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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Hersstl-tl Kreislillltt.

_________Mit wöchentlicher Hratis-Weilage ^llustrirtes Mterhaltuugsblatt".__________

Rr. 9V. Donnerstag den 3O.^W 1891.

Mmeck-MMH.

Bestellungen auf das Hersfelder Krelsdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllusttirtes Nutcrhaltnngs-Blatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Seitens des Vereins der Medicinalbeamten des Regierungsbezirks Düsseldorf sind »Regeln für die Pflege und Ernährung der Kinder im ersten Lebensjahre und für die Pflege der Wöchnerin und Verhaltungsmaßregeln bet Masern, Schar­lach und Diphteritis" bereits früher ausgearbeitet und kürzlich revidirt worden, so daß dieselben in ihrer gegenwärtigen Fassung eine empfehlens- werthe gemeinverständliche Zusammenstellung der für die angegebenen Zwecke zu beachtenden Vorschriften enthalten und geeignet erscheinen, ein wesentliches Hilfsmittel bei der Verhütung und Bekämpfung der hohen Kindersterblichkeit, der Erkrankungen im Wochenbett und der ge­nannten Jnfecttonskrankheiten zu bilden.

Diese im Verlage von L. Schwann in Düssel­dorf in Druck erschienenen, zum Preise von 1,20 Mark bezw. 80 Pfg. für je 100 Stück käuflichen Blätter werden Hebammen, Standesbeamten, Frauen-Vereinen, Lehrern und Aerzten zur An­schaffung und Verbreitung empfohlen.

Cassel, den 14. Juli 1891.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. P a w e l.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Einfache Keule.

Novelle von August Scholz.

(Fortsetzung.)

Gratulire von Herzen. Kommst da in gute Gesellschaft: Richter hat die Mutter und Vegas die älteste Tochter gemalt. Die ganze Familie ist zwar ein wenig zu brünett für meinen Ge­schmack, doch sollen die Preise gut fein.*

Man lachte über Randolss Bemerkung, und er versicherte mit einem ziemlich rücksichtslosen Seitenblick auf Lila, daß er Blond entschieden bevorzuge. Diese Bemerkung schien KönigS zu ärgern, doch unterdrückte er seinen Unwillen und fuhr schweigend fort, seine Steinbutte in etwas ungeschickter Weise mit dem Messer zum Munde zu führen. Randolf that sein möglichstes, um ein lebhaftes Gespräch in Fluß zu bringen, doch blieben seine Bemühungen ohne Erfolg.

Brandt glaubte dem Maler eine Schmeichelei darüber sagen zu müssen, daß er eine so treffliche Wahl für die Gestalt der Psyche getroffen hatte. Königs wußte nicht recht, wie er die Worte des Doctors auffassen sollte, und ließ sein Lob ohne Entgegnung. AuS dem Blick, den er Brandt zuwarf, war das Mißtrauen noch nicht ge­

Hersfeld, den 25. Juli 1891.

Wie seit Jahren, so beabsichtigt auch iu diesem Jahr Herr Wegebau-Aufseher Walter dahier einen unentgeltlichen Cursus über Pflege, Veredeln und Ausputzen der Obstbäume, und zwar vom 10. bis 12. August d. J. in der communalständischen Baumschule dahier abzuhalten.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises fordere ich auf, von diesem Anerbieten möglichst Gebrauch zu machen bezw. dahin zu wirken, daß eine ge­eignete Persönlichkeit als Gemeinde-Baumwärter ausgebildet wird. Bis z u m 7. A u g u st d. I. ist mir berichtliche Anzeige zu erstatten, wenn die Theilnahme an dem Cursus beabsichtigt wird.

Die Theilnehmer haben ein scharfes Baum­und ein Oculirmeffer mitzubringen und sich am 10. August er. Morgens 9 Uhr in der Wohnung des Herrn Walter hier, Neustadt Nr. 527, zu melden.

7438. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

HerSseld,- den 24. Juli 1891.

An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Brod zu Lengers ist der Ackermann George Detsenroth VI. daselbst als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den Gemeindebezirk Lengers widerruflich be­stellt und verpflichtet worden.

7412. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinttz.

Cassel, den 22. Juli 1891.

Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er- gebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Htlartus Bott aus Simmershausen inzwischen der Rettungsanstalt zu Sannerz wieder zugeführt ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 22. August 1890II. Nr. 3355 als erledigt hierdurch zurückziehe.

Der Loudes-Director.

An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.

J. II. Nr. 3646.

* *

schwunden. Die Tante kaute an den Lippen, zupfte an den Franzen des Tischtuchs und zuckte mit den Augenwimpern; es war ihr anzusehen, daß sie sich unbehaglich fühlte. Randolf blickte fast schadenfroh auf diese verlegene Gesellschaft, er imponirte sich selbst mit seiner Sicherheit und legte etwas von dieser Selbstachtung in den kecken und verliebten Blick, den er Lila zuwarf. Er hoffte wenigstens bei ihr etwas wie Ver­ständniß und Ueberlegenheit zu finden, fie schien ihm aus den ersten Blick aus besserem Holz ge­schnitzt zu sein, als die anderen. Zu seiner Ueberraschung jedoch sah er auch sie mit be­troffener Miene dasitzen, was seinen Aerger der­artig erregte, daß er sich erhob und unter dem Vorwande, seine Cousine aufzusuchen, im Saale verschwand.

