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Skulpturenhalle ehrfurchtsvoll empfangen und in den Kuppelsaal auf die Estrade geleitet. 36 junge Künstler, welche die Wappen der auf der Aus­stellung vertretenen Länder und deutschen Kunst­städte trugen und Herolde mit dem deutschen Wappen begleiteten den Kaiserlichen Zug.

Im Kuppelsaal hatten, wie wir dem Reichs- Avzeiger entnehmen, rechts von der Kaiserlichen Estrade die Mitglieder des diplomatischen Corps, die Präsidien des Reichstags und des Landtags und andere Spitzen, auf der andern Seite die Hofchargen, die Generalität und die Staats- Minister Aufstellung genommen. An den gegen­überliegenden Pfeilern waren Estraden für die Vertreter der Stadt Berlin auf der einen Seite, und für die Rectoren und Dekanen der Universität, der übrigen Hochschulen und die Vertreter der Akademie der Wissenschaften und Künste auf der anderen Seite errichtet. Die Bannerträger des Vereins Berliner Künstler und der Studirenden der Königlichen Kunstakademie flankirten diese Estraden, während in der Mitte gegenüber der Kaiserlichen Estrade das Ausstellungs-Comits und die Delegirten auswärtiger Staaten und Kunst­städte Aufstellung genommen hatten.

Anton v. Werner hielt, nachdem der Festgesang verhallt war, an die Majestäten eine Ansprache, in der er den Dank der Künstlerschaft aussprach und schließlich die Kaiserin Friedrich als Piotektorin bat, die Ausstellung zu eröffnen.

Hierauf richtete Kaiserin Friedrich au Seine Majestät den Kaiser die Bitte, nunmehr den Er- öffnungsakt vollziehen zu wollen; Seine Majestät erklärte die Ausstellung mit einer kurzen Ansprache an die Kaiserin Friedrich für eröffnet und brächte auf Allerhöchstdieselbe ein Hoch aus. Mit einem ferneren Hoch auf Seine Majestät sowie dem Gesang von Loewe's Salvum fac regem schloß die Feier, nach welcher die Herrschaften einen Rundgang durch die Ausstellung unternahmen.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 1. Mai. Der Hauptgegenstand der heutigen (112.) Sitzung der Reichstages war die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, bett. die Abänderung des Gesetzes über die Besteuerung des Branntweins vom 24, Juni 1887. Abg. Dr. Barth begründete in längerer Rede den freisinnigen Antrag auf Beseitigung des disierentiellen BesteuerungSsystemS. Er führte aus, daß gerade in der Rücksicht auf die Noth­wendigkeit, den privatwirthschaftlichen Betrieb aufrecht zu er­halten, die Berechtigung des Antrages liege. Die bisherige Subvention fei in keinem Falle aufrecht zu erhalten. Dem gegenüber betonte Abg. Graf v. K l e i st - S ch m e n z i n, daß die vielangefochtene »Liebesgabe" gewährt sei, lediglich um den Brennern und einem großen Kreise der Bevölkerung die Exi­stenz zu ermöglichen. Die Cultur großer Landesstrecken sei in Wirklichkeit ohne die Brennereien gar nicht aufrecht zu erhalten. Abg. Stadthagen andererseits meinte, wenn die Production ohne Subvention nicht bestehen könne, so möge man doch den Staat auch am Gewinn theilnehmen lassen. Ebenso möge man die Allgemeinheit an der Verwaltung theil­nehmen lassen, um die bisherige Verschwendung zu vermeiden. Die Forderung der »Liebesgabe" bedeute das Bekenntniß, daß die Großgrundbesitzer ohne Vorspann der Säufer nicht leben könnten' . Abg. Dr. Buhl ist nicht gewillt, die bestehende Branntweinsteuer-Gesetzgebung in allen Theilen zu vertheidigen, empfiehlt im Nebligen ein von ihm in Gemeinschaft mit dem Abg. Frhrn. v. Huene gestelltes Amendement zum Artikel I. Nach demselben sollen im Art. I die Worte:während des ganzen bezeichneten Jahres jedoch nicht mehr als 267 750 Liter" ersetzt werden durch die Worte:oder in keinem der bezeichneten drei Jahre mehr als 267 750 Liter". Staats­

ein kleines Tanzvergnügen mit einem Kegelschub um ein BierglaS mit silbernem Deckel und da wollt' ich halt ergebenst angefragt haben, ob Sie und b Fräulein Töchter uns uet die Ehre schenken möchten."

