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Hersstl-er Breisblatt.

Mit wöchentlicher Htatis-AeilagrIllustrirtes Jinterhaltungsblatt".

Nr. 81. Dianerstag den 9. Juli 1891.

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Bestellungen

auf das Kersselder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Illustrirtes Untcrhaltungs-Blatt" pro III. Quartal werden noch von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. Juli 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit Einzahlung der Beiträge zu den Aus- gaben der Hessev-Nassauischeu laudwirthschaft- lichen Berufsgeuossenschaft noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist biS zum d. MtS. erinnert.

A. 541. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 6. Juli 1891.

Für die beiden Söhne des Schäfers Johann Jakob Hebel zu Niederaula als

1. Justus Hebel, geboren am 18.Juli 1874 und

2. Heinrich Hebel, geboren am 4. Dezbr. 1876 ist um Entlassung aus dem dtesseitigeu StaatS- verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

6741. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Der Herr Oberzollrath hat befohlen, daß bte Sache amtlich weiter verfolgt werden müsse, da solche Gerüchte dem Ansehen der Behörden schaden. Ich sollte nachforschen und ihm einen Bericht erstatten."

Unter Frau Lettner wankten die Kniee, sie mußte sich auf das Sopha ntedersetzen, ihre Stimme war fast tonlos, mit der sie sagte:

Nun, und was wollend denn jetzt machen?" Ich kann doch die Mutter von einem Mädel, - das mein ganzes Leben war ja und auch bleiben wird uet in eine solche Bretouillt bringen, daß sie am Ende vor's Gericht müßt', ß Nein so lügenhaft auch die ganze G'schtcht', so dumm und boshaftig und so wild ich darüber gewesen bin das könnt' ich doch net thun schon wegen der Mathild'. Jst'S doch ihre Frau Mutter und so werd' ich halt zum Oberzollrath gehen und ihm sagen, die ganze i G'schtcht sei nichts als ein dummes Weiber­getratsch Er möLt's halt auf sich beruhen lassen. Und nun b'hüt Sie Gott Frau Lettner und noch einen schönen Gruß an die Fräulein Mathild'."

So nahm der Bernmoser Abschied Aber x nicht für immer. Herr Lettner hatte ihn gerade

104 abgefaßt, als er das Bureau des Oberzoll­

Berlin, den 8. Juli 1882.

Warnung.

In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor, Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Kollekteur be­zeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheinc auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch da­durch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinnabzüge für sich ausbedingen.

Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looscerneucrung und auf Gewinnzahlung.

Vielfache gerichtliche Verurteilungen von LooSanthcilschein- Verkäusern haben Herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen, oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheinc ausgeben, als der Umfang ihres LoosebesitzeS erlaubt, oder endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.

Z ur Unterscheidung der LooSantheilscheine von den ächten Loosen machen wir barauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren UmschriftKön. Pr. Gen.-Lotterie-Direkt." und die gedruckte Unterschrift Königl. Preuß. General-Lotterie-Direktion" tragen.

Zur Unterscheidung zwischen den sich als Lotterie-Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft alsLotterie-Einnahme" oder Lotterie-Komtor" bezeichnenden Privat- Verkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnebmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein alsKönigliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.

Königliche General-Lotterie-Direktion.

DammaS. Lilienthal.

Von der Kaiserreise.

Am Sonntag wohnte der Kaiser mit dem Prinzen von Wales, den Herzögen von Connaught und Clarence sowie zahlreichen Officieren dem Gottesdienste in der Holy Trintty-Church bei. Der Geistliche gedachte im Laufe seiner Predigt in rühmenden Worten auch des dahinaeschiedenen

raths verloss n hatte. Nun ließ er ihn nicht mehr los, führte ihn in die Weinstube, in den Rathhauskeller, sagte ihm da, daß er auf Befehl seiner Frau so lanae an der Thür vor dem Bureau des Oberzollraths gelauert habe, und daß es halt ihn und seine Frau ungeheuer freuen würde, wenn er ihnen die Ehr' erweisen wollt' an der Hochz-it der Bevt th-ilzunehmen - Seinen Paradeanzug habe er ja, wie er sehe, dabei.

