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kräftiges Mädchen von 6 Jahren, und das jüngste, ein schönes Töckterchen von 7 Monaten, so arg verbrannt, daß sie noch denselben Tag starben. Der Junge von 4 Jahren hatte sich nach der Stubenthür geflüchtet und sich da unter den Tisch versteckt, sodaß er nur geringe Brandwunden erlitt. Das Feuer wurde in der Wohnstube wieder erstickt, und ist nur das darin befindliche Mobiliar theils verbrannt, theils be­schädigt. Ueber die Ursachen der Entstehung des Brandes ist bis jetzt noch nichts ermittelt worden. Vermuthlich hat der 4jäbrige Sohn sich ein Streichzündhölzchen verschafft und den Brand hervoraerufen.

Cassel, 30. Mai. Dem Kriegerverein in Hessen und Waldeck ist Seitens des Königlichen General-Commandos die Genehmi­gung ertheilt worden, bei der am 12. September d. J. bei Cassel stattfindenden Parade des 11. Armeecorps auf dem Paradefelde Auf­stellung zu nehmen und ist dem Ehrenvorsitzenden des Verbandes, Herrn Generalmajor z. D. Funk, das Commando übertragen worden. In einem Rundschreiben ersucht der Verbandsvorstand die Kriegervereine um schleunige Angabe, in welcher Kopfstärke sie sich an der Parade be- theiligen werden. Die in dem Bezirk des 11. Armeecorps liegenden Kriegerverbände nehmen voraussichtlich gleichfalls in starken Deputationen theil. Kciegerv.'reine, welche sich einem dieser Verbände und dem deutschen Kriegerbunde noch nicht angeschlossen haben, dürfen nach einem Ministerialerlaß nicht mit in die Front eintreten. Der Kriegerverband in Hessen und Waldeck ist einer der größten Bundesbezirke und umschließt gegenwärtig nicht weniger denn 192 Vereine mit über 9000 Mitgliedern.

Cassel, 29. Mai. Ein frecher Raub wurde heute am hellen Mittag auf dem hiesigen Bahn­hof verübt. Eine Dame, welche sich ein Billet gelöst hatte, war auf dem Wege vom Billet­schalter im Begriff, ihr Portemonnaie einzustecken, als ein verkommener Mensch von der Seite zu- sprang, ihr das Portemonnaie entriß und davon eilte. Der Gauner ist leider, obwohl er von der Polizei verfolgt wurde, entkommen. Das Portemonnaie soll an 200 Mk. enthalten haben.

Cassel, 29. Mai. Ein hiesiger Fabrikbesitzer schnitt sich vorgestern an der Kreissäge aus Unvorsichtigkeit zwei Finger der rechten Hand ab. Auf einem Zimmerplatz rutschte beim Be­bauen eines Balkens einem Zimmermann aus Heckershausen das schwere Beil aus und fuhr ihm in den Unterschenkel. Schwer verletzt wurde er nach seiner Heimath gebracht.

Cassel, 29. Mai. Ein Canal-Arbeiter aus Sachsen hatte sich für einige Zeit bei Leuten, welche im Kirchweg zu Wehlheiden wohnen, ein- gemiethet, so daß Kost und Logis bis auf 50 Mk. angewachsen waren. Nachdem er einem jungen Mädchen unter Vorspiegelung falscher That­sachen, 40 Mk. abgeschwindelt und schließlich einen Kaufmann um 46 Mk. betrogen hatte, ver­schwand der Bursche, ohne auch jenes Logis- und Kostgeld zu entrichten.

