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Itrsftlhtr Irtisllitt.

Mit wöchentlicher Kratis-MeilageIllustrirtes ZlnterhaltuugsKlatt".

Nr. 59. Dimstag den 19. Mai 1891.'

Amtliches.

Ministerium des Innern.

Berlin, den 21. April 1891.

Nach einer dem Kaiserlichen Konsul in Mailand seitens der Italienischen Behörden zugegangenen Mittheilung hat sich am 7. Dezember v. Js. ein etwa 4045 Jahre alter Mann, sehr wahrschein­lich e i n D e u t s ch e r, von Bord eines Dampfers in den C o m e r s e e gestürzt und ist er­trunken. Die Leiche konnte nicht aufgefunden werden. Es ist ermittelt worden, daß der Ver­storbene am Tage zuvor von Mailand in Como eingetroffen war und im Albergo del Turco daselbst verschiedene Kleidungsstücke hinterlassen hatte, worunter vier feine Leinenhemden mit roth- gezeichneten 8. und zwei buntgeräuderte leinene Taschentücher mit den Weißgestickten und ver­schlungenen Buchstaben 8. und P. Eine weiter vorgefundene halbzerkratzte Packetaufschrift lautete anscheinendHerrn I. P. . . .* Alles was außer­dem zur Feststellung des Namens und der Her­kunft hätte führen können, ist von dem Selbst­mörder offenbar absichtlich beseitigt worden. Be­schrieben wird dieser als etwa 1,60 m groß, mit dunkelbraunem Vollbart und anständiger Kleidung, schwarzem Hut und blauem Ueberzieher.

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, be­hufs Feststellung der Persönlichkeit des Selbst­mörders das Erforderliche gefälligst zu veranlassen und mir im Falle der Ermittlung demnächst Be­richt zu erstatten.

Der Minister des Innern, gez. H e r r f u r t h. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe, Hochwohlgeboren zu Cassel. II. 3678. * *

Cassel, den 5. Mai 1891.

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren 2C. zur weiteren gefälligen Veranlassung.

Von einem etwaigen Ergebnisse der angestellten Ermittelungen wollen Ew. Hochwohlgeboren rc. mir umgehend gefälligst Nachricht geben.

Der Regierungs-Präsidevt.

In Vertretung: von Pawel.

An die Herren Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizet-Director hier. A. II. 4029.

* * *

Hersfeld, den 16. Mai 1891.

Wird den Ortspolizeivei Wallungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenut- wßnahme 2c. mitgetheilt.

Falls über die Persönlichkeit des Selbstmörders etwas bekannt werden sollte, ist mir alsbald An­zeige zu erstatten.

5066. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Homberg, den 15. Mai 1891.

Königliches Landrathsamt benachrichtige ich er- gebenst, daß unter dem Rindvieh des Ackermanns Johannes Schmidt zu Oberopprnfeld die Maul- und Klauenseuche ausaebrochen ist.

Der Landrath. J. V.: Heydenreich. An Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. Nr. 3767

* * *

Hersfeld, deu 16. Mai 1891.

Wird veröffentlicht.

5052. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Homberg, den 15. Mai 1891.

Königliches Landrathsamt benachrichtige ich

hierdurch ergebenst, daß unter dem Rindvieh: 1) des Schmieds Justus Ried, 2) des Ackermanns Jacob Töpfer, 3) des Ackermanns Johannes Bech- stein zu Niederappenfeld die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen ist.

Der Landrath. I. V.: Heydenreich. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. Nr. 3767 II.

* *

Hersfeld, den 16. Mai 1891. Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrath _______________Freiherr von Schleinitz.

Gefunden: eine Taschenuhr. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Malkomes.

Uotitische Nachrichten.

Se. Majestätder Kaiser besichtigte am Freitag Vormittag von 9 bis 12 Uhr auf dem Bornstedter Felde das Zehr-Jnfanteriebataillon, die Unterofficierschule und das Garde-Jäger­bataillon. Nach dem Schulexerciren fand ein Gefecht im Feuer statt, zu welchem auch das Leib-Garde-Husarenregiment zugezogen wurde.

Als Se. M ajest ät der Kaiser am Freitag Nachmittag in der russischen Troika von Potsdam nach Westend zum Blumencorso fuhr, scheuten die Pferde vor einer vorbeimarschirenden Truppen- abtheilung und rannten gegen einen Baum. Die Deichsel wurde beschädigt. Der Kaiser verließ unversehrt mit seinem Adjutanten den Wagen, setzte die Fahrt nach kurzer Zeit in einem anderen Wagen fort und traf gegen 4 Uhr in Westend ein.

Nach Erklärungen, welche regierungsseitig in der Commission des Abgeordnetenhauses zur Vor- beratbung des Antrages auf Verbot des Privat­handels mit Staatslotterieloosen abge­geben sind, ist im Finanzministerium die Frage, ob ein fernere Verringerung der Competenzen der Lotterieeinnehmer zu Gunsten der Staats- kaffe angezeigt sei, Gegenstand der Erwägung. Für die im Januar 1892 beginnende 186. Lotterie wird die Zahl der Loose vermehrt werden.

