einen mittelst galvanischen Stroms bewegten Elektromotor in Umdrehung versetzt und dabei durch eine sehr fein geschnittene Schraube seitlich fortbewegt. DaS seitliche Verschieben der Walze von einem Ende zum anderen dauert 8 Minuten; so lange kann also ohne Unterbrechung in den Apparat gesprochen oder mussicirt werden, ehe eine neue Walze eingesetzt wird. Die Abnahme des Phonogramms erfolgt mit der gleichen Vorrichtung, in umgekehrtem Verhältniß, wobei der Weisel durch einen Stift mit feinem Kopf ersetzt ist. Die dem Vortrag folgenden Reproductionen des Apparats wurden eingeleitet durch einige von Herrn B e r n e r in denselben gesprochene BegrüßungSformeln und durch die ersten Strophen von Schillers Glocke mit einer komischen Abbreviatur von Göthe« Erlkönig. Dann folgten die Wiedergabe einer Anzahl zum Theil bereits vor Jahren aufgenommener Musikstücke, Trompetensoli, Cavalleriemäische, unter Anderem den Dessauermarsch u. s. w. Besonders komisch wirkten zwei Musikpiecen einer Straßen- kapelle in vorzüglicher Wiedergabe und ein kurzer Vertrag deS Easseler CharakterkomikerS Ewald. Endlich wurde auch von verschiedenen Herren aus dem Auditorium in den Apparat gesprochen und Herr Kapellmeister Otter blies einige Trompetensoli in denselben. Die Wiedergabe war eine sehr getreue und ließ an Deutlichkeit nichts 311 wünschen übrig. Natürlich wird die Klangfarbe sowohl der Musikinstrumente als der menschlichen Stimme, durch den, bei Vorführung deS Apparats vor einem größeren Auditorium unvermeidlichen Schalltrichter beeinträchtigt. Bei directer Uebertragung auf das Ohr durch Gehörrohre ist die Wiedergabe jedoch vollkommen naturgetreu, die Wirkung eine geradezu überraschende. Der Vortragende reproducirte dann auch am Schluß noch eine Anzahl Musikstücke, die er durch 10 Gehörrohre einzelnen Herren auf Wunsch direct zu Gehör brächte. Wir hörten einen prachtvollen Marsch von einer RegimentScapelle ; gespielt, so rein und deutlich, als ob die Capelle vor uns a un Saal concertire. Welchen Einfluß die wahrhaft geniale . Erfindung Edisons auf die Wissenschaft und das öffentliche a Leben noch haben wird, läßt sich jetzt noch gar nicht vorauS- sehen. Der Allgemeine Bildungsverein bietet seinen Mitgliedern und Gästen so viel deS Interessanten und Wissenswerthen, daß die Erwerbung der Mitgliedschaft jedem »ach Aufklärung Strebenden, gleichviel in welcher Lebensstellung nicht genug empfohlen werden kann.
H HerSfeld, 20. April. Auf eine Seitens der hiesigen Stadtbehörde an das Oberhofmarschallamt Seiner Majestät des Kaisers gerichtete An- frage, ist die Nachricht eingegangen, daß S e. Majestät der Kaiser gelegentlich der Reise nach Schlitz den Besuch der^Stadt Hersfeld nicht in Aussicht genommen habe.
Arenshause«, 18. April. In Heiligenstadt steht die ledige Anna Cathar. Drost von hier seit 56 Jahren in Diensten bet ein und derselben Herrschaft. Zur Belohnung für diese seltene Treue wurde ihr am Sonnabend durch den Bürgermeister daS ihr von der Kaiserin verliehene goldene Kreuz für treuen Dienst überreicht. GaM 19- April. AlS Nachfolger für den verstorbenen Präsidenten der General-Commission Dr. jur. Th. Wilhelmy werden in unterrichteten Streifen bereits der vortragende Rath im landwirthschaftlichen Ministerium Sterneburg, sowie der Präsident der General-Commission in Bromberg Beuthner, auch noch der Präsident der General-Commission in Düsseldorf Grein genannt.
