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Heissel-er Kreisbliitt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-MeilageIllustrirtes Hlnterhaltuugsblatt".__________

Nr. 71. Dienstag den 16. Juni 1891.

Amtliches.

Hersfeld, den 9. Juni 1891.

Zufolge Ersuchens des Königlichen Proviant« Amts zu Bockenheim wird den KreiSbewohnern hierdurch Witgetheilt, daß die Ankäufe an Heu, Roggen« und Haferstroh für das Magazin als­bald nach Beginn der Heu« resp. Roggen- und Hafer-Erute ausgenommen werden sollen.

Zu jeder schriftlichen und mündlichen Auskunft über PreiS- und Qualitäts-Verhältuisse ist daS Proviant-Amt gern bereit.

5834. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 4. Juni 1891.

Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am

Sonnabend den 20. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an und

Montag den 22. Juni d. I.

von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, uud zwar gelangen zur Vorstellung:

a. am 20. Juni d. J.

1) die beim diesjährigen Ersatz-Geschäft als dauernd untauglich bezeichneten Milttair- pflichtigen,

2) sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Auf­gebots designirten Militairpflichtigen,

3) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve in Vor­schlag gebrachten Militairpflichtigen,

4) die zur Disposition der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,

5) die zur Zeit des Ausbebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,

6) die von den Trvppentheilen abgewiesenen Ein­jährig-Freiwilligen,

Auf hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Ich danke Ihnen, Herr Conring ich danke Ihnen. Wie lange werden Sie noch hier bleiben?w Ach, nicht mehr lange. Es geht mir wie meinem armen Schicksalsgenossen da Eh eh l* Damit legte er den Arm um den Hals seines Pferdes und fuhr dann fort:

Zeit hätt' ich ja wohl genug, länger zu bleiben, namentlich da ich die Frankfurter Steeple-Chase aufgegeben habe."

Ja warum denn?"

Warum? Nun da Sie mich kennen, da könnte Sie es doch geniren, mich als Jockey dort reiten zu sehen. Gnädiges Fräulein, bisher war ich wie die Schnecke, die da auf dem Boden kriecht und fühlte mich in meinem Häuschen wohl gleich dem Vornehmsten. Ach jetzt kommt die Sehnsucht, sich in die Höhe zu heben. Ja so! Von der Frankfurter Steeple-Cbase haben wir ja geredet. Ich weiß, daß die Ihnen Ver­gnügen macht Aber, wenn Sie lesen würden, daß ich mitreite, würden Sie vielleicht nicht htn- gehen und so ein Plaisir entbehren und darum

Der Jockey hörte, wie Vera ihm schnell ein flüchtiges Lebewohl zurief dann war sie fort und Conring sah ihr nach und legte sich dann

7) die gemäß §. 36 pos. 5 der Heerordnung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,

8) diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist, und

9) etwaige Zugänge.

b. am 22. Juni -. J. sämmtliche beim dieWhrigeu Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militatrpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt« und Landgemeinden, einschließlich der Herren GutS- vorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen in Kürze Angehenden Vorladungen den betreffenden Militairpflichtigen alsbald auszu- händigen und mit den Letzteren in den besagten Terminen pünktlich zu er­scheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß die­jenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anweseod sind, oder über­haupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 M. oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 26 bezw. 66 der Wehrordunug bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heeres­pflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Rekla­mationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, wes­halb alle Familienglieder, auf deren Arbeits« oder NichtarbeitSfähigkeit es bei Beurtheilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termin mit zu er­scheinen haben, widrigenfalls eine

auf die Croupe seines Pferdes und fast wie Weinen klang es, als er sagte: Armes Hascherl!

Der Privatdocent muß doch noch eine Zu­sammenkunft mit der Vevi gehabt und ihr von der Weigerung seines Oheims berichtet haben denn das Mädchen stürzte ihrer Mutter an den Hals und sagte unter Schluchzen:

Mutter - Mutter - ES ist Alles zu End! Sein stolzer Onkel hat ihm verboten, so'n Mäd­chen wie mich so unterm Stand zu heirathen."

Wer könnte all die Ausdrücke wiedergeben, die über den Baukprästdeuten, aus dem Munde der Frau Nanni dahinflutheten.

Unglücklicher hätte es der Bernmoser nicht treffen können Er kam mit seinem grünen Staatsrocke, mit Schleppsäbel und Helm und erklärte an Herrn und Frau Leitner ein rechtes Anliegen zu haben.

Sie wollen meine Töchter wohl wieder in die Enzianhütten einladen?" sagte Frau Nanni gereizt.

Rein," sagte der Bernmoser nur allein die Fräulein Mathild' tu meine Hütten als meine Frau."

Der Mund blieb Frau Rannt fast vor Er­staunen stehen. Sie vermochte nur das einzige Wort zu sagen:Wa a as?" Dann aber setzte sie hinzu:

Was denken Sie sich denn eigentlich?"

Nun halt daß ich mit der Mathild' recht

BerücksichtigungderbetreffendevRe­klamationen nicht stattfinden kaun.

Die Herren Ortsvorstände haben das Vor­stehende in ihren Bezirken wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit voll­ständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

5679. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Cassel, den 11. Juui 1891.

Königliches LavdrathSamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er- gebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Wilhelm Kehm aus Steinau inzwischen zu seinem Lehrmeister Konrad Magersuppe zu Helsa zurück- gekehrt ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 6. Juni d. Js. II. Nr. 2879 als erledigt hier- durch zurückziehe.

Der LaudeS-Director.

An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld. J. II. Nr. 2938.

* * *

Hersfeld, den 13. Juni 1891»

Wird den Ortspolizeiverwalteru und der Königl. Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf die Verfügung vom 9. d. Mts. Nr. 5836 (KreiSblatt Nr. 70) mitgetheilt.

6026. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Zum 15. Juni 1891.

Zum dritten Mal kehrt in diesem Jahre der Tag wieder, an welchem Kaiser Wilhelm II. in ernster, von tiefer Trauer erfüllter Zeit, den Thron Seiner Väter bestieg und die schwere Bürde der Regierung mit voller Hingebung an seinen Herrscherberuf auf Sich nahm. Mehr noch

gut leben könnt'"

Aber bedenken Sie denn nicht, daß eS gewisse Standesrücksichten giebt?"

Ach so," sagte Bernmoser ruhig.Auf d e r Sait'n sptel'as auf. Weil mein Vater nur ein Chausseeaufseher ist?"

Sie werden doch begreifen, daß eS doch ge­wisse Schranken im Leben"

Ja ja--ick versteh' schon," sagte er gedrückt. Aber dann kam ihm daS Blut zu Kopf und seine Stimme hob sich:

Wenn's meinen Dienst hätten, hinauf in die Berg müßten, wo die Bauern den Enzian brennen, da thäteu's keinen solchen Kamm aufsetzen, da thäten alle Nebel um Ihren Kopf fallen und mit einem helleren Geist würden's hinab auf die Welt und ihre Schranken schauen frei von aller Engherzigkeit und allem Hochmuth. Freilich einen Herrn Oberbaurath kann ich als Vater Ihnen nicht präsenttren hätt' auch gar keine Lust dazu. Mein guter Alter? Wie die Frau Muttern g'storben war, hat er nicht mehr g'heirath, nur damit ich keine Siesmutter kriegen thät. Nix für ungut, Frau Lettner. Ich will die Mathild' gar nicht mehr haben."

Am Abend wurde zwischen dem Leitner'schen Ehepaar beschlossen, daß die Zelte morgen in Amsteg sollten abgebrochen werden, namentlich auch, als sie von der Abreise der Frankfurter