekorps bei Niederzwehren unweit Cassel. Sonntag den 13. September: FeldgotteSdienst von Deputationen der Truppentheile des 11. Armeekorps auf dem Bowlinggreen in Cassel. Montag, 14. September: Parade des 4. Armeekorps bei Gamstedt südwestlich von Erfurt. Dienstag, 15. Sept.: KorpSmanöver des 4. Armeekorps in zwei Parteien nordwestlich von Erfurt. Mittwoch, 16. Sep.: Kriegsmarsch des 4. Armeekorps in der Richtung aus Cassel, wohin schon am Tage vorher die Kavallerie-Division A aufklärend vorgegangen. Das 11. Armeekorps führt während dieser Tage — also am 14., 15. und 16. September — von Cassel heranrückend gleichfalls KriegSmärsche in der Richtung auf Erfurt aus, die ihm beigegebene Kavallerie- Division B zur Aufsuchung des Feindes an der Tste. Donnerstag, 17., und Freitag, 18. September: Manöver des 4. und 11. Armeekorps gegen einander in dem Gelände bei Langensalza und Mühlheim i. Th. Sonnabend, 19 Sep.: Manöver des zu einer Armee formirten 4. und 11. Armeekorps gegen ein zusammengestelltes Armeekorps. Am 17., 18. und 19. September wird eS aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen den beiden Armeekorps in der Nähe von Langensalza und Mühlhausen zu großartigen Gefechten kommen.
Hünfeld, 21 Aug. Gestern Vormittag stürzte Herr Hauptmanu des B a r r e s von der 1. Kompagnie des in unserer Umgebung übenden Jufanterie-Regiments Nr. 80 vom Pferde und erlitt eine Quetschung der Seite und einen Rippen- bruch, so daß dessen Ueberführung in die Garnison Wiesbaden erfolgen mußte.
Fulda, 21. August. Die Einführung unseres bisherigen Landraths Herrn bon Trott zu Solz in sein neues Amt als Präsident des Koa- sistortums zu Cassel wird nächsten Dienstag den d. M. erfolgen.
Treysa, 23. August. Der Amtsscribent Joh. Kümmel, 24 Jahre alt, war bei seinen Eltern in seiner Heimath Ascherode von Schmalkalden aus zu Besuch. Bei seiner heute beabsichtigten Rückreise wurde er, als er bereits in den Eisen- dahnzug hier in Treysa eingestiegen war, derart unwohl, daß er seine Reise aufgeben mußte und mittelst einer Chaise nach Hause gefahren wurde, woselbst er nach «bn Minuten verschied.
Cassel, 20. August. Auf der Strecke Halle- Cassel waren schon seit einiger Zeit Post«
biefe Bezeichnung gelocht und sie selber drollig gefunden; jetzt fühlte sie sich plötzlich als Mutter beleidigt und empfand die Nothwendigkeit, Ada Genugthuung zu verschaffen. Mit einem Wort, alle Umstände vereinigten sich über dem Haupte des leicht entzündlichen Randolf wie kleine graue Wölkchen, und ehr er es sich versah, schwebte das strafende Ungewitter über seinem Scheitel.
Frau Hulda feierte den sechzehnten Geburtstag ihrer Tochter Erna. Zum ersten Male wurde dieses Familienereigniß, das bisher nur ein Fest für die Schulfreundinnen Ernas gewesen war, durch ein solennes Souper gefeiert, zu dem auch Erwachsene geladen waren. Es befanden sich unter denselben ein paar junge Damen, zwei ältere Tanten, etliche jüngere Künstler und zwei Angestellte der Hofkunsthandlung, von denen einer das Kommando beim Contre übernehmen sollte. Lila befand sich unter den Eingeladeneu. Auch der Maler Königs war gebeten worden, doch hatte er abgesagt. Zum ersten Male erblickte Lila hier Randolfs Cousine Amanda: eine bleiche, junge Blondine mit ausdruckslosen Zügen, die von überstandenen Skropheln zeugten, und müden Augen, die nicht einmal durch das Bewußtsein, «ne reiche Partie zu sein, an Glanz gewannen. Noch eine zweite Marionette saß an der Fest- ^l: Herr Alois Lchuhardt, der Königliche Hof- kunsthändler, ein stiller sanfter Mann mit stark ergrautem Barte, der längst aufgehört hatte, im ^^vu seiner Gattin etwas zu bedeuten. Sein Gesicht hatte jenen weichen, unentschiedenen Aus
p a ck e t e abhanden gekommen. Gestern wurde als der Thäter ein Postschaffner in Halle in Haft genommen. In dem unten zugenähten Aermel seines an der Wand hängenden Mantels hatte sich bei vorgenommener Revision ein Postpacket vorgefunden, welches an einen Soldaten adressirt war und Geld, Cigarren rc. enthielt. Die weiter vorgenommenen Nachforschungen bet der Hallenser „Bravt" des Verhafteten — er hat nämlich auch in Cassel eine „Braut" gehabt — sollen eine Anzahl aus Postdiebstählen herrührender Gegenstände ergeben haben, welche der Verhaftete dem Mädchen zum Geschenk gemacht hat, ohne daß dies eine Ahnung davon hatte, auf welche Weise der Geber in den Besitz derselben gelangt war.