Caflel, 17. April. In der Straße hinter dem Judenbrunnen wurde ein achtjähriger Junge von einem schwer beladenen Wagen, dem er rasch auSweichen wollte, dabei aber hirfiel, überfahren ■ und erlitt einen Rippenbruch. — Einem 1 jungen Mann in der Bahnhofsstraße entglitt die Pfeife, die er im Fenster rauchte; dieselbe fiel
einem unten vorbeigehenden Manne mit solcher Wucht auf den Kopf, daß derselbe gegen das Haus taumelte und eine blutige Verletzung davon- trug.
Wehlheide«, 17. April. Ein Taglöhner, von hier, welcher sehr früh in die Ehe getreten schleppte seiner Frau das Mobiliar aus dem Hause und verkaufte dasselbe. Nachdem er den größten Theil des Erlöses in Spiritussen um- gesetzt, wurde er flüchtig.
Wahlershausen, 15. April. Der Metzgermeister W. aus Wahlershausen schlachtete dieser Tage eine junge Kuh, welche daS seltene Fleischgewicht von 1004 Pfd. hatte.
Wolfhage«, 17. April. Gestern wurde auf dem 1/2 Stunde nordöstlich von hier belegeueu Schützeoerg ein Mann in d-n vierziger Jahren erhängt aufgefunden. Man vermuthet, daß derselbe von Dörnberg stammt. — Heute Abend gegen 6 Uhr wurde der 14jährige, vor 8 Tagen confirmirte Sohn eines Schuhmachers von seiner Mutter in den Stall geschickt, um der Kuh Futter zu geben. Hierbei ward der Junge von der Kuh an dem Halstuch mit den Hörnern erfaßt und auf die schrecklichste Weise erwürgt. Später in den Stall gekommene Personen fanden den unglücklichen Knaben unweit der Krippe an der Wand angelehnt als Leiche vor.
Eisenach, 16 April. Zum Kaiserbesuch auf der Wartburg sind die Vorbereitungen in flottem Gange; Post- und Telegraphenstelle auf der Burg werden schon am 19. eröffnet, da der Großherzog schon am 21. daselbst eintrifft, um den Kaiser zu empfangen, den am 23. der Erbgroßherzog von Weimar aus hierher geleiten wird. Auer- Hahnjagden werden am 24. und 25. früh, wie in den Vorjahren, im Wasunger Revier gehalten werden. Die Kaiserin, welche am 25. in Weimar eintrifft, kommt am 26. mit der Großherzogin Hierher; es wird Gottesdienst in der Wartburg- capelle stattfinden.
Wißmanns Sireiszuss gegen Kiboscho.
Einem Pont 8. März aus Masinde datirten Bericht Wißmanns an den Reichskanzler entnehmen wir folgende Einzelheiten über den letzten Streifzug in das Innere: Der Auf- bruch von Mofchi aus gegen den Häuptling Sinna erfolgte am 11. Februar. Sinna hatte ostentativ die deutsche Flagge niedergeholt und an ihrer Stelle die rothe Flagge des Sultans von Zanzibar gehißt; er hatte ferner eine friedliche Landschaft, wcl.che unter dem Schutze der deutschen Flagge stand, über, fallen, ausgeplündert und einen Theil der geraubten Menschen an Sclavenhändler verkauft und allen Warnungen und Drohungen deS StationSchefS von Mofchi Hohn gesprochen. — Sinna war überhaupt im Laufe der letzten Jahre eine Geißel der Bewohner des Kilimandscharogebiets geworden und höhnte über die Macht der Weißen, die er erst sehen müsse, bevor er an sie glaube. Wißmann hatte seine Truppe in Stärke von einer Compagnie Sudanesen, zwei Compagnien SuluS mit einem 4,7 cm Geschütz und dem Maximgun zwecks Ausnutzung eines eventuellen Sieges, sowie besonders um einen Präcedenzfall zu schaffen, daß die uns befreundeten Eingeborenen mit uns zusammenkämpfen, durch 400 Dschaggakrieger, die der Häuptling Mandara stellte, verstärkt.
