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Htrssel-tl Krtisblatt.

________ Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Iluterhaltungsölaü".

Nr. 26. Sonnabend den 28. Februar 1891.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchenttiche« «rati- Beilage ^Jllustrirtes Unterhaltungsblatt"

pro März werden von allen Kaiserlichen Post- anstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat zu der von dem Pferdemarkt - Comtls zu Fritzlar beabsichtigten Verloosung von Pferden, Fahr- und Rett- Requisiten rc., im Gesammtwerthe von 14900 Mark, welche mit dem am 15. und 16. Juli d. Js. , stattfiudeudeu Pferdemarkt verbunden werden soll, die Genehmigung ertheilt.

Der Vertrieb der Loose, deren nicht mehr als 7000 Stück ä 3 Mark ausgegeben werden dürfen, bleibt auf den Umfang der Provinz Hessen-Nassau beschränkt.

Cassel, am 13. Februar 1891.

Der Regierungs-Prästdent. J. V.: v. Pawel, Der Herr Minister des Innern hat der Direction der Diakouissen-Anstalt zu Kaiserswerth die Er­laubniß ertheilt, zum Besten der Anstalt im Laufe dieses Jahres eine Ausspielung be­weglicher Gegenstände (Handarbeiten, Bücher, Bilder rc.) zu veranstalten und die zu derselben auszugebenden 15500 Loose zu je 50 Pf. im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Waffel, am 21. Februar 1891.

Der Regieruugs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

8 Hersfeld, den 26. Februar 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, Welche noch mit Einsendung des ErhebungSfor- 7 mulars für die Ermittelung des Ernteertrages

im Jahre 1890 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 2. März d. I. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

619. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Hera, Kreissecretair.

Aus der künstlichen Fischbrüte - Anstalt des landwirthsch. Central-Vereins zu Hahlingsmühle, Postexpedition Hofbieber. können wie in den Vor­jahren im Monat März und Anfang April 300 000 Stck. Forellensetzlinge, das 1000 zu 6 Mk. bezogen werden.

Bestellungen beliebe man an den Mühlenbesttzer Anton Reinhardt zu Hahlingsmühle zu richten.

Wir warnen vor zu früher AuSsetzung der Forellensetzlinge, weil sonst die meisten zu Gruude gehen.

Cassel, den 10. Februar 1891.

Direction des landwirthschaftlichen Central-Vereins für den Regierungsbezirk Cassel.

Kochendörffer.

Die deutsche AuMMderW 1890.

Die Auswanderung über die deutschen Häfen bat während des Jahres 1890 gegen das Jahr 1889 recht bedeutend zuqevommen. Hierzu hat in nicht unerheblichem Maße die außerge­wöhnlich starke Auswanderung aus Rußland über Bremen nach Brasilien beigetragen, welche zur Folge hatte, daß die Zahl der von diesem Hafen­orte aus nach Brasilien beförderten Personen auf 30 835 gegen 1934 im Jahre 1889 stieg. Auch nach Hamburg waren im Spätherbst Averbie- tungen zu solcher Massenbeförderung nach Bra­silien gelangt. Das Unternehmen ist jedoch bis­her nicht zur Ausführung gebracht, zum Theil wohl aus dem Grunde, weil es hier an geeigneten Räumlichkeiten zur Unterbringung einer so großen ! Personenzahl während der kälteren Jahreszeit I mangelt.

Die starke Auswandernvg nach Brasilien hat mehrfach Klagen in öffentlichen Blättern hervor­gerufen, welche sich gegen die auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd angeblich herrschende Ueberfüllung und Mangelhaftigkeit der Einrich­tungen zur Trennung der Geschlechter richteten. Diese Klagen, welche namentlich von Antwerpen ausgingen, haben sich, soweit der Abgangshafen in Betracht kommt, nicht als begründet erwiesen, da festgestelltermaßen kein einziges der Schiffe des Norddeutschen Lloyd beim Verlassen des Hei- mathshafens die volle nach dem Gesetze zulässige Anzahl von Passagieren an Bord hatte, auch auf allen Schiffen eine ausreichende Zahl von Se- paratabtheiiungen vorhanden ist, um die Trennung der Geschlechter dnrchführev zu können.

Ueber die deutschen Häfen Bremen, Hamburg, Stettin und Geestemüude wurden im Laufe des verstossenen Jahres 243283 Personen, Kajüts- Passagiere eingeschloffen, gegen 181003 Personen im Jahre 1889 b"fördert.

Von diesen 243 283 Personen wurden beför­dert über Bremen 141425, über Hamburg 99328 und über Stettin und Geestemünde 2538 Personen.