Kegelschiebeu war nun die Passion des Herrn Leitner uud schon längst empfand er die Sehn­sucht nach einer passenden Parthie. Hinter dem Garten des Pensionshauses rollten zwar den ganzen Tag die Kugeln und der Kegelbub konnte uur noch in ganz heiseren Tönen ansagen, so be­setzt war die Bahn von den Bauern. Der Münchener wäre gern einmal eingesprungen, wenn nicht seine Gattin ihn davon zurückgehalten hätte. So geschah es auch bei der Einladung des Grenz- beamten. Lettner wollte eben ganz erfreut seine Zusage geben, als der Wärmegrad seiner Stimmung plötzlich eine heftige Abkühlung erfuhr durch die eisige Miene der Frau Nanni. Sie nahm für ihren Gatten auch das Wort zu einem kühlen Dank für das Anerbieten und sogleich zu einer kurzen Bemerkung, daß sie sehr bedauern müßten, da sie für den Sonntag schon eine Ex­kursion nach dem Hochstein verabredet hätten.

»Freilich," sagte Bernmoser gar sehr betrübt, »dann geht's halt nicht. Das ist recht schad'. Ich hab' gedacht, es würde den Fräuleins Ver­gnügen machen und darum habe ich wir die Frei­heit genommen. Nix für ungut ein andermal, wenn's vielleicht nicht nach dem Hochstein wollen.-

§ secretairFrhr. v. Maltzahn betont, daß die Regierungen an ihrer Ansicht festhalten, daß zur Zeit an den prinzipiellen Grundlagen der Branntweinsteuergesetze vor der neuen Con- tingentirung nicht zu rütteln sei. Die Regierungsvorlage be­zwecke lediglich Unebenheiten des bestehenden Gesetzes auSzu- gleichen, indeß sei anzunehmen, daß die von der Commission beschlossenen Aenderungen der Vorlage die Zustimmung der verbündeten Regierungen finden würden. Gegen den An­trag Dr. Buhl seien Bedenken doch nicht ganz ausgeschlossen.

Berlin, 2. Mai. Im Verlaufe der heutigen (.113.) Sitzung des Reichstages kam bei Fortsetzung der zweiten Berathung der Novelle zum Branntweinsteuergesetz der Art. III zur Berathung. Derselbe setzt den Einfuhrzoll fest für Liqucure auf 180 Mk., für alle übrigen Branntweine in Fässern auf 125 Mk., in andern Umschließungen auf 180 Mk. Abg. Brocmel begrüßt es mit Genugthuung, daß die Erhöhung des Zolles auf Arrac, Cognac rc. auf 150 Mk., wie die Vorlage es wollte, von der Commission abgelehnt worden sei. Staatssecretair Frhr. v. M a l tz a h n erklärte sich mit den Beschlüssen der Commission einverstanden und bemerkte noch auf eine Anfrage des Abg. Broemel be­sonders, daß Rum, Arrac, Cognac nicht unter den Begriff Liqueur fielen. Der Art. III wurde daraus widerspruchslos angenommen; damit war die zweite Lesung des Gesetzent­wurfs beendet. Zur Berathung stand indeß noch die von den Abgg. Barth und Genossen beantragte Resolution, be­treffend völlige Aufhebung der Maischbottich- und Brannt­wein-Materialsteuer. Nach nur kurzer Debatte, in welcher der Antragsteller die Resolution befürwortet, Abg. Dr. Buhl aber sie abzulehnen bittet, wurde dieselbe abgelehnt.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 2. Mai. Im Verlaufe der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde der Entwurf einer Städteordnung für den Regierungsbezirk Wiesbaden erledigt und dabei einige wesentlich redactionelle Aenderungen der Be­schlüsse des anderen Hauses genehmigt und gegen 4 Uhr die Sitzung geschlossen.

Dolitische Nachrichten.