Wattfried, 28. Mai. Ein betrübender Vor­fall ereignete sich gestern Mittag in der nahe der Dampfschneidemühle gelegenen Badeanstalt. Der allen wohlbekannte und brave Badewärter W etz e- st e i n hatte das Unglück, bet einer vorzu- nehmenden Reparatur am Badehaus auszurutschen und in die hier circa 2 Meter tiefe Werra zu fallen. Obgleich bald Hilfe zur Stelle war, ge­lang es doch nicht mehr, den rc. Wetzestein zu retten und fand man erst nach drei Stunden langem Suchen die Leiche desselben in der Nähe der Unglücksstelle. Der Vorfall erregt umsomehr Mitleid, als der Verstorbene Vater von mehreren unversorgten Kindern ist.

Marburg, 28. Mai. Nach der nunmehr ihrer Vollendung entgegengehenden statistischen Aufstellung wird die Gffammtfrequenz der imma- trikulirten Studenten an hiesiger Universität in diesem Sommersemester die Zahl 930 erreichen.

Wehlh-idett, 30. Mai. Der Wirth K. von hier hat sich im Mündener Wald erschossen. Der geachtete Mann war durch unverschuldete Unglücksfälle in zerrüttete Vermögensverhältnisse gerathen und man nimmt au, daß er aus diesem Grunde seinem Leben ein Ende machte.

Gudettsbera, 27. Mai. Seit verflossenen Montag ist der» hiesige Bezirksschornsteinfeger- meister L. verschwunden. Es wird ver­muthet, daß er flüchtig gegangen sei, denn er hat am Montag Abend von Bekannten Abschied genommen mit der Bemerkung: ihr seht mich nicht wieder. Alles faßte diese Aeußerung des L. als Scherz auf, jedoch ist derselbe bis heute noch nicht zurückgekehrt. Die Frau desselben ist ganz rathlos.

Eisettach, 26 Mai. Die diamantene Hochzeit feierten in Wolferbütt bei Eisenach

die Heim'scheu Eheleute. Der Großherzog und die Großherzogin von Weimar ließen ein Gnadengeschenk übermitteln.

Wiesbadett, 29. Mai. Der Kronprinz von Griechenland ist gestern Nachmittag 3 Uhr in Bad Homburg eingetroffen.

Vermischtes.

Ostero d e, 24. Mai. Eine heftige Wind­hose durchtobte heute Nachmittag 3 Uhr die Oberförsterei I a b l o n k e n in der Richtung von SSW. nach NNO. und warf in einem Zeitraum von kaum zwei Minuten auf ihrer ca. 200 Meter breiten und 4 Kilom. langen Bahn schätzungs­weise ca. 20000 Festmeter Kiefernholz. Der verursachte Schaden ist, wie der »Staats-Anz." schreibt, nicht unbeträchtlich, da zum Theil vierzig- lährige Stangenhölzer vernichtet und auch die gebrochenen Haubaren Hölzer in Folge der Zer­splitterung des Schaftes sehr entwerthet worden sind. Die Ortschaften Alt-Jablonken und Königs- Wiese, ferner die Ortschaft Barniece und die dortselbst befindliche Dampfschneidemühle, sowie das Oberförster- und Försteretabliffement Jab- lonken sind durch die Windhose zum Theil stark beschädigt worden. Menschenleben scheinen der Catastrophe indessen nicht zum Opfer gefallen zu sein.

Duisburg. Ein ergötzlicher Zwtschen- fall spielte sich in voriger Woche nach der letzten Vorstellung Buffalo Bills hierselbst ab. Die Zuschauer verließen eben ihre Tribünen und die »Wilden" drängten sich durch das Publikum in ihre Zelte, als ein Maurer, welcher ebenfalls Zuschauer gewesen war, auf einem »Cowboy" zu- schritt, ihm von hinten auf die Schulter klopfte und den verdutzt um sich Schauenden mit der Frage überraschte: »Na Willem, wat häwwe se dann wer dich gemok?" Und der »Cowboy: antwortete im reinsten Kölner Volksdialect »Süch der Jupp! Jo, met mer fangen se alles an." Diese Worte erregten bei den Umstehenden stürmische Heiterkeit. Der Maurer verlor sich darauf im Gedränge, der »Cowboy" aber zog sich zurück ins Zelt zu seinenStammesgenossen."

