arbeitStag) beendigt. — Nach dem Abg. A u e r, der in langer Rede die Berechtigung des Antrages darzulegen gesucht hatte, erhielten nur die Abgg. Dr. B ö t t i ch c r und Freiherr v. Stumm das Wort, um den Antrag zu bekämpfen und den Ausführungen der Vertheidiger desselben in verschiedenen Punkten entgcgcnzutrcten. Bei der Abstimmung wurde der socialdemokratische Antrag gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.
Uolitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser unternahm am Freitag Nachmittag, nach Aufhebung der Frühstückstafel, einen Spazierritt nach dem Thiergarten und dessen Umgegend, und erledigte nach der Rückkehr von demselben Regierungsangelegenheiten. — Am Sonnabend Moraen arbeitete der Monarch zunächst allein; um 9 Uhr hatte Aller- Höchstderselbe eine Conferenz mit dem Minister des königlichen Hauses v. Wedell, empfing darauf den Erbgroßherzog von Oldenburg und später den aus Münster in Berlin eingetroffenen comman- direnden General des 7. Armeecorps, General der Cavallerie und Generaladjutanten v. Albedyll und darauf den Abtheilungschef der Geheimen Kriegskanzlei im Kriegsministerium Oberst Brix. Gegen 10 Uhr begab sich Se. Majestät alsdann von seinem Arbeitszimmer in die Bildergallerie des königlichen Schlaffes, woselbst alsbald darauf Allerhöchstderselbe, in Gegenwart der kaiserlichen Prinzen, der in Berlin weilenden Hohen Fürstlichkeiten und der anderen Höchsten Herrschaften rc. die Nagelung der neu verliehenen Fahnen und Standarten in programmmäßiger Weise vollzog. Nach erfolgter Uebergabe der Feldzeichen Seitens Sr. Majestät an die Truppe und beendetem Vor- beimarsch derselben im Lustgarten vor dem obersten Kriegsherrn setzte sich Se. Majestät vom Schlosse aus an die Spitze des Garde-Cürassierregtments und führte dasselbe persönlich zur Kaserne nach der Alexandrinenstraße zurück. Dort angelangt, entsprach Se. Majestät mit den königlichen Prinzen und Herren seiner Umgebung einer Einladung des Officiercorps genannten Regiments zur Tafel.
Von verschiedenen Seiten wird übereinstimmend gemeldet, daß der frühere Minister des Innern, Herr v. P u t t k a m e r, für die zum 1. Juli er» forderliche Wiederbesetzung des Oberprästviums der Provinz Pommern in Aussicht genommen sei.
Seit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelm II. find bereits mehrere alte beschädigte Fahnen und Standarten durch neue ersetzt worden. Von Interesse dürften Mittheilungen über die Verletzungen preußischer Feldzeichen während der letzten Kriege sein. In den Feldzügen 1864 und 1866 sind nicht weniger als 99 Feldzeichen durch feindliche Geschosse getroffen worden, und für den Krieg 1870—71 beziffert sich deren Zahl auf 151. Eine Fahne, diejenige des 7. Westfälischen Infanterieregiments Nr. 56, ist sogar von 23 Kugeln allein in der Schlacht von Mars la Tour am 16. August getroffen. Ferner sind im deutsch-französischen Kriege nicht weniger als 38 Fahnenträger (Officiere, Unter» officiere und Gemeine) mit dem Panier in der Hand, den Heldentod gestorben, was auf deu betreffenden Fahnen und Standarten durch silberne Ringe mit der Inschrift: „Es starb mit dieser Fahne in der Hand den Heldenrod" (Name)
zu Allerseelentag hat der Wirth Gäste gehabt. — Die Lage des Hauses ist eine sehr günstige — ganz gegen Nordwinde geschützt. Aber was ist denn das? Diese abscheulichen Fliegen hier herum — ganze Schwärme. Sollte das frischgebratene Huhn?*
Nebicke, der eben seinen ersten Tischdienst machte und die Schüsseln auf seinen großen, weißbehandschuhten Händen hielt, lachte und zwar so vordringlich, daß er sich einen Blick des Verweises von Seiten der Comtesse zuzog.
„Diener haben nie zu lachen," bemerkte sie.
