auf die Durchführung eines größeren und allgemeinen Strikes eröffnete. So scheint dieser Punkt die Auffassung der socialdemokratischen Führer zu bestätigen, daß die wirtbschaftltche Lage einen Strtke gegenwärtig aussichtslos mache, wenn nicht die Bergarbeiter, wie soeben die Tabackarbeiter in Hamburg, aus dem Kampf mit einer schweren Niederlage hervorgeben sollen.
Scheint nach dieser Richtung hin heute die Lage bessere Aussichten zu gewähren, als vor einem und vor zwei Jahren, so ist auch bezüglich der Maifeier eine im Vergleich zum vorigen Jahr ruhigere und vernünftigere Auffassung maßgebend geworden. Die socialdemokratische Fract>ov hat zuerst sich für eine Feier am Sonntag, 3. Mai, erklärt, um die Arbeiter durch das Feiern au einem Wochentag bei der gegenwärtigen ungünstigen Lage nicht in einen für sie nachtheiligen und gefahrvollen Conflict mit den Arbeitgebern zu bringen. Diesem Rathschlage ist in den meisten Versammlungen Rechnung getragen und daneben die Wiederholung der vorjährigen Feier am 1. Mai, der diesmal auf einen Freitag fällt, um durch Geldsammlungen für Arbetterzwecke augeregt worden. Freilich der Zweck der Feier am 3. Mai bleibt derselbe; sie soll eine Demonstration für den Achtstundentag sein, wie dies auch der Pariser internationale Bergarbeiter- Congreß sein soll.
Nach Allem hat sich die Aussicht auf eine friedliche Weiterentwickelung der Arbeitsverhältnisse gegenwärtig im Vergleich zu den Vorjahren gebessert. Es mag hierbei gleichgiltig sein, daß die Rathschläge und Entschlüsse, von einem Strike abzuseheu, mit der angeblich wenig günstigen wirthschaftlichen Lage motivirt werden. Jedenfalls wird auch die Ansicht nicht von der Hand zu weisen sein, daß in der Bergarbeiterbewegung Keime der Besonnenheit zu erblicken sind, welche sich auS der Erkenntniß, daß die Fürsorge für die Interessen der Arbeiter sich auf allen Ge- bieteu tu zunehmendem Maße bethätigt, entwickelt haben. Daß freilich die socialdemokratischen Rathschläge von einer solchen Erkenntniß aus- gingen, möchten wir keineswegs behaupten. Hier find lediglich taktische Erwägungen maßgebend; man will nicht Kräfte und Gelder verzetteln, bis andere Zeitumstände und namentlich eine tiefere Organisation der Arbeiterschaft bessere Aussichten für einen großen Kampf bieten.
politische Nachrichten.
Am Mittwoch früh 5 Uhr 40 Minuten ist S e. Majestät der Kaiser iu Begleitung des Flügeladjutanten, Generals ä la suite Grafen von Wedel, des Capttatus zur See, Frhrn. von Sevdev-Bibran, des Oberstlieutenants v. Kessel und des Majors von Seckendorff, sowie des HauSmarschalls von Lyncker und der Cabinet- chefS rc. mittelst Sonderzuges nach Stettin ab- e, woselbst Allerhöchstderselbe am Mittwoch lttag um 8 Uhr eintraf. — Nach der Ankunft in Stettin begab sich Se. Majestät der Kaiser alsdaun sofort zu Wagen nach dem »Vulkan- vnd später zur Besichtigung der »Hohen- zollern.- Vormittags 10 Uhr 30 Minuten hat Se. Majestät alsdann mit den Herren seiner Begleitung Stettin wieder verlassen und sich
Vater außer Landes gegangen — nach Paraguay, wohin ihn Colouisattousprojecte führten. Er wollte sich das Vermögen, das ihm durch Testament entzogen, durch eigene Kraft erwerben, aber darüber war er hingestorben. Beiden überlebenden Geschwistern war durch den letzten Willen ihres Vaters die Pflicht auferlegt, für Gebhard zu sorgen, ihn zu equipiren — ihm eine jährliche Znlage zu geben. Von seiner Mutter hatte er einiges Vermögen ererbt — aber das war dahingegangen — durch Andere. Er hatte den Kameraden immer aus ihren Nöthen geholfen — bis er anfing selbst in diese zu versinken. Da that er in der Nothwehr der Selbst- erhaltung einem älteren derselben das Gelübde, 5000 Mark zu zahlen, wenn er je wieder zum Nothhelfer würde — nach den gemachten Erfahrungen. Eines TageS erhielt dieser die genannte Summe. — In dem Begleitbriefe stand, daß er, um einem Kameraden die Existenz zu retten, seinem Gelübde doch untren geworden sei — hier sei daS Reugeld, das zu irgend einem Zwecke im Regimente verwendet werden möchte — es sei der Rest seines Vermögens. Der Kamerad sei mit der ihm vorgestreckten Summe doch nicht zu halten gewesen. An diese Zeilen war ein Grabhügel mit einem Kreuze darauf gemalt.
