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HerslelStr Kltisbllltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Nuterhaltuugsblatt".
Nr. 45. Donnerstag den 16. April 1891.
Amtliches.
Königliches Lavdrathsamt benachrichtigen wir ergebenst, daß der Untersuchungsgefangene Maurer Heinrich K e u tz e r von Udenhausen (Kreis Als- feld) gestern aus dem hiesigen Amtsgerichts-Ge- fängmsse entwichen ist, mit dem Ersuchen, nach demselben fahnden und ihn im Betretungsfolle verhaften und hierher zurückführen zu lassen.
Burghaun, den 11. April 1891.
Königliches Amtsgericht.
H a p p i ch.
Au Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. E. 6/91.
* ♦ *
Hersfelv, den 13. April 1891.
Wird den Ortspolizei-Verwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Fahndung nach dem Flüchtigen mit- getheilt.
8458. Der Königliche Landrath.
In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.
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Bekanntmachung.
8 Durch Neueinrichtung der Unteres steter »SSor» schulenJüUchundWohlau, können im Oaober d.J. noch Freiwillige zur Einstellung gelangen.
Diejenigen jungen Leute, welche mindestens 14'/- Jahr alt sind, das 16. Lebensjahr aber noch nicht überschritten haben, können sich unter Vorlage ihrer Geburtszeugnisse, eines Cou° sirmattons- bezw. Einsegnungsscheines, ihrer sämmtlichen Schulzeugnisse und ein von der Orts- dehörde über ihre sittliche Führung ausgestelltes Attest, schriftlich beim unterzeichneten Bezirks- kommando melden.
Diejenigen jungen Leute, welche im October d. I. das 16. Lebensjahr überschreiten, können sich unter Vorlage oben erwähnter Papiere, ebenfalls noch melden, und würden dieselben bei guter Führung
(Unbefugter Nachdruck »erboten.
Aus hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
ge-
(Fortsetzung.)
Fragend gingen Gedhards erwägende — combinirende Blicke von ihr zu ihm — — zusammen? Wäre es Tochter und Vater? Gebhard suchte nach einer Aehnlichkeit k^ne. Oder Mann und Frau? Noch 1 s?ü?mer ~ oder gar? Nein, nein, denn Ute dieser Barbar im Angesicht eines $ r? Asens uicht schlafen — schnarchen können. Am liebsten wäre es dem Rittmeister gewesen, L U* Atrien Zusammenhang vorauszusehen. - Er I überlegte auch schon, ob er nicht den Schaffner rufen und veranlassen sollte, dem Herrn für seine Schlummerstunde ein anderes Coups anzu- weisen. Und nun in dieses Sinnen und Com- dintreo, in dieses Erwägen, Reflecttren und Planen ging von ihr wieder ein Blick zu ihm — ?^nso spöttisch, wie vorhin als er» b™ Sustanb seines Innern — den Zug seiner Gedanken.
‘ Herrn das Buch, das er in j »,^ ten Hand hielt — ein gelber Band. Flugs I Mte sich Gebhard darnach und sah an dem | V»el, daß es ein französischer Roman war. — j. 'r oahm das Buch und machte gegen die Dame
auf der Vorschule nur ein Jahr auf derselben zuzubringen haben.
Hersfeld, den 13. April 1891.
Königliches Bezirkskommando.
Aus dem Reichstage.
B e r l i n / 13. April. Auf der Tagesordnung der heutigen (97.) Sitzung des Reichstags stand zunächst die Interpellation der Abgeordneten der beiden ostfriesischen Wahlkreise Hacke und van H ü l st: „Sind dem Herrn Reichskanzler Thatsachen bekannt, welche geeignet erscheinen, das vom Herrn Kriegsminister in der Sitzung vom 13. März über den Bildungsstand der ostfriesischen Rekrmen geäußerte abfällige Urtheil zu rechtfertigen?" Reichskanzler v. Caprivi erklärte sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Hacke begründete die Interpellation. Es hätte sich in Folge der Aeußerung des Kriegsministers, aus der man auf einen niedrigen Bildungsstand und mangelnden Patriotismus der Ostfriesen schließen könnte, derselben eine ungeheure Erregung bemächtigte gleich groß jener vom Jahre 1866, als Onfriesland mit Preußen vereinigt wurde, nur im entgegengesetzten Sinne. Diese Erregung der Ostfriesen sei in Protestversammlungen und auch in einer Adresse an den Kaiser zum Ausdruck gelangt. An der bona lules des Kriegsministers zweifele er nicht. Doch hätte derselbe aus der Statistik der Analphabeten ersehen müssen, daß gerade unter den ostfriesischen Rekruten die Zahl der Analphabeten im Vergleich zum Durchschnitt des Reiches eine überaus kleine sei. In Bezug auf den HandelSstand, die Landwirthschaft und das Schulwesen stehe Ostfriesland keinem anderen Lande nach. Man bestreite nach eingezogenen Erkundigungen ausdrücklich, daß im Vorjahre Examinationen der Rekruten nach dem Namen des Kaisers mit so schlechtem Erfolge statt- gefunden hätten. Nur ein Rekrut habe den Namen des Kaisers nicht gewußt. Reichskanzler v Caprivi erwiderte, es handele sich überhaupt nur um einen Vorfall, und cS sei ihm nichts bekannt geworden, was die Aeußerung des Kriegsministers als nicht gerechtfertigt hätte erscheinen lassen. Er begreife nicht, wie eine so hochgradige Aufregung dadurch habe entstehen können, daß ein Hauptmann in seinem Eifer im Dienst eine solche Aeußerung gethan. Der BildungSstand in Ostfriesland erhebe sich weit über daS DurchschnittSniveau der gesammten Monarchie. Auch in Bezug auf den PatriotiSmuS stimme er dem Vorredner bei, die Ostfriesen hätten in den Schlachten stets tapser mitgekämpft. Abg.
eine pantomimische Bewegung, als wüßte er nicht, was mit dem Buche anzufangen sei. Sie nahm es mit einem kalten Neigen des DankeS und legte es auf den Platz neben sich. Also gehörten sie doch zusammen. Aber wie?
