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Herssel-er Kleisiillltt.

__________Mit wöchentlicher Krakis-Weilage ^Illustrirtes Nuterhaltungsblatt".

Nr. 29. Sonnabend deu 7. März 1891.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat dem Vorstand des Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Vereins zu Frankfurt a/M. die Genehmigung ertheilt, zum Besten deS Fonds für die Vermehrung der Vor­bildersammlung des Vereins eine Verloosung von kunstgewerblichen Erzeugnissen der Neuzeit, welche mit wenigstens 60 % des Ertrages aus dem Loosverkaufe abzüglich der Stempelkosten als Ge- Wiungegenstäude zu beschaffen sind, zu veranstalten.

Die Zulassung dieser Verloosung ist unter der Bedingung erfolgt, daß nicht mehr als 30000 Loose ä 1 Mark auSgegeben werden und daß deren Vertrieb auf den Umfang der Provinz Heffeu-Naffau beschränkt bleibt.

Caffel, den 2. März 1891.

Der RegierungS-Prästdeut. A V.: v. P a w e l. , DeS Königs Majestät haben mittels Aller­höchster Ordre vom Uten v. M. dem Probstei- Ktrchen-Vorstande zu St. Peter in Worms die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der mit Ge­nehmigung der Großherzoglich Hessischen Regierung zu veranstaltenden Geldlotterie behufs Gewinnung eines Theiles der Mittel für die Wiederher­stellung des Worms'er Domes auch im diesseitigen Staatsgebiete, und zwar im ganzen Bereiche des­selben, Loose zu vertreiben.

Die unterstellten Polizeibehörden werden hier­von mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, den Vertrieb der Loose im hiesigen Regierungs­bezirke nicht zu beanstanden.

Caffel, den 2. März 1891,

Der Regierungs-Prästdent. I. V.: v. Pawe I.

Caffel, den 23. Februar 1891.

Der landwirthschaftliche Centralverein, welcher bisher seine amtlichen Veröffentlichungen in der

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

A«s Heiterm Himmel.

Von J. Hütten.

(Fortsetzung.)

Ein zärtlich träumerischer Ausdruck trat in ihren Blick, wie er ihn noch nie an ihr gesehen hatte, und sein Blut begann heißer zu wallen. Es durchschauerte ihn daS Bewußtsein, daß sie nicht wie sonst die Schmeichelei in seinen Worten lebhaft abgewehrt hatte, und wie hätte er, der so gering von den Frauen dachte, ahnen können, daß ihr sehnsüchtiges Lächeln, welches seinem brennenden Blick begegnete, nur dem Abwesenden galt. Erregt sprang er auf und als sie mit schmerzlicher Geberde den Kopf in die Hand sinken ließ, da stand er neben ihr und heiße, leidenschaftliche, liebeglühende Worte trafen ihr Ohr.

. Einen Augenblick war sie erstarrt vor Schreck, dann aber fuhr sie auf und ihn von sich stoßend und mit Hoheit zurücktretend, sagte sie mit ver- ächtltcher Bitterkeit: »Also daS war die selbst­lose Freundschaft, die ich mit staunender Dank­barkeit beobachtete! DaS, daS," und in ausbrechendem Jammer schrie sie auf: »O, Felix, Felix!«

von dem Obrramtmann Thon redigirten land- wirthschaftlichen Zeitung erscheinen ließ, hat seit dem 1. Januar d. Js. ein eigenes amtliches Organ unter dem Namen »Landwirthschaftliche Blätter" gegründet, welches von der Direction des landwirthschaftlichen Centralvereins unter verantwortlicher Redaction des General-Secre- tairs Gerland in Caffel herausgegeben wird.

Die diesseitigen allgemeinen Erlasse und Bekanntmachungen, welche die Landwirthschaft be­rühren, gelangen in diesem Blatte zur Veröffent­lichung. Es möchte sich empfehlen, die land­wirthschaftlichen Kreise auf daffelbe aufmerksam zu machen.

Der Regierungs-Prästdent. Rothe. An die Herrn Landräthe und den Königlichen Polizei-Director hierselbst. A. III. 1720.

Hersfeld, den 4. März 1891.

Wird veröffentlicht.

2250. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e t n i tz.

Herold, bin 4. März 1891.

Der Herr RegierungS - Präsident hat ange­ordnet, daß fortab jede Bezirks-Polizei-Ver­ordnung alsbald nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt auch in dem Kreisblatt desjenigen Kreises, in welchem sie Geltung hat, abzudrucken ist.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich besonders darauf aufmerksam, daß es ihre Pflicht und durch das öffentliche Interesse ge­boten ist, sich mit den erlassenen Polizei - Ver­ordnungen vertraut zu machen.

2248. Der Königliche Landrath _______ Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 27. Februar 1891.

Der Landwirth Friedrich W e n k zu Leimbach ist heute auf die Dauer von 8 Jahren als Bürgermeister der dastgen Gemeinde verpflichtet worden.

2093. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinttz.

Er war bei ihren ersten Worten entsetzt zu- rückgetaumelt, jetzt wollte er sich, wie um Ent­schuldigung bittend, ihr nähern, aber eine stolze Bewegung ihrer Hand wies ihn zur Thür und er stürzte hinaus. AlS sie allein war, schlug sie die Hände vor ihr geisterbleiches Antlitz und stöhnte: »Felix, es war der erste Tag, den ich ein wenig froh verleben wollte."