Alles, was Graf Wiudscheid machte, machte er gut — auch seine tollen Streiche. Er hatte Neonpferde gehalten, bei Parforcejagden war er
über Neubrandenburg nach Lübeck begeben. — Lübeck, 1. April. Se. Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag um 3 Uhr 30 Minuten hier eingetroffen und am Bahnhöfe von Sr. Köntgl. Hoheit dem Prinzen Heinrich, welcher kurz zuvor aus Kiel angekommen war, dem prästdirenden Bürgermeister Dr. Behn und dem Corpscommandeur, General der Cavallerie, Grafen v. Walder- see, empfangen worden. Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher große Generalsuniform angelegt hatte, fuhr nach dem Vorbeimärsche der Ehrencompagnie in offener Equipage mit dem Bürgermeister durch die Stadt. Auf der Holsten- brücke, wo ein prachtvoller Triumphbogen errichtet war, begrüßte Dr. Bremer als Vertreter der Bürgerschaft Se. Majestät, indem er dem Danke für den Besuch Sr. Majestät Ausdruck gab. Der Kaiser reichte Dr. Bremer wiederholt die Hand und sprach seinen Dank für den ihm bereiteten Empfang aus. Bei der Fahrt durch die Stadt wurden Se. Majestät der Kaiser, sowie Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich und General-Feldmarschall Graf Moltke mit sympathischen Kundgebungen begrüßt.
DaS Programm der R e i s e d e s K a i s e r S an den Rhein, welche voraussichtlich im ersten Drittel des Mai stattfinden wird, erfuhr, nach der »Köln. Z>-, insofern eine Aenderung, als der Aufenthalt iu Düsseldorf abgekürzt wird und die Ankuuft in Cöln schon Abends erfolgt. Der Kaiser werde alsdann in Cöln über Nacht bleiben und erst nach dem Festessen der Stadt Cöln auf dem Gürzenich im Laufe des Nachmittags nach Bonn Weiterreisen -
Nachdem schon seit längerer Zeit Erwägungen über eine anderweite Regelung der Verwaltung des durch die Verordnung vom 2. März 1868 in Beschlag genommenen Vermögens der vormaligen Hannoverschen Königsfamilie stattgefunden hatten, ist nunmehr vom Staats-Ministerium der Beschluß gefaßt worden, dem Landtage der Monarchie in der nächsten Session einen Gesetzentwurf zur verfassungS- mäßigen Beschlußfassung vorzulegen, welcher für die Dauer der Beschlagnahme die erforderlichen näheren Bestimmungen über die Verwendung der Revenuen dieses Vermögens und deren Controls zu treffen bestimmt ist.
Der König v o n S a ch s e n hat nunmehr au Stelle des verstorbenen Grafen von Fabrice dem StaatsminisE"Dr.--.'Gerber den Vorsitz im Gesammtministerium und die Funktionen eines Ordenskanzlers, sowie dem Staatsminister von Metzsch die Leitung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten übertragen.
