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tlsstl-kl Kleisbilltt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Auterhaltungsblatt".

Nr. 40.

Sonnabend den 4. April

1891.

Zweites Blatt.

(Balkanstaaten.) Vom Sultan ist ein Beglückwünschungstelegramm anStambulow eingetroffen, das in den officiellen Kreisen den besten Eindruck hervorgerufen hat. Die gericht- liche Untersuchung wegen des Attentats gegen B e l t s ch e w und Stambulow wird eifrig fortgesetzt, über das Ergebniß derselben verlautet indes bis jetzt nichts. Fast täglich sind neue Verhaftungen vorgenommen worden, einige der früher Verhafteten wurden wieder in Freiheit gesetzt. Der treulose Karawelow, der gleichfalls gefänglich eingezogen ist, erscheint der Mitwisser« schüft stark verdächtig.

(Amerika) Die Nachrichten über den Auf­stand i n C h i l e widersprechen sich fortwährend. Jede Partei schreibt sich den Steg zu und be­hauptet, die Lage der Gegner sei hoffnungslos. So besagt eine Meldung aus Jquique, daß die Lage der Aufständischen Hoffnungslos sei. Die Preise für sämmtliche Lebensmittel seien aufs höchste gestiegen. Der Kohlenvorrath sei erschöpft, während die Flotte der Regierung durchaus operationsfähig sei. Andere Meldungen be­haupten das Gegentheil und vielleicht nicht mit Unrecht, da von einer »Flotte der Regierung" bisher nichts gehört wurde.

Arrs Provinz und Rachdargebirt.

Her-feld, 3. April 1891.

* Ueber 64 Millionen Mark gehen in Preußen alljährlich unwiederbringlich verloren als Ge- sammtschaden von Bränden. Im Jahre 1887 konnte man die Summe auf 64 255 736 Mark berechnen; sicherlich war sie viel größer, da sehr viele Brandschäden, namentlich in abgelegenen kleinen Orten, den statistischen Behörden nicht zur Kenntniß kommen. Die Zahl der verzeichneten Schadenbrände dieses Jahres war 19284; es wurden davon 22471 Besitzungen betroffen. Der Gesammtschaden vertheilt sich in runden Ziffern folgendermaßen: Berlin 2^2 Millionen, Siädte über 20000 Einwohner 8 Millionen, kleinere Städte 11 Millionen, Landgemeinden 35 Millionen, Gutsbezirke 7*/, Millionen. Die kleineren, eng zusammengebauten Städte unterliegen trotz besserer Löscheinrichtungen einer größeren Aus- drettungsgefahr als die Landgemeinden mit ge­trennter Bauweise. Dagegen fällt auf dem Lande meist ein größerer Werth zum Opfer. Nach Gegeustaudsgruppen kommen von dem Ge­sammtschaden 33'/, Millionen auf Immobilien, 9 Millionen auf randwirthschaftliche Producte, 6 Millionen auf HauSgeräth, 5 Millionen auf fertige Waaren, nahezu 5 Millionen auf Arbeits- Maschinen, 4 Millionen auf gewerbliche Roh­stoffe, der Rest auf auhängende Motoren, Vieh, Brennmaterial und nicht genannte Mobilien.

* Ueber eine neue, erfolgreiche Behandlung vonKrebsschreibt die »Berl. Kltn. Wochenschr.": Der soeben erschienene An­zeiger der Köntgl. Akademie der Wissenschaften zu Wien enthält eine bemerkenswerthe Mit­theilung. Herr Prof. Adamkiewicz in Krakau ist in seinen Untersuchungen über den Krebs zu Resultaten getaugt, welche der Behandlung dieser bisher unnahbaren Krankheit eine neue und, wie

bereits au entsprechenden Kranken klinisch festge­stellt wurde, erfolgreiche Grundlage und Richtung geben. Dieselbe ist an drei Fällen von Lippen« krebs auf den Kliniken von ObalinSki und Koczynski erprobt und, nach den angegebenen kurzen Notizen zu urtheilen, von Einfluß auf die Größe des sichtbaren Krebses und die Schwellung der benachbarten Lymphdrüsen ge« Wesen, indem eine merkliche Verkleinerung der Geschwulst und sogar ein vollständiger Schwund der Drüsen unter Zunahme des Körpergewichts iu verhältnißmäßig kurzer Zeit eintraten.

* Die nachtheiligen Einwirkungen, welche man von der M a c K i n l e y - B i l l befürchtete, sind bisher im Regierungsbezirk Cassel nocht nicht sehr bemerkbar gewesen, doch wird vereinzelt, namentlich in der Textilindustrie, über verminderten Absatz geklagt. Eine Leinenfabrik in Melsungen, welche hauptsächlich schwere Segeltuche und Zell­stoffe, sowie Gewebe für militärische und indu­strielle Zwecke herstellt, mußte Lieferungen über­nehmen, bei welchen, wenig oder gar kein Nutzen verblieb, nur um die Webstühle im Gange zu erhalten und der Nothwendigkeit überhoben zu sein, Arbeiter zu entlassen.

* Was für ein Erzeugniß dem Publikum von einem Weinhändler aus dem Koblenzer Bezirk jahrelang für Rothwein verkauft worden ist, zeigt ein vor Kurzem gefälltes obergerichtliches Erkenntniß. Dieser saubere Händler wurde zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt: wegen Herstellung von Wein durch Uebergießen bereits ausgezogener Trestern mit Wasser und Beimischung von Zucker, Rosinen, Tannin, Sprit, Malvenblüthen, Glycerin und Essigsprit.

