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Hersfel-tr Kreisblatt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-Meilage ,^llustrirtes Muterhaltungsölatt".__________

Nr. 72. Donnerstag den 18. Juni" 1891

Amtliches.

Hersfeld, den 5. Juni 1891.

Der Bürgermeister Johannes Klotzbach zu Reckerode ist heute als Ortsschätzer der dasigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.

5723. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 15. Juni. Im Verlaufe der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden bei Fortsetzung der Berathung des Wildschadengesetzes unter Ablehnung des Anträge« Rintelen 88- 813 mit den Kompromißan­trägen v. Huene, welche wesentlich redactioneller Natur sind, angenommen. Eine längere Debatte fand bei §. 14 statt, welcher nach den Herrenhausbeschlüssen die Aushebung der Schonzeit für eine bestimmte Zeit festsetzt, falls durch Rotb­oder Damwild wiederholt Schaden verursacht worden ist. Abg. Rintelen hatte dazu den Antrag eingebracht, auch den Schaden aller anderen Wildarten unter diese Bestimmung auszunehmen. Der Kompromißantrag v. Huene verlangte, daß im Falle der Aufhebung der Schonzeit aus diesen Grün­den die Jagdberechtigten auch zum Abschuß ungehalten werden. Nach längerer Debatte nahm das Haus schließlich den 8- 14 in der Fassung des Antrags v. Huene an und lehnte alle übrigen Anträge ab.

Berlin, 16. Juni. In der heutigen (105.) Plenar­sitzung des Abgeordnetenhauses wurde zuerst der Entwurf einer Wegeordnung für dieProvinzSachsen definitiv angenommen. Hierauf wurde die Berathung de« Wildschadengesetzes fortgesetzt. 8- 14» bestimmt nach den Kompromißanträgen Frhr. v. Huene, daß die Maßregeln deS 8- 14 (Aufhebung der Schonzeit) nicht genügen,' die Grundbesitzer das Recht erhalten, das auf die Grundstücke übertretende Roth- und Damwild auf jede erlaubte Weise zu fangen, namentlich auch sich deS Schießgewehres zu bedienen. Abg. Rintelen beantragt, das Fangen sämmtlicher Thiere, auch der Rehe und Fasanen zu gestatten. Damit wurde die DiScussion deS vom Abg. Rintelen beantragten 8- 14aa verbunden, wonach diejenigen Jagdberechtigten, die der Auf­forderung der Abminderung des Wildes während der Schon­zeit gar nicht ober nicht genügend Folge leisten, für den ferner durch Wildschaden verursachten Schaden auszukommen haben. Nach kurzer Debatte wird der Antrag Frhr. v. Huene

Aus hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Der das sagte, war ein alter Mann, der am offenen Fenster stand, die Spatzen mit Krumen von Graubrod fütterte und was er unter der Genossenschaft verstand, waren ausgestopfte Vögel, die auf Postamenten die Wände füllten alles nur mögliche jagdbare Vogelwild, oft in sehr schönen Exemplaren. Sonst war in der Stube nicht allzuviel mehr zu besehen, ein altes, halb in den Polstern eingedrücktes Sopha, ein großer Lehustuhl, ein Tisch, eine alte dreibeintge Komode und einige Stühle. Dann an der Wand das Werthvollste allerdings in dem Raume ein Gewehrständer mit sechs Flinten. Der Ein­wohner dieses Raumes mochte etwa ein Sechziger sein, Kopf und Bart deuteten an, daß er von der Arbeit des Barbierens und FrisierenS nicht allzuviel hielt, die hohe Gestalt stak in einem langen Flausche, der unten die ursprüngliche Farbe behalten, oben aber einen Stich in's Grün­gelbe hatte. Den Hals umgab ein wollenes, karrirtes Halstuch und das linke Bein war mit einem Hasenfell umwunden, was auf die Allplagertn der Hälfte der älteren Männerwelt auf die Gicht deutete. Wer den Grafen Geb. hard kannte dem mußte die Familienähnlich­keit zwischen ihm und diesem alten Herrn auffallen.

