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midier Kreisblätt.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Nuterhaltungsblatt".
Nr. 39.
Donnerstag den 2. April
1891.
Erjtks Blatt.
Bestellungen auf das
Hersfelder Sreisblatt mit der wöchentliche«» Grati- Beilage ^JÜustrirtes Unterhaltungsblatt" pro II. Quartal werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 1. April 1891.
Der Fuhr-Verkehr über die Fu lda - Brücke beiMecklar ist wegen Ausführung von Re- paratur-Arbeiten vom 6. d. M ts. ab auf einige Tage gesperrt.
8113. Der Königliche Landratb Freiherr vou S chleini tz.
Bekanntmachnng.
Die diesjährigen Frühjahrs-Controlversamm- lungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
1. Zu Obergeis
Montag, den 6. April 1891, Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmers- hausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goßmannsrode, Obergeis, Reckerode, Rotterterode und Untergeis.
2. Zu Hersfeld II
Dienstag, den 7. April 1891, Vormittags 8 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus,
(Unbefugter Nachdruck verbalen.) Auf hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
„Mein lieber Gebhard!
Um Dich wegen meiner petite petsonne nicht länger zu beunruhigen, theile ich Dir mit, daß ich vor acht Tagen glücklich in Pension Amsteg angekommen bin. Die Lage deS Ortes ist reizend mitten in Bergen — fast zu wild füc mein ebenes — das will sagen, auf so pittoreske Scenerie nicht zugeschnitteneS Gemüth. Aber die Luft ist pompös, und ich athme hier auf diesen Spaziergängen schon leichter, alS auf meinen Promenaden im Stiftsgarten zu Heiligen- born. Es wäre mir auch entsetzlich, wenn ich an der Modekrankheit der Zeit zu leiden begönne — Fett anzusetzen, wie so viele meiner Coa- Ventualinnen. Ich esse darum nie Mehlspeisen, obwohl diese ganz süperb sind. Für ein Fettherz ist man doch noch zu sang. Sollte bei mir denn doch einige Anlage dazu vorhanden sein, so hoffe ich, daß die Luft hier ihren Verbrennungsprozeß bet mir bethätigen wird. — Es geht mir zwar sehr contre coeur zu glauben, daß in mir etwas verbrennen soll, aber mau liest davon doch so viel in den Büchern und ab und zu spüre ich selbst etwas wie von einer inneren Flamme. Ob eS wahr ist, was Lma von Solmaten immer scherzhaft zu mir sagt, daß mein Herz noch lange
kein ausgebrannter Krater, wie es vormaliter I das einer Stiftsdame sein soll, und daß hie und da doch noch einige Flämmchen daraus her- vorzucken —? Da ich die Jüngste im Stifte bin, so glauben meine StiftSschwestern ein Recht zu haben, mich immer zu necken — zuerst mit unserem würdigen Stiftssenior. Solches verbat ich mir aber, obgleich ich gern seine Predigten höre, wobei ich allerdings in meinem ästhetischen Gefühle verletzt werde, daß er während der Predigt immer Lackrtzenboiibons nimmt. — Thäte er auch das nicht,'wäre er nicht Witwer, so würde ich doch nie ein Faible für einen Mann haben können, der Krippenberger heißt. Entsetzlich, Krippenberger! — Dann neckten sie mich mit einem Obersten a. D. von Semann. Das klingt schon etwas besser — sein Schnurrbart beginnt zu ergrauen — er promenirt sehr oft vor unserem StiftSgebäude. Daß ich Dir, meinem lieben Neffen, diese Albernheiten alle schreibe, kann Dir alS Beweis meiner guten Laune dienen — und deS Heilsamen Einflusses der köstlichen GebirgS« luft auf meine Stimmung. WaS mir fehlt ist Gesellschaft — Niemand hier, mit dem man anständtgerweise umgehen könne. Meine Bitte, lieber Gebhard, ergeht daher an Dich, daß Du mir während der vier Wochen, die ich hier zuzu- bringen gedenke, Gesellschaft leisten mögest. Daß Du frei bist, entnehme ich Deinem letzten Briefe,
I wo Du den Wunsch äußertest, eine größere Reise
Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk; Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Heenes, Rohrbach, Tann und Hermannshof. Controlplatz: „Turnplatz am Hain."
3. Zu Hersfeld I Dienstag, den 7. April 1891, Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld. Controlplatz: „Turnplatz am Hain."
4. Zu Unterbaun
Dienstag, den 7. April 1891, Nachmittags 3 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
5. Zu Nicdcraula
Mittwoch den 8. April 1891, Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allen- dorf, Asbach, Beiershaufen, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa, Reimboldshausen, Solms, Stärklos, Willingshain und Gutsbezirk Engelbach mit dem Hof Sternberg.
6. Zu Scheuklengsfeld
Donnerstag, den 9. April 1891, Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Con- rode, Dünkelrode, Hillartshausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Hilmes, Lampertsfeld, Landershaufen, Schenklengsfeld, Schenksolz, Unterweifenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
7. Zu Heimboldshausen
Donnerstag, den 9. April 1891, Nachmittags 2 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Aus
bach, Bengendorf, Friedervald, Gethsemane, Harn- rode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal, Widdershaufen, Wöl- fershausen und Unterneurode.
Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkungen hinzu:
1. Zu den Frühjahrs - Controlversammlungen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marine-Reserve, Landwehr und Seewehr ersten Aufgebots, der Ersatzreserve und Marineersatzreserve angehören, sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen, die zur Disposition der Truppen- theile und Marinetheile beurlaubten Mannschaften zu gestellen. Nur diejenigen Wehrmänner und Seewehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1879 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbst-Controlversammlungen zur Landwehr zweiten Aufgebots übertreten, sind von der Frühjahrs - Controlversammlung dieses Jahres entbunden.
2. Die Einberufung zu den Controlversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämmtlichen Ortschaften statt.
Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Controlversammlungen wird disciplinarisch bestraft.
3. Die Mannschaften aus einzelnen hier nicht genannten Höfen, Mühlen rc. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.
4. Die Mannschaften haben den Militairpaß
zu machen — wenn Du Geld besäßest. Je nun, da kann geholfen werden. Hier ist ein Cheque der LandeSbank — erhebe den Betrag und verfüge Dich zu mir. Da nimmst den Weg über München. Auständigerweise wirst Du nur im bayrischen Hofe wohnen können, oder allenfalls auch im Rheinischen, da dort neulich die Kaiserin von Oesterreich abgestiegen ist. Du nimmst die Eisenbahn biS Tölz, von da einen Wagen, der Dich in vier Stunden zu mir bringt — aber einen Zweispänner. Und dann bringe Deinen Diener mit — er soll unS serviren und dazu kaufe ihm ein halbes Dutzend weißer baumwollener Handschuhe — kaufe ihm auch eine Flasche Eau de Lavende, damit er nicht so nach Stall riecht — schreibe bald — oder am Besten, komme selbst so bald als möglich zu Deiner Dich herzlich liebenden Tante Gräfin Armgard Windscheid.
Postscriptum. Schnürt hat die Reise hierher sehr gut überstanden. Ich hatte einige Sorge, daß das süße Thierchen sich hier nicht so ganz ä son aise befinden möchte, aber — die Sommerfrische bekommt ihm eben so gut alS mir.
Noch eines, lieber Gebhard, Madlon hat meine Patiencekarten mitzuuehmeu vergessen — oder ich vielmehr, da ich sie zu meinen Juwelen gelegt und diesen Kasten selbst gepackt habe, um ihn auf die Bank zu geben. Ich will darum Madlon nicht unrecht thun« Bringe mir welche mit!*.