G o t h a, 29. Mai. In der Friedrichrodaer Waldung wurde heute der Kreiser Rudolf er­schossen aufgefunden. Näheres über den Vorfall ist noch unbekannt.

-Bremen, 29. Mai. Der »Norddeutsche Lloyd" hat seine Agenten in Europa angewiesen, den körperlichen und moralischen Zustand aller nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika reisenden Personen eingehend zu untersuchen. Die Agenten des Lloyd werden künftig für jeden von Amerika zurückgewiesenen Auswanderer einen Betrag von 21 Dollars zu zahlen haben.

B r a u u s ch w e i g, 28. Mai. Elf junge Leute machten in der letzten Nacht im Anschluß an eine Geburtstagsfeier eine Kahnfahrt auf der Oker. Der Nachen schlug um und vier Fahrer ertranken.

Metniuaen. In Themar sind dieser Tage in Folge Genusses von rohem Schinken in der Familie Heidrich Vater, Mutter und eine erwachsene Tochter gestorben. Zwei Knaben liegen noch schwer krank danieder. Der Schinken war anscheinend stark trichinös.

Luxemburg. Der Mörder des Oberstlieutenants Präger, Uebing, ist heute früh den deutschen Behörden übergeben worden. Derselbe soll, da er seiner Zeit aus dem deutschen Heere deserttrt ist, vor das Corpsgericht des 16. Armeecorps gestellt werden.

Grenoble, 30. Mai. In der Umgebung der Stadt stürzte heute ein Haus zusammen. Sieben Personen wurden in den Trümmern be­graben. Es gelang nur zwei davon, welche Ver­wundungen erlitten hatten, zu retten; man be­fürchtet, die übrigen nicht mehr lebend befreien zu können.

Petersburg, 31. Mai. Auf dem Jlmensee sind bei einem heftigen Sturme 19 mit Holz beladene Barken gescheitert. Die gesammte Bemannung derselben soll dabei um's Leben ge­kommen sein.

Eine Anzahl hervorragender Mediciner und Zahnärzte Londons war kürzlich von dem Vor­stände des Instituts für medicinische Electricität eingeladen, um mehrerenZahnoperationen unter Anwendung von Electricität beizu- wohnen. Das hierbei erzielte Resultat war daS denkbar günstigste, indem sämmtliche Patienten von verschiedenem Alter und Geschlecht auf das Bestimmteste versicherten, nicht den mindesten Schmerz während der Operation gefühlt zu haben, was außerdem auch an dem vollkommen ruhigen Gesichtsausdruck der zu Operirenden während des Zahnausziehens ersichtlich war; und es waren sehr schwierige Fälle dabei. Ein Mädchen kam mit vollständig verschwollenem Zahnfleisch und

abgebrochener Zahnkrone, so daß von dem zu ziehenden Zahn nichts zu sehen war; als ihr der Operateur den dreiwurzeligen gezogenen Zahn zeigte, wollte sie nicht glauben, daß es der ihrige sei, da sie nicht im Geringsten etwas von dem Ziehen gefühlt habe. Der electrische Apparat, mit dem diese Wirkung erzielt und der vom Er­finder »Vibrator" genannt wird, befindet sich in einem eleganten, in der Tasche tragbaren Etui und besteht aus einem Trocken-Element, einem Rhumkorffschen Electro-Magnet und einem aus dünner, harter Metall-Lamelle bestehenden Commu- lator, der in der Secunde 420 Vibrationen macht und ein singendes Geräusch verursacht, das dem hohen a entspricht. Der Patient bekommt in jede Hand einen Conductor, und der Strom wird allmählich verstärkt bis zur Grenze des Er- teagungsv:rmögens. Von dem mit dem positiven Pol verbundenen Conductor geht eine Zweig­leitung nach der in der Hand des Operateurs befindlichen Zahnzange. Unmittelbar vor dem Angriff mit der Zange wird der Strom für einen Moment abgestellt und sofort wieder mit voller Stärke eingeschaltet, und nun wird die Operation ohne jegliche Schmerzempstndung vollzogen.

