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Brücke passirt, als das vorgespannte Pferd durch einen gerade heranfahrenden Eisenbahnzug scheu wurde und durchging. Dabei stürzte der Wagen die Böschung herab, zwei der Jnsaffen wurden herausgeschleudert und mehr oder weniger am Kopf und den Händen verletzt. Zwei andere Insassen hatten sich durch Herausspringen recht-

Cassel, 25. Mai. Einem hiesigen Friseur und seinem Gehilfen wurde gestern Abend in­folge Genusses von Wurst derartig übel, daß sie be­sinnungslos wurden und von eintretenden Kunden vom Boden aufgehoben werden mußten. Die Gelegenheit benutzten auch Diebe zwei Rasir- messer zu entführen. Die Wurst wird auf poli­zeiliche, bezw. gerichtliche Anordnung untersucht werden.

Borke«, 25. Mai. Dem Lehrer Blackert dahier ist der Adler der Inhaber des Königlichen Haus-Ordens von Hohenzollern verliehen.

Frankfurt a. M., 26. Mai. Heute Nach­mittag 6 Uhr löste sich bei der Niederfahrt aus noch unaufgeklärter Ursache der F e s s e l b a l l o n der electrischen Ausstellung und trieb in beträcht­licher Höhe nach Nordosten, landete aber schon nach dreiviertelstüudiger Fahrt. Passagiere und Bedienungsmannschaft sind unversehrt.

Frankfurt a. M., 23. Mai. Der Mensch, welcher den Raubmordvrrsuch an der Wwe. Münden verübte, ist in einer Wirthschaft in Altstadt verhaftet worden. Er ist geständig. Der Name des Verbrechers lautet Louis Theodor Gebstadt aus Klein-Rudolstadt.

Wiesbaden, 24. Mai. Der König von Dänemark ist zu einem dreiwöchigen Kurgebrauch hier eingetroffen.

Eisenach, 24. Mai. Die fünfte Hauptver­sammlung des deutschen Vereins für Knabenhand­arbeit wurde heute Morgen 11 Uhr von dem Vor­sitzenden Lammers (Bremen) eröffnet. Im Auf­trage des Großherzoglichen Staatsministeriums begrüßte Schulrath Eberhardt (Weimar), im Namen der Stadt Eisenach Bürgermeister Wittrock die Versammlung. Nach Erledigung des Ge­schäftsberichts sprachen die Lehrer Hertel (Zwickau) und Kalb (Kera) über den Arbeitsunterricht für Knaben von 7 bis 10 Jahren. Eine von Groppler (Berlin) vorgeschlagene Resolution, in welcher die Nothwendigkeit einer Verbindung zwischen den Arbeiten des Kindergartens und der Schüler­werkstatt betont und den deutschen Schülerwerk­stätten praktische Versuche in dieser Richtung empfohlen werden, gelangte einstimmig zur An­nahme. Zum nächstjährigen Versammlungsort wurde Königsberg i. P. bestimmt.

Friedrichroda, 25. Mai. Das gestern über die hiesige Gegend gezogene Gewitter hat leider einen schweren Uaglücksfall im Gefolge gehabt. In dem nahe gelegenen Ernstroda schlug der Blitz ein, zündete und legte 5 Scheunen und den Dachstuhl eines Wohnhauses in Asche.

Vermischtes.

Der Landeseisenbahnrath sprach sich in seiner Sitzung am Sonnabend für Aus­dehnung des allgemeinen Ausnahmetarifs für Erde, Düngemittel, Kartoffeln und Rüben auch auf Stein- und Braunkohlen, Holz- und Torf­kohlen, Cokes, Brennholz, Torf und Erze aller Art, ferner für noch weitergehende Frachter­mäßigungen für Eisenerze aus. Endlich wurde die Ausdehnung des Ausnahmetarifs auf ab- gerösteten Schwefelkies, Kupfererz-Abbrände und Schlacken empfolen.

Leipzig. Am 19. d. M. Nachmittags unternahm ein bulgarischer Student Namens Radhenow in Begleitung einer jungen Elsäfferin eine Kahnpartie auf der Pleiße. Als während der Fahrt die Insassen des Fahrzeuges die Plätze wechselten, schlug die Gondel um und beide Jnsaffen stürzten ins Wasser, in Welchem sie den'Tod fanden.

Aus Elsaß-Lothringen. Am 6. Mai war ein elsaß-lothringischer Sonder-Pilger- zug nach L o u r d e s mit mehreren Hundert Pilgern unter geistlicher Führung abgegangen und ist am 15. d. zurückgekehrt. Die Pilger hatten sich durch Anheften von rothweißeu Schleifen als Elsässer kenntlich gemacht und waren, wie der »Köln. Ztg.- gemeldet wird, in Frankreich wiederholt Gegenstand sympathischer Kundgebungen. Die Pilger brachten große Mengen Wasser von der Lourder Gnadenquelle mit. Dasselbe wird als Mittel gegen alle mög­lichen Krankheiten angewandt; die Folge in den betreffenden Kreisen ist, datz ärztliche Hülfe in der Regel erst dann in Anspruch genommen wird, wenn es zu spät ist. Der erwähnte Pilgerzug bat übrigens insofern einen unbefriedigenden Verlauf genommen, als von den vielen mit­

genommenen Kranken kein einziger von seinen Leiden befreit worden ist.