Cassel, 22. August. Gestern Abend ging eine in der Schäfergasse wohnhafte Arbeiterfrau mit ihrem Schwiegervater von Hanse, um Einkäufe zu besorgen. An der Ecke der Uns. Königsstraße und der Wolfhagerstraße stürzte sie plötzlich neben ihrem Begleiter, mit dem sie noch eben gesprochen, nieder und war eine Leiche. Etu Her- beigerufener Arzt stellte als Todesursache Herzschlag fest.
Cassel, 22. August. In einer der letzten Nächte wurde eine arge Schandthat verübt. Ein Sergeant des Thüringischen Ulanen-Regi- ments, welcher nebst mehreren Ulanen während der Zeit des auf dem Forst stattfindenden Exercterens der 22. Kavallerie-Brigade in einer hiesigen Wirthschaft einquartiert ist. machte Morgens die Entdeckung, daß seinem Pferde ein gefährlicher Messerstich in den Bauch beigebracht worden war. Trotz eifriger Bemühungen konnte man leider den Thäter bisher nicht ermitteln.
Cassel, 22. August. In den höheren Kommandos während der Manöver sind einige Veränderungen eingetreten- An Stelle des General- lieutenants v. K r o s t gk, der die 20 Division befehligt, kommandirt die Kavallerie-Exercitien in der Provinz Hessm-Nassan der Kommandeur der Garde-Kavallerte-Diviston Generallieutenant Edler v. d. P l a n i tz.
Cassel, 22. August. Gestern Morgen brach in dem benachbarten Dorfe Elgers h ausen ein großes Schadenfeuer aus, welchem bis Mittag schon 3 Häuser mit Neben- g e b ä u d e n zum Opfer gefallen sind.
Fritzlar, 19. August. Ja der heutigen Kreis- tagssitzung wurde der, seitherige kommissarische Landrath, Herr Regterüngs-Assessor Noeldechen mit 12 gegen 6 Stimmen zum Landrath für den Kreis Fritzlar gewählt.
Frankfurt a. M, 21. August. Heute Vormittag erfolgte die tadellose Inbetriebsetzung der Energieübertragung vonOffenbach a. M. nach der Elektrotechnischen Ausstellung mittelst des Lahmeyer'schen Gemischstrom-Um- formersystemS.
Vermischtes.
— Ja Recke in Westfalen fiel eine Frau, Mutter von elf Kindern, vom Erntewagen in eine Heugabel und wurde von den Zinken durchbohrt. Der Toa trat nach wenigen Minuten ein.
— Meißen. Als am Montag Nachmittag
druck, den eine überwiegend weibliche Umgebung bisweilen einem Manne verleiht. Es schien zu sagen: „Macht mit mir, was ihr wollt, ich habe ja doch nicht dreinzureden."
(Fortsetzung folgt.)
— München, 21. August. Der Sohn des hiesigen Prof. Obermaier ist vom Soünwendjoch abgestürzt und auf der Stelle todt geblieben
— (Vorsichtig.) Mutter (mehrere Töchter zu einem jungen Herrn): „Welche von meinen Töchtern gefällt Jhueu denn eigentlich am besten?"
— Herr: „Die Verheirathete."
— Ein Renommist. „Ja, ja, Leute, voriges Jahr war ich sehr krank!" — Was hast Du denn gehabt?" — Gehirnentzündung!" — Aber Mensch, renommir doch nicht so!'
— (Weisheitslehre eines alten Bierbrauers.) Ein gutes Bier brauen — das kann jeder; aber ein schlechtes brauen, das dock getrunken wird, das ist eine Kunst.
— (N u r d e u t l i ch.) In der Korporalschaft des Unterofficters Silbermann ist eine Wurst entwendet worden. Darob große Untersuchung vor dem Hauptmann. Derselbe fragt den Be- stohlenen, einen Kaufmann, der gleichzeitig den Geck der Kompagnie spielt: „Was ist Ihnen gestohlen worden?" — Der Bestohlene (geziert): „Eine Wuhrst, Herr Hauptmanu!" — Haupt- mann: — „Was?" — Unterofftcier Silbermann (einfallend): „Entschuldigen der Herr Hauptmann, er meint, eine Worscht!"
JhreKönigl. Hoheiten PrinzGeorg, Prinzeß Mathilde und die Prinzen Johann Georg und Albert eine Fußwanderung von Meißen elbabwärts beendet hatten, wurde nach der Dampfschiff-Station „Karpfeuschräuke" übergefahren. Der Fährknecht bitte nicht die geringste Ahnung, daß er Angehörige der sächsischen Königsfamilie übersetzen durfte. Unglücklicher Weise war gerade die Schaluppe frisch getheert worden. Ahnungslos hatten die hohen Herrschaften Platz genommen und erst als die Ueberfahrt beendet war, merkten sie, daß eine geheimnißvolle Kraft sie an den Sitzen festhielt. Nach einiger Anstrengung gelang zwar die Befreiung von dem Theer, die Kleidung der hohen Reisenden zeigte aber deutliche Spuren des gehabten Mißgeschickes. Nicht sehr erbaut darüber, betrachteten die Fahrgäste sich gegenseitig, als der Fährknecht, wie der „P. Anz." berichtet, im besten Sächsisch die Geschädigten mit den Worten beruhigte: „I. das is weiter nischt! Nähmen Se nur e Bissel Butter oder Pötroljum, da giehts gleich wieder raus, deswägen geht der Gurken- Handel furt!" Dieser Trost versetzte die Herrschaften in die heiterste Stimmung.