angenommen. §. 14b wird nach dem Anträge von Huene angenommen. Derselbe verlangt feste Einfriedigung des Schwarzwildes, die Berechtigung des Grundbesitzers zum Fangen und Tödten des auf seinen Grundstücken angetroffenen Schwarzwildes, Maßregeln der Aufsichtsbehörde zur Vertilgung uneingefriebeten Wildes. Ebenso wird ein Antrag Rintelen abgelehnt, wonach für Schaden, der durch da« Ausbrechen eingefriedeten Wildes verursacht wird, bet Jagdberechtigte er­satzpflichtig ist. §. 14c bestimmt nach dem Anträge v. Huene, daß wilde Kaninchen dem freien Thierfange unterliegen. Der Paragraph wird mit dem Zusatz angenommen, daß das Fangen mit Schlingen ausgeschlossen sein soll. Zum §. 17 (Kündigung der Jagdpachtverträge) beantragt Abg. Frhr. v. Huene die Bestimmung zu streichen, daß auch der Ver- Pächter das Recht haben soll, den Vertrag zu kündigen, falls der Pächter nach dem Inkrafttreten des Gesetzes nicht Schaden­vergütung auf sich nehmen will. §. 17 wird mit dem An­träge v. Huene angenommen. Zu §. 17a beantragt Abg. Rintelen die Aufhebung des 8- 25 des Polizeijagdgesetzes. Abg. Freiherr v. Huene unterstützt diesen Antrag. Der An­trag Rintelen mit einem Zusatzantrage von Jagow, daß nur auf Grund dieses Gesetzes Schadenersatz geleistet werden darf, wurde angenommen. Die namentliche Abstimmung über den Gesetzentwurf im Ganzen wird morgen erfolgen.

Wolitischc Nachrichten.

Am Montag früh S1^ Uhr fand im Neuen PalaiS bei Potsdam im Sterbezimmer von wei­land Kaiser Friedrich III. eine Gedächtniß­feier statt, an welcher nur die kaiserliche Familie theilnahm. Die Andacht hielt Candidat Keßner. Um 9 Uhr erschienen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit den drei ältesten Prinzen im Mausoleum bei der Friedenskirche und legten daselbst Kränze nieder, die Majestäten eine» mächtigen Kranz aus weißen Nelken und Sedum mit Palmenwedeln und einer Schleife mit den Initialen der Allerhöchsten Herrschaften; die Prinzen widmeten einen Kranz aus weißen Seerosen mit einer Schleife und der Aufschrift: »Von den Enkeln". Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen spendeten ebenfalls kostbare Kränze, auch von den OfficiercorpS der in Potsdam gar-

I Senn eine Herrennatur sprach trotz aller durch Alter und Gewohnheiten erzeugten Verschliffenheit daraus. Es war Graf Fritz Windscheid, der in dem Verkehr zwischen Neffen und Tante öfter angerufen worden war. Hier stand er leb- und leibhaftig. Ein Lebenseinsiedler! Er wohnte in einer kleinen Stadt, in einem kleinen Hause einem kleinen Quartier mied allen Umgang mit Menschen, außer mit einer Aufwärterin, welche das Zimmer besorgte, die Lebensrnittel einholte die Mahlzeiten bereitete er selbst. Wie man aus allen den Waffervögeln und den Flinten sehen konnte, war er ein passiontrter Jäger gewesen. Jetzt mit der Gicht ging das nicht mehr aber dafür taufte er noch alles Vogelwild, was Andere geschoffen hatten, um es auSzustopfen. Damit verbrachte er seine Zeit. Wenn ihm ein Birkhahn oder ein Auerhahn ge­bracht wurde, hielt er ihn mit sehnsüchtigem, wehmuthsvollem Blicke empor, sprechend: »Ach, Benge!, wenn ich Dich doch geschossen hätte und wärest Du doch lieber mit Trüffeln gefüllt!" Graf Fritz gab aus Kleidung, Wohnungscomfort, auf sogenannte Vergnügungen des LebenS nichts mehr, das Einzige, womit er mit der Klaffe der Lebenden und derem Genusse zusammenhing war die Trüffel. Diese war seine einzige Aus­gabe das einzige Aristokratische in dieser ärmlichen Haushaltung. Gräfin Armgard mit ihrem Ordnungssinn würde sich darin nicht wohl

nisonirenden Regimenter und vielen Privatper­sonen trafen im Laufe des Morgens Blumen- spenden ein.

