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Hersstl-er Kltisbiiltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Nuterhattungsblatt".__________
Nr. 37. Donnerstag den 26. März 1891.
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Hersselder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllnstrirtcs llntcrhaltungs-Blatt".
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Die Expedition.
Amtliches.
Nachdem aus der Veröffentlichung deS Geheimen Medicinalraths Professor Dr. Koch über die Herstellung des von ihm erfundenen Heilmittels gegen die Tuberkulose in der deutschen medicini- scheu Wochenschrift vom 15. Januar d. I. sich ergeben hat, daß auf dieses Heilmittel der Form seiner Zubereitung nach die Bestimmungen des §. 1 der Allerhöchsten Verordnung vom 27. Januar v. I. Anwendung zu finden haben, darf dasselbe formn — abgesehen vom Groß-Handel nur in Apotheken abgegeben werden.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Eine Gristerbeschwörungl.
Von E. Rudorff.
_ (Fortsetzung.)
Der Jüngere überblickte die hingezählte Baarschaft und sagte in spöttischem Tone: »Hier liegen über zwanzig Gulden, mein sehr werther Herr; wenn ich alle meine Taschen leere, finde ich nicht mehr als sechs. Sicherlich habt Ihr eine so hohe Forderung gestellt, weil Ihr meint, ich sei ein armer Schlucker, und Euch mit An- stand aus der heikeln Sache zu ziehen wünscht. An die Kunst der Geisterbeschwörung habe ich keinen Augenblick geglaubt; und Sie doch auch nicht, meine Herren?" rief er mit seinem fröhlichen Lachen, indem er zum ersten Male sich an uns wendete.
»Bewahre," entgegnete der älteste von uns Reisegefährten, den ich Richard nennen will, und der sich später als Kunstkritiker einen großen Ruf erwarb. »Doch wäre eS immerhin amüsant gewesen, eine solche Schaustellung einmal anzu- sehen."
»Wir wollen die fehlende Summe zusammen- schießen," rief einer der Gefährten; »wir bekommen sie ja zurück, denn der Herr treibt uur
Das unter Leitung des Erfinders hergestellte Mittel ist zur Zeit nur von dem beauftragten Vertreter desselben, Dr. med. Li bbertz, Berlin N. W., Lüneburgerstraße 28, Seitens der Apotheken zu beziehen und wird auf Verlangen der letzteren in Original-Fläschchen mit 1 und mit 5 Ccm Inhalt abgegeben werden. Die Fläschchen sind m't Glasstopfen verschlossen, mit Schweineblase tektirt und mit einer Plombe versehen, welche das Zeichen £ trägt. Ferner führen dieselben auf der einen Seite die Signatur Tuberculinum Kochii iu weißem Druck auf schwarzem Schilde, auf der andern Seite befindet sich auf weißem Schilde der Namenszug des Dr, Libbertz und ein Vermerk, welcher angiebt, an welchem Tage das Mittel fertiggestellt worden ist.
Jedem Fläschchen wird eine gedruckte Gebrauchsanweisung beigefügt werden.
Hinsichtlich der Aufbewahrung und Abgabe deS Mittels in den Apotheken treffe ich die nachstehenden Anordnungen:
1) Das Tuberculinum Kochii ist in dem Gift- schrank und zwar tu der für die Alkaloide bestimmten Abtheilung aufzubewahren.
2) Dasselbe ist nur in den unversehrten Original- Fläschchen und nur gegen schriftliche Anweisung eines approbirten Arztes an diesen selbst oder eine von ihm beauftragte Person abzugeben.
3) tL-ber Ankauf und Abgabe des Mittels ist ein besonderes Buch zu führen, in welches für jedes Fläschchen einzutragen ist: die Menge des Inhalts, das Datum der Fertigstellung, des Empfangs und der Abgabe," der Name des ArzteS, an welchen letztere erfolgt ist, und eventuell daS Datum der Beseitigung des unverkauften Fläsch- chens aus der Apotheke.
4) Wenn ein Fläschchen bis sechs Monate nach dem auf demselben vermerkten Tage der Fertigstellung des Mittels unverkauft geblieben ist, so darf es nicht mehr verkauft oder sonst abgegeben werden und ist aus der Apotheke zu entfernen.
seinen Scherz mit dem jungen Manne."
Ein Blick des Alten, wie man ihn einem Bemitleidenswerthen, einem Ignoranten zuwirft, streifte den Sprecher.
