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Hersstl-er Kreisblätt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Nuterhaltuugsblatt".
Nr. 96. Dmnerstag den 13. August 1891.
# Die Finanzlage des Reichs.
Wie jüngst bereits mitgethetlt, hat der Abschluß der Finanzverwaltung des Reichs in dem letzten Rechnungsjahre (1890/91) einen Ueberschuß von 15148201 Mark ergeben. Auch in dem voraufgegangenen Finanzjahr war ein Ueberschuß, der sich indeß nur auf 2347742 Mark belief, vorhanden. In den Vorjahren aber hatte, nachdem im Jahre 1882/83 sich zum letzten Mal ein Ueberschuß von 15 743000 Mark ergeben hatte, die Reichskaffe nur immer Fehlbeträge aufzu« weisen, und zwar 1883/84: 1740 000 Mark, 1884/85: 2 735 308 Mark, 1885/86: 17 500000 Mark, 1886/87 stieg der Fehlbetrag auf 22 352 000 Mark, 1887/88 auf 22 886 000 Mark und 1888/89 betrug er 20 384 000 Mark.
Wenn wir seit dem vorletzten Finanzjahr (1889/90) aus den Fehlbeträgen herausgekommen sind, so ist das in erster Linie auf die Reorganisation der Zuckersteuer zurückzuführen. Im Jahre 1888/89 ergab letztere noch eine Mindereinnahme von 24 Millionen Mark; in dem folgenden, dem ersten Ueberschußjahre war statt dessen eine Mehreinnahme von 682000 Mark zu buchen; das Finanzjahr 1890/91 hat hierfür sogar eine Mehreinnahme von 9 203 000 Mkrk ergeben: in erster Linie hat dies zu dem nicht unerheblichen Ueberschuß beigetragen. Nachdem durch das neue in der letzten Session berathene und angenommene Zuckersteuergesetz für die Reichskasse aus dieser Steuer noch wesentlich günstigere Bedingungen erzielt worden, ist für die späteren Jahre, zumal wenn erst die offene Prämie ganz in Wegfall gekommen sein wird, hoffentlich noch ein größerer Ertrag, der für die gesteigerten Bedürfnisse des Reichs nicht zu entbehren sein wird, zu erwarten.
Das Mehr, welches die Zuckersteuer im Jahre 1890/91 im Betrage von 9 203 000 Mark ergeben hat, ist freilich durch den Minderertrag der Maischbottich- und Branntweinmate-
Einfache Kente.
Novelle von August Scholz.
(Fortsetzung.)
Die Erwähnung des Büreaus machte die Taute ärgerlich. Um Lila ihr unwillig erregtes Gesicht nicht zu zeigen, stand sie auf und suchte die Scheere. Als sie an dem weißen Kachelofen vorüberkam, strich sie mit der Hand über denselben hin.
»Schon wieder falt!* rief sie fast heftig. Die Aufwärterin, welche Frau Langner für die gröberen Arbeiten gemiethet hatte, war bereits fortgegangen — nun mußte sie selber den Ofen nachheizen.
Kaum hatte sie das letzte glatte, handliche Stück Preßkohle in die lustig flackernde Gluth geschoben, als plötzlich die Klingel gezogen wurde.
Erschreckt fuhren Tante und Nichte zusammen. Lila warf das dicke Tuch ab und brächte die Tasse mit dem Rest von Thee, sowie die Stopf- arbeit der Tante auf die Seite, während diese hastig nach der Küche eilte, den Kohlenstaub von ihren Händen entfernte und dann mit pochendem .Herzen die Korridorthür öffnete.
?^bebte vor Freude, es überlief sie heiß und kalt. Sie hatte den Gast an der Stimme erkannt - es war Königs.
IV.
*3$ bitte sehr um Verzeihung, Herr Königs
rialsteuer im Betrage von 2315000 Mark eingeschränkt worden. Doch dieser Minderertrag ist erheblich niedriger als der in dem vorauf- gegaugenen Jahre, wo er 6617000 Mark betrug. Also auch nach dieser Richtung weist das Jahr 1890/91 einen erfreulichen Fortschritt auf. Mehreinnahmen haben ferner die Salz-, die Brau-, die Wechselstempelsteuer, der Spielkartenstempel, die statistische Gebühr, sowie die Betriebsverwaltungen, alle zusammen den Betrag von über 16 Millionen Mark ergeben, eine Summe, die etwa den Mehreinnahmen in den gleichen Zweigen im voraufgegangenen Jahre entspricht. Die eigentliche Besserung im Vergleich zu letzterem ist also vornehmlich auf das Conto der Zuckersteuer und auf die Abnahme des Minderertrags der Branntweinmaterialsteuer, also auf die normalere Entwickelung der betreffenden Steuern zu setzen, wogegen die anderen Steuern sowie die Betriebsverwaltungen in ihrer normalen Entwicklung geblieben waren. Im Ganzen belief sich die Mehreinnahme des Jahres 1890/91 auf 22 727156 Mk.
Dagegen haben das Reichsheer und die Marine 16 Millionen Mark an Mehrausgaben in Anspruch genommen, die aber zum Theil durch Ersparnisse bet Verzinsung der Reichsanleihe im Betrage von 8400000 Mark gedeckt werden konnten. Die Mehrausgaben betrugen insgesammt 7578 000 Mark; die Mehreinnahmen 22727 000 Mark, was den Ueberschuß von 15148000 Mark ergiebt.
