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itrsftlhtr Krtisvliltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Auterhaltuugsblatt".
Nr. 64. Somabeud den 30. Mai 189Ü
Erstes Blatt.
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Sersfelder Kreisblatt pro Juni werden von allen Kaiserlichen Post- anstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Des Königs Majestät haben mittelst Aller- böchster Ordre vom 27sten v. M. dem Central- Comitee des Preußischen Vereins zur Pflege im Felde verwundeter oder erkrankter Krieger die Erlaubniß zu ertheilen gerubt, für die Zwecke des Vereins in den Jahren 1891, 1892 und 1893 je eine Geldlotterie zu veranstalten und die Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.
Zu jeder Verloosung werden 400 000 steuerfreie Loose ä 3 Mark ausgegeben und die Zahl der Gewinne beträgt 4119 im Gesammtwerth von 575 000 Mark.
Die unterstellten Polizeibehörden werden hiermit angewiesen, den Vertrieb der Loose nicht zu beanstanden.
Cassel, am 25. Mai 1891.
Der Regteruvgs-Präsident. J. V.: v. Pawel.
Die Herren Bürgermeister, Gutsvorsteher und Gemeinde-Rechnungsführer, welche die Klassen- und Gewerbesteuer-Veranlagungskosten in den Steuer-Erhebungsterminen nicht empfangen haben, werden hierdurch auf Mittwoch, den 3. Juni d. I. Vormittags 10 Uhr hierher vorgeladen. Es wird ersucht, die Dienstsiegel mitzubringen. Hersfeld, den 27. Mai 1891.
Königliche Steuerkosse. Hecker, Reutmeister.
Auf hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
Jncognito — der häßliche abscheuliche Gaul, vor dem sie aus Frankfurt so zu sagen entflohen war. Was war da geschehen? Wie kam Tom zu dem Pferde — zu diesem gerade? Aber vielleicht täuschten sie ihre Augen — ihr Glas. Sie rief Claudine, damit diese sie vergewissern sollte, daß sie recht sehe. Die Zofe bestätigte, daß sie ein Pferd sehe, und einen Reiter drauf. Aber ob es Kitty ist? Darüber wußte Claudine nichts anderes zu sagen, als daß das Pferd, welches sich mit dem Reiter immer mehr der Pension näherte, ein Brauner war, wie Kitty auch. Darüber wurde Vera noch mehr in ihrer üblen Laune aufgestachelt. Sie konnte nicht begreifen, wie man so wenig Unterscheidungssinn haben könne.
„Was man Pferdeverstand nennt," meinte lachend Claudine. »Den habe ich nicht — obgleich mein Vater sich unendliche Mühe gegeben hat, mir den beizubringen."
»Ihr Vater? Wieso? Er hatte wohl einen Rennstall?"
Die letzte Frage klang recht höhnisch und Claudine sagte sehr schnell, mit jener Befangenheit, als hätte sie zu viel gesagt:
»Als ob ein kleiner Mann nicht ein Fuhrwerk haben könnte, von dem er die Seinen ernährt?"
Vera eilte vom Balkon hinab nach der Hausthüre, um Tom zu erwarten, und dieser schien mit Absicht eine recht bequeme Gangart mit dem Pferde eingeschlagen zu haben. War denn alle Welt heute darauf zugeschnitten, um sie zu foppen — zu ärgern? Sie rannte eine Strecke Wegs dem Groom entgegen:
»Tom — wo ist Kitty?" schnaubte sie dem Ankommenden entgegen.
Der Bursche wechselte die Farbe, stotterte einige Worte — und blieb unter deu flammenden Blicken seiner Herrin wie gebannt. Diese hatte ihn aus England bezogen und amüsirte sich oft au seinem deutsch-englischen Kauderwelsch — in diesem Augenblicke allerdings nicht. Sie wartete noch immer auf eine Antwort. „Kitty — Kitty!" rief sie. „Dieser Racker ist Jncognito. Wo ist meine Stute?"
„Fort — away,* berichtete der Groom.
„Wohin — wohin?"
„Ich uißen nicht —"
„Aber sie war doch von Frankfurt an in die Bahn eingeladen —"
„0 yes - in die dritte Klassen —"
„Haben Sie sie denn nicht in den Pferdewagen gebracht?"
Maßregeln zur Verhütung der Lungen- schwindsucht.
Die schlimmste und weit verbreitetste Krankheit, die es giebt, ist die sogenannte Lungenschwindsucht. Der siebente Theil der Menschen stirbt an ihr, ein erschreckender Procentsatz, wie er bei keiner anderen Krankheit beobachtet wird. Sie kommt in jedem Theile der Erde vor, im Norden und Süden, im Osten wie im Westen. In einzelnen Gegenden ist sie häufiger, in anderen seltener; am schlimmsten tritt sie da auf, wo die Menschen dicht zusammenwohnen, also namentlich in den großen Städten.
