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Beilage zur Nr. 87 des Kreisblatts.

Hersfeld, den 23. Juli 1891.

* WaS unter dem Namenamerikanisches Schweinefett" im Handelsverkehr Wen Käufern geboten wird, das ist bereits längst nach der Empfindung eines gesunden Geschmacksinns als dunkles Geheimniß erkannt worden. Vor einiger Zeit wurde bereits vom Berliner Polizei­präsidium in den amtlichen Veröffentlichungen über stattgehabte Untersuchungen von Lebensmitteln bekannt gemacht, daß in dem sogenannten amerikanischen Schweineschmalz sich vege­tabilisches Fett, vermuthlich Baumwoll-Oel, in beträchtlicher Menge beigemischt fand. Eine weitere Klarheit über dieses Geheimniß haben nun die Untersuchungen der LebenSmittel- prüfungS-Station in Karlsruhe geschaffen. Nach den amt­lichen Veröffentlichungen dieses Instituts hat dasselbe unter 61 von ihm auS den größeren Verkaufsstationen für ameri­kanisches Schweinefett entnommenen Proben 33 derselben mit Baumwollsamen-Oel vermischt gefunden; aber auch noch bei einer weiteren, Zahl der entnommenen Proben ergab die chemische Untersuchung .deutliche Erscheinungen, welche auf das Vorhandensein von Stoffen schließen ließen, die im reinen, natürlichen Schweinefett nicht vorhanden sind. Diese bei­gemischten Fremdstoffe reagierten sehr deutlich bei einem Zu­satz von Jod und bei der Anwendung von Silber-Nitrat- Lösungen. Unter diesen Umständen verdient die Behauptung amerikanischer Fachmänner Beachtung, welche sagen, daß 90 Procent des gesammten in Amerika gewonnenen Baumwoll- samen-Oels zu Genußzwecken und namentlich zur Schmalz­fabrikation Verwendung findet. Nicht festzustellen bei der chemischen Untersuchung ist nun aber die Beimischung mindcr- werthigen Fettes, namentlich von solchen Fleischtheilen, die zum Pökeln nicht verwendbar erachtet werden. WaS auf diesem Wege als Beimischung in das amerikanische Schweine­fett hiniingelangt, das läßt sich leichter errathen als nachweisen.

Eafse!, 2L Juli. Sämmtliche Musikcorps des 11. Armeekorps sollen am 9., 10. und 11. September zu Gesammtproben in Cassel zu- sammeugezogen werden.

Witzenhausert, 18. Juli. Gestern tagte die vierte Wanderversammlung der landwirthschaft- lichen Vereine Mündeu-Dransfeld, Eschwege und Witzenhausen-Lichtenau in unserer Stadt. Nachdem dem Programm gemäß die bedeutendsten Oeconomien in hiesiger Umgegend in Augenschein genommen, begann, nachdem die Vorträge über verschiedene Zweige der Landwirthschaft gehalten, im Hotel Könia von Preußen das Festmahl. an dem über 90 Personen theiluahmen. Zu Ehren

des Tages war an der Werrabrücke eine Fest- pforte erbaut und das VereinSlokal auf's Feier­lichste geschmückt.

Marburg, 20. Juli. Dem Rektor der hiesigen Universität, Professor Dr. W e b e r, ist der Rothe Adler-Orden verliehen worden.

Homberg, 20. Juli. Bet dem gestern statt- olabten Vogelschießen erwarb sich der Kaufmann Carl Rupprecht dahier die Ehre, Schützeu- l könig zu sein.

Dtttershausen, 21. Juli. Gestern Nach­mittag ertrank in der Fulda beim Baden der 13jährige Sohn der Wittwe L ö w e r dahier. Derselbe war des Schwimmens unkundig und zu tief in das Wasser gegangen, wo er den Grund verlor.

Körl«, 18. Juli. Gestern wurde von zwei an der Fulda beschäftigten Männern ein schon zum Theil in Verwesung übergegangener männlicher Leichnam gefunden. Derselbe war nur mit Zugstiefel, weißen Strümpfen und einem zerlumpten Hemde bekleidet. Nach Aussage des hiesigen Todten- beschauers kann der betr. Leichnam schon über 14 Tage im Schlamme versteckt gelegen haben.

Vermischtes.

K i s s i u g e n, 19. Juli. Der Fürst und die Fürstin BiSmarck sind, wie bereits gemeldet, mit Dr. Schweninger und Chrysander soeben angekommen. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, Kurgäste und Einwohner, sowie die zum Kriegerfeste anwesenden Vereinsmit­glieder hatten die Straßen und den Bahnhof be­setzt. Von der Hoch und Hurrah rufenden Menge begleitet und unter den Klängen der Veteranen- capelle fuhren der Fürst und die Fürstin durch die festlich geschmückten Straßen in den zur Ver­fügung gestellten Hofegttprgea nach der oberen Saline, wo wieder ein eigener Post- und Tele- graphendienst eingerichtet ist.

Norderney. Von der hiesigen

Rettungsstation wurden am 19.Juli von der auf dem Norderney-.r Riff gestrandeten hol- ländischen Tjalkb e Zwerwer" die auS fünf Personen bestehende Besatzung, darunter eine Frau und zwei Kinder durch das Rettungsboot Barmen" der Weststation gerettet.

Räuden (Reg.-Bez. Oppeln), 18. Juli. Bei dem Brand eines Wohnhauses in Przerioze, um beffen Rettung auch die herzoglich ratiborische Familie sich vergeblich bemühte, find die von den abwesenden Jnstleuten eingeschlosseneu Kinder verbrannt.

Preßburg, 17. Juli. Major Schuster wurde bet dem gestrigen Manöver durch einen blinden Kanonenschuß aus nächster Nähe am Kopf und im Gesicht erheblich verletzt. Der Major schwebt in G-fahr, das Augenlicht zu verlieren.

Hamburg. Eine Falschmünzer­baude, welche seit mehreren Wochen in der Umgegend von Hamburg ihr Unwesen trieb, ist in einem versteckten Winkel des Vororts Bahren- feld, in einem Ausfichtsthnrm, in der Nacht zum 17. Jalt aufgefunden worden. Die Polizei überrumpelte die aus vier Personen bestehende Bande in dem selten besuchten AuSsichtStburm. Es wurden bei dieser Gelegenheit auch Präge- stöcke und Schmelztiegel mit Beschlag belegt.

Ein großer W u cher-Prozeß steht gegenwärtig vor der Strafkammer in Offenburg an. Augeklagt sind die Handelsleute A. Hammel und sein Sohn von hier, W. Dreyfuß auS Offen- bürg, M. Kaffewitz und S. Durlachrr von Schmie- heim und der Gärtner I. Jsemanu von Oberkirch. Es handelt sich um eine der modernen Bauern­fängereien, im Cowplot betrieben. Der eine sucht die Opfer auf und bindet mit ihnen zum Viehkauf oder für Darlehnsaufnahme an. Geld wird nicht erhoben, selbst wenn der Bauer eS bringen will. Der zweite übernimmt die Ein­treibung der Forderung, sobald feststeht, daß der Bauer kein Geld zur Disposition hat, der dritte hilft dem Ba^er dann angeblich durch einen