Unabhängig hiervon ist das Ergebniß der Verwaltung der Zölle und der Tabaksteuer, welche Alles, was den Betrag von 130 Millionen Mark übersteigt, an die Einzelstaaten abzuführen hat, sowie das Ergebniß der Verbrauchsabgabe von Branntwein und der sogenannten Börsensteuer, welche gleichfalls in die Kaffe der Einzelstaaten fließen. Im Ganzen haben die Zölle 83*/, Millionen Mark mehr, die Börsensteuer beinahe
— wir müssen Sie in der Wohnstube . .
»O, das thut nichts, sehr angenehm. . .*
»Es sieht recht einfach drin auS — etwas altmodisch.-
Die arme Tante war in arger Verlegenheit. Daß gerade heut das »gute- Zimmer, in welchem sie ihre Gäste zu empfangen pflegte, ungeheizt sein mußte! Sie hätte sich übrigens trösten können: auch KönigS war so befangen, daß er nicht daran dachte, Aussetzungen an der Einrichtung des Zimmers zu machen; die Kehle war ihm förmlich zugeschnürt.
Die Tante öffnete die Thür zur Wohnstube und lud Königs zum Eintreten ein. Dieser entledigte sich zuvor des UeberzteherS, warf einen raschen Blick auf seine Stiefel, um zu prüfen, ob nicht noch Spuren von Schnee an ihnen hafteten, zupfte an den neuen Glacehandschuhen, die er erst auf der Treppe angezogen hatte, und trat, nachdem er mehrmals: »O bitte, bitte!* gesagt hatte, mit einem kühnen Schritt ins Zimmer.
Hier stand ein schönes, jugendliches, schlankes Wesen mit wogender Brust, von Purpur über« gössen. Es hätte ihm entgegenfliegen, ihm um den Hals fallen, ihn herzen und küssen mögen wie einst den guten Datei Langner, wenn er aus der Stadt kam, und eine neue Puppe brächte. Aber die Sitte heischte es anders, einen Schritt oder höchstens zwei, einen Häudedruck, eine leichte Verbeugung des Kopfes, wenn die glänzenden Augen auch noch so viel verriethen. j
4 Millionen Mark, aber die Verbrauchsabgabe von Branntwein 7149000 Mark weniger einge- bracht. Es konnten also etwas über 80 Millionen Mark den Einzelstaaten mehr überwiesen werden; im Ganzen beliefen sich die Ueberweisungeu aus 378 826 000 Mark. Die bei der Branutweinver- brauchSabgabe zu Tage getretene Mindereinnahme von 7149000 Mark bezeichnet gegenüber dem voraufgegangenen Jahre, wo das Minus sogar 19 Millionen Mark betragen hatte, auch einen Fortschritt.
Sowohl in dem Ergebniß der dem Reiche verbleibenden Abgaben und der Betriebsverwaltungen, als auch in dem Mehrerträgniß der Zölle und Börsensteuer kennzeichnet sich eine günstige wirtschaftliche Entwicklung, die auch iu anderer Richtung jüngst durch die Ausfuhr- und Einfuhr- ergebniffe bestätigt wurde. Nur die Branntwein- steuer und Verbrauchsabgabe erfüllen noch nickt ganz die Erwartungen, insofern deren Ergebniffe wiederum, wenn auch in wesentlich geringerem Maße als im Jahre 1889/90, hinter den Voran- schlügen zurückgeblieben sind. Abgesehen hiervon erscheint die Finanzlage des ReickS als eine erfreuliche, um so mehr als mau die Ueberweisungeu au die Einzelstaaten im Grunde auch dem Reiche auf die Rechnung schreiben muß. Das Reich selbst hat einen Ueberschuß von 15148000 Mark gehabt; rechnet man hierzu, was es über deu Voranschlag an die Einzelstaaten abgeführt hat — genau 80316 000 Mark — so würde das Reich rund 95*/2 Millionen Mark Ueberschuß gehabt haben.
Iokitische Nachrichten.
Aus Kiel wird gemeldet: Bei der Einfahrt in den inneren Hafen befand sich Se. Majestät der Kaiser an Deck und erwiderte den Gruß der Paradtrenden Mannschaften und der in dem
Die Tante hatte bereits auf dem Kanapee Platz genommen; Lila saß neben ihr, und KönigS beiden gegenüber in einem ledernen Sessel.
Einen Moment schienen olle wie von einem drückenden Bann befangen. Plötzlich aber löste sich derselbe, Lila kam ohne Umstände auf den Ball zu sprechen, erzählte ganz munter, wie trefflich sie sich anfangs amüstrt hätte, theilte in drolliger Weise ihre naiven Beobachtungen über die geputzte Gesellschaft mit und wachte sich über ihr eigenes albernes Erlebniß lustig.
Die Tante traute ihren Ohren nicht: war daS dieselbe Lila, die noch vor einer Viertelstunde nervös zusammengezuckt wäre, wenn sie auch nur ein Wort über den unglücklichen Ball gehört hätte? Der Kamillenthee hatte ohne Zweifel durchschlagend gewirkt: er hatte die Migräne aus ihrem Sitz, der Galle, gründlich vertrieben.
Auch KönigS war ganz erstaunt, Lila in dieser munteren Laune zu finden. Er war gekommen, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen — nun, daS war offenbar überflüssig. Und obne weiter zu forschen und zu grübeln, ließ er sich ganz von ihr mitreißen und war nach 10 Minuten in einer so flotten, ausgelassenen und glücklichen Stimmung, daß sein Herz vor Wonne und Behagen förmlich zu hüpfen schien.
KönigS sah LilaS freundliches Gesicht schalkhaft lächeln und mußte selber hell auflachen. Er blickte ihr in die blauen Vergißmeinnichtaugen, und ein Scherz, ein Witzwort lag ihm auf der