Nach einem Tagemarsch längs des Südabhanges des Kili- mandschars stieg er durch ein reich bewässertes, äußerst fruchtbares Gebiet die Hänge des Gebirges hinauf. Gegen Mittag des zweiten Marschtages stieß er auf die Vorposten des Häuptlings Sinna; zwei Vtann wurden überrascht, gefangen
und zur weiteren Führung gezwungen. Nach weiterem ein- stündigen Marsche durch dicht bevölkerte, jetzt aber flüchtig geräumte, reich angepflanzte Höhenzüge, gelangte er an einen übersichtlichen Bergzug, dessen Rückenlinie von einem tiefen Graben gekrönt war. Ringsum hallte da« Gelände wieder von dem Kriegsgeschrei der Wakiboscho, die, zum Theil noch ihr Vieh vor sich her treibend, alle nach einer weiter gelegenen, mit Bananen dicht bestandenen Höhe, auf deren Kuppe die rothe Flagge wehte, im vollen KriegSschmuck jueilten. Ein heftiges Feuer aus dem erwähnten Graben, da« Wißmann zur Entwickelung zwang, verschaffte dem von allen Seiten herbeieilenden Feind Zeit, sich zu sammeln. Nach kurzem Feuergefecht schickte Wißmann die Tetencompagnie vor, diese nahm mit dem Bajonett den vom Feinde bis auf die nächste Annäherung der Compagnie gehaltenen Graben; der Feind trug einige Todte und Verwundete mit sich, verschwand aber sehr bald in dem vorerwähnten dichten Bananenwald.
Wißmann schildert nun deS Näheren die unglaublichen Schwierigkeiten, die da« Vordringen nach der Höhe bereiteten. Das Gelände war so dicht bewachsen, daß die Colonne Wiß- mannS im Gänsemarsch vorgehen mußte und oft au« allernächster Nähe beschossen wurde, ohne einen Feind zu sehen. Ein „Durchwürgen" nennt eS der Bericht. Ein tiefer Graben muhte überbrückt werden; jenseits war ein jeder Beschreibung spottendes Gewirr von Hecken, Pallisaden Verhauen und Gräben; jedes einzelne kleine Gehöft war stark befestigt, und, wie sich später heraurstellte, war daS besonder« stark verbarrikadirte Gehöft deS Häuptlings auf etwa 100 Meter im Radius von solchen BesestigungSabtheilungen umgeben. Endlich auf einem freien Platz sammelte Wißmann unter dem Schutze eines mächttgen Baume« die Verwundeten. Nach fünfstündigem Marsch und zweistündigem Gefecht in glühender Sonnenhitze zog sich Wißmann nach dem erwähnten Graben zurück, um hier die Nacht zuzubringen. Erst am Nachmittag näherte sich, fortwährend nach allen Seiten hin das Feuer erwidernd, der beim Vordringen abgekommene Zug und stieß, heftig vom Feinde verfolgt, zu der Haupttruppe. Schwere Verluste hatte der Feind, als er sich bei dieser Verfolgung aufs freie Terrain wagte, denn Wißmann hatte im Graben sämmtliche Europäer zum Feuern auf die sich irgendwo aus dem Dickicht herauswagenden Feinde antreten lassen.
Am nächsten Morgen ging es nochmals zum Sturm. Eine Boma nach der andern wurde niedergehauen, bis man in das Innere eindrang. Wie von der Erde verschlungen waren die für Neger erstaunlich zähen Vertheidiger verschwunden und zwar zum größten Thell in langen Höhlen» artigen Gängen, deren Oeffnungen in die vorher beschriebenen tiefen Gräben mündeten (solche Höhlen sind an diesem Abhänge des Kilimandscharo häufig). ES wurden viel Pulver, Waaren und Waffen erbeutet und der um einen mächtigen Baumstamm aus Stroh erbaute Flaggenthurm sowie da« Wohnhaus Sinna« angezündet. Eine starke Explosion von verstecktem Pulver blieb trotz der Nähe unserer Leute schad!»«.