S e. Majestät der Kaiser unternahm am Freitag, nach Allerhöchstseiner Ankunft im Neuen Palais in Potsdam, am späteren Nach­mittage noch eine längere Pürschfahrt und ver­blieb darauf, nach der Rückkehr von derselben, den Abend über in seinem Arbeitszimmer zur Erledigung von Regierungsangelegenheiten. Am Sonnabend Morgen hatte Se. Majestät der Kaiser abermals in der Frühe eine Pürschfahrt nach dem Wildpark unternommen, von welcher Allerhöchstderseloe kurz vor 8 Uhr zurückkehrte. Alsbald darauf empfing Allerhöchstderselbe im Neuen Palais den Chef des Generalstabes und arbeitete mit dem Chef des Militärcabinets. Gegen 10*/* Uhr begab sich Se. Majestät mit den Herren Flügeladjutavten vom Dienst zu Pferde nach dem Borustedter Felde und besichtigte daselbst im Beisein einer zahlreichen Generalität und vieler anderer hoher Osfictere und der Militairbevollmächtigten 2c. die Bataillone des 1. Garderegiments z. F. Nachdem die mili- tatrischen Uebungen ihr Ende erreicht, nahm Se. Majestät sofort auf dem Platze noch einige per­sönliche militairische Meldungen und demnächst aus den Händen der Commandeure der Leib- regimeuter und Leibcompagnien die Militair- Monatsrapporte entgegen und entsprach darauf einer Einladung des Osfictercorps des 1. Garde- regimeuts z. F. zur Frühstückstafel nach dem Regimentshause.

DerSchlesischen Zeitung" zufolge wird zum Nachfolger Moltke's im Präsidium der Landes-

Damit ging Bernmoser ab. Nicht ohne Schaden­freude bemerkte Leitner zu seiner Frau:

»Du, Nanui, der Hochstein war von dem Bern­moser ein Stich und mir ist drum ein Plaistr entgangen. Sakri!"

»Ich werd' meine Töchter von den Grenzern dort herumschwenken lassen das wär mir schon zu g'ring. Das würd' ich schon der Frankfurter wegen nicht thun. Man muß nie fein Standes- gefühl außer Acht lassen. Unsereiner hat auch feinen Federbusch."

Nau vertraute sie ihrem Manne ihre Pläne. Sie habe die Mathtld' für den Neffen des Bank- präsidenten in Aussicht genommen ben Prtvat- oocenteu und später mal Professor an der Uni­versität. Das fei ein sehr artlicher Mann« Trotzdem er erst ein paar Tage hier, habe sie doch schon wahrgenommen, daß er sehr um bte Mädels herum sei; aber nur scheine er noch nicht zu wissen, welche ihm besser gefalle, die Vevt oder die Mathtld'. Sie habe entschieden, die Letztere, die passe besser für ihn, da er sich auf das astronomische Fach verlegt habe und sie für die astronomischen Stunden ihrer Tochter tm Institut vergangenen Winter fünfundzwanzig Mark extra bezahlt habe.

Herrn Leitner war über diese Pläne und Mo- tivtrung seiner Frau die gute Laune gekommen und in dieser frug er sie, ob sie vielleicht für seine Vevt auch schon Einen aus Lager habe etwa gar den Rittmeister, den Grafen Windscheid. Da

Vertheidigungscommission Prinz Albrecht ernannt.

sL a n d g ü t e r r o l l e.] Landgüterordnungen mit dem Zweck, ein besonderes, die Theilung aus­schließendes Erbfolgerecht in Landgüter zu be­günstigen, bestehen, abgesehen von Hannover, in Westfalen (seit 1882), in Brandenburg (seit 1883), in Schlesien (seit 1884), in Schleswig-Holstein (seit 1886) und dem Regierungsbezirk Cassel (seit 1887). Der Eigenthümer, der sein Gut uuge« theilt vererben will, hat zu diesem Behufe die Eintragung in die von dem zuständigen Amts­gericht geführte Landgüterrolle zu bewirken. Am 1. Januar 1890 waren in die Rollen insgesammt eingetragen Güter: in Hannover, wo das Institut der Höferolle seit lange besteht und völlig einge­lebt ist, 68 394, im Kreise Herzogthum Lauenburg mit ähnlichen Verhältnissen 513, in Westfalen 2028, in Brandenburg 73, in Schlesien 40, in Schleswig - Holstein 8, im Regierungsbezirk Cassel 67.

