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Hklsftliier Kreisbliitt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Nuterhaltungsklatt".
Nr. 52.
Sonnabend den 2. Mai
1891.
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Kersfelder Kreisblatt mit der wöchentliche« Gratt- Beilage „Muftrirtes Unterhattungsblatt" pro Mat und Iuni werden von allen Kaiser» liegen Postanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Bekanntmachung.
> Im Laufe der letzten Wochen sind an der- chledenen Orten einzelne falsche Zins» chetne von Schuldverschreibungen Ier consolidirten Vierpro centigen Staatsanleihe zum Vorschein gekommen, durch welche denjenigen Personen, die solche in Zahlung angenommen haben, Verluste entstanden sind. Wegen gerichtlicher Verfolgung der Ver- fertiger dieser Scheine ist das Erforderliche veranlaßt.
Wir machen indeß noch besonders hiermit »arauf aufmerksam, daß f ü r f a l s ch e Z i n s - cheiue in keinem Falle von uns E r - Matz gewährt wird. Das Publikum kann ich vor Verlusten der erwähnten Art dadurch chützen, daß dasselbe die Annahme von Zins» chetneu bei Zahlungen ablehut, da dieselben nicht dazu bestimmt sind, als Zahlungsmittel im Privat» rerkehr zu dienen. Die Zmsscheine haben lediglich den Zweck, von den dazu bestimmten Kassen ein» gelost zu werden.
Berlin, den 12. März 1890.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
S y d o w.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
I (Fortsetzung.)
Diese drei Familien, die man zugleich als drei Gesellschaftstypen ausfassen könnte, saßen jeden Tag in ihrer Laube sich gegenüber, frühstückten, dtnirten, soupirten hier — aber wenn jede Laube vou der andern durch einen Meeresarm getrennt gewesen wäre, hätte die Jsoltrung keine voll- ständigere sein können. Jede Laube schien eine indische Kaste zu beherbergen, jede gesellige Berührung der einen mit der anderen eine Veruu- tttntguvg zu sein. — Selbst in den Beziehungen GebhardS zu Vera schien eine Entfremdung ein« getreten zu sein. — Nur allein Leni war es vor- dk Verbindung zwischen den drei Gruppen aufrecht zu erhalten. Sie wartete ihres H*nJnCh v"".Eh bis spät — gegen Jeden freund» gefällig — immer guten »Hamors" wie leben Tag dieselbe Speisekarte, so die Kugeln ihres Rosenkranzes bebend, Nierenbraten, Rostbraten - bis zu Kalbsschlegeln und nur damit abwechselnd, daß ' sie zum Unterschied bet diesem begann und mit
Zum Ankäufe von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Regierungsbezirks Cassel für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 resp. 9 und 3'/, Uhr beginnende Märkte auberaumt worden und zwar:
am 19. Juni in Trendelburg 9 Uhr,
„ 2V. „ „ Niederhone 8 Uhr,
„ 20. „ „ Fulda 3*/2 Uhr.
Die von der Remonte-Ankaufs-Commission er» kauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.
Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippen» setzer und Klophengste, welche sich in den ersten zehn, beziehungsweise acht und zwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören ober durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Commission vorgestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlossen.
Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit 2 mindestens zwei Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mit- zugeben.
Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, sind die Deckscheine resp. Füllenscheine mitzubringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu koupiren oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, daß ein zu massiger oder zu weicher Futterzustand bei den zum Ver» lauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remontedepots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu übersteheu sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Remonten der Fall ist. Die auf deu Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Verfassung sein, daß sie durch mangel
Nierenstück endete — am Freitag und Fasttag höchstens noch mit einem Apfelstrudel oder mit Dampfnudeln abwechselnd. Ihr Lachen klang so hell wie Geklirr der Goldstücke in ihrer großen ledernen Geldtasche mit dem messingenen Schnepper. Völlig unzugänglich aber zeigte sie sich den Gunst» bezetgungeu gegenüber, die man von männlicher Seite ihr zu erweisen versucht hatte. Man mußte ihr in deren Abweisung in Ernst und Scherz eine gewisse Virtuosität zuerkennen. — Sie ging mit ihrem Herzen — sehr vorsichtig oder haus» hälterisch um. Um dieses machte Nebicke sich allerdings viel zu schaffen. Am Bahnhöfe in München, als er Leni zum ersten Mal erschaut, war's um ihu geschehen. So ein Mädchen hatte er noch nie zuvor gesehen — und von dem Zeit» Punkte an drückte ihn nur eins — er wußte nur nicht, was dieses war — aber als die Leni wieder plötzlich auf Amsteg erschien, da brauchte ihm, wie dem jungen Tobias nicht erst das Auge mit Fischblase bestrichen zu werden, um zu wissen, daß ihm die Leni lieber war, als alle Mädchen zuvor — daheim in der Garnison, wie auf dem Dorfe. Dort gab es gar keine solche — wie dieser Engel »ins Jebirge*. Wo Leni, da war auch Nebicke — d. h. während des Tages. Er
hafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind.