Die Ursache der Krankheit ist ein von Professor Koch in Berlin entdeckter ganz kleiner Pilz, der nur nach vorausgegangever künstlicher Färbung mit bedeutenden Vergrößerungsgläsern erkannt werden kann, der sogenannte Tuberkel- baccillus. Derselbe ist in der Lunge der Schwindsüchtigen und po^ Allem auch iu dem Auswurfe derselben. Hauptsächlich durch den letzteren findet die Uebertraaung des Pilzes auf bisher gesunde Menschen statt und zwar vorwiegend durch den getrockneten zerstäubten Auswurf.
So viel nun auch in letzterer Zeit die Hoffnung der Schwindsüchtigen auf Genesung durch eine zweite Entdeckung Koch's, die sogenannte Tuberkellympfe, welche unter die Haut gespritzt wird, gestiegen ist, so ist es doch ein noch viel dankbareres Feld, die Menschen vor der Schwindsucht zu bewahren. Dies Letztere wird vor Allem durch Unschädlichmachung des Auswurfes der Schwindsüchtigen erreicht. Das sicherste Mittel wäre, denselben sofort zu verbrennen; dies läßt sich aber in Wirklichkeit nicht ausführen. Ein sehr zuverlässiges Mittel, das sich auch ausführen läßt, besteht aber darin, daß der Auswurf stets feucht gehalten wird. Da Niemand ohne genaue Untersuchung weiß, ob in seinem Auswurf nicht vielleicht Tuberkel-
baccillen sind, so soll ein jeder, der Auswurf hat, in mit Wasser gefüllte Spucknäpfe ausspeieu, die nachher in nasse Tonnen, Aborte u. s. w. entleert werden. Durch chemische Mittel ist eine Zerstörung der Tuberkelbaccillen im AuSwurfe nicht möglich; das einzige sichere Mittel wäre Kochen, dies ist aber zu umständlich.
Es sollen deswegen in allen öffentlichen Lokalen mit Wasser gefüllte Spucknäpfe aufgestellt werden, welche dem Publikum hiermit zur Benutzung bestens emvfohlen werden. Ferner soll das Kehren der Straßen und Zimmer ohne vorherige gründliche Begießung streng verboten werden.
Bei strenger Befolgung dieser Maßregeln ist mit Sicherheit zu erwarten, daß der schlimmste Würgengel, die Lungenschwindsucht, erheblich abnimmt.
Also nicht auf die Erde spucken, sondern indiemitWasser gefüllten Spucknäpfe!
Deutschland s Waareuverlehl mit
Rußland und der Schweiz.
Der 51. Band der Statistik des Deutschen ReiLs, der den gesammten Waarenhandel Deutsch- land's mit dem Auslande in den Jahren 1880/89 enthalten wird, erscheint in Einzelheiten, von denen jedes für sich zu haben ist. Heft 1 und Heft 2 enthalten den Waarenverkehr mit Oesterreich-Ungarn und mit Italien, über den wir vor einiger Zeit berichtet haben; das 3. und das 7. Heft beziehen sich auf die Schweiz und auf Rußland.
Den größten Theil der Einfuhr in den freien Verkehr aus Rußland bilden Boden- und thierische Producte. Im Jahre 1889 betrug die Einfuhr dem Werthe nach: iu Roggen 98,4, Weizen 42,3, Raps 37,4, Gerste 36, Flachs 35, Hans 27, Hafer 28, Kleie 14,4, Holz 67, Häute und Felle 16, Borsten 10, Eier 13, Pferde 11 Millionen Mark. Die sonstigen Einfuhrartikel hatten einen geringeren Werth als 10 Millionen
„0 yes — Kitty well gefressen und well ersoffen — all right.*
Im Wasser umgekommen war das Thier allerdings nicht, wie Vera nach dem ersten lähmenden Schreck erfuhr. Aus dem Berichte des Burschen setzte sich der Thatverbalt folgendermaßen zusammen. Tom hatte das Pferd richtig in den Wagen gebracht und dann in dritter Wagenklaffe Platz genommen. Die Fahrt war durch die ganze Nacht gegangen — über München hin und bis an den Kreuzungspunkt, wo Gebhard damals die Bahn verlassen hatte. Als Tom aus tiefem Nachtschlafe erwachte — in München hatte er durch einen mehrstündigen Aufenthalt im Hofbräuhause die nöthige Bettschwere erlangt — und ihm vom Bahnvorstand bedeutet wurde, daß er nun auszusteigen hätte, um seinen Gaul an sich zu nehmen — hatte er aus dem Waggon zwar ein Pferd kommen sehen — aber nur nicht das seinige —
Das Verschwinden des Pferdes blieb dem Bahnbeamten selbst räthselhaft — noch wehr — als der Groom ihm erklärte, daß er in Frankfurt selbst sein Pferd in den Wagen gebracht habe — Wahrscheinlich war nach des Beamten Meinung der Wagen unterwegs mit dem richtigen Pferde ausrangirt worden. Aber woher denn dieser Gaul? Das wußte der Bahnvorstand noch