— München. Trotz des Regens tritt die Nonnenraupe jetzt auch in den Alpenberg- Wäldern bei Aibling, am Wendelstein, am Tegern- fee und am Starnb-rgersee verheerend auf.
— Chamounix. Der braunschweigische Großgrundbesitzer HermannRothe, welcher mit dem Grafen Favernay den Mont Blaue bestiegen hatte, wurde am Freitag beim Abstieg in einer Höhe von 3655 Metern mit dem Bergführer Michel Simond von einer Lawine in einen Gletscherspalt geschleudert; die übrigen Theilnehmer an der Expedition verdankten ihre Rettung nur dem Reißen des Seiles. Die Leichen der beiden Verunglückten sind bisher nicht aufgefnnbcn worden.
— Paris. Amtliche Meldungen aus Fort de France (Martinique) geben die Zahl der bei dem Orkan am 18. d. M. g e t ö d t e t e u Personen auf 218 an. Ein großer Theil der Bevölkerung ist ohne Obdach und ohne Lebensmittel. Die Verbindungen mit dem Inneren der Insel sind vi lfach gestört; man glaubt, daß sich nach dem Einlangen der von dort bis jetzt fehlenden Nachrichten die Zahl der Getödte- ten noch erhöhen werde.
— Shaughai. Nach den letzten am 21. Juli abgesaudteu Nachrichteu steigt der I a n g - tse-ktang noch immer. Die Landleute im Thale sind in große Noth gerathen, da das Waffer die Reisfelder meilenweit überschwemmt hat. Die Gewalt des Waffers war so groß, daß die aufgespsicherte Ernte früherer Jahre fortgeschwemmt wurde. Tritt der Fluß nicht bald zurück, so ist eine große Hungersnoth zu befürchten. Dazu kommt noch, daß starke Regengüsse den Reis weiter landeinwärts sehr beschädigt haben. In Foochow stieg der Strom so plötzlich und so schnell zur Nachtzeit, daß der Verlust an Menschenleben und Eigenthum größer war, als bei der Ueberschwemmung im letzten Winter. Ueber- schwemmungen kommen selten nach dem 12. Juni vor. Die Bevölkerung glaubte deshalb, daß die Gefahr vorüber sei, und war gänzlich unvorbereitet, als der reißende Strom sich über die Ebene ergoß. Die am Ufer stehenden Häuser wurden aus ihren Fundamenten gerissen und Menschen und Vieh fortgeschwemmt. Mehrere hundert Dschunken, welche im Flusse ankerten, wurden den Strom hinabgeführt und zerschellten an der steinernen Brücke tu der unteren Stadt. Die Mannschaften ertranken meistens. 80 Leichen, darunter 9 Frauen und 14 Kinder, sind an das Ufer gespült worden. Die Noth wird in diesen Distrikten groß werden, da die Ernte mißratheu ist und es au Arbeit fehlt.
Standesamtsbezirk Hersfeld.
Vom 1. bis einschl. 15. August 1891.
E b e s ch l i e ß u n g e n.
Am 1. H-inrich Adolf Dönicke, Gastwirth aus Nohra mit der Haushälterin Louise Marie Baur auS Ehringsdorf. Am 4. Johann Friedrich Steinweg, Bierbraucreibesitzcr mit Emma Elise Emilie Hcttler dahin. — 15. Conrad Baumaardt, Dienstknecht mit der Dienslmagd Elisabeth Möller dahicr.
Geburtsanzeigen.
Am 4. Wilhelm, des Fabrikarbeiters Wilhelm Wolfs S. Christian, des Fabrikarbeitcis Friedrich Stiel S. — 7. Heinrich Christian, des Fuhrmanns Georg Hermann Sicdemopf. S. — 8. Maria Clara, des Weißgerbers Johann Franz Pech.
T. — 9. Anna, des Tuchmachers Heinrich Salier T. — 10, Friedrich Karl, des Sattlers Friedrich Karl Müller S. — 11. Katharina, des Kupferschmieds Heinrich Gesing T. Amalie, der uiiverheirathetcn Fabrikarbeiterin Wilhelmine Herbst T. — 12. Friedrich Wilhelm, des Maurers Franz Stichert S. — 13. Anna Katharina, des WeißbinderS Johann Heinrich RieS T. zu Kalkobe«.
S t e r b e f ä l l e.
Am 4. Anna Katharina, Ehefrau des Weißbindergescllen Justus Braun, 29 Jahre 11 Monate alt. — 5. Elisabeth, T. deS Tuchmachers Friedrich Kühn, 1 Jahr 11 Monate alt.