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Hersstl-er Kreisblatt.
__________Mit wöchentlicher Hratis-Meilage „Illugrirtes Muterhaltungsblatt".__________
Nr. 66. Donnerstag den 4. Juni 1891.
Bestellungen auf das Kersfelder Kreisblatt mit der wöchetttliche« «rati- Beilage »Jlluftrirt«« Unterhaltung-blatt^ pro Iuni werden von allen Kaiserlichen Post, anstalten, Landbriefträgern und von der Expe- dition angenommen.
Amtliches.
_ _ ^H-Ed, ben L Jmi 1891.
Für die am 31. März 1873 zu Mecklar geborene Barbara Elisabeth Reiffert ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
5621. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Homberg, dH.MalMl.
Königliches Landrathsamt benachrichtige ichunter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 1. d. Mts. Nr. 3343 ergebenst, daß die unter dem Rindvieh des Christian Heinrich Haas zu Oberhülsa aus- gebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist.
Der Landrath von Gehren.
An Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. Nr. 4077.
* . *
Hersfeld, den 30. Mai 1891.
Wird veröffentlicht.
5522. Der Königliche Landrath ______Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
DerFußpfadüber die s. g. Brückwiese in der Gemarkung Untergeis, Ktbl. 4. Nr. 458/98,
Ktbl. 4. Nr. 99 und Ktbl. 4. Nr. 100 ist bei Strafe verboten.
Untergeis, den 1. Juni 1891.
Die Gemeindebehörde.
Gefunden: ein kleiner Schirm. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu Obergeis.
Aus dem Abgeordnetenhause.
Berlin, 2. Juni. In der heutigen (93.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhaus es kam der Gesetzentwurf zur Ausführung des §. 9 des Gesetzes, betreffend die Einstellung der Leistungen aus Staatsmitteln für die römisch-katholischen Bi-thümer und Geistlichen vom 22. April 1875, in zweiter Berathung zur Verhandlung. Referent Abg. Simon von Zastrow betonte, daß die Commissionsbeschlüsse einstimmig angenommen seien und daß daS Haus hoffentlich ebenso ein- müthig diesen Beschlüssen beitreten werde. Ministerpräsident Reichskanzler v. Caprivi erklärte, daß die StaatSregierung den von ihr vorgelegten Entwurf auch heute noch vorziche, daß sie aber, um dem §. 9 des Gesetzes vom 22. April 1875 gerecht zu werden, und um den Frieden herzustellen, die Beschlüsse der Commission annehmen werde, wenn das HauS denselben beitrete. Abg. Freiherr v. Heereman erklärte, daß die CentrumSfraction die Regierungsvorlage vorgezogen haben würde, daß sie aber bei der Aussichtslosigkeit Anträge auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage nicht stellen werde. Im klebrigen habe die CentrumSfraction ihre ganze Stellung und Wünsche früher genügend zum Ausdruck gebracht; er werde deshalb heute auf dieselben nicht zurückkommen. Abg. v. Eynern gab Namen« der nationallibe- ralen Partei die Erklärung ab, daß dieselbe der Vorlage nicht zustimmen könne. Da« Centrum betrachte die Vorlage lediglich als Abschlagszahlung, der evangelischen Kirche gegenüber aber erschiene dieselbe als eine Belohnung für den Widerstand gegen die Kirchengesetze, als ein Sieg, dem aus der evangelischen Seite die Niederlage gegenüberstehe. Deshalb könnten seine Freunde der Vorlage nicht zustimmen. Abg. Rickert sprach für die Vorlage, die als eine einfache Conse- quenz des Gesetzes von 1875 anzusehen sei, und erklärte seine Befriedigung über die Erklärung des Herrn v. Heereman. Ein Gefühl der Niederlage empfinde er nicht. Abg. Frhr. von Zedlitz erklärt, daß der größere Theil der freikonservativen Partei nicht für die Commissionsbeschlüsse stimmen könnte. Sie würden indeß bereit gewesen sein, die sachlichen Bedenken zurücktreten zu lassen, wenn sie überzeugt sein
könnten, daß die freundliche Absicht der Regierung wirklich erreicht wurde. Sie könnten aber in der Vorlage die Garantie eines dauernden Friedens nicht erblicken. Abg. Graf zu Limburg-Stirum betonte, daß die Commission eine Lösung der Frage gewählt, welche die Gefühle der Protestanten in keiner Weise verletze. Die überwiegende Mehrheit seiner Freunde würden für das Gesetz stimmen. Nach kurzer weiterer Debatte wurde der Artikel I mit erheblicher Mehrheit angenommen. Nach dem Anträge des Abg. Dr. Porsch (Centr.) wurde der Artikel II. der Vorlage, wie folgt, gefaßt: »Aus den im Artikel 1 aufgeführten Summen sind mit Ausschluß von Zinsen in den einzelnen Diöcesen bezw. Diöcesanantheilen Beträge zu bewilligen an solche Institute und Personen bezw. deren Erben, welche dadurch Einbuße an ihren Einkünften erlitten haben, daß auf Grund des Gesetzes vom 22. April 1875 für sie bestimmte Bezüge zu dem im Artikel 1 bezeichneten Sammelconto eingezogen worden sind", nndferner als zweiter Absatz zugefügt: «Hierbei treten an Stelle der in Absatz 1 aufgeführten Institute und Personen bezw. deren Erben diejenigen Institute, Korporationen und Fonds auf den Antrag ihrer gesetzlichen Vertreter, welche diesen Instituten und Personen nachweislich einen Ersatz für die erlittenen Einbußen gewährt haben." Die übrigen Theile des Gesetzentwurfs wurden debatteloS genehmigt.