Durch die Presse lief dieser Tage die Notiz, daß Graf Moltke eine große Menge von Papieren politischen und milttat- rtschen Inhalts hinterlassen habe. Wie dem »Hamb. Corresp." aus bester Quelle mitge­theilt wird, ist diese Notiz unrichtig; was Moltke in dieser Hinsicht geschrieben (es ist das sehr viel), ist Alles dem Grasen von Waldersee, als dem damaligen Chef des Großen General­stabes, übergeben worden. Später hat der Ver­storbene wenig, mindestens aber nichts geschrieben, was irgend welchen Anlaß zu einer Zeitungs­notiz wie der obenerwähnten hätte geben können.

Se. Majestät der Kaiser hat, der »Post" zu­folge, dem Infanterieregiment Nr. 38 den Namen des verewigten Feldmarschalls Grafen Moltke betgelegt. Da das 11. (Kolberger) Regiment, besten Chef der Heimgegangene war, schon den Namen Gneiseuau trägt, so konnte ihm nicht ein zweiter beigelegt werden.

Die überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam betrug im

März 11637

Januar bis März

19285

1891 . .

1890 ... 9884 17099 1889 . . . 10 998 17 333

1888 . . . 10338 17398

1887 . . . 11671 19 020

Nach dem imRegierungsboten" veröffent­lichten amtlichen Leichenbefund ist d e r T o d d e r 3 Großfürstin Olga Feodorowna (Schwester des Grogherzogs von Baden und Mutter der Großherzogku von Mecklenburg- Schwerin) durch Herzlähmung in Folge eines seit langer Zeit bestehenden unheilbaren organi­schen Herzfehlers erfolgt, die Lähmung sei un­mittelbar durch Auftreten scharfer Pleuritis ver­anlaßt. Der amtliche Bericht fährt bann fort: Als am 24. März a. St. die Nachricht von der ohne Genehmigung des Kaisers und elterlichen Segen erfolgten Verheirathung des Großfürsten Michael Mtchaelowitsch (mit der Gräfin Meren- berg, Tochter des Prinzen Nicolaus von Naffau aus morganatischer Ehe) eintraf und eine unaus­bleibliche Bestrafung des Großfürsten zu ge­wärtigen war, versetzte dies dem kranken Herzen und hohen Familiensinne der Großfürstin einen

möge sie sich nur gar feine Mühe geben, denn dieser sei nach seinen Beobachtungen ganz in die Schwester des Prtvatdocenten das gnädige Fräulein aus Frankfurt verschamerirt. »Erst müsse die Mathtld, die Aelteste, an den Mann gebracht werden," meinte die Mama, »mit der Vevt wäre auch weniger Staat zu machen. Um aber ben jungen Mann mehr heranzuztehen, sei es nöthig, mit dem Vater nähere Bekanntschaft zu machen, mit dem Bankprästoenten. Und dazu habe sie sich die Excursion nach dem Hochstein ausgedacht, zu der man Herrn Sewtsch mit seinen beiden Kindern ja aussoroern könne."

Herr Sewisch war ein eifriger Angler. Nicht wert von der Pension floß ein klarer Forellenbach und das Angeln, behauptete der Bankpräsident, beruhige wunderbar seine Nerven. Halbe Tage saß er oft im blumigen Gras am Ufer, um auf seine Beute zu warten, setzte sich dazu seinen goldenen Kneifer auf; dauerte es ihm hier und da zu lange, dann holte er die Frankfurter Zeitung aus der Tasche, »um aus dem CourSbertcht zu sehen, welche Fische da an der Börse ange- schwömmen kamen. Eben hing er wieder dieser doppelt lohnenden Beschäftigung nach, alS er in seiner Nähe Stimmen vernahm. Er wendete sich um und sah das Lettner'sche Ehepaar. Schwavv! Da zuckte es an der Angel, aber es war nichts, er zog sie leer aus dem Wasser.

(Fortsetzung folgt.)