Nach der »A. R. K.- übersandte am Geburtstage des F Ü r st e n B i s m a r ck der Hamburger Senat durch eigenen Boten ein Glückwunschschreiben. Der Commandeur des 9. Jäger- bataillons, Oberstlieutnant Henke und Major Weizenegger kamen Namens des im benachbarten Lauenburg garnisontrenden Bataillons zur Gratulation. Das Musikeorps der 9. Jäger concerlirte vor dem Schlosse. Die Zahl der Theilnehmer au dem Fackelzug des Hamburger Retchstagswahl- Vereins betrug über 3000. Herr Woermann gratulirte Namens des Vorstandes des Reichs- tagswahlvereins. Von Düsseldorf aus haben der Verein zur Wahrung der gemeinsamen
so zu sagen vereidigter Ausheber, der nächste au der Fährte, der erste vom Pferde, er ritt brillant, war ein trefflicher Soldat, tanzte süperb, spielte? Klavier mit derselben Fertigkeit, wie Macao oder? Quinze, in Allem hatte er Glück, weil er eben das Glück nicht suchte. Nur einmal hatte ihn sein guter Stern verlassen.
Mit seinem anmuthenden Aeußern, seinen brillanten Eigenschaften, wie hätte da nicht der Fraueu Gnade, der Mädchen Guust sich ihm zu- wenden müssen! Bei einem Besuche, den er bei Taute Armgard in Heiligenborn machte, traf es sich zufällig, daß zugleich mit ihm die Nichte einer anderen Stiftsdame da war. — Nach einigen Tagen warfen sich die beiden Tanten schon bedeutungsvolle Blicke zu — und als sich Gebhard verabschiedete, wurde feine Frage, ob er eS wohl wagen dürfe, den Aelteru auf deren Gute die Aufwartung zu machen, von der Nichte mit lieblichem Errötheu, von deren Tante mit einem Ja im Baß beantwortet. Der Besuch Gebhards ließ denn auch nicht lange auf sich warten. — Den Herbst zuvor war er in Ostende gewesen und hatte dort einen eleganten Reisekoffer erstanden — mit seidener Ausfütterung — Taschen von Maroquin im Deckel, einen Reisekoffer, wie ihn manchmal bei guter Laune eine Schwiegermutter einem Schwiegersöhne schenkt — natürlich ehe der erste Zusammenstoß zwischen beiden statt- gefunden hat« (Fort, f»)
wirthschaftlichen Interessen von Rheinland-Westfalen, ferner die nordwestliche Gruppe des VereinS Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und drittens der Verein deutscher Eisenhütten- leute dem Fürsten telegraphische Glückwünsche gesandt. Der Centralverband deutscher Industrieller widmete dem Fürsten BiSmarck ein silbernes Tafelservice.
Der italienische Gesandte bei den Vereinigten Staaten de Fava bat nach einer Depesche aus Washington vom 31. März seine Pässe verlangt. Dies hängt mit der Lynchjustiz zusammen, die kürzlich in New - Orleans an Italienern ausgeübt wurde. Italien glaubt, daß seine Unterthanen in den Vereinigten Staaten nicht genügend geschützt sind. Nach einer späteren Depesche hätte de Fava nicht seine Pässe verlangt, was einem schroffen Abbruch der diplomatischen Beziehungen gleich gekommen wäre, sondern sein Abberufungsschreiben überreicht. Das Journal »Star- führt die Abberufung des italienischen Gesandten auf ein Schreiben des Gouverneurs von Louisiana zurück, welches vor mehreren Tagen eingegangen und dem Gesandten von dem StaatSstcretär Blaine sofort zugestellt worden war. Fava habe dies Schreiben als ein Ultimatum der Vereinigten Staaten angesehen und seine Regierung sofort davon in Kenntniß gesetzt. Der »Star- fügt hinzu: Daß Seitens Italiens der Abbruch der diplomatischen Beziehungen erfolge, während wegen der Vorgänge in New-Orleans noch eine Untersuchung im Gange sei, sei bezeichnend für die Sorglosigkeit, mit welcher die moderne Diplomatie die herkömmlichen Gebräuche anwende. Die Regierung der Vereinigten Staaten habe guten Grund, sich beleidigt zu fühlen. — Eine weitere Meldung besagt, wahrscheinlich würden beide Häuser deS Congreffes sofort einberufen und alle für mögliche Ereignisse erforderlichen Maßnahmen vorbereitet werden.
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