„Ich wollte der gnädigen Comtesse nur er» klären," sagte er. „Um meinem Frack — dem Tuch ein recht blankes Aussehen zu geben, habe ich ihn mit einer Lösung von Zucker und Bier zu traktiren versucht — und das haben die Beester — die Fliegen wohl geschmeckt — und auf Grund dessen ihre unverschämte Zudringlichkeit."
„Sie werden bis auf weiteres nicht wieder servilen," diktirte Comtesse Armgard.
Die Altersverschiedenheit zwischen Taute und Neffen war, wie bereits bemerkt, nicht sehr groß. Gegen zehn Jahre mochte sie betragen. Es muß wiederholt werden, daß die Stiftsdame die jüngste Schwester von Gebhards Vater war und dieser der älteste von seinen Geschwistern. Sie war auffallend klein — kleiner noch zu der Würde und dem Aplomb, die sie zur Schau trug; jetzt rund wie ein Nudelholz, mußte sie in ihrer Jugend nicht ohne Reiz gewesen sein. Sie hatte
vermerkt ist. Bei zwei Truppentheilen, darunter I dem 3. Westfälischen Infanterieregiment Nr. 52, finden wir sogar je 5 Namen verzeichnet von solchen, die sämmtlich am 16. August 1870 mit der Fahne in der Hand gefallen sind.
Als Gesammtergebniß aus sämmtlichen Wahlbezirken des 19. Hannoverschen Wahlkreises wird gemeldet: Fürst Bismarck erhielt 7557, Adloff 2619, von Plate 3343, Schmalfeld 3928 Stimmen. Sonach findet zwischen dem Fürsten Bismarck und dem socialdemokratischen Candidaten Schmalfeld Stichwahl statt.
Die kürzlich erwähnten, von den Reichstagsabgeordneten Grafen Udo zu Stolberg-Wernige- rode und Dr. Buhl angebahnten Verhandlungen über die Zuckersteuervorlage scheinen ein Resultat nicht ergeben zu haben, wenigstens meldet in Uebereinstimmung mit anderen Nachrichten die „Nat.-Ztg.": „Die Verhandlungen haben eine derartige Zerfahrenheit der Interessen und Meinungen ergeben, daß mit Sicherheit anzunehmen ist, die Angelegenheit werde in dieser Session zu keinerlei positivem Ergebniß führen.
^Handelsvertrag mitOesterreich- Ungarn.] Der Abschluß der Verhandlungen wird in der nächsten Woche erwartet. Der neue Vertrag ist ein Tarifvertrag auf längere Dauer und, wie es heißt, auf eine den Zeitraum von rehn Jahren überstetgende Dauer. Er bildet die Basis für die handelspolitischen Verhandlungen mit den anderen Staaten Europas und muß aus diesem Grunde bis zur Vorlage an die Parlamente geheim bleiben. Ohne diese Geheimhaltung wäre ein Vertragsabschluß mit anderen Staaten erschwert. Auswärtige Blätter haben schon neulich gemeldet, daß die deutsche Regierung demnächst, und zwar nach Abschluß des Vertrages mit Oesterreich-Ungarn, in Vertragsverhandlungen mit der Schweiz einzutreten beabsichtige. Das „Wiener Fremdenblatt" fügt dem hinzu, daß diese Verhandlungen gemeinsam mit Vertretern der deutschen und der österreich-ungarischen Regierung im Laufe des Monat Mai in Wien stattfinden sollen.
Dem langjährigen Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes, königlichen Oberst z. D. Herrn v o n E l p o n 8 ist, wie die „N. A. Z." erfährt, für seine besonderen Verdienste bei der Führung und Leitung des Bundes durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers der Rothe Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe verliehen worden.
Dem Reichstage ist der Gesetzentwurf, betreffend dasReichsschuldbuch, zugegangen. Reichstagsprästdent von Levetzow ist nicht unerheblich erkrankt.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
Hersfeld, den 20. April 1891.