(Aufregung in einer Kirche.) Die Andächtigen tu einer Kirche in Detroit wurden neulich durch einen Hund gestört, der mit Schaum vor dem Maule, bellend und nach allen Seiten schnappend in das Gotteshaus lief. Es folgte natürlich eine furchtbare Scene, mehrere Frauen fielen in Ohnmacht und Alles suchte sich auf die Gallerten zu retten. Endlich gelang es dem Kirchendiener, das Thier durch einen Schlag auf den Kopf mit einem Stuhl zu betäuben, worauf er und der Pastor den Hund auf die Straße schleppten. Dort machte einer der An­dächtigen, der »zufällig" einen Revolver bei sich hatte, dem Ruhestörer den Garaus.

Ein schrecklicher Unfall wird aus B e u a r e s berichtet. Eine große aus Hindus bestehende Hochzeitsgesellschaft hatte sich auf den Ganges begeben, um denselben, wie es bei solchen An­lässen üblich ist, anzubeten. Plötzlich verschwand der Boden des Bootes, in welchem die Leute sich befanden, der zu starken Last nachgebend, unter ihren Füßen. Sämmtliche Insassen fanden den Tod in den Wellen. Bis jetzt sind 19 Leichen gefunden worden.

Ueber die Kosten desPanama- c a n a l s in den Jahren 1884 bis 1890 giebt der technische Attachä der deutschen Botschaft in Paris, im »Centralblatt d. Bauv." einige be- merkenswerthe Zahlen nach dem Berichte, den der Gesellschaftsauflöser Monchtcourt an das Civilge- richt erstattet hat. Die Einnahmen sind imGanzen zu rund 1330 Millionen angegeben, denen an Ausgaben gegenüberstehen: solche auf der Land­enge von Panama mit zusammen 783 Millionen, ferner solche zu Paris mit 390 Millionen, wozu noch kleinere Beträge für Vorschüsse, Panamabahnactien u. s. w. mit 141 Mill. treten, so daß noch 16 Millionen in der Gesellschaftskaffe sein müßten. Demnach hat man im Ganzen über 530 Millionen allein für Verwaltung, Studien, Versammlungen, Reisen und manches ganze Un­nütze verausgabt, wobei sich nach jener Mittheilung, auch wohl viele Millionen befinden, die für die günstigsten Berichte der französischen Presse über das Unternehmen gezahlt worden sind. Aber auch für die 783 in Panama selbst gezahlten Millionen ist nur wenig geleistet worden, da z. B. allein an Eiffel in Paris 70 Millionen für die Ein- leitungsarbeiten zu dem großen Schleusencanal zu entrichten waren. Wirklich geleistet sind gegen eine Zahlung von 350 Mill. Frcs. im Ganzen etwa 50 Millionen Kubikmeter Bodenbewegung, die kaum ein Drittel der erforderlichen Massen- bewältigung darstellen. Au der Hand aller Zahlen läßt sich berechnen, daß auch bei Fortfall aller überflüssigen Kosten zur Vollendung des Canals mindestens noch 800 Mill. Frcs. erforder­lich sein würden.

Auf dem Pferdemarkt ruft ein Händler seinem Gehilfen zu, »Jakobleben, setz D'r auf den Braunen und reit ihn dem Herrn Baron vor." Jakob (leise zum Principal): »Soll der Gaul zum Verkauf laufen oder zum Ankauf."

(Bedenklicher Druckfehler.) Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß der Genuß des Bockbieres auf die Stimmung deS Trinkers eine teilsame Wirkung ausübt.

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