Hameln, 25. Mai. Vor etwa zwei Monaten verstarb plötzlich die Ehefrau des Schmieds K. im Nachbarorte Unsen. Gleich nach dem Tode derselben coursirten Gerüchte im Dorfe, wonach sie keines natürlichen Todes ge­storben sein soll. Jetzt ist gerichtsseitig die Aus­grabung der Leiche angeordnet und am 21. d. M. ausgeführt. Wie der »Hau. Kour.- vernimmt, soll der Verdacht des Giftmordes vorliegen.

Karlsbad. Ein plötzlich wahnsinnig gewordener Kurgast bestieg in der Nacht das Dach des von ihm bewohnten Hauses und feuerte von dort mehrere Revolverschüsse ab, durch welche zwei Polizisten verwundet wurden. Die Feuer­wehr holte den Wahnsinnigen herab und schaffte ihn in ein Krankenhaus.

Kottbus, 23. Mai. Vom Blitze er- schlagen wurde gestern im Dorfe Leuthen die Tochter des dortigen Gastwirths und Kaufmanns Weise. Das Mädchen war seit Kurzem verlobt. Die Eltern haben erst vor 14 Tagen eine ver- heiralhete Tochter durch den Tod verloren.

Wien. (Einlanger* Kuß) Der Bahnasplrant S-, der zuletzt in der Station Guntersdorf der Nordwestbahn im Dienste stand, hat durch einen Kuß nicht nur seine Stelle ver­loren, sondern wird sich auch wegen Verbrechens der Einschränkung der persönlichen Freiheit zu verantworten haben. Der Ausgang der Affaire wird für olle Freunde eineslangen* Kusses besonders lehrreich sein. Es handelt sich darum, daß der junge Mann im Bureau eine junge Dame gegen ihren Willen geküßt hat, wodurch die Dame an dem Gebrauch ihrer persönlichen Freiheit verhindert wurde, denn nach Angabe der Geküßten wurde dieselbe durch den Kuß mehrere Minuten lang am Fortgehen gehindert. Der Bahnaspirant beruft sich darauf, daß die Dame gegen den Kuß keinen Widerspruch erhoben habe. Dem gegenüber versichert aber die Dame hoch und theuer, der Kuß sei ihrgeraubt* worden; sie sei nicht in das Bureau gekommen, um ge- küßt zu werden, sondern um wegen einer Fracht­sendung um Auskunft zu bitten. Alles in Allem aber will die Dame zwanzig Minuten lang auf« gehalten worden sein. Als Z-ugin machte sie eine Freundin namhaft, welche auf sie gewartet hatte. Die Nordwestbahn-Direction hat den Ausgang der Verhandlung nicht abgewartet und den Kußspender sofort nach Bekanutwerden des Kusses aus dem Dienste entlassend

(Ein S t u d e n t e n st r e i ch.) Auf eine gelungene Idee ist, wie das »N. W. Tagebl." mittheilt, ein stud. med. in Wien, der an chronischem Münzenschwund litt, verfallen. Er telegrophirte, um neuesMoos" zu bekommen, an seinen Vater, einen biederen Landwirth, er möge ihm doch gleich 50 oder mehr Gulden schicken, da er sich eine Kuh kaufen müsse, um an dieser Jmpfstudien zu machen. Das Schönste bet der ganzen Geschichte ist, daß der gute Vater daraufhin selbst nach Wien reiste und für seinen strebsamen Sohn selbst eine tadellose Kuh kaufte. Der Herr Studiosus soll über diesen Akt väterlicher Fürsorge wenig erbaut gewesen sein.

Der G y m n a s i a st B e st g e n aus Hollerich bei Luxemburg, welcher Uebing, den Mörder des Oberstlieutenants Präger, der Polizei in die Hände gespielt, erhielt die Belohnungen von 400 und 1000 M., welche die Militärbehörde bezw. die Angehörigen des Ermordeten ausge­worfen hatten.

An Sprengwagen sind in Berlin durchschnittlich 160 täglich im Betriebe. Jeder dieser Wagen enthält im Durchschnitt 1500 Liter Wasser und muß diese Menge 36 Mal verbrauchen. Hiernach absorbirt jedes Fahrzeug täglich 54000 Liter Wasser, so daß im Ganzen täglich 8 640 000 Liter für die Besprengung der Berliner Straßen erforderlich sind.

London. In der Behausung Lord Romilly's in Egerton Gardens, der Brompton, Südwest-London, brach am Sonnabend vor Mitternacht durch Umstoßen einer Lampe Feuer aus. Ehe Hülfe geleistet werden konnte, er­stickten Lord Romilly und zwei weibliche Diustboten. Romilly, ein britischer Reichspeer, war Rechtsgelehrter.

