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Hersstliiel Kreisbliltt.

Mit wöchentlicher Hratis-WeilageIllustrirtes Nulerhaltnugsblatt".

Nr. 28. Donnerstag den 5. März 1891.

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auf das

Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^Jüustrirtes Unterhaltungsblatt" pro März werden von allen Kaiserlichen Post­anstalten, Laudbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 2. März 1891.

Die Herren Standesbeamten in den Land­gemeinden des Kreises haben mir biS zum 12. d. Mts. darüber Bericht zu erstatten, ob die für drei Jahre (1889 bis einschl. 1891) ein­gerichteten Standes - tzauv tregister für daS laufende Jahr noch ausreichen, oder ob und eveutl. welche Aenderungen tu dem Bedarf an Vordrucksformularen in den auf die nächsten Jahre anzufertigenden Registern zu treffen find. Hierbei ist mir gleichzeitig auch anzuzeigen, ob und welches Quantum Formulare zu »Re- gister-AuSzügen" für das laufende Jahr erforder­lich ist.

A. Nr. 195. Der Königliche Landrath.

In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 25. Februar 1891,

Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß nach einem unterm 7. v. Mts. ergangeneu Ministertal- Erlasse die Formulare zu den Bescheinigungen über die Endzahlen aus der Aufrechnung der Quittungs-Karten (§ 103 des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes) von den für die Aus­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterm Himmel.

Von J. Hütten.

- (Fortsetzung.)

Da Scheppwitz nicht antwortete, hob sie von neuem »ich Darf nicht zu viel an die Ver- »angenheit denken, sonst erfaßt mich Verzweiflung. O diese Erinnerungen, oft sind sie mein Trost und noch öfters meine Quall Was habe ich tu diesen zweieinhalb Jahren meiner Ehe schon alles .Ja," sagte Scheppwitz, sich auS seiner Ver- sunkenheit aufraffend, »und fast so lange kenne ich Sie, gnädige Frau. Entsinnen Sie sich noch des Sommerfestes im Waldkrug? Ich glaube, Sie gewänne» keinen guten Eindruck von dem Manne, der sich so dringend um Ihre Freund­schaft bewarb, ohne die Fähigkeit, Ihnen die ge­wohnte geistige Kost zu bieten, und mir er­schienen Sie fremd und wundersam mit Ihren ernsten LebenSansichten und Ihrem glücklichen Gesicht."

»O, wie glücklich ich damals war!" fiel sie ihm ins Wort, »und döch, an dem Tage schon bereitete sich das Unheil vor, das jetzt vernichtend über uns gekommen ist. Die erste trübe Stunde in unserer Ehe verdanken wir Schultze er ist der Fluch unseres Lebens geworden."

stellung und den Umtausch der QuittungSkarten zuständigen Stellen zu beschaffen sind.

2020, Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 4. März 1891.

Die Herren Ortsvorstände zu

Allendorf, Ausbach, Beiershausen, Dünkel- rode, Eitra, Heringen, Hilmes, Kalkobes, Kathus, Kerspeuho>isen, Kleinensee, Leim­bach, Malkomes, Meckback, Oberlengsfeld, Philippsthal, Ronsbach, Rohrbach, Schenk- lengsfeld, Schenksolz, Solms, Sorga, Taun, Unterhaun, Wehrshavsen und WölferShauseu werden hierdurch an die Einreichung der Ge­meinde-Rechnung pro 1889/90 mit Frist bis zum 20. d. Mts. bet Meidung von Strafe erinnert.

A. Nr. 207. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleiuitz.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt auf seinen Be- stellgängen ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahme­sendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Wünscht der Absender die Eintragung selbst zu bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Ein­tragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.

Cassel, den 24. Februar 1891.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Z i e l ck e.

»Sie darf das alles nicht Wunder nehmen, gnädige Frau," sagte Scheppwitz fast in seinem alten, herausfordernden Tone »denn schon damals versicherten Sie mich, daß wir keinen Anspruch an Glück haben, daß jeden Augenblick ein Blitzstrahl niederfahren könnte, um es zu vernichten."

»Und er ist gekommen," rief sie erregt, aus heiterem Himmel ist er niedergefahren. Ich könnte stolz auf meine Prophezeiung sein, wenn es nur nicht so herzbrechend traurig wäre." Sie hielt einen Augenblick tnne und ließ einen Blick über seine Züge gleiten, die seit ihrer Bekannt­schaft viel schärfer und älter geworden waren. »Und Sie meinten damals, das Glück erzwingen zu können. Armer Freund, eS ist Ihnen auch nicht gelungen."

»Nein," sagte er dumpf. Er erhob sich schwer athmend und trat anS Fenster, um zu dem stern- klaren Himmel emporzublicken. Als er zmück- kehrte, klang seine Stimme ruhiger: »Ich glaube, gnädige Frau, Sie würden weniger leiden, wenn Sie sich mehr zerstreuten. Sie sollten viel mehr lesen und musiciren."