* Die Dienstprämie für Unteres fiel er e in Höhe von 1000 Mk. wird alten denjenigen Unteroffteteren ausgezahlt werden, welche, bei Erfüllung der sonstigen Be­dingungen, nach dem 1. April d. J. auS dem Heere aus­scheiden bezw. in Stellen von Officieren und oberen Militär­beamten übertreten, mithin am 1. April 1891 noch einem Truppentheil bezw. einer Formation des Heeres angehört haben. Anträge auf ausnahmsweise Bewilligung bei früher erfolgtem Ausscheiden sollen nicht berücksichtigt werden.

* Die Arbeitslöhne sind in der Land­wirthschaft noch im Steigen; schon jetzt wird für die Frühjahrsbestellung im RegieruugS« bezirke Cassel Arbettermangel befürchtet. Im Kreise Witzenhausen war der Verwalter eines größeren Gutes vor Kurzem außer Stande, sein Getreide mit der Maschine dreschen zu lassen, weil das nöthige Personal nicht zu beschaffen war.

* In Hofbteb er und EckweiSbach haben sich neue Bauernvereiue gebildet.

* Zum Ankäufe von Remouten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Regierungsbezirks Laffel für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 resp. 9 und 3/2 Uhr beginnende Märkte aube- raumt worden und zwar:

am 19. Juui in Trendelburg 9 Uhr,

» 20. » » Ntederhone 8 Uhr,

20. » Fulda 31/, Uhr.

* In neuerer Zeit wird vielfach ein ueueS Bahnproject Salzschlirf-Schlitz-Gerstungen-Hün« feld - Gerftuugen besprochen. Ja interesstrten Kreisen glaubt man, daß die betheiltgten Regie­rungen diesem Etsenbahuproject sympathisch gegen- überstehen.

* In Sachen des Handwerks soll nächste Woche eine Confereuz in Berlin statt- finden. Vertreter der JnunngSverhände und des

Deutschen Handwerkerbundes werden mit Ver­tretern der zuständigen Reichs- und preußischen Staatsbehörden die Confereuz bilden.

* Im Bezirks-Eisenbahnrath Erfurt, der am Dienstag eine Sitzung abhielt, wurde beschlossen, zu empfehlen, die Fahrpreise wie folgt festzusetzen: für die 4. Wagenclasse mit 1,5 Pfg. für die 3. mit 2, für die 2. mit 4 und für die 1. Classe mit 6 Pfennigen für daS Kilometer, unter Weg- fall der Gewährung von Freigepäck, Rückfahr­karten, Rundreisekarten und sonstigen Ver­günstigungen.

* Für den April kündigt Rudolf Falb zwei kritische Tage an. Am 8. April ist ein kritischer Tag erster Ordnung und am 21. April ein solcher zweiter Ordnung.

Fulda, 1. April. Beim hiesigen Magistrate traf gestern aus dem Oberhosmarschallamte die Nachricht ein, daß der Kaiser auf der Reise zur Gräflich Görtz'schen Familie nach Schlitz zwar Fulda passiren und auf dessen Bahnhof die Um- rangirung auf die Oberhessische Bahn vornehmen lassen werde, jedoch, getreu den Gepflogenheiten bei Jagdausflügen, von einem festlichen Empfang Seitens unserer Stadt abgesehen wissen wolle.

Marburg, 28. März. AuS Berlin trifft die Kunde von dem Ableben des außerordentliche« Professors an der hiesigen Universität Dr. Bruno Klein hier ein. Derselbe war geboren zu Stolp am 5. October 1846, habilitierte sich am 25. April 1881 an hiesiger Universität als Privatdocent für das Fach der Mathematik und wurde im Herbst v. I. außerordentlicher Professor in der philosophischen Facultät.

Eschwege, 31. März. Gelegentlich eines Streites der in verflossener Nacht in einem hiesigen Tanzlokal entstand, erhielt ein Pettschen- arbeiter von einem Artilleristen einen Säbelhieb über den Kopf. Der Verwundete soll den Streit selbst provocirt haben.

Melsungeu, -1. April. In einer hiesigen Tuchfabrik wurden am Festsonnabend 38 Arbeiter wegen mangelnder Beschäftigung entlassen.

Vermischtes.

Berlin, 1. April. Bet dem heutigen Besuche des Kaisers auf der Werft des »Vulcan* in Stettin fiel allgemein die huldvolle Aufmerk­samkeit auf, welche der Kaiser Herrn Woldemar Nissen, Vorsitzender der Hamburg-Amertkauischen Packetfahrt-Actten-Gesellschaft, zu Theil werden ließ. Entzückt über die ausgezeichnete Einrichtung, die Construction und den Riesenumfang des neuen Schnelldampfers »Fürst Bismarck" sagte der Kaiser zu Herrn Nissen: »Wenn schon die Ham- burg-Amerikantsche Packetfahrt-Actten-Gesellschaft dabei sei, so großartige Dampfer einzustellen, so möge sie doch gleich mehrere solcher Prachtschiffe beim »Vulcan" bauen lassen." Dem Geheimen Commerctenrath Schlutow und den Directoren

deS »Vulcan" Stahl und Jüngermann gegen) war der Kaiser voll lobender Anerkennung die rühmlichen Leistungen deS »Vulcan" .(H.

B e r l t n, L April. Wohl die Hälfte teniaen Reisenden, die am Mittwoch früh

der­ben vou"Berltn nach Hamburg abgeheuden Courterzug benutzten, war mit Fahrkarten nach FriedrichSruh versehen, und eine große Zahl von Wagen trug die BezeichnungReservin." Viele hochgestellte Personen sah man den Zag besteigen, um he«