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Hersskliitl Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes Muterhaltungsölatt".
Rr.ö7i Donnerstag den 14 Mai 1891.
Amtliches.
Ministerium des Innern.
Berlin, den 8. April 1891.
Von dem »Verbände von Kaufleuten der Provinz Hannover und der angrenzenden Länder" ist in einer an den Landtag der Monarchie gerichteten Petition vom 1. November v. JS. unter Anderem darüber Beschwerde geführt worden, daß die Consumvereine dem Nahrungsmittelge« setze vom 14. Mai 1879 (R. G. Bl. S. 145) nicht wie die freien Gewerbetreibenden unterstellt seien.
Eine derartige Deutung vermögen wir dem Gesetze nicht zu geben. Nach den Bestimmungen der §§. 1, 2 und 10 erscheint es unzweifelhaft, daß die Verkaufslokale der Consumvereine, selbst wenn in denselben die Waaren nur für Mitglieder feilgehalten werden, ebenso unter diese Bestimmung fallen, wie die GeschäftSlokale der freien Gewerbetreibenden.
Da es nicht ausgeschlossen ist, daß bei einzelnen Behörden eine irrthümliche Ansicht über die Auslegung des NahrungSmittelgesetzeS vorhanden ist, so machen wir ergebevst darauf aufmerksam, daß die Consumvereine auf Grund des mehrerwähnten Gesetzes einer gleichen Controls zu unterwerfen sind, wie sie bei den freien Gewerbetreibenden erfolgt.
Ew. Hochwohlgeboren ersuchen wir ergebenst, hiernach die Polizeibehörden des dortigen Bezirkes gefälligst mit Anweisung zu versehen.
Der Minister deS Der Minister für Innern. Handel und Gewerbe, gez. Herrfurth. gez. Frh. v. Berlepsch.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten. gez. Zedlitz.
An den Königlichen RegierungS- Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Cassel. M. d. I. II. 1593. M. f. H. C. 1659. M. d. g. A. M. 2853.
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Cassel, den 29. April 1891.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren 2c. zur gefälligen Nachachtung.
Der Regierungs-Präsident.
I. B.: von Pawel.
An die Herrn Landräthe und den Polizei« director hier. A. II. 3625.
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Hersfetd, den 11. Mai 1891.
Wird den Herren Ortspolizeiverwaltern des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
4731. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Hersfeld, den 9. Mai 1891.
Die Schulstelle zu Hetmboldshauseu ist in Folge Ablebens ihres seitherigen Inhabers vakant geworden. Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten« und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Schulvorstaude einreicheu.
Der Königliche Schulvorstand von Heim« 4806. boldshauseu.
Namens desselben:
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n t tz.
Bekanntmachung.
Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh des Oeconomeu Bätz dahier ist erloschen. Hersfeld. am 11. Mai 1891.
Der Bürgermeister Braun. __Bolz.
In hiesiger Gemeinde ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Tann, den 11. Mai 1891.
Der Bürgermeister W i e g a n d.
Bekanntmachung.
Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wildungen wieder eine Post
anstalt mit Telegraphenbetrieb als Zweigstelle des Kaiserlichen Postamts in Wildungen Stadt unterhalten werden.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
In Vertretung: Schreiner.
Aus dem Abgeordnetenhaufe.
Berlin, 12. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm in feiner heutigen (87.) Sitzung zunächst ohne Debatte den Entwurf einer Städteordnung für den Regierungsbezirk Wiesbaden an. Darauf trat das Haus in die erste Berathung des Gesetzes, betreffend die Beilegung des Bußtages auf den Freitag nach dem letzten Trinitatisfeiertage für alle preußischen Landestheile. DieAbgg. GrafLimburg-Stirum und Simon von Zastrow beantragen, die hohenzollern« schen Lande von dieser Bestimmung auSzunehmen. Abg. G o l d s ch m i d t erklärte sich für seine Person gegen die Borlage, namentlich aus wirthschaftlichen Gesichtspunkten. Die Verlegung des Bußtages auf einen Freitag würde viele Fabriken zwingen, vom Donnerstag Abend bis zum Montag zu feiern. Andererseits dürfe man der Industrie nicht in ihrer lebhaftesten Geschäftszeit vor Weihnachten einen Arbeitstag nchinen. Außerdem würden sich die Arbeiter am Bußtag nicht in Gottes fress Na^i ergehen können. Er beantragte die Ueberweifung der Vorlage an eine Commission von 14 Mitgliedern. Abg.^S ch ultz-L up itz gab die Unannehm- lichkeit, welche die Verlegung deS Bußtages für die Industrie habe, zu, verlangte aber von dieser auch ein kleine« Opfer, wenn sie billiges Brot essen wolle. Aber auch vom moralischem Gesichtspunkte aus sei die Vorlage zu begrüßen, da ein gemeinsames Feiern deS Bußtages durch alle Christen an einem Tage in allen Landestheilen auf die Gegner bei Christenthums einen imponirenden Eindruck machen werde. Abg. v. Rauchhaupt erklärte die Annahme der Vorlage nur nach Vereinbarung mit der Generalsynode für möglich, da allein der Kirche das Recht zustehe, kirchliche Feiertage zu beschließen oder abzuschaffen. Abg. Frhr. v. Heere man erklärt sich prinzipiell und materiell gegen die Vorlage. Nur daS kirchliche Oberhaupt könne über allgemeine kirchliche Feier- tage Bestimmungen treffen. Abg. Dr. Francke vertrat dagegen die Ansicht, daß der Bet- und Bußtag eine Vcran- staltung des Staates sei.