* Vom 1. Mai ab tritt für Telegramme nach Australien ein ermäßigter T a r i f in Kraft. Von dem genannten Tage ab beträgt die Wortgebühr nach Süd- und West- Australien 4 Mk. 10 Pf. (anstatt bisher 9 Mk. 35 Pf.), Victoria 4 Mk. 20 Pf. (anstatt 9 Mk. 35 Pf.), Neu-Südwales 4 Mk. 30 Pf. (anstatt 9 Mk. 55 Pf., Tasmanien 4 Mk. 80 Pf. (anstatt
9 Mk. 95 Pf.) Für die Berechnung der Ge-
noch hübsche Augen und zu ihrem röthlichen Haar sehr weißen Teint und sehr schöne Hände. Wie sie in ihrem leiblichen Wachsthum zurückgeblieben zu sein schien, so auch in ihrer geistigen Entwicklung — sie war nicht ausnehmend klug, aber auch nicht das Gegentheil, sie hatte halbe Tugenden und halbe Fehler und das machte, daß man oft darüber im Zweifel war, ob die Fehler Tugenden oder umgekehrt waren. Sie besaß die feinste Empfindsamkeit für Thiere, bekam ihre Nerven, wenn ein Huhn auf dem Hofe abgeschlachtet wurde, was aber nicht hinderte, ihre Kammerjungfer oft recht zu quälen. Hervorragend an ihr war nur ihr Familiensinn. Auf Bethätigung dieses conceutrirte sie alle ihre Willenskraft. So wäre Comtesse Armgard viel- leicht eine emsig schaffende Hausfrau -— eine umsichtige Gutsherrin geworden, wenn sich diese in ihr schlummernden Charactereigenschaften frei hätten entwickeln können, aber so in ihren Stifts- säleu zur Unproduktivität des Lebens verurtheilt, hatte sich die ihr vielleicht angeborene Energie ihres Wesens nur nach dieser Seite entwickelt. Dabei war sie eine der eifrigsten Briefschreiberinnen und zog vermittelst Post und Telegraphen ein Band um die ganze Familie, so den Zusammenhang derselben erhaltend. Sie liebte ihren Neffen vielleicht weniger um seiner trefflichen Eigenschaften willen, als darum, weil er Graf -Wind- scheid hieß und der Einzige war, in dem sich die Familie fortsetzen konnte. Dieses Thema nahm
bübren macht der Beförderungsweg — ob übn Bushire oder über die Kabel der Eastern (Som- pavy — keinen Unterschied. Im Verkehr mit bei australischen Colonien Queensland und Neu-Sev land bleiben die bisherigen Telegrammgebührn bis auf Weiteres unverändert.
* Die Einnahme des Deutschen Reichs at Wechsel stempelst euer für das Etatsjah 1890/91 betrug 7816558,50 Mk. oder 324 296,4s Mark mehr, als im Jahre 1889/90. Im EtL für 1890/91 war die Wechselstempelsteuer au1 6413000 Mk. veranschlagt. Sie bat bemnai über den Etatsanschlag 1403 558,50 Mk. erbracht
* Es sei daran erinnert, daß für das Vn pflanzen sowohl als auch das Pflanzen voi Bäumchen (O b st b ä u m e n) jetzt die beste Zn ist, ebenso für das Entfernen der alten trocken» Bäume und Aeste, da sich in denselben die Raup» und sonstige Insekten aufhalten, welche vachh« dem Obst und Gemüse großen Schaden zufüger Auch ist es strafbar, solche trockenen Bäume steh» zu lassen.
* Der Ausschuß des deutschenHandels t a g e s nahm eine Resolution an, worin er föl- die Vereinfachung und Ermäßigunf der Personent arife eintritt ohne Auf Hebung der 4. Classe.
• Nach § 366 Z. 7 des Strafgesetzbuchs ist das Werft mit Steinen oder anderen harten Körpern oder Unrath at Menschen, auf Pferde rc. al« Uebertretung zu bestrafen. I Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, I. Stra fenat, durch Urtheil vom 5. Februar 1891, ausgesprochen daß unter den Begriff Unrath nicht nur ekelerregende Gcgn stände, sondern überhaupt Gegenstände fallen, welche geeigm sind zu verunreinigen, wie beispielsweise frisch gemischter Kal Erde, Farbstoffe.