Nichtsdestoweniger suchte er iu seinen Gedanken nach einem Anknüpfungspunkte. Er wollte wenigstens in einer Weise sicher sein, ob sein Schluß auf diese beiden Personen zutreffend sei. — Und wenn dies auch der Fall, so war etwas in ihm erwacht, das selbst einer Bestätigung gegenüber alle Hoffnung aufzugeben er nicht Willens war. — War Gebhard doch gewohnt, die schwersten Hindernisse zu nehmen — und die Jugend nimmt jedes Anrecht auf Hoffnung und Erfolg für sich in Anspruch. — Je ruhiger Gebhard äußerlich erschien, desto bewegter war er in seinen Gedanken. Er gehörte sonst nicht zu den Menschen, die um ein Auskunftsmittel verlegen sind, aber hier im Angesicht dieser Dame verließen ihn aU* die Hülfen des Geistes. Denn in dem Grade, als ihre Erscheinung ihn anzog, war sie von einer Atmosphäre der Unnahbarkeit umgeben, die ihm auch gleich wieder die Lippen schloß, sobald er das Wort zur Anknüpfung auf der Zunge hatte.
So gingen zwei Stunden auf der Fahrt dahin. Unterdeß war der ältere Herr erwacht, rieb sich mit beiden dänisch behandschuhten Händen da
von Hü ist erklärte sich durch diese Antwort befriedigt; eine Besprechung der Interpellation unterblieb. Hierauf setzte das Haus die zweite Berathung des Arb ei t er schütz - gesetzeS fort. Zunächst erfolgte die nochmalige namentliche Abstimmung über den Antrag Auer auf Streichung des § 125 (Entschädigung bei Contractbruch), da sich bei der ersten Abstimmung am Freitag bekanntlich die Beschlußunfähigkeit ergeben hatte. Heute wurde der Antrag mit 153 gegen 58 Stimmen verworfen und dem 8 125 nacki den CommissionSbeschlüssen und dem CommissionS- antrage Hartmann-Letocha-Möller-von Stumm unter Ablehnung aller anderen AmendementS angenommen.
Aus dem Abgeordnetenhause.
Berlin, 13. April. DaS Abgeordnetenhaus berieth in seiner heutigen Sitzung von der Landgemeinoeord- nung die Bestimmungen über die Landgemeinvevertretung. In Bezug auf die Ersetzung der Gemeindeversammlung durch Die Gemeindevertretung verblieb es nach längerer Debatte bei dem CommissionSbeschluß, daß Gemeinden eine Vertretung einführen müssen, wenn die Zahl der Stimmberechtigten mehr als 40 beträgt. In.Bezug auf die WahlbezirkSerntheilung wurde ein Antrag desAbg.Rauchhaupt angenommen, nach welchem bei Gemeinden mit mehreren Ortschaften die Bildung der Wahlbezirke vom Kreisausschuß abhängig ist. Bezüglich der Zusammensetzung '-.'er Ä-mcmdevertreiung wurde die CommissionSfassung entsprechend einem Antrag des Abg. A v e n a r i u s (ntl.) dahin abgeändert, daß nicht zwei Drittel jeder Klasse, sondern die Gemeindevertretung überhaupt aus Angesessenen zu bestehen hat.
Iolitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser unternahm am Montag Nachmittag nach der Frühstückstafel mit Ihrer Majestät der Kaiserin eine gemeinschaftliche Spazierfahrt die Linden entlang und durch den Thiergarten, von welcher Aller- höchstdieselben gegen 4 Uhr nach dem königlichen Schlosse zurückkehrten. — Am Abend um 6 Uhr sahen die Majestäten den Erbprinzen und die Erbprinzessin von Sachsen-Metningen, die Prinzessin Starte von Sachsen-Meiningen, Schwester des Erbprinzen, nebst Gefolge, den Erbgroßherzoz
Gesicht und schaute gähnend zum Fenster hinaus. Eben fuhr der Zug in eine Station. Noch hatte der Schaffner diese nicht auSgerufen, als der Begleiter der Dame lebendig wurde, er hatte am Gebäude den Namen des Ortes gelesen und erhob sich, um eine Handtasche von dem Netze Heradzu- nehmen, die Dame schlug etwas verwundert die Augen noch ihm auf. ~ „ .
„Was ist denn?* lautete ihre Frage mit einem Tone der Ermüdung und Abspannung.
„Raus müsse mer. — Unser Station ist's. Hier hab' ick den Wagen b'stellt!«
»Das Reisen ist doch eine immerwährende Beunruhigung l* sagte sie mit einer Stimme, 6te für Gebhard so melodisch klang, wie die Lippen schön waren, aus denen diese wenigen Worte. Hervoegingen.
Als sie sich vom Sitze erhob, kam noch weitere Bewunderung über Gebhard. — Sun sonnte er erst ihre volle Gestalt sehen. - Der Herr war auch schon aus dem Coups und verhandelte draußen mit einem Diener, wenigstens deutete besten Livreeanzug auf eine solche Eigenschaft. Er gab diesem hinsichtlich der Koffer Aufträge und sagte dann zu der Dame, als diese im Begriff war, auszustetgen —
„Dort drübbe steht schon unser Wage!
„Und nun wieder in den Wagen!* seufzte diese.
,S«r ä paar Stunde noch zu fahre. — Wir