Berlin, am 26. Februar 1891. Kriegsministerium, Remoutiruogs-Abtheiluug. von Arnim.
Beisetzung Moltkc's in Kreisn«.
Kreisau, 29. April. Der Sonderzug mit dem Leichnam des GFM. Grafen v. Moltke traf pünktlich um 2 Uhr hier ein. In dem Zuge be» fanden sich u. A. der commandtrende General des 9. ArmeecorpS Gras von Waldersee, der Chef des Geueralstabs Graf von Schlieffen, der Chef der Centralabtheilung deS GeneralstabS Oberstlieutenant v. Goßler, Abgeordnete der ReichstagS- fractioneo, geführt vom Präfideoten v. Levetzow, eine Deputation des Herrenhauses mit dem Vice» Präsidenten Ober-Bürgermeister Boetttcher. Der Sarg wurde ^wechselnd von zwölf Unter- osficleren des Türassterregimeuts »Großer Kar- fürft* und Infanteristen des 38. Regiments zur Gruft getragen. An der schwarz decorirten Haltestelle warteten außer den Anverwandten deS Verstorbenen der commandtrende General des 6. Armeecorps, v. LewtnSkt, ferner als Stellvertreter des beurlaubten Oberpräsidenten v. Seydewitz der Oberpräsidialrath v. Baurschmtbt, der Regierungspräsident Jancker v. Ober-Conreuth der Fürstbischof D. Kopp, die Commaudeure der 11. und 12. Cavalleriebrigabe und der 11. und 12. In» fanteriedtvisiou, der Generallaudschafts-Dtrector Graf Pückler, sowie Mannschaften des Cürasster- regimentS »Großer Kurfürst- und des 38, Jn- fanterteregimeuts mit Fahnen. Die Krtegerver- eine des Schweiduitzer und des Waldenburger Kreises bildeten Spalter bis zur Gruft. Unter den Klängen des Beethoveu'schen Trauermarsches bewegte sich der Letcheuzug zur Gruft, Im Zuge befanden sich außer der Generalität, den Deputationen deS Reichstages und des Herren- Hauses, den Staatsbeamten und der Geistlichkeit
steckte für sie die Bierfässer an — er wusch die Bläser — er putzte ihr bte Stiefeletten, er vernachlässigte ihr zu Liebe sogar manchmal den Dienst bei seinem Herrn — und mehrmals war es schon geschehen, daß, während er am Tische der Comtesse servtrte, und am andern die Leni, er der Comtesse anstatt des Rheinweines deu Salatessig in das Glas goß — oder Schuuki, der während des Diners auf dem Schoße feiner Herrin zu liegen pflegte, die Vantlleusauce zu den Dampfnudeln direct auf deu Kopf schüttete, so daß »der Beugel* ein unbändiges Geheul aufschlug, was an den beiden andern Tischen ein schadenfrohes Lächeln hervorief. Aber trotz dem schien Nebicke'S Liebesmühen bet der feschen Kellnerin vergebens. Es machte keioen Eindruck auf sie, als er ihr erzählte, daheim in Ostpreußen werde er einmal eine kleine Bauernwirthschaft erben, die ihren Mann nähre, sogar zwei und mehr noch und dazu komme noch der weitere Vortheil, daß sie beide gleicher Religion seien, katholisch — man also utcht nöthig habe, für di- Wirthschaft zwei Pastoren zu bezahlen — bei Hochzeit, Kindtaufe und Begräbnttz — aber alle diese Lockungsmittel waren bei der Leni vergebens. Sie hatte gegen Nebicke sonst gar nicht-