* Das ReichS-VersicherungSamt hat in einem an die Von stände der Reichsversicherungsanstalten jüngst gerichtete Schreiben vorbehaltlich seiner instanziellen Entschließung dahi- entschieden, daß diejenigen Versicherten, welche alsbald n« dem Inkrafttreten des JnvaliditätS- und Altersversicherung! Gesetzes, z. B. im Monat Januar 1891, das siebenzigi Lebensjahr vollenden, behufs Erlangung der Alters rente zunächst noch eine Wartezeit von einem Beitragsjah: zurücklegen müssen. DaS ReichS-VersicherungSamt ist babi von der Erwägung ausgegangen, daß im Gegensatze zu bi UebergangSbestimmung für die Invalidenrente, nach welch die Minderung der Wartezeit nach Wochen berechnet wir! das Gesetz die Wartezeit für die Altersrente sich um so viel Beitragsjahre vermindern läßt, als die Lebensjahr der Versicherten zur Zeit des Inkrafttretens des G fetzeS die Zahl vierzig übersteigen. Danach gelten Beitragi jähre und Lebensjahre als Einheiten, und die Wartezeit st die sonst zum Bezug der Altersrente gualificirten Person« verringert sich nur um so viele Einheiten von BeitragSioLre" als diese Personen Einheiten von Lebensjahren beim JnkraM treten des Gesetzes zurückgelegt haben.
A Hersfeld, 20. April. Im Allgemeinen Btl ' dungsverein fand am Sonnabend der angekündigt Vertrag deS Herrn B e r n e r über den E d i s o n' s ch t! Phonographen statt. Die Betheiligung war, wie b ’ einem solchen interessanten Gegenstand zu erwarten war, ein | sehr zahlreiche und war der große Bolender'sche Saal bis m V den letzten Platz gefüllt. Die Erschienenen, Damen W Herren, lauschten dem Vertrag und den Reproductionen dk Phonographen mit gespannter Aufmerksamkeit, eventl. lebhaft« Beifall spendend. Herr Berner verbreitete sich in seines Vertrag zunächst über daS Wesen deS Schalles, sowie übt / die Bildung des menschlichen OhrS und gab dann eine ftat und detaillirte Beschreibung deS Apparats, der wir Folgend! l entnehmen. Die durch den Schall verursachten Schwingung« H wirken auf ein sehr dünnes thalergroßeS Membran aus Gl« oder Glimmer, auf dessen Rückseite ein scharfer Hohlmch en miniature festgekittet ist, der die Bewegungen deS Meo branS auf eine Wachsrolle eingravirt. Letztere wird buri
denn Armgard zum Gegenstand einer Unterreduü mit ihrem Neffen. Sie zeigte dabei ein feil feierliches Wesen, ein Beweis, wie sehr die Sach ihr am Herzen lag.
„Ich habe Dich kommen lassen, lieber Gebhard um eine ernste Familienangelegenheit in alle Ruhe mit Dir zu besprechen. Nein, nein, rüd nicht so ungeduldig auf den Stuhl umher! 291 eine schwere Sorge lastet eS auf mir. Du bi! jetzt nahe an Deinem dreißigsten Lebensjahr und scheinst Dich nicht Dessen zu erinnern, wa leider in unserer Familie eine höchst betrüben! Thatsache geworden ist, daß kein Windschei mehr nach dem dreißigsten Jahre geheirathet hü Durch zwei Jahrhunderte können wir daS vei. folgen und Onkel Fritz ist ein noch lebend« Beispiel dafür. Wir hätten eher alles AndeH geglaubt, als daß er sein Leben ehrlos hinbring« würde. Er war in seiner Jugend eine glänzen! Erscheinung, aber er hatte Unglück mit all' sein Werbungen und bet der letzten, deren Abwetsm ihn am Tiefsten traf, schwur er, auf jeden weitere Versuch zu verzichten. So ist er unverheirathe geblieben. Leider! Alle Ehen, die von männ lichen Mitgliedern unserer Familie eingegangei sind, wurden vor dem dreißigsten Jahre geschloffen
(Fortsetzung folgt.) S
— In Bavenstedt bei Hildesheim hat d« Arbeiter Wediktn seiner Frau den HalS abg|> schnitten und dann sich selbst erschossen» .