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Htlssel-tl Kreisblaü

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIllugrirtes Auterhaltungsblatt".

Nr. 92.

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auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage .LllllstrirtesUnterhaltungs-Blatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Laudbriefträgeru und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 28. Juli 1891.

Nach dem durch meine Verfügung Nr. 3650 vom 20. März 1886 (Kreisblatt Nr. 36 für 1886) mitgetheilten Erlasse der Herren Minister des Innern und für Handel und Gewerbe vom 23. 8^"« 1886 lTubT«: Mt ^ We Ortspolizeibehörden von jeder ihnen auf Grund des § 51 U.-V.'G. zugehenden Unfallanzeige dem für den Bezirk zuständigen Gewerberath binnen 3 Tagen eine Abschrift zu übersenden und in den­jenigen Fällen, in welchen gemäß 8 53 a. a. O eine Untersuchung eingeleitet wird, hiervon bei Ueberseudung der Unfallanzeige oder, sofern die Untersuchung erst später beschlossen wird, durch besondere Anzeige unter Angabe des etwa ange- setzten Verhandlungstermins Kenntniß zu geben. Diese Vorschrift wird den Ortkpolizeibehörden des Kreises mit dem Hinweis in Erinnerung ge­bracht, daß die Anzeigen über Unfälle 2C. bei gewerblichen Betrieben von jetzt ab an den

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Einfache Kente.

Novelle von August Scholz.

(Fortsetzung.)

Raudolf hielt in seinen sophistischen Betrachtungen inue. Königs konnte ihm nichts erwidern; er lebte augenblicklich von den tausend Mark, die ihm Randolfs Onkel vor etlichen Wochen für einen »Zonderfang" bezahlt hatte.

»Das Leben ist verteufelt kurz, lieber KöntgS," fuhr Raudolf fort, »und die Professuren sind rar. Wie lange willst du dich noch quälen ?w Schau dir einmal Hans Nordmann an! Vor drei Jahren noch ein armer Schlucker, keine broncene Medaille werth, ist er jetzt, seit er die reiche Wolff geheirathet hat, ein gemachter Mann, sogar eine Berühmtheit. Er malt seine blau­haarige Regina als Antigone, als Magdalena, als Kleopatra; jeder Wolff betrachtet es als Ehrensache, einen Nordmann in seinem Salon hängen zu haben, und von den Wolffs haben sich bereits die Meier, die Müller und die Schneider angesteckt. Es gibt mehr solcher Retterinnen in der Noth mehr solcher Reginen, die den Schlüssel zu Italien, zum Patentgeldschrank und zum Weinkeller in der Tasche haben."

Randolf, der bisweilen recht eindringlich zu reden verstand, dachte bet diesen Worten an seine Eousine Amanda, die einzige Tochter des Börsen- speculanten. Er hatte seit Kurzem den Plan

Dienstag den 4. August

Regierungs- und Gewerberath Neubert zu Caffel zu richten sind.

7491. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleivitz.

Gefunden: ein Packet, enthaltend Schreibpapier. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Asbach.

Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigen» thümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.

Die Herren Bürgermeister resp. Bulleuhalter des Körungsbezirks Hersfeld werden in Betreff Beschaffung von Franken-Zuchtbullen zu einer Be- svrechuvg auf Sonnabend den 8. d. MtS., Nachmittags 4 Uhr, in die Bolender'sche Wirth­schaft eingeladen.

Meisebach, den 3. August 1891.

Im Namen der KöruugS-Commisfiov: Franz Noll.

* Das neue Einlommeustcuergesch.

I. Objective Steuerpflicht und Steuertarif.

Das neue Einkommensteuergesetz, welches das Datum des 24. Juni 1891 trägt, ist vor einigen Wochen in der Gesetzsammlung verkündigt worden. Nach §. 85 kommt das Gesetz zunächst bei der Veranlagung für das Jahr 1892/93 zur Anwen­dung; es wird also bei der Veranlagung der Steuern, welche vom 1. April nächsten Jahres ab erhoben werden sollen, nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes verfahren werden. Dieser Umstand rechtfertigt es, wenn wir die wichtigeren Bestimmungen noch einmal erörtern, um Jedem klar zu machen, welche Pflichten er dem Staate gegenüber zu erfüllen hat und welche Vortheile ihm daraus erwachsen.

