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Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illugrirtes Anterhaltungsblatt".
Nr. 46.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 15. April 1891.
Die am 17. August 1843 geborene Witwe Anna Catharina Schäfer geb. Schaft zu Heringen hat für sich und ihre 3 Kinder um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
3380. Der Königliche Landrath.
In Vertretung: ___Braun, Kreisdeputirter.
' Hrrsfeld, den 15. April 1891.
Der am 10. Oktober 1868 geborene Tagelöhner Konrad Schäfer zu Heringen hat um Entlaffung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
*3381, Der Königliche Landrath.
In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.
Nach der letzten Lebcnsmittcl- pieistabellc
|ber ,Stat. Corr." sind die Getreidefrüchte fast durchgängig im Preise gestiegen. Der Weizen I hat im Durchschnitt aller Marktorte im März cr. den hohen Preis von 197 Mark pro 1000 kg erreicht, gegen 189 Mark im Vormonat. Die ' größten Preissteigerungen weisen auf Neuß mit 16 Mark, Danzig und Kiel mit 15 Mark und , Koblenz mit 14 Mark. Am b'lligsten war der Weizen in Köslin mit 188 Mark, am theuersten in Koblenz mit 216 Mark Die Preisdifferenzen waren also nicht gerade beträchtlich. Der Roggen ist im allgemeinen Durchschnitt von 170 auf
(Unbefugter Nachdruck verboten.) | Auf hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
Dann weitete sich das Thal und ließ nach der einen oder andern Seite einen Blick frei in einen grünen Wiesengrund, um den sich graue Kalksteinmassen tbürmten, am unteren Theile noch mit grünen Waldsäumen, nach oben mit einzelnen grünen Fleckchen von Lärchenholz wie von niederem Gesträuch. Aber nur wie ein Momentbild — dann schien der Train sich wieder in Schlangen- Windungen durch ein Thal hindurchzwängen zu müssen — so eng, daß man die Kühle von den | rinnenden, stürzenden Wildwassern im Coup6 K empfinden mußte. Keuchend unter der schweren Last — bergan — verfolgte die Locomotive ihren Weg. Eine so beträchtliche Steigung machte zwei Locomotiven nöthig — aber mit jeder weiteren i der kleinen Stationen mit ihren sauberen Bahn- bäusern, ihren blumengeschmückten Balkönen und gsam gepflegten Gärtchen, weitete sich der Blick Z -oer die nächsten Gebirgsmassen hinweg — in , eine höhere — mächtigere Gebirgswelt in bläu- lichem Schimmer der Contouren und mit den , deutlich sich aus blauem Duft abhebenden soun- beglänzten Schneemassen. Im andern Falle würde Gehhard mit seinem offenen Natnrstnn diese Ein»
drücke ebenso in sich ausgenommen haben, wie der Leser, aber diese ganze entzückende Welt war ihm versunken — vor dieser Erscheinung, — welche die Stelle ihm gegenüber leer gelassen hatte. Nun saß sie aber wieder da — seine Sehnsucht mit Hilfe der Phantasie hatten sie wieder hergebannt — aber von Madame de Louvain schweiften seine Gedanken zu der Kammerjungfer. Er sah die edle Stirn mit den ernsten Brauen — die classisch geformte Nase — die Strenge, die Keuschheit dieses KinneS, gemildert durch den unsagbaren Reiz, der um die Lippen — mit der matten Korallenfarbe — saß — daS Aufziehen der Mundwinkel, das auf eine ernste Stimmung deutete. Und dann wieder Vera oder Madame de Louvain, die Schönheit ihres LeibeS, diese vollen Schultern, diese feinen Asseln — die beim Ausstetaen unter dem kurzen Kleide sichtbar wurden I Wie leicht und graziös sich der Körper beim Hingehen nach dem Wagen auf den kleinen Füßen bewegte! Aber auch bei der Zofe. WaS bet Vera mit einem gewissen Abandon, gab sich hingegen bet Claudtne mit einem vollen Bewußtsein der Würde — voll Stolz uud Ueberwindung.