Jetzt sandte Wißmann die Dschagga-Krieger Mandara« vor, um Gefangene und Beute zu machen. Es wurden innerhalb zwei Stunden, in welcher Zeit die Wadschagga auch die Verfolgung des flüchtigen Feinde« übernahmen, 50 Gefangene, meist Weiber, weit über 2000 Stück Rindvieh, gegen 3000 Stück Kleinvieh und einige Waaren eingebracht. Am selben Tage noch trat Wißmann den Rückmarsch nach Mofchi an, der trotz des für afrikanische Verhältnisse blutigen Krieges von verfolgenden Kiboscholeuten beunruhigt wurde. Ich habe in meiner 12jährigen Afrikapraxis — so schreibt Wißmann — so tapfere Neger wie die Leute Sinna« noch nicht kennen gelernt.
Der Verlust der Wakiboscho ist, wie Wißmann später durch sie selbst feststellen konnte, gegen 200 Todte, 60 Verwundete, während der deutsche 4 Todte, 15 Verwundete (unter letzteren Unterofficier Nowack) betrug. Ueber den Friedensschluß mit Sinna wird Wißmann mit der nächsten Post berichten.
— New-Nork, 15. April. Hier und an der ganzen allautischen Küste herrscht Sommerwärme bis 21 Grad R. am Tage. Die auS Europa kommenden Schiffe haben kein Eis gesehen und wenig Nebel gehabt; auch Stürme find nicht beobachtet worden.
AJSZISieBM.
| Bekanntmachung.
(* Die Heberolle hiesiger Stadt über die Veranlagung der Gemetnde-Um- ■ läge für die Zeit vom 1. April bis Ende Dezember 1891 liegt von
! heute a« 14 Tage lang zur Einsicht der Umlagepflichtigen ! im Steuer- und Meldeamt, ‘ Zimmer Nr. 5 des Rathhauses, oflen, was mit dem Bemerken veröffentlicht wird, daß Reklamationen 1 gegen die Veranlagung binnen 3 ■ Monaten, vom Tag der Offenlegung der Heberolle an gerechnet, bei dem 1 Stadtrath schriftlich angebracht werden müssen.
Die vorläufige Zahlung der Gemeinde-Umlage wird durch die Rekla- mattons-Verhandlungen nicht auf' gehalten.
* HerSfeld, am 20. April 1891. n Der Bürgermeister el Braun.
W |___ ,______ Carl Demme. j «pasierstöcke j in großer Auswahl, empfiehlt
'F W. Seelig.
|. Zur Verpachtung der dies- Ihrigen
Grasnutzung
von der am großen Exercierplatz be- legenen früher Schimmelpfengffcheu, jetzt dem Militailsiscus gehörigen Wiese, sowie von dem am Obers- berg belegenen Schießplatz ist Termin auf
ponnttN im 233.1#.
Vormittags 10 Uhr
in das Geschäftszimmer des Bezirkstammandos anberaumt worden.
Die der Verpachtung zu Grunde liegenden Bedingungen liegen von heute ab zur Einsicht aus und sind dieselben von den Pachtlustigen vor dem Termin zu unterschreiben.
Angebote sind schriftlich, gut verschlossen, vor Eröffnung des Termins einzureichen.
Hersfeld, am 20. April 1891.
GtMlison-VerwaltttNgs' Commission.
Carbol inen in
zum Anstrich undImprägniren von Bauholz, Gartenzäunen re.
billigst bei
Aufforderung.
Denjenigen, welcher vor ca. 14 Tagen meinen Handwagen geborgt hat, fordere hiermit auf, denselben unverzüglich wieder an mich abzuliefern.
d. Schreiber.
40 Centner sehr schönen
Sommerweixen
(zur Saat)
hat abzugeben
Hossbach,
Hof Weitzenbor«.
Arbeitsbücher
empfiehlt L Funk'« Buchdruckerei,
Gk A. Pfaff.
Gerstenschrot
bei G. A. Pfaff.
30 Centner
Leu und Krümmet
sind abzugeben.
Wo, sagt die.Exped. d. Bl.
Formularpapier zu ßensur- und Absenten-Listen, empfiehlt
L. Fank's Bacidruckerei,
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