Rom. Die Pulverexplosion tu V i g n a P i a ist nach der von Der eingesetzten Untersuchungscommission abgegebenen Erklärung durch Selbstentzündung vonFeuer- werkskörpern veranlaßt, ohne daß indeß eine andere Ursache ausgeschlossen ist.

N e w - A o r k, 20. Mai. Der gestern ge­meldeten Dynamit Explosion auf dem Eisenbahn- znge zwischen New-Iork und Tarytown liegt kein Verbrechen zu Grunde. Das Dynamit war

für Minenarbeiter bestimmt. Die Zahl der Todten beträgt dreißig.

Compiegne, 22. Mai. Auf der Oise verunglückte heute Vormittag eine VergnüzungS- Jacht. Sechs Personen ertranken.

Constantinopel. Der Wiener Männergesangverein coucertirtevor dem Sultan, welcher demselben seine Anerkennung aussprechen und einzelnen Säugern Orden über­reichen ließ. Abends 8 Uhr schifften sich am Freitag die Sänger nach dem Piräus ein.

New-Iork. Die jüngste Milliouairin d e r W e l t ist eine zwei Jahre alte Miß Terry. Sie besitzt gegenwärtig schon 30 Millionen Pfd. Sterl. und wird nach dem Tode ihrer Mutter noch mehrere Mill. Pfd. Sterl. erben. Eine der vielen Gourvernanten der jungen Milliouairin machte jüngst die Reise von hier nach Paris, um für die Puppen ihrer kleinen Herrin Kleiderstoffe nach der letzten Mode einzukaufen. Sie hat thatsächlich Stoffe im Werthe von mehr als 10000 Francs nach Amerika gebracht.

Aus Kamerun. Einige wißbegierige sächsische Herren haben am 15. Januar d. I. aus Leisnig mehrere mit ihren Adressen ver­sehene Postkarten im Umschlag an den deutschen Postvorsteher in Kamerun mit der Bitte um Rücksendung abgeschickt. Mit dem Poststempel 1. April 1891 Kamerun gelangten diese Karten am 18 d. M. wieder in Leisnig an. Die Hin- und Herbeförderung beanspruchte demnach 122 Tage. Die eine der zurückgesandten Karten ent­hielt folgende allgemeine interessante Schilderung: »Deutsche und andere Weiße lebten im Schutz­gebiet in 1890 außer der Besatzung der Kriegsschiffe 137, davon 53 in Kamerun, da­runter 4 Frauen (3 von Missionaren, 1 einesPlan- tagenbesitzers.) Wir leben hier von Ziegen, Hüh­nern, Coko, Reis, importirtenKartoffeln und euro­päischen Conserveu. Frische Gemüse, als Gurken, Bohnen, Kohl werden gepflanzt aus Samen, der von Erfurt kommt. Drei Negerkneipen sind im Anfangsstadium, eine bezieht Bier dtrect von Deutschland. Sonst giebt's keine Restaurants. Das Trinken über den Durst ist hier überhaupt sehr nachtheilia, gesundheitlich wie Pecuniär. Alles wird durch Transport und Verlust der hier werthlosen Flaschen sehr theuer. Mit 350 Mark monatlich tucl. Kleidung kann man auskommen. Wir Beamten haben eine besondere Speiseanstalt, »die Messe-; Koch und Bedienung: Schwarze. Letztes Mal war alles Bier erfroren. Zeit­vertreib brauchen wir nicht, wir arbeiten sehr angestrengt. Vegitation üppig, Land sehr frucht­bar. Kamerun unstreitig besser als Ostafrika.

(Eine Verzweiflungslhat.) In Raczlebe (Ungarn) hat dieser Tage eine un­glückliche Frau, da sie nicht im Stande war, für ihre drei Kinder Brod zu schaffen, diese und sich getödtet. Das älteste Kind, ein dreijähriges Mädchen, band sie sich um den Hals, das zweite nahm sie auf den Rücken und das dritte nahm sie an der Hand, und so stürzte sie sich in die Donau. Die vier Leichen wurden bald darauf ans Ufer geworfen und auf Gemeindekosten begraben.

Professor (in der höheren Töchter­schule): ». . . Ich habe ihnen, meine Damen, in der letzten Stunde mitgetheilt, daß das Gehirn des Mannes größer ist, als das der Frau. Was schließen Sie daraus, Fräulein Bertha?" Bertha:Daß es beim Gehirn uicht auf die Menge, sondern auf die Güte aukommt!"

(Auf der Augenklinik.) Professor: »Sie müssen Ihre Augen sehr schonen. Sie scheinen dieselben zuviel anzustrengen. Arbeiten Sie bei Nacht?- Patient: »Jede Nacht, Herr Professor.- Professor: »Sie find wohl Schriftsetzer? Das kommt dann von den kleinen Lettern her.- Patient: »Nein, ich bin Bäckergehilfe.- Professor: Ah so, das kommt dann von den kleinen Semmeln her"!

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