Der Entwurf eioesWildschadens- g e s e tz e s, der nach einem Antrag Covrad vom Abgeordnetenhaus beschlossen war, ist vom Herren­haus wesentlich umgestaltet worden. Der Entwurf enthielt in der ersten Fassung ein weitgehendes Regreßrecht an die Jagdpächter und an die Be­sitzer angrenzender Jagdbezirke, das die Ein­nahmen aus den Jagdverpachtungen wahrscheinlich sehr vermindern und zu vielen ärgerlichen Prozessen führen würde. Nach den Beschlüssen des Herren­hauses sollen für Schaden, den Schwarz-, Roth-, Dam-, Rehwild und Fasanen anrichten, in einem gemeinschaftlichen Jagdbezirke die Grundbesitzer nach der Größe der betheiligten Flächen ersatz­pflichtig sein. Der Schadenersatz soll zunächst aus den Jagdeinnahmen bestrttten werden. Schäden unter 6 pCt. der Ernte sollen keine Berücksichtigung finden. Die Feststellung des Sckadens soll vor der Ortspolizeibehörde geschehen.

Es steht nun fest, daß der Urheber des gegen den Großfürsten-Thronfolger verübten Attentats einer der Polizisten war, welche dem Großfürsten persönlich als Sicherheitswache beigegeben waren. Das Attentat wurde aus religiösem Fanatismus vollführt. Nicht der Prinz Georg von Griechenland versetzte dem Attentäter einen Stockhieb, sondern

die eigenen Kameraden der japanischen Polizei schlugen ihren Genoffen nieder. Der griechische Prinz parirte mit seinem Stocke den zweiten Hieb, den der fanatische Attentäter gegen den Kopf des Großfürsten-Thronfolgers zu führen im Begriffe stand. Die Wunde des Letzteren befindet sich vorn an der rechten Stirnseite.

DasReutersche Büreau- meldet aus Shanghai über Ruhestörungen in Wuhu. Nach der Zerstörung der katholischen Mission steckten die Chinesen die Wohnhäuser der Zollbeamten in Brand und plünderten und zerstörten das eng­lische Consulat. Der englische Consul und die Frauen konnten sich retten, doch soll ersterer ver­wundet sein. Die Meldung schließt: Die Ruhe in Wuhu sei wiederhergestellt.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 19. Mai 1891.

Bezüglich der Einstellung heizbarer Güterwagen bat auf eine Eingabe der Handelskammer zu Frankfurt a. M. die dortige Königliche Eiseubahndirection erwidert, nach den zur Zeit gültigen Bestimmungen solle die Ein­stellung heizbarer Güterwagen den Interessenten überlassen bleiben, welche derartige Wagen auf eigene Kosten zu beschaffen haben würden. Hier­bei könne es sich jedoch nur um Beförderung ganzer Ladungen handeln. Die Beförderung von Wein, Mineralwasser und dergl. als Stückgut in bahnseitig zu stellenden geheizten Wagenräumen stoße zwar auf große betriebstechnische Schwierig­keiten; indessen sei die Frage, ob und wie es möglich sein würde, diese letzteren zu überwinden, seitens des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten kürzlich zur Erörterung gestellt, deren Ergebniß sich zur Zeit noch nicht übersetzen lasse.

* Wie dieApotheker-Zeitung- meldet, ver­lautet von Neuem, daß P r o f. K o ch an einer weiteren Veröffentlichung über seine Tuberkulose­behandlung arbeitet, und daß mit dieser Arbeit zugleich eine Bekanntgabe der Bereitungswetse des Tuberkulinums zu erwarten steht.

* Angesichts der jetzt begonnenen Maikäferflug­zeit sei auch daran erinnert, daß mit den oft von Kindern in Unzahl gesammelten Käfern ein kleines Capital verschleudert wird. Würden die ge­sammelten und getödteten Käfer, die überdies Hühnern, Enten, Staren, Dohlen rc. ein beliebtes Futter geben, einem intelligenten Gärtner oder Landmann übergeben, so würde er sich ein schätz­bares Düngmittel bereiten, denn 100 Pfund frische Maikäfer haben schon zwei Mark Dung­werth. Die Käfer werden behufs der Dungbe­reitung mit kochendem Wasser gelobtet, in eine Grube geschüttet und je immer abwechselnd mit einer Schicht Kalk vermischt zu Compost bereitet, der dem besten künstlichen Guano in Nichts nach- stebt. Die beste Zeit des Sammelns und Ab- schüttelns der Käfer ist des Morgens, und zwar gleich in der ersten Zeit ihres massenhaften Er­scheinens, weil da die Weibchen noch häufig sind und ihre Eier noch nicht abgelegt haben, die also auch mit vertilgt werden zum Vortheil des Ackers.

[:] Hersfeld, 19. Mai. Ein altes Sprüch- Wort sagt:Der Mai ist nicht so gut, er setzt auf den Zaunpfahl noch einen Hut.- Die Wahr­heit dieses Sprüchwortes hat sich heuer wieder einmal erwiesen. Pfingstendas liebliche Fest­war gekommen. Der Monat Mai hatte bis dahin