»Es ist kein Lied mehr über meine Lippen ge­kommen, seit Felix fort ist," erwiderte sie leise.

»Sie sollten es aber doch einmal versuchen," meinte er.

»Ach, wenn das Unglück nur nicht so empfind- ltch machte! Oft ist mir's auch, als müßt' ich

Aus dem Reichstage.

Berlin, 2. März. Der Reichstag setzte in seiner heutigen (78.) Sitzung die zweite Berathung des Militair- etats fort mit Capitel 25 der ordentlichen Ausgaben (Natural- verpflegung), und nahm ohne Debatte nach den Anträgen bei Commission, die Capitel 25 bis 31 (Verpflegung der einzelnen Truppentheile) an. Bei Cap. 32, Tit. 3 (Pferdegelder für Officierc), verlangt der Etat für Preußen 2214148 Mk. als Geldvergütung zur Anschaffung von Dienstpferden für alle berittenen Ossiciere und entsprechende Summen für die übrigen Bundesstaaten. Die Commission beantragt, für Preußen nur 1067 450 Mk. zur Anschaffung von Dienstpferden für ratton«- berechttgte Ofsiciere der Fußtruppen bis zum Regimentscom­mandeur, ausschließlich dieses, sowie für Adjutanten zu be­willigen. Dagegen läßt sie die höheren Rattonen für diejenigen Ossiciere bestehen, für welche in der Vorlage in Voraussetzung der Bewilligung der Pferdegelder gleichzeitig eine Ermäßigung der Rattonen vorgesehen war. und für welche diese Pferdegelder von der Commission nicht bewilligt sind. Kriegsminister v. Kal te nb o rn-Sta chau aner- kennt, daß die von der Commission beantragten Bewilligungen dem dringendsten Bedürfnisse entsprechen. Gleichwohl könne die Regierung eine endgültige Regelung in dem CommissionS. beschluffe nicht erblicken, weil durch denselben dar einhcillichL System der qu. Entschädigung durchbrochen werde. Bei aller Anerkennung der Entgegenkommen« der Commission müsse er deshalb bitten, an der Vorlage festzuhalten. Abg. Richter kann das Bedürfniß eines einheitlichen Systems für die Pferde. Haltung selbst nicht anerkennen. Die Commission sei über den StabSefficier nicht hinausgegangen, weil der Unterschied zwischen den Competenzen des StabsossicierS und des Regt. menIScommandeurs ein erheblicher sei. Auch für eine Er­leichterung der Cavallerieosficiere sei übrigens eine Erreichte- rung insofern geschaffen, als von jetzt an schon nach 4, statt nach 5 Jahren der Officier Eigenthümer des Pferdes werde. Abg. Dr. von F r e g e bedauert, daß die Vorlage nicht im vollen Umfange von der Commission bewilligt sei. Auch in der Cavallerie gebe es viele unbemittelte Ofsiciere, denen eine Erleichterung wohl zu gönnen sei. Abg. Frhr. v. H u e n e betont, daß das unbedingt Nothwendige von der Commission bewilligt sei. Die Abgg. v. Kardortf, Dr.Hammacher, Sperlich und Hinze erklärten sich für die CommissionSbe. schlüsse, welche demnächst auch mit großer Majorität geneh- migt wurden. Bei dem Capitel 35 (Militair-ErziehungS. und BildungSwescn) beantragen die Abgg. Richter und Hinze die mehrbeantragten 40 Stellen in der Haupt-Cadettenanstalt und 40 Stellen in der Cadettenanstalt zu Köslin nicht zu

mir die Seele frei fingen, als könnte das allein mir noch helfen, aber unsere Lieder erzählen alle von Liebeslust und Leid und daS vertrage ich nicht." _ . , .

»Als ich Sie zum ersten Mal singen hörte, wählten Sie ein harmloses Volksliedchen. Wissen Sie noch, welches ich meine und wollen Sie eS einmal probtien? Ich glaube, Musik würde unS

beiden gut thun." t ~ .

Sie ging zum Flügel und suchte die Noten hervor. Dann nahm sie ihren ganzen Muth zusammen und begann mit vollem, klaren Ton.

»Und ziehst Du in die Welt hinaus.

Läßt mich allein zurück:

Vorbei ist'« mit der Maienzett,

Vorbei mit Glanz und Glück."

Weiter aber kam sie nicht. Ihre Stimme brach und sie legte die Hand vor ihre Augen, um die aufstetgenden Thränen zu verbergen.

Auch Scheppwitz war tief erschüttert und fand kein passendes Wort. Dora faßte sich zuerst: »Sie sehen, eS geht nicht," sagte sie mit traurigem Lächeln. »Auch ich glaube, dies Lied sei freund- ltch und wenig aufregend, aber freilich, ich habe eS nur in jenen alten, guten Tagen gesungen und meinen eigenen frohen Sinn hiueingelegt." »Verzeihen Sie mir, daß ich Sie dazu veran­laßte," murmelte Scheppwitz.

»Ich weiß, Sie haben eS gut ßemeint," sa^