Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend
Abonnementsprei«:
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die Jnsertionlgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeüe 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Htlssel-tl Kttisblüt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsblatt".
Nr. 42.
Donnerstag den 9. April
1891.
Bestellungen
auf das
Kersfeldrr Krrisblatt
mit der wöchentlichrn Gratis Beilage
^JlluftriVtes litt terhaltungsblatt" pro II. Quartal werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Polizei-Verordnung.
Aus Grund des § 5 der Verordnung vom 20.
September 1867 ist mit Zustimmung der Gemeinde-Vertretung folgende für den Bereich der Gemeinde Stärklos gültige ortspoltzeiltche Anordnung getroffen worden: _ Wer während der Saatzeit vom I. April bis zum 30. Mai und vom 15. September bis zum 25. October seine Haustauben in's Feld fliegen läßt, wird mit einer Geldstrafe bis zu neun Mark oder entsprechender Haft bestraft.
1 Stärklos, den 31. März 1891.
Der Bürgermeister Hartwig.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 7. April. In der heutigen (92.) Plenarsitzung des Reichstages wurde die zweite Berathung des Ar- beiterschutzgesctzeS fortgesetzt mit §. 120a (Vorschriften bezw. Anlage und Betrieb. Schutz von Gesundheit und Leben.) Abg. Wurm polemisnte gegen die weite Fassung der Be
stimmungen, durch welche Mißbräuchen und Umgehungen seitens der Industriellen auf Kosten der Gesundheit der Arbeiter Vorschub geleistet werde. Namentlich in Cement- und - Cigarrenfabriken würde von Arbeiterschutz nicht die Rede sein. Die ungeheure Zahl der Schwindsüchtigen unter den Arbeitern
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
„I hab' kein bayrisches Geld mehr — keine Markstückln — nur noch einen östreichischen Dukaten — der talkete Mensch an der Kass'n wollt's an net wechseln — zum Bankier sollt' i erscht gehn. — Ja mein Gott, dann ist der Zug derweil weg. — Sie — wöchten's net so guat sein, mir das Goldstück'! zu wechseln?"
„Warum denn gerade ich?"
„No ja — Sie segu mer halt grad so aus, als ob's mehr Geld hätr'n und daß Sie das 8 net geniren thät, und mich reißet's aus der Verlegenheit. — Aecht is der Dukaten — da iS gar nix daaeaen an saa'a."
Sie zeigte das Goldstück — einen alten österreichischen Kaiserdukaten.
„Wieviel brauchen Sie denn?"
„Dritter Klasse bis Tölz. — Drei Mark fünf- undsiebzig Pfennig."
„Hier mein liebes Kind" — sagte der Rittmeister, ihr die Geldstücke in die Hand zählend — „und behalten Sie Ihren Dukaten."
„Ach was net gar. — Na Wissens — so haben ' wer net «'rechnet. — Da hab'ns Ihr Geld wieder, wenn's meinen Dukaten net wollen. —*
I sollte zu denken geben. ES sei sehr bedauerlich, daß in den I I Berichten der Fabrikinspectoren so wenig die Rede von sani- I tairen Einrichtungen in den Fabriken sei. Abg. Möller erklärt die Schilderungen des Vorredners für übertrieben. Eher sei eine Schädigung der Industriellen durch zu weitgehende Rücksichtnahme auf die Arbeiter zu befürchten. Handelsminister Freiherr v. B e r l e p s ch verweist den Vorredner darauf, daß in den Vorschriften dieses Paragraphen auf die Natur des Betriebes Rücksicht genommen sei. Abg. Dr. Hirsch betont den großen Fortschritt, der in diesen Bestimmungen gegenüber den bisherigen Zuständen enthalten sei. Eine einheitliche Regelung dxs FabrikinspectoratS wünsche auch die freisinnige Partei. Abg. Wurm tritt namentlich den Ausführungen des Abg. Möller entgegen.
Aus dem Abgeordnetenhause.
Berlin, 7. April. DaS Abgeordnetenhaus hielt heute um 12 Uhr nach den Osterferien seine erste (63.) Sitzung. Die Bänke des Hauses sind schwach besetzt. Nachdem daS Andenken des verstorbenen Mitgliedes Mclbeck in üblicher Weise geehrt, trat daS Haus in die Berathung von Petitionen ein. Verschiedene Petitionen, wesentlich persönlicher Natur, wurden durch Tagesordnung erledigt. — Eine Reihe von Petitionen, betr. den Vorsitz der Pfarrer in den katholischen Kirchenvorständen, beantragt die Commission, theils zur Erwägung, theils als Material zu überweisen. Abg. Bachem hielt eS für geboten, die Regierung zurRegu- lirung der Materie anzuspornen, und beantragt deshalb, diese Petitionen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. O l z e m befürwortet den Uebergang zur Tagesordnung, während Abg. Graf zu Limburg-Stirum den Antrag des Abg. Bachem befürwortet. Der Antrag deS Abg. Bachem wurde schließlich angenommen. Petitionen wegen des Ver» triebeS des Koch'schen Heilmittels und der Ankündigung von Geheimmitteln in den Zeitungen, wurden wegen Abwesenheit deS Referenten von der Tagesordnung abgesetzt. Demnächst erledigt das HauS noch Petitionen wegen Gewährung des WohnungsgeldzuschusseS an die diätarischen GerichtS- schreibergehülfen und wegen Bau eines neuen Gerichts - gebäudeS in Brieg durch Uebergang zur Tagesordnung.
Notitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser ist in Be- gleitung S. K. H. des Prinzen Heinrich, des
DaS Landeskind hätte auf seinem Willen bestanden — kein Geld vom Rittmeister anzunehmen, wenn nicht Nebicke eingesprungen wäre. —
„Ich hab' das Kleingeld, Herr Rittmeister — ich kann's geben," sagte er mit keuchender Stimme „ich hab's" und zum Mädchen gewandt: „Na auf einer Station kann es wohl in Ordnung gebracht werden. — In welches Coups steigen Sie denn ein?" —
Das Mädchen deutete auf ein Coups dritter Güte.
„Ich auch!" rief er freudig, half dein Mädchen dessen Packete zu tragen und stieg ihm nach.
Vor Abgang des Zuges erzählte sie ihrem Reisebegleiter:
„Wisseu's, ich bin bei meiner Frau God in der Umgegend von Passau g'wesen."
„Also in Passau waren Sie?" führte Nebicke das Gespräch fort.
„Der Aeltest', der Frid'l hat Hochzeit gehabt, und da hab' ich mit schaffen müssen. Zum Abschied hat die Frau God mir Tuch zu a paar Hemdern gegeben und den Kaiserdukaten da. Ich könnt' Dir auch ein Zehnmarkstück! geben hat's g'sagt — aber stech, der Kaiserdukaten ist besser. Da ist die heilige Mutter Gottes darauf, die wird Dich auf der Reis' vor allen Fährnissen besser behüten — als so ein Zehnmarkstück! mit 'n Kopf von an Mannsbild darauf, wenn'- immer
Generalfeldmarschalls Grafen Moltke, Staats- Ministers von Bötticher und der Mitglieder der Canal-Commisston am Montag Morgen 8j/i Uhr nach Lebensau gefahren, um die Arbeiten am Nordostsee-Canal bis Rendsburg zu besichtigen. Der Kaiser begann mit eigener Hand den Durchstich bei Landwehr, nach welchem die Waffermaffeu in mächtigen Fällen in das neue Canalbett ein- drangen. Das Frühstück wurde in Köntgsföhrde eingenommen und dann die Fahrt aus der Werft- barkasse bis Rendsburg fortgesetzt.
Wie man der „Post" aus D a r m st a d t berichtet, wird dort Ende April der Besuch Ihrer Majestät der Königin von Großbritau- nien und gleichzeitig der Sr. Majestät bei Kaisers erwartet. — Der Besuch würde zwischen die Ausflüge des Kaisers zum Grafen Görtz in der Wetterau und nach Baden zur Auer- Hahnbalz fallen.
Der Minister der öffentlichen A r b e i t e u v. M a y b a ch, der sich seit einiger Z-it leidend fühlt, hat sich mit Urlaub nach der südlichen Schweiz begeben. , m e
Der „Siebener-Ausschuß" zur Vorbereitung der Reform des höhereuSchul- w e s e n s w i r d am 14. d. M. seine Berathungen unter dem Vorsitz des Geh. Ober-RegierungsrathS Dr. H i n z p e t e r wieder aufnehmen. Wie die „Kreuzztg." hört, würden sich die Verhandlungen hauptsächlich auf die Abgrenzung der Lehrpeusa erstrecken.
Ueber den Stand der Wiener HaudelsvertragSverhandlunge» berichten Wiener Blätter: Der Schluß der Ver- Handlungen dürfte kaum vor der zweiten Hälfte dieses Monats eintreten. Da der neue Vertrag mit Deutschland bestimmt sein soll, die Bast- für alle jene Vertragsabschlüsse zu bilden, welche im Jahre 1892 erfolgen sollen, wie die Handelsverträge mit der Schweiz, Italien, Rumänien
a Fürscht ts. — Und nun bW dt Gott, Lenerl!"
„Also Lenerl heißen Sie?"
„Ja — salvavent zu sag'a — die God sagt Lenerl zu mir — der Vatter kurzweg Lent — die Mannsbilder san halt alemal a diSl rauher."
Nebicke suchte zu erkunden, ob sie vielleicht nach Hause zu ihrem Vater reiste.
„Ah na — da kommet' ich heut nimmer hin. Ich muß noch weiter in's Gebtrg — aber vorher —*
Sie schwieg. Dadurch wurde die Neugier bei Burschen geweckt — zu wissen, was sie vorher noch beabsichtigte. Sie sagte eS aber nicht —
„Ah mei, deS könnt' Jhna ja gar net kümmern."
In dem Augenblick fiel der Kopf eines Schläfer- im Coups auf die Schulter des Mädchens. Sie aber schüttelte die Last mit einem kräftigen Ruck ab. Der Schläfer erwachte und sah sie mit großen Augen an.
„Ihr habt wohl dacht', ich sei Euer Bäuerin, und Ihr wärt bei Ihr z' HauS auf der Ofenbank. Na — nix! Ihr wart halt a bis'! zu lang in der Münchenerstadt beim Steruecker im Thal. Gelt?"
Nebicke hatte bei der Fortsetzung der Fahrt bemerkt, daß Lenerl einen sehr hübschen Fuß hatte — blüthenweiße Strümpfe schauten alldem zierlichen Lederschuh. Er machte eine Bemerkung darauf, aber Lenerl war in ihr Gebet«