Gebhard würde in dieser traumhaften Anschauung noch lange verharrt haben, hätte ihn nicht der Ruf des Schaffaers aus demselben geweckt, der ihm andeutete, daß an dieser Station feine Fahrt ein Ende habe, mahnend zugleich,
Sonnabend den 18. April
174 Mark gestiegen. Hier hatten Königsberg! mit 10 und Danzig sowie Kiel mit 7 Mark die । größte Preissteigerung. Am billigsten war der Roggen mit 165 Mark in Posen und Köslin, am theuersten mit 186 Mark in Cassel. Die G e r st e, deren Durchschnittspreis von 157 auf 158 Mark gegangen ist, hatte wenig beträchtliche Preiserhöhungen. Der Hafer ist überall im Preise gestiegen, zum Theil febr erheblich. Der Durchschnittspreis beträgt 151 Mark, gegen 144 Mark im Vormonat. Am billigsten war der Hafer tu Dauzig mit 134 Mark, am theuersten in Pader- borv mit 164 Mark. Die Kartoffeln setzten ihre Preissteigerung fort. Der Durchschnittspreis ist von 64,1 auf 66,4 Mark gegangen. Stral- sund und Kiel hatten mit 12,7 bezw. 17,5 Mark die bedeutendsten Preiserhöhungen. Am billigsten waren die Kartoffeln in Hanau mit 46,0, am theuersten in Kiel, Koblenz und Neuß mit 80 und in Aachen mit 115 Mark. Die Fleisch- preise schwanken vielfach. Zwar sind im Ganzen die Preisherabsetzungen noch überwiegend, doch sind an einigen Orten, wie Bromberg, Magdeburg, Stralsund, Frankfurt a. O. die Preise für einzelne Fleifchsorten wieder gestiegen. Im Durchschnitt ist Rindfleisch, Schweiniflelsch und Hammelfleisch um 1 Pf. pro Kilogramm billiger, Kalbfleisch dagegen um eben so viel theuerer geworden. Das Rindfleisch ist am billigsten in Posen mit 113 Pf. pro Kilo, am theuersten in Aachen mit 153 Pf.; das Schweinefleisch schwankt zwischen 110 Pf. in Gleiwitz und 170 Pf. in Aachen; daS Kalbfleisch zwischen 100 Pf. in Paderboru und 170 Pf. in Aachen, und das Hammelfleisch zwischen 100 Pf. in Köslin und 175 Pf. in Aachen. Speck und Schmalz sind an einzelnen Orten etwas billiger geworden; die Butter zeigt überwiegend Preiserhöhungen; die Eier dagegen sind der Jahreszeit entsprechend erheblich im Preise gesunken.
1891.
Mitische Wachrichten.
Am Donnerstag früh hatte sich Se. Majestät ber Kaiser, begleitet von den diensttbnenden Flügeladjutanten, mit dem Zuge um 8 Uhr 25 Minuten von Berlin nach Potsdam begeben. Während der Fahrt dorthin war der Chef des MilitaircabinetS zum Vortrage in den kaiserlichen Salonwagen befohlen worden. — Während seines Aufenthaltes in Potsdam besichtigte Se. Majestät, im Beisein der resp. Vorgesetzten und anderer hoher Officiere, die Compagnien des 1. Garde- regiments z. F. im Lustgarten, und eutprach nach Beendigung derselben einer Einladung des Officiercorps genannten Regiments zur Tafel nach dessen Officiercasino. ..
Die von Sr. Majestät dem Kaiser bet der Schulconferenz vertretene Schulreform wird nunmehr in den Cadettenhäusern zur Durch- führung gelangen. Gemäß der erlassenen Ca- binetsordre werden dazu neue Lehrmittel auS- gearbeitet für den Geschichtsunterricht, die Sageukunde und die He^rathSkuude. Die Letztere nimmt eine vom Kaiser als besonders wichtig bezeichnete Stelle ein. Die neuen Lehrbücher werden in Berlin bei dem Hofbuchhändler Mittler und Sohn erscheinen. r
Von den cmittirten preußischen Consols ist brs zum 6. April Vollzahluug auf nahezu 90 Millionen ^ Au^ Anregung ^ @rafen Udo v. Stolberg bin haben Verhandlungen zwischen Reichstags- Abgeordneten und Vertreter der Zuckerindustrie stattgefunden, um Vorschläge über die demnächst im Reichstage stattfindende Berathung des ZuckersteuergesetzeS zu vereinbaren. Ueber das Resultat der Besprechungen ist noch nichts besinnt.
Eine Eingabe deS Präsidium- des deutschen Handelstags auf Erhöhung der Gewichts-
schnell zu machen, da der Zug gleich weiter geben würde. So war er gezwungen, wieder au die Außenwelt zu denken und daS Nächste — sein Reiseziel.
Nach einer halbe» Stunde saß Graf Gebhard in einem bequemen Wagen — der Koffer war hinten aufgeschnallt, auf dem Bock saßen Nebicke und ein munterer Bursche in der hübschen kleidsamen Uniform des bayrischen Postillons, in der hellblauen, mit silbernen Treffen besetzten Jacke, der weißen Lederhose und hohen Stulpstiefeln. Am Ohre stak ihm eine aufgeblühte, blutrote Nelke, tm Munde hatte er die rauchende Tabocks- pfeife mit dem Maserkopf.
Gebhard beschäftigte sich mit der Frage, welches wohl das Reiseziel von Madame de Louvain und ihrem Gatten gewesen sein könnte. Jedenfalls konnte ihm der Postillon, als ein der Gegend Kundiger, darüber Aufschluß geben. Er forderte darum seinen Diener auf, vom Bock herabzu- steigen, sich in den FondS deS WagenS zu setzen und sttzte sich nun zum Postillon — um die Gegend besser genießen zu können.
„Ist hier in der Nähe ein See?" — wandte er sich fragend an den Postillon. ,
„Do hamm mer grad gnua," war dessen Antwort.
„Kennen Sie die Pension Amsteg?"
.No, da fabru wir ja doch hin.*
1 «Ist sie hübsch gelegen?"