Es war wirklich eine groß^ Hochzeit, wenigstens zwanzig Kutschen hielten vor der Frauenkirche und Frau Lettner trug, wie ihr Gatte sich aus­gedrückt haben würde, ihren höchsten Federbusch, als sie am Arme des Bankprästdenten dem Braut­paare nach zum Altar geführt wurde. Bei Tafel herrschte eine wahre HochzeitSstimmung. Der Frankfurter fühlte sich unter den Münchenern so wohl und heimisch, daß Vera sich sagen mußte, sie habe ihren Oheim nie in besserer Stimmung gesehen. Bei Tisch erhielt der Bankpräsident ein Telegramm. Er las es lag es wieder klopfte aus Glas, erhob sich dann und sagte:

Meine lieben Herrschafte! ES ist eine alte Wahrheit, daß kein Hochzeit gemacht, ohne daß eine andere erdacht wird. Ich hab' die Ehr', Ihnen die Verlobung meiner Nichte Fräulein Vera Sewisch mit dem Director des herzoglichen Gestütes Lawanken in Ostpreußen Herrn Conring anzuzeigen."

Die Hochrufe waren noch nicht verhallt, als

General-Feldmarschalls Grafen Moltke, dessen Gottvertrauen er besonders hervorhob. Am Montag Nachmittag fand in der alten St. Georgs- Capelle des Schlosses zu Windsor die Bermäh- lunasfeier der Prinzessin Louise von Schleswig- Holstein mit dem Prinzen Aribert von Anhalt statt. Der Bräutigam trug preußische Uniform mit den von der Königin ihm verliehenen Jasignieu des Bathordens. Bor dem Schlosse war eine Ehrenwache aufgestellt und Gardisten in Gala­uniform bildeten auf dem Wege von Castle Hill bis zur Capelle Spalier. Die Theilnehmer an der Feier begaben sich in einzelnen reich geschmück­ten Zügen in die Capelle. Den ersten Zug bildete die Familie des Bräutigams. Der zweite äußerst imposante Zug bestand aus zwölf Wagen, in denen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, der Prinz und die Prinzessin von Wales, der Herzog und die Herzogin von Ediuburg, der Herzog und die Herzogin von Connaught, der Prinz und die Prinzessin von Battenberg saßen; im dritten Zuge kam der Bräutigam iu Beglei­tung seines Bruders, des Erbprinzen Eduard, im vierten Zuge die Königin, im fünften Zuge die Prinzessin-Braut in Begleitung des Prinzen Christian von Schleswig-Holstein und ihres Bruders Victor. Eine zahllose, von allen Seiten herbeigeströmte Menschenmenge begrüßte die Herr- schaften mit jubelnden Zurufen. Die kaiser­lichen Prinzen sind Montag Abends an Bord der AachtHoheuzollern" nach etwas unruhiger Ueberfahrt von Vlissingen in Felixstowe einge- troffeu. Die Landung erfolgte mittelst Boot, worauf die Prinzen nach ihrer Wohnung fuhren. Wegen der am Sonnabend vor dem Kaiser stattfindenden Uebungen der Freiwilligen tuLondon werden an diesem Tage die Börse und eine An­zahl größerer industrieller Etablissemeuts ge- schlosseu sein.

DieTimes" schreiben: Es besteht kein

Frau Nanni ihren Gatten anstieß und ihm zuraunte:

Merkst was, Toner'! ? Die Frankfurter wollen schon wieder was vor uns Münchenern voraus haben das dürfen wir uns net q'fallen lassen Zeig jetzt, daß wir auch so was können."

Und Herr Lettner erhob sich und sagte:

Die Münchener haben stets den Ehrgeiz g'habt hinter den andern deutschen Stämmen nicht zurück zu bleiben, namentlich wenn es sich um etwas Gutes und Freudiges handelt. Wohl habe ich dem Herrn Baukpräsidenten aus Frankfurt aus schuldigem Respect den Vortritt lassen müssen, aber darum will ich der Münchener Bürger nicht zurückbleiben und proklamire hiermit, dem geehrten Vorredner folgend, die Verlobung meiner lieben Tochter Mathild' mit dem König­lich bayrischen*

Ja was ist er denn?" flüsterte Lettner seiner Frau zu

Grenzcontroleur," antwortete ihm seine Frau im Flüsterton

dem Königlich bayrischen Grenzcontroleur Herrn Georg Bernmoser. Mög's ihnen Beiden in allen Zeiten gut gehen!"

War das ein Gläserklingen Jubelrufen und Tuschblasen! bis auf einmal die Antwort des Bernmoser kam nicht etwa in einer ge- drechselten Rede nein, im Singen hell und frisch -

Dörf i - dörf t 's Deaudl lieb'n f"

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