Erscheint wöchentlich drei Mal rnstag, Donnerstag und Sonnabend
n AbonnementSprei«:
«rteljLhrlich 1 Mark 40 Pfg. exc), Postaufschlag.
Die Jnsertion-gebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.
Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aultrögen entsprechender Rabat'.
Hersselder Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Auterhaltuugsblatt".
> Rr. 49. Sonnabend den 25. April 1891.
. Erstes Blatt.
e Bestellungen lc auf das
Hersfelder P^eisblatt k mit der wöchentliche« rattS Beilage ^JllustrirteS Unterhalt^ -Matt" , pro Mai und Iuni werden von, -len Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von ^der Expedition angenommen.
Amtliches.
'(Des Aönists Majestät haben mittelst Aller« höchster Ordre vom 31sten v. Mts. dem Vereine ffvom rothen Kreuz zu Wiesbaden die Genehmigung -zu ertheilen geruht, im Interesse der Erbauung eines Schwesternhauses und eines Sanatoriums 'idaselbst eine Geldlotterie zu veranstalten und die »Boote in der Provinz Hessen-Nassau und der Rheinprovinz zu vertreiben. Zu dieser Lotterie Dürfen 120000 Loose zu je 3 Mark ausgegeben .^werden, während die Gesammtsumme der auszu- 'tspielendkn Gewinne mindestens 125000 Mark befragen muß.
T Caflel, am 16. April 1891.
Mer Regierungspräsident. J. V.: v. Pawel. ai Ä ~ Hersfeld, den 21. April 18917 ^»».Die am 28. Mai 1874 dahier geborene Jettchen gDetterhahn hat umErtheilung eines Reise« Passes behufs Auswanderung nach Amerika nach- ^gesucht,
>^t032. Der Königliche Landrath.
erst In Vertretung:
H e e g, Kreissekretair.
rJ Bewerber um die am 1. Mai d. I. frei Sboerbenbe Schulstelle zu Rohrbach wollen ihre
MeldungSgesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen an den Königlichen Lokalschulinspector Herrn Pfarrer Ackermann zu Mecklar einreichen. Hersfeld, den 23. April 1891.
4086, Namens deS Schulvorstandes:
Der Königliche Landrath.
I. V>: Hee g, Kreissekretair.
Hersfeld, den 23. April 1891.
Der Landwirth Friedrich Ludwig zu Holz- heim hat um Erthetlung eines Passes zur Reife nach Amerika nachgesucht.
4094. Der Königliche Lavdrath.
In Vertretung:
Heeg, KreiSsekretair.
Bekanntmachung.
Unter dem Rindvieh deS Oeconomen Co nrad Bätz dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hersfeld, den 23. April 1' 91.
Mr Bürgermeister Braun.
_______Bolz.
Die Maul- und Klauenseuche ist unter dem Rindvieh hierselbst ausgebrochen.
Gtttersdorf, den 23. April 1891.
Der Bürgermeister Schmidt.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 23. April. In der heutigen (106.) Plenarsitzung des R ei ch S t a g e S wurde in der zweiten Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung die am Dienstag begonnene Berathung des §. 153 fortgesetzt. Abg. Möller ist damit einverstanden, daß man den Zwang zur Arbeitseinstellung strenger als bisher bestrafe, er hält eS aber nicht für zweckmäßig, die öffentliche Aufforderung zu widerrechtlicher Einstellung der Arbeit als neues Vergehen zu con- struiren. Bei den Exemplifikationen auf England und dessen freie Arbeiterorganisationen werde ganz übersetzen, daß auch die englische Gesetzgebung mit sehr strengen Strafen gegen die daS öffentliche Wohl gefährdenden Vertragsbrüche vergehe. Auch sei zu berücksichtigen, daß die englischen Unternehmer nicht die Lasten der deutschen Versicherung zu tragen hätten.
Er wolle zwar nickt jeden Akt des „Verbandes Berliner Metallindustrieller" vertreten, indeß müsse er doch constatiren, daß dieser Verband lediglich Abwehrvereinigungen seien, welche durch die maßlosen Ansprüche der Arbeiter hervorgerufen seien. Wenn die Arbeiter schießen, dürften sie sich nicht wundern, daß auch die Unternehmer wieder schießen. Wenn man da« Vorgehen der Hamburger Arbeiter, insbesondere des „FreundschaftSclubS der Cigarrensortirer' in Betracht ziehe, seien jedenfalls die Abwehrvereinigungen der Unternehmer als ein sehr natürliches Vorgehen zu rechtfertigen. Die Strikeagitatoren, die jetzt wieder ihr Wesen in den Kohlenrevieren treiben, möchten beachten, daß der wirthschafUiche Niedergang die Arbeiterschaft mit einer „Hungerkur« bedrohe, die vielleicht zugleich den Agitatoren das Handwerk legen werde. Abg. Dr. Hammacher erwartet zwar von der Regierungsvorlage keine Beseitigung von MassenstrikeS, wohl aber eine Verminderung der Contraetbrüche und größere Beachtung von Recht und Gesetz durch die Arbeiter. Dieser Tage sei wieder ein Bergarbeiterstrike mit Contractbruch m- scenirt worden, trotzdem die berechtigten Forderungen der So. cialdcmokraiie' erfüllt seien. Ein dumpfer Geist der Unzufriedenheit sei in Folge der Agitationen der Socialdemokraten in die Bergleute gefahren. Glücklicherweise habe sich ein Theil der Bergleute von dem socialdemokratischen Treiben frei gehalten und seinen Avfch«? ' ruSg^rückt über daS unpatriotische Verhalten der Dclcgirten auf beut Pariser Bergarbeitercongreß, welche auf den G'äbern der CommunardS Ruhmeskränze niedergelegt hätten. § 153 der Regierungsvorlage sei nothwendig, wenn man ihn jetzt ablehne, würden in einigen Jahren noch viel schärfere Sirafbestimmungen nöthig sein. Abg. Stadthagen erwiderte, daß der Bergarbeiterstrike nur eine Folge deS Vertragsbruchs der Unternehmer sei.