Am nächsten Morgen erhielt Dora eine Karte von Scheppwitz, des Inhalts, daß er auf längere Zeit zu verreisen gedächte und sich ihr bestens empfehle. Wohl war diese Mittheilung der jungen Frau eine Beruhigung, aber die erlittene Enttäuschung schmerzte sie bitter. So kam es, daß Frau Braun, die in den nächsten Tagen mehrmals bei ihr war, die Ueberzeugung gewann, daß ihr daS Fortgehen des Freundes doch recht nahe ging, ohne daß sie der armen Vereinsamten daraus hätte einen Vorwurf machen wollen. Da Scheppwitz gegen niemand Gründe für seine plötzliche Abreise geäußert hatte, herrschten in der Nachbarschaft natürlich die verschiedenartigsten Meinungen darüber und Dora fühlte sich nicht berufen, Aufklärung zu geben.

Anuchen schien sich um dieS große Ereigmß

Die Maul- und Klauenseuche auf dem Hof Füllerode ist erloschen.

Heringen, den 5. März 1891.

Der Bürgermeister Siebold.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 4. März. Das Abgeordnetenhaus fetzte in feiner heutigen Sitzung die Berathung der Ein- kommensteuergesctzcs fort. In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag Jagow, wonach Actienzinsen und Divi­denden nach Abzug von 31/, °/0 de« eingezahlten Actien- capitalS steuerpflichtig fein sollen, mit 184 gegen 160 Stimmen angenommen. Bei S- 9 wurde die Berathung ab­gebrochen und bis morgen vertagt.

Berlin, 5. März. In der heutigen (49.)Plenarsitzung der Abgeordnetenhauses wurde die dritte Berathung des Entwurfs eines Einkommensteuergesetzes bei S- 9 fortge­setzt. Derselbe betrifft im ersten Abschnitt die von dem Ein« kommen zu machenden Abzüge. Die Beschlüsse der zweiten Lesung wurden, unter Ablehnung aller anderen Anträge, heute nur dahin abgeändert, daß in Nr. 1 hinzugefügt wurde: einschließlich auch der unter den Communalabgaben be- grissenen Deichlasten", dagegen in Nr. 4 der Abzug der Communalsteuern, entsprechend der Regierungsvorlage, wieder beseitigt wurde. Der zweite Abschnitt deS §. 9 wurde dcbatte- loS, und mit jenen beiden ".endr v: « dann der ganze $ 9 angenommen. Die folgenden SS- 1016 veranlaßten eine Debatte nicht. Zum 8- 17 (Steuertarif) liegt heute ein An- trag E n n e c c e r u S vor, welcher die mittleren Einkommen über die Beschlüsse zweiter Lesung hinaus ermäßigen will. Neben verschiedenen Rednern aus dem Hause bat auch der Herr Finanzminister Dr. Miguel dringend, über die Be­schlüsse zweiter Lesung nicht hinauSzugehen, da unter den be­treffenden mittleren Einkommen viele seien, welche eine solche weitere Berücksichtigung nicht beanspruchen könnten. Auch mit Rücksicht auf die Communen würde die zu große Er­leichterung der mittleren Einkommen nicht gerechtfertigt sein. Bei der Abstimmung wurde der §. 17 unter Ablehnung deS Antrags Enneccerus in der Fassung der Beschlüsse zweiter Lesung aufrechterhalten. Die 88- 1829 wurden unverän­dert genehmigt. §. 30 erfuhr auf den Antrag der Abg. Bachem (Mühlheim) eine nicht erhebliche Erweiterung. An den 8- 34 (Veranlagung-commission) knüpfte sich eine allge­meine Erörterung zwischen den Abgg. B a r t h und von E h n e r n, ohne daß AbänderungSanträge vorgelegen hatten. Die SS« 3573 wurden debattelo« genehmigt.

nicht zu kümmern, wenigstens sprach sie wochen­lang den Namen des Abwesenden nicht auS. Nur einmal, als bei schönem FrühlingSwetter die

bei schönem FrühlingSwetter die offenen Fenster saßen, sagte sie

Freundinnen am plötzlich:

»Dora, weshalb mag Herr von Scheppwitz wohl fortgegangen sein ?"

Die junge Frau erschrak und fragte statt aller Antwort: »Aunchen, ging dir seine Abreise nahe?" DaS Mädchen erröthete und senkte den Kopf, schwieg aber, so daß Dora noch einmal ihre Worte wiederholte und bittend hinzufügte: »Sage es mir, bitte, dn weißt nicht, welchen Antheil

ich daran nehme."

»Nein, nein, nickt so wie du denkst," erwiderte Anna lebhaft. »Wohl gab eS eine Zeit, in der ich nicht die Kraft gehabt hätte zu widerstehen, wenn er in Liebe um mich geworben hätte, aber auch damals schon fühlte ich dunkel, waS mir später zur Gewißheit wurde, daß eS unser Un­glück gewesen wäre. ES war etwas in ihm, was mich abstieß, vor dem ich mich' sogar fürchtete, und es beruhigte mich, wenn er gleich­gültig gegen mich war. Nein, Dora, obgleich er euer Freund war, verzeihe mir, habe ich es wie eine Erleichterung empfunden, als ex fortgivg.*