Wolitische Nachrichten.
Ihre Majestäten der Kaiser nnb d i e Kaiserin sind am Montag Vormittag 8 Uhr in Kiel eingetroffen und wurden bei der Ankunft von I. K. H. der Prinzessin Heinrich von Preußen, sowie von der Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein begrüßt. Die Allerhöchsten Herrschaften begaben sich sofort in das Königliche Schloß. — Se. Majestät der Kaiser besuchte Morgens 11 Uhr das Flaggschiff des Manöver- geschwaders »Baden". Gegen Mittag begaben sich Ihre Majestäten an Bord des Aviso .Greif", um der Jacht .Meteor" entgegenzufahren. Beim herrlichsten Wetter salutirten die Kriegsschiffe die kaiserliche Standarte- — Seine Majestät der Kaiser kehrte von der Seefahrt Nachmittags 4 Uhr an Bord der Jacht »Meteor" zurück, ge-
I Meldung machen, daß ich Kitty mitgebracht habe."
.Sie?"
»Ja wohl, geholt habe ich sie."
Und er lachte bei dieser Meldung mit seinen weißen Zähnen zwischen den vollen Lippen und ging, die Hände in den Taschen seines kurzen JacketS, mit vorgeschobenen Schultern und krummen Beinen durch das Zimmer, als ob weder Vera noch Claudine da wären. Es schien, als müßte er seine Freude für sich allein haben. Erst nach einer Weile sagte er:
»Eine verlorene Ehre ist leichter wieder zu finden, als so ein Waggon mit einem Pferde. Toll — toll, daß so etwas auf der Bahn Vorkommen kann! Natürlich Bummelei von Ihrem Groom — noch mehr von der Bahn. Der Wagen mit Jncognito anstatt mit Kitty wurde au der Station bei Pasing ausgehängt und Kitty kutschirte ganz vergnügt ein paar Häuser weiter, nur über München — Würzburg — nach Binger- brück, bis sie dort den Kopf aus dem Wagen streckte und zu sagen schien: Meine Herren, ich bin hier wohl nicht ganz recht? Ja, allerdings ein kleiner Umweg — haben Sie nur Geduld, mein Fräulein. Eine so schöne Dame, wie Sie, die wird sicherer auf den rechten Weg zurückgebracht, als manches hübsche, vergnügte, weibliche Menschenkind."
Ueber die letzte Bemerkung, die Bristol mit einem Lachlaute und einem Zwinkern seiner Augen
Aus hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
Claudine ging ab und zu, um frische kalte Umschläge für die verstauchte Hand zu bringen. Jetzt wieder, aber da meldete sie, daß My. Bristol das gnädige Fräulein zu sprechen wünsche.
»Ich dachte, der sei abgereist."
»War — war," berichtete die Zofe, .aber nun muß er wieder da sein, denn sonst —"
Da stand der Genannte aber auch schon in der geöffneten Thür und sagte:
.Am Besten ist es, sich gleich selbst mitzu- bringen. Ich muß nothwendig das gnädige Fräulein sprechen."
.Aber, bann müssen Sie mich entschuldigen, wenn ich hier auf der Chaiselongue liegen bleibe."
»Erst recht, sagte er — denn —"
»Was wollten Sie sagen, mein Herr?" »Sagen? Gar nichts."
Nur schauen — hätte er sagen müssen — aber es kam nicht heraus. Dafür zuckten zwischen seinen zusammengezogenen Augenmuskeln Blicke — Blitze seiner schwarzen Augen nach Vera, daß diese, als wollte sie sich davor schützen, den blauen Schlafrock und die Spitzenkrause am Halse fester zusammenzog. Sie schnellte auf, als Mr. Bristol ganz trocken sagte:
»Ich wollte dem gnädigen Fräulein nur die
begleitete, ging Vera rasch hinweg und frug ihn schnell, ob er denn wirklich Kitty den weiten Weg vom Rheine bis zur Jsar zurückgebracht habe.
»Na, was denu sonst? Freilich. Sie haben meinen Gaul bekommen, also ist es nur recht und billig, daß ich Ihnen wieder zu dem Ihrigen verhelfe. Und dann —"
»Was wollen Sie sagen?"
»Dann habe ich ja gesehen, wie aufgebracht Sie über ben armen häßlichen Jncognito waren und um das von dem armen Kerle abzuwenden — so ein Thier fühlt das auch — habe ich mich auf den Weg gemacht, die schöne Kitty aufzu- suchen, an die freilich mein armes Luder von Gaul nicht ran darf. Das ist mal so, wie bet den Menschen, so auch bei den Pferden."
Er sagte das mit einem so rührenden Tone und einem so melancholischen Blicke auf Vera, daß diese davon betroffen wurde, ja in Verwirrung gerieth. Um diese zu verbergen, über« strömte sie den jungen Mann mit Ausdrücken des DankeS für das Opfer, was er ihr gebracht habe.
»Opfer — ach wo! Au Ihrem Unwillen über Jncognito habe ich gesehen, welch große Freude es Ihnen machen würde, wenn ich Ihnen Kitty wiederbrächte und da —"
Da wollte Vera mit einer raschen Bewegung auf» schnellen, sank aber mit einem leisen Schmerzens- laute wieder zurück; sie hatte ihre Hand nicht beachtet.