Am Dienstag Morgen hatte Se. Majestät der K.atser in Begleitung der Flügelodjutavten vom Dienst zunächst einen Spazierritt im Wildpark unternommen. Nach dem Neuen Palais zurück- gekehrt, nahm Se. Majestät gegen 10 Uhr den Vortrag des StaatssecretairS deS Reichsmarine- Amtes, Viceadmirals Hollmann, und, hieran an­schließend, den des Chefs des Mariuecabinets, Capitain z. S. Freiherr» v. Sendeu-Bibran ent­gegen und arbeitete darauf noch einige Zeit mit dem Abtheilungschef im Militaircabinet, Obersten und Flügeladjutanteu v. Lippe. Später empfing Se. Majestät den mit der Führung der 11, Divi­sion beauftragten Generalmajor v. Lianitz und mehrere andere höhere Officiere zur Entgegen- nähme persönlicher Meldungen und arbeitete als­dann noch längere Zeit allein.

Se. Majestät der K a i s e r hat am Montag dem Minister des Innern Herrfurth sein lebens­großes Bildnis mit einer gnädigen, die erfolg­reichen Bemühungen um das Zustandekommen der Laudgemeindeorduung anerkennenden Cabi- nets-Ordre überreichen lassen.

Ein Gartenfest auf der Pfaueninsel soll am Mittwoch stattfinden. Der Kaiser hat dazu etwa 120 Einladungen an die Minister und die Mitglieder beider Häuser des Landtages ergehen lassen. Ein Extrazug wird nach 5 Uhr Nach­mittags die Eingeladenen nach Wannsee auf den dort haltenden Dampfer führen zur Ueberfahrt nach der Pfaueninsel. Im vorigen Jahre fand bekanntlich ein ähnliches Fest auf der Pfauen­insel für Mitglieder des Reichstags um diese Jahreszeit statt.

Die gemeinschaftlichen Sitzungen von Vertretern der ReichS- und preußischen Regierung mit Ber­liner und auswärtigen Delegirten des Handwerks haben am Dienstag begonnen. Die Leitung der

gefühlt haben aber schmutzig war er nicht.

Der Graf musterte eben einige Vogelbälge zum Ausstopfen, als es an die Thür klopfte. Das war zu solcher Tageszeit etwas so Ungewöhn­liches, daß der Einsiedler sich von seinem Er­staunen gar nicht erholen zu können schien und erst nach einer Weile, allerdings etwas unwirsch: Herein! rief.

Gräfin Armgard war's, die in der Thür er­schien, aber das Blinzelu und dann die schärfere Anstrengung deS Sehwerkes des Grafen sagten, daß er feine Schwester am allerwenigsten er­wartet hätte.

»Du - Du btst's, Wachtel?*

Dies war nämlich im vertrauten Familienkreise der Spitzname der Comtesse von ihrer zartesten Jugend an, da sie schon damals in ihrer Rundung und Gangart etwas von diesem Vogel hatte.

»Ja, ich bin's, Fritz."

»Wo kommst Du denn her?"

»Aus meinem Stifte und dann direct von Berlin, wo ich unsere Verwandte» aufgesucht habe. Sie lassen Dich alle grüßen."

»Nicht nöthig. Aber sage mal, was willst Du denn hier?"

»Mich mal nach Dir umsehen. Wir haben uns schon fünf Jahre nicht gesehen."

»Ist auch nicht nöthig. Du siehst, ich lebe ja noch und bin gesund bis aus die von Gott verfluchte Gicht."