Mitische Nachrichten.
Berlin, 23. April. Heute früh 6 Uhr hat Se. Majestät der Kaiser vom Anhalter Bahnhöfe aus mittelst SonderzugeS Berlin verlassen und sich über Strebten nach Dresden be« geben, woselbst die Ankunft auf dem Böhmischen Bahnhöfe am Vormittage um 9 Uhr 20 Min. erfolgte. — Nach der Ankunft in Dresden begiebt Se. Majestät der Kaiser sich alSbald zu Sr. Majestät dem Könige von Sachsen, um Aller- böchstdemselben zu seinem heutigen Geburtstage seine G'ückwünsche abzustatten. In der Begleitung des kaiserlichen Monarchen bei der
k1
(Unbefugter,Nachdruck verboten.)
Auf hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
zu
(Fortsetzung.)
8, »3ch habe die Ehre, Madame de Louvain sprechen?"
Jnseinem Eifer bemerkte er nicht, wie sich bei wem Worte Madame die Augen seines Gegenüber verwundert nach ihm öffneten, den Mund ein spöttischer Zug umgab.
»Sie ließen, Madame, gestern im Coup6 diesen Wrief liegen. Ich hatte nicht Zeit, Sie darauf ^aufmerksam zu machen und begrüße diese Ge- ^legeubeit um so freudiger, Ihnen Ihr Eigenthum ^zurückzugeben."
<. Mit einem leisen Neige» deS Dankes empfing We den Brief.
W »Der Brief gehört allerdings mir," sagte sie, . L?^br ist nicht an mich gerichtet, sondern an eine I Taute in Belgien, die ihn mir gesandt hat, damit ü$ ^ich über gewisse Familienangelegenheiten
^»Pardon - wenn ich Sie, gnädiges Fräulein «der gnädige Frau auf einen falschen Ctvilstand 4n ansprach.
»Ich habe meinen Namen noch in kein Civil«
standsreoister etutragen lasten,* sagte sie lachend. »Ich beiße Vera Sewtsch und der Herr, in dessen Begleitung Sie mich gesehen haben, ist mein Oheim, der Bankpräsident Sewtsch aus Frankfurt a. M."
»So was hört man sehr gern,* sagte Gebhard, ohne daß er eigentlich wußte, waS er sagte.
»Warum?" frug mit einigem Erstaunen daS Mädchen.
»Weil — weil — Verzeihen Sie, daß ich Ihnen meinen Namen noch nicht genannt habe — Geb« bard Gras Windscheid, Rittmeister, Ulanen — Nummer überflüssig — die merken die Damen doch nie."
Vera's Mienen verzogen sich zu einem leisen wohlgefälligen Lächeln.
»Aber darum habe ich immer noch keine Antwort auf meine Frage," bemerkte sie.
»Ach so. Nun denn, ich dachte, Sie wären mit dem älteren Herrn verheirathet."
Da kam ein helles, fröhliches Lachen von ihr und dieses machte ihm Muth, fottzufahren.
„Ja, wahrhaftig, das dachte ich — unb da —" „Nun da?"
„Da war e8 mir recht leid um Sie."
„Sie sind hier auch in der Sommerfrische, Herr Graf?" frug sie darauf ganz kurz.
„Jr — ich bin in gleicher Lage wie Sie gnädiges Fräulein, wie Sie einen Oheim, so habe td) eine Tante hier, die mich unter ihren schützenden Fittich nimmt, daß das Knäblein keinen Fehltritt macht, daß es sich allen Damen gegenüber fein gebührlich aufführt - und den Staub seines GarnisonreilplatzeS von seinem Gemüthe schüttelt."
„Dann werden wir uns ja wohl hier öfter sehen," sagte sie freundlich im Ton und stand auf, um nach ihrer Wohnung zu gehen.
Am Abend, als Madlon mit ihrer Herrin allein war, berichtete sie dieser, wie ihr der junge Herr seit gestern so verändert vorkomme. ES habe ihr seine Miene bet seiner Ankunft geradezu mürrisch erschienen — und nun leuchte heute sein Antlitz wie bei einem Menschen, der eben in der Zeitung gelesen, daß seine Nummer mit einem großen Gewinn auS der Lotterie herauSgekommen sei. —
„Sie nehmen alle Ihre Beispiele auS dem engen Kreise Ihrer auf irdische Schätze gerichtetcn Idee," sagte in strengem Tone die Comtesse.
„Für so manche wird aus der preußischen Lotterie da auch ein Mann gezogen," antwortete Madlon mit einem Seufzer.
.Ich finde das eines Mädchens unwürdig, immer nur die Gedanken auf so — einen Men»