Das neue Gesetz um dies vorauszuschicken will nicht die Steuerlast der Bevölkerung ver»

gefaßt, die Akttenprinzessin und den Maler, dessen Talent er neidlos anerkannte, zu einem Paar zu vereinigen, um, wie er sich gegen die Frau Hofkunsthändlerin Lehnhardt ausgedrückt hatte, »frisches Leben in die Bude zu bringen." Noch galten die Randolfs sammt ihrem Anhang als Parvenüs, ihr Reichthum stammte erst aus dem Anfang der siebziger Jahre. Der Onkel legte seit einiger Zeit eine auffallende Vorliebe für den Renusport au den Tag; auch verkehrte ein entfernter Vetter, der sich alS Privatdocent an der Universität habilitirt hatte, in den letzten Monaten öfter, als es Randolf lieb war, im Hause des OnkelS. Wie leicht konnte der be­fruchtende Strom der Hunderttausende, über welche Amanda dereinst verfügen würde, in die Welt des Sports oder gar deS Gelehrtenthums abgelenkt werden! Es galt hier rasch zu handeln: hetrathete Amanda, die mutterlos und ziemlich unselbständig war, einen Künstler, dann war Vetter Randolf in der Familie obenauf, ein kleiner Ehrgeiz, dessen Befriedigung seiner Eitel­keit nicht wenig geschmeichelt hätte.

Königs fühlte ein gewisses Unbehagen bei den Anspielungen des Bildhauers. ES war noch nicht lange her, daß sich seine Gedanken in ähn­licher Richtung bewegt hatten, wie diejenigen Randolfs. Er hatte Amanda kennen gelernt, und sie hatte ihm nicht mißfallen. Nur der Ge­danke, daß dieses Mädchen ihn dereinst ernähren würde, daß ihre Hand und ihre Mitgift der letzte

1891.

mehren, sondern es bezweckt lediglich eine gerechtere und zutreffendere Vertheilung der Steuerlast und in Folge dessen eine wirkliche Erleichterung der Ueberlasteten nach Maßgabe der den steuer» kräftigeren Elementen zufallenden Mehrleistungen.

Die Steuerpflicht beginnt, wie dies bereits seit dem Gesetze vom 26. März 1883 eingeführt ist, mit einem Einkommen von mehr als 900 Mark. WaS unter Etnkomm.'ll im Unterschied von Stammvermögen zu verstehen ist, wird im §. 7 genau bestimmt: es find dies die gestimmten Jahreseinkünfte in Geld und Geldes­werth aus Kapitalvermögen, Grundvermögen, Pachtungen, Miethen, Handel und Gewerbe ein­schließlich des Bergbaus, aus Gewinn bringender Beschäftigung, sowie aus Rechten auf periodische Hebungen und Vortheile. Dagegen gelten außer» ordentliche Einnahmen aus Erbschaften, Schen­kungen, Lebensversicherungen, aus dem nicht gewerbsmäßig oder zu Speculationszwecken unter­nommenen Verkauf von Grundstücken und ähnliche Erwerbungen nicht als steuerpflichtiges Ein­kommen, sondern als Vermehrung des Stamm- vermögens und kommen ebenso wie Verminderungen des Stammvermögens nur insofern in Betracht, als die Erträge des letzteren dadurch vermehrt oder vermindert werden.

Das Gesetz gestattet nun aber, von dem regel­mäßigen Einkommen gewisse regelmäßige Be­lastungen bei der Besteuerung in Abzug zu bringen, d. h. nur das reine Einkommen, nicht das rohe Einkommen ist zu besteuern. Selbst­verständlich aber ist es nicht dem Urtheil eines jeden Einzelnen überlassen, was reines, was rohes Einkommen ist, und was er bet der Besteuerung von dem regelmäßigen Einkommen in Abzug bringen kann, sondern daS Gesetz bezeichnet in §. 9 genau die abzugs» fähigen Theile deS Einkommens. Als solche sind sieben aufgeführt. In Abzug sind von dem Ein-

Preis seines Strebeus und RingenS sein sollte, hielt ihn noch davon ab, sich um Amaudas Hand zu bewerben. Seine Herz war frei, er konnte ohne Gewissensbisse nach dem Goldfisch langen, der ihm bargeboten wurde. »Convenienz-Ehen sind besser, als alle anderen," hatte ihn Raudolf versichert, und schon war er geneigt, seine Be­denken zu beschwichtigen und sich zu ergeben da blieb er plötzlich vor einigen Wochen auS den SalonS weg, und alle Welt war erstaunt darob, bis der Vorfall am Abend des Wohlthätigketts» balles die Auflösung des Räthsels brächte.

»Bist du Brandt seither begegnet?" fragte Randolf nach einer Pause, während welcher der Maler die Lampe angezündet hatte.

KönigS verneinte. Er behielt es für sich, daß er die -Besuche bei seinen Nachbarinnen des Doctors wegen eingestellt hatte, der sich seit dem Ballabend fast täglich bei Frau Langncr einfand.

Die Einsilbigkeit des Malers verdroß Randolf. Er wollte zum wenigsten Gewißheit haben uud sich von »diesem Plebejer" nicht narren lassen. Wollte Königs durchaus in sein Verderbe» rennen wohlan, immerzu!

»Fräulein Horn ist ein reizendes Geschöpf," warf er mit ernstem Gesichte hin. Er sprach seine wirkliche Meinung aus, Lila hatte auch auf ihn Eindruck gemacht und erschien ihm als »kleine Liaison" gar nicht übel. In diesem Augenblick jedoch war es ihm nur darum zu thun, Königs zum Reden zu bringen.