»Also es wird in der That Ernst," sagte der Heitere, zog ein Geldbeutelchen hervor und fuhr lachend fort: »Hier sind sechs Gulden zwanzig Kreuzer; mehr als fünf Gulden kann ich nicht geben, sonst komme ich nicht nach Hause. So, diese lege ich als Opfer hin."
Wir traten nun hinzu, überrechneten unsere Baarschaft, und gaben jeder nach dem Befunde unserer kleinen Reisekasse zwei bis drei Gulden.
»Herr Wirth," rief der Alte in seiner würdevollen, gemessenen Weise, »legen Sie diese vierzig Gulden an einen sicheren Ort, und lassen Sie mich das Zimmer, von welchem Sie sprachen, in Augenschein nehmen."
Wir erstiegen auf einer alten, wackeligen Treppe einen größeren Raum, auf dessen nördlicher Seite sich das Giebelzimmer befand. ES war in der That ganz leer, keinerlei Möbel darin. Das Licht, welches der Wirth trug, wurde auf das Fensterbrett gesetzt, und als der Alte sorgsam durch das Fenster geschaut und eine Weile den Himmel betrachtet hatte, sagte er; »Hängen Sie an diesen Nagel in der Mitte
Derartige Fläschchen werden von vr.Libbertz gegen andere mit frisch hergestelltem Inhalt unentgeltlich umgetauscht werden.
5) Der Tox-Preis des Tuberculinum Kochii wird hiermit (ausschließlich der Verpackungskosteu) für das Fläschchen mit 1 Gern Inhalt auf 6 Mark, für das mit 5 Gern Inhalt auf 25 Mark festgesetzt.
Berlin, am 1. März 1891.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten. v. Goßler.
* * *
Vorstehender Erlaß wird unter Hinweisung auf die Bestimmungen deS §. 367 Ziffer 3 und 5 deS Strafgesetzbuchs rc. zur Keuutuiß uud Nachachtuug Seitens der Herren Aerzte und Apotheker deS Regierungsbezirks veröffentlicht.
Cassel, am 16. März 1891.
Der Regieruugs-Prästdent. Rothe.
Der Herr Minister des Innern hat dem Vereine Berliner Künstler die Eruehmiaung ertheilt, mit -der in diesem Jahre iu Berlin stattfiudeudeu internationalen Kunstausstellung eine Ausspielung von Kunstwerken (Oelgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Kupferstiche rc.) zu verbinden uud die zu derselben auszugebenden 500 000 Loose zu je 1 Mark im ganzen Staatsgebiete zu vertretbeo. Zur Verloosung sind 7310, iu zwei Ziehungen auszuspielende Gewinne im Gesammtwerthe von 300 000 Mark bestimmt.
Cassel, am 11. März 1891.
Der Regieruugs-Prästdent. J. V.: v. P a w e l.
Die Heberollen der Grund- und Gebäude- steuer des hiesigen Bezirks pro Etatsjahr 1891/92 liegen vom 6. bis einschl. 9. April d. I., Vormittags zur Einsicht der Steuerpflichtigen dahter offen, was die Herren Bürgermeister in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise alsbald ver
öffentlichen wollen.
Friedewald, den 23. März 1891.
Der Reutmeister Weste.
des Zimmers einen so großen Spiegel auf, als Sie haben, und stellen Sie einen Tisch davor. Ich werde unterdessen auf den Hof gehen uud mich waschen."
»Waschwaffer kömen Sie ja unten in der Stube neben dem Schankzimmer haben," wendete der Wirth ein. r
»Ehe ich an mein Werk gehe, muß ich mit Wasser, wie es aus der Tiefe kommt, und daS noch keines Menschen Hand berührt hat, mich von allem Erdenstaub reinigen."
Der Alte verließ nun das Zimmer, und ich sah vom Fenster aus, daß er aus einem Zieh- brunnen auf dem Hofe einen Eimer Wasser emporhob und auf das Sorgfältigste sein Gesicht und seine Häade säuberte. Ein Spiegel mittlerer Größe wurde jetzt in dem Zimmer aufgehängt, der Wirth stellte einen Tisch davor und entfernte sich dann. ~ oe
»Wie heißt Ihr mit Vor- und Zunamen?" fragte der wieder eintretende Alte den heitern jungen Mann. .
»Radolf Semmeringl" rief dieser fröhlich, indem er seinen Kopf keck emporwarf.
»Rudolf Semmering," sprach der Alte, nehmet Euer» Platz so ein, daß Ihr dem Spiegel gegenüber steht, und sprecht kein Wort, wenn ich Euch