Unter den insgesammt beförderten 243 283 Per­sonen kamen 74820 aus Deutschland. Von diesen gehörten ihrem Berufe nach an der Land- Wirthschaft 11678 Personen 15,7 pCt., der Industrie 10721 Personen = 14,3 pCt., dem Handel und Verkehr 5564 Personen = 7,4 pCt., dem Arbeiterstande 19450 Personen = 26,0 pCt., anderen Berufsarten (freien Berufen, öffentlichem Dienste) 1504 Personen 2,0 -Ct., ohne Be­ruf bezw. ohne Berufsangabe waren 25903 Personen = 34,6 pCt., zusammen 74 820 Per­sonen a= 100 pCt.

Nach den Vereinigten Staaten gingen rund 69 000 Personen, nach Brasilien rund 3000 Per­sonen. Von den preußischen Provinzen lieferte wieder Posen mit 10000 Personen die meisten Auswanderer; es folgen: Westpreußen mit 9 500, Pommern mit 6000, Hannover mit 5 400.

M«EWW

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterm Himmel.

Von J. Hütten.

~ _ (Fortsetzung.)

Eine Woche nach dem Morde ließ sich bei ^»»??5^^^ Werner melden, den sie ganz oberflächlich in Gesellschaften kennen gelernt hatte. Sie ließ ihn in ihr Zimmer bitten. Hier I erfuhr sie, daß er der Untersuchungsrichter sei und den Thatbestand des Mordes an Ort und Stelle ausgenommen habe. Er speciell habe längeren Aufenthalt in der Gegend gehabt und köane eS nun nicht übers Herz bringen, heimzu- I »ehren, ohne der gnädigen Frau sein Mitgefühl auSzusprechen. Dora konnte ihre Aufregung "ur schlecht verhehlen, denn jetzt war der ge- jurchtete Augenblick gekommen, um ihre Ent- scheidung von jenem verhängnisvollen Abend un- widerruflich zu machen. Sie erzählte dem Herrn, W J ihrem Manne an dem Tage deS rW Mordes und ungefähr um die Zeit, in der er geschehen sein sollte, im Walde gewesen sei, für W & also kein Zweifel an seiner Unschuld obwalten Mue. Da ihr Zeugniß vor Gericht aber keine Gültigkeit habe und man ihren Mann durchaus

als Mörder behandeln wolle, habe er es vorge­zogen, seine Reise weiter auszudehnen und jetzt sei er bereits unterwegs nach Amerika.

Gerichtsrath Werner war höflich genug, darauf nur zu erwidern, daß er von Herzen wünsche, Dr. Weißners Unschuld käme bald an den Tag, denn es sei mehr als wahrscheinlich, daß er er­griffen und ausgeliefert werden würde, da die ausländischen Consulate bereits benachrichtigt seien. Damit verließ er Dora, die ihm mit einem Gefühl unsäglicher Bitterkeit nachblickte. Jetzt war der Würfel gefallen und sie mußte ab- warten, wie die öffentliche Meinung und die Juristen die Sache auffassen würden. Zunächst aber wollte sie sich der Herzen, die sie wirklich als treu wußte, versichern, und so ließ sie den In- spector und Frau Regine rufen, um ihnen das Geschehene mit allen Gründen, die dabei maß­gebend gewesen waren, auseinanderzusetzen. Sie hatte sich nicht getäuscht diese beiden glaubten an Weißners Unschuld, wenn sie auch betrübt zu­geben mußten, daß sie kein Mittel wüßten, das Gericht davon zu überzeugen. Dora bat sie noch, die Gutsangehörtgen von den Thatsachen in Kenntniß zu setzen und sorgsam auf jede Spur zu achten, die möglicherweise zur Entdeckung des

Mörders führen könnte. Dann ging sie zu ihrem Kinde, um an dessen Lächeln ihren Muth für die schweren Zeiten, die nun kommen sollten, zu stärken. .

Und sie kamen wirklich, denn jede Zeitung brächte Berichte über den Mord und Betrachtungen darüber, daß Weißners Flucht als SchuldbeweiS aufzufassen sei, während das Gericht Steckbriefe hinter ihm erließ. Aber auch mancher Sonnen­strahl fiel in das Leben der armen Frau, denn die Leute, die Felix persönlich gekannt hatten, glaubten trotz seiner Flucht an seine Unschuld, und selbst solche, mit denen sie nicht in näherem Verkehr gestanden hatten, bemühten sich, durch Freundlichkeiten bald auf diese, bald auf jene Art ihre Theilnahme zu beweisen, was Dora dankbar empfand. . _ . _

BraunS waren deu Tag nach dem Besuch bei GerichtSrathS Werner gleich zu Dora gefahren, und wenn auch Frau von Mohrthal selbst sich nicht dazu entschließen konnte, so war sie doch diesmal ihrem Manne nicht entgegen, der den wetteren Umgang von Anuchen mit ^rau Weißner wünschte und seine Tochter selbst aus Emilienhof abholte, um Dora seiner steten Theilnahme zu versichern. Besonders aber waren Besuche deß