Lilas beklommene Stimmung war ein Reflex des absonderlichen Benehmens, das der Maler an den Tag legte. Was war ihm geschehen? War er mit ihr unzufrieden? Wa8 hatte sie ihm gegenüber verschuldet? Vielleicht ärgerte e8 ihn, daß dieser unbekannte Doctor Werner, der so plötzlich in ihre stille kleine Gesellschaft herein- gerathen war, sie beständig mit seinen forschenden schwarzen Augen anschaute. Aber was konnte sie dafür? Dieser Anstarren war ihr selber

Hersfeld, den 28. Juli 1891.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenut- nißnahme mit Bezug auf meine Verfügung vom 28. August v. I. Nr. 8163 (Kreisblatt Nr. 102) mitgetheilt.

7571. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

#Revolutionär".

Wer das Gewaltsame für eine organische Eigenschaft der Revolution halte, verkenne das Wesen der revolutionären Socialdemokratie, so heißt es in einem Artikel des socialdemo­kratischen CentralorgansVorwärts". Revolutionär wollen bekanntlich alle Socialdemokraten ohne Ausnahme sein, Ge­mäßigte wie Extreme, Alte wie Zunge. Nach dem Vorwärts wäre darunter aber nicht derHeuzabelsinn der blutigen Ge­walt" zu verstehen, sondern nur die Absicht, die Gesellschaft«. Ordnung umzuwälzen, es brauche dies ja nicht mit Gewalt, sondern es könne auch auf friedlichem Wege geschehen. Aller­dings giebt es auch friedliche Revolutionen, aber nur auf rein geistigem Gebiete; Entdeckungen, wie die Galilei«, rcvo- lutionirten die Wissenschaft, die Erfindung, den Dampf al« Motor zu benutzen, war eine friedliche Revolution in der Technik. Allein mit dem Begriff einer Revolution im Staate ist nach dem allgemeinen Sprachgebrauche die Gewalt, die Auflehnung von Massen gegen da« bestehende Gesetz, untrenn­bar verbunden. Friedliche Neuerungen und Umwälzungen sind Reformationen, gewaltsame Revolutionen. Auf die Größe des BlutstromS, der dabei fließt, kommt es allerdings nicht an. Brasilien hatte 1889 eine Bewegung, bei der nur ein Minister getödtet wurde und die Vertreibung des Herrschers sonst ohne Kampf sich vollzog. Trotzdem war sie eine Re­volution, weil das Gesetz dabei gebrochen wurde und die Aufständischen mit Gewalt die Vertreter der alten Ordnung entfernten.

Zmmerhin könnte man sich die willkürliche Deutung dc« Begriffs Revolution gefallen lassen, wenn e« aufrichtig gemeint wäre, daß die Socialdemokratie von ihren früheren wirklich revolutionären, weil den Bürgerkrieg betreibenden, an die rohe Gewalt appellirenden Standpunkt abgekommen sei. Aber da« ist leider nicht der Fall. Schon wie die Partei über den gesetzlichen Weg denkt, was wir kürzlich nach socialistischen Zeugnissen auseinandergesetzt haben, ist Gegenbeweises genug. Aber derselbe Artikel des Vorwärts, der das Gewaltsame al« für den Begriff der Revolution nicht wesentlich hinstellt, macht die Illusion von friedlichen Zielen selber hinfällig. ES wird nämlich auSgeführt, daß die Machthaber nur durch gewalt­same Unterdrückung Revolutionen heraufbeschwören,gewalt-

lästig. Königs war's ja, der sie hierher geführt hatte, und obwohl er selbst nicht tanzte, so hatte es ihn doch offenbar gefreut, sie im Kreise seiner jüngeren Berufsgenoffen lustig und munter zu sehen. Es wurde ihr nicht leicht, bei diesem ersten großen Ball, den sie mitmachte, die Faffung zu behalten; und nun sollte ihr plötzlich durch -seine Vedrießlichkeit die Freude des Festes ge­stört werden.

Sie hatte die Bekanntschaft de8 Malers auf eine belustigende Art gemacht. Sie wohnte mit ihrer Tante im dritten Stockwerk eines Hauses am Schiffbauerdamm; ihre Wohnung lag rechts, die Thür zur Linken zeigte ein Schild mit dem NamenKönigs". Eines Tages klingelte der Flurnachbar, bat vielmals um Entschuldigung, erzählte, daß er seinen Hausschlüssel verloren hätte und ersuchte die Taute auf einige Tage um den Ihrigen, bis ihm der Portier einen neuen besorgt hatte. Er war dann öfter zu thuen gekommen und hatte auch einige Male Lila zum Konservatorium begleitet, das sie seit einigen Monaten besuchte. Es war der erste Mann, den sie kennen gelernt hatte, und der Verkehr mit ibm übte von vornherein einen eigenthümlichen Zauber auf sie aus. Sie gab sich diesem Zauber um so unbefangener hin, als auch die Tante