Jolitische Nachrichten.
Berlin, 12. Mai. Se. Majestät d er Kaiser traf heute Vormittag um 8 Uhr mit
Aus hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
Gebhard, der von Naturgefühl voll war. machte zu diesem Geständniß ein etwas verblüfftes Gesicht und dieses reizte Vera gerade, um iu demselben Tone fortzusahren.
»Sie dachten, ich wäre auch so Eine, die am himmelblauen AtlaSbaude das weißgewaschene Lämmchen durch die grüne Flur führt? Wissen Sie, Herr Graf, warum mein Oukel in die Sommerfrische mußte? Vor meinen Fenstern ritt täglich ein Cavallertemajor einen Gaul, den ich nicht mehr ausehen konnte. Es empörte sich in mir alles über »Jncoguito", so heißt der Schinder nämlich — Pardon, Herr Graf."
»Man geräth so in den Jargon deS Stalles," bemerkte Gebhard, »wenn man so viel mit den Vierfüßlern umgeht. Sie thun dem Pferde Unrecht. Ich kenne es ja von meinem alten Freunde."
Vera aber erging sich erst noch recht in Entrüstung über die plumpen Fesseln des Thieres, das gemein im Haar, noch dazu eine Ramsuase hatte, kurz und gut, ein Scheusal war — dieser Jucognito — —
»Gnädigstes Fräulein würden mit Ihrer Passion den flottesten Husarenofficter abgeben," sagte Gebhard scherzend. »Wie prächtig würde Ihnen die Uniform stehen — mit diesem entzückenden Wuchs!"
»Wissen Sie, Graf Wiudscheid, was noch mehr mich reizen würde!" Jockey zu sein und eiu Hürdenrennen zu gewinnen!"
»Ich kenne etwas, was noch mehr erregend ist."
»Nun?"
»So ein Strumpf — nicht am Gaule — nein — ein seidener, buntgestickter Strumpf — über einen Fuß gezogen, wie den Ihrigen — man sieht das rosige Fleisch — die feinen Aederchen — durch die setdeueu Maschen hindurch — Entzückend !"
Man wohnte sehr eng in Pension Amsteg — man hörte durch die Wände — mau sah sich tu die Thüren — was vielleicht auch geboten war durch die Temperatur, die auf zweiundzwanzig Grad gestiegen war. Es war kein altes Wirthshaus mit starken Steiuwölbuugen und tiefem, kühlem Flure, wo der Gesang zur Wahrheit wurde: In tiefem Keller sitz' ich drin. Ein Neubau war's, etue moderne Villa aus Schwefel- hölzern und Kienholz zusammengeschachtelt nach
bekannten Mustern, Modell Nr. 14, Hotel Dividende. Durch die Holzdekleiduugen des CorridorS war die Hitze oft unerträglich und um diese ab« zuwehren und um frischen Luftzug zu haben, war man genöthigt, Thüren und Fenster zu öffnen. So kam es, daß an einem der folgenden Tage Gebhard im Vorbeigehen die Thür zu Vera's Salon offen fand. Ein Blick hinein und er hatte genug gesehen. Auf der Chaiselongue lag Vera auSgestreckt. Ein Morgenrock von licht« blauer Seide, garnirt mit einer Wolke von weißen Spitzen, umhüllte in vollen Falten ihren Leib. Sie schien in die Lectüre eines Buches vertieft, aber doch nicht derart, daß sie nicht be« merkt hätte, wie Gebhard von ihrem Anblick gefesselt auf der Schwelle erschienen war. Mit einem lesemüden Aufschlag der Augen richtete sie ihre Blicke nach ihm und geradezu schläfrig sagte sie:
»Ah, Sie, Graf Wiudscheid! Warum bleiben Sie denn in der Thüre stehen?"
»Weil ich so schüchtern bin, gnädiges Fräulein."
»Wie alle Rittmeister," lachte Vera. »Kommen
Sie doch herein!"
»Ach, aber einen ersten Besuch!"
»Ach, was, wir sind nicht in der Mainzerstraße