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Hersseldel Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Hratis-Weilage „Illukrirkes Nnlerhaltungsbla^.
Nr. 25.Dvilllcritlig dm 26. Februar 1891.
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Hrrsfeldcr Kreisblatt
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„JlluftrirLes Unterhaltungsblatt" pro März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 21. Februar 1891.
Wie besannt geworden ist, fehlt in einem größeren Theile der Landgemeinden des Regie- rungs-Bezirks die Bundesraths-Justruction vom 24. Februar 1881 zur Ausführung des Reichs- viehseucheugeseHes (ExtrabetlagezuNr. 17 deS Amtsblattes vourIahre 1881).
Bei der Wichtigkeit der genannten Jnstruction für die Ortspoltzeibehörden wird beabsichtigt, eine handliche brochirte Ausgabe derselben Her- stellen zu lassen, deren Kosten sich auf 25 Psg., höchstens 40 Pfg. für das Exemplar stellen dürfte.
Die Herrn Ortsvorstäude des Kreises haben sich alSbald davon zu überzeugen, ob die betreffende Jnstruction in dem Band des Amtsblattes pro 1881 bezw. in der Gemeinde-Repositur vorhanden ist, verneinenden Falles mir aber bis spätestens zum 8. März d. I. hierüber Bericht zu erstatten, in demselben gleichzeitig auch anzu- geben, wieviel Exemplare gewünscht werden.
1798. Der Königliche Landrath.
Ja Vertretung:
_______Braun, Kreisdeputirter.
' Unter dem Rindvieh des Johann Jacob Schenk dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausge- brochen.
Kerspenhausen, den 25. Februar 1891.
Der Bürgermeister Rössing.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) l
All» heiterm Himmel.
Von J. Hütten.
_ „ . (Fortsetzung.)
Was hatte ihnen später die Freiheit genutzt? Ein Schauer überrieselte sie — nein, nein, sie durfte es nicht zugeben, daß ihr Mann sich dieser Möglichkeit aussetzte. Jetzt war sie mit ihrem Ueberlegen fertig, aber um sich selbst zu prüfen, ging sie erst in ihres Kindes Schlafzimmer. Sie schickte die Wärterin hinaus und beugte sich dann mit heißen Thränen über ihren Liebling.
«Wann wirst du deinen Vater Wiedersehen, armes Geschöpschen?- murmelte sie und bedeckte mit ihren Küssen die kleinen Hände, ohne doch den festen, gesunden Schlaf zu stören.
Als das Mädchen zurückkehrte, fand sie ihre Herrin zwar etwas bewegt, aber von den Qualen, die deren armes Herz erduldete, las sie nichts mehr in den stillen Zügen. Dora fühlte jetzt, daß ihr Entschluß unwiderruflich war, und so ging sie in das Wohnzimmer hinüber, wo die Herren sich in beklommenem Schweigen gegenüber saßen. Sie trat leise auf ihren Mann zu und legte ihren Arm auf seine Schulter, indem sie
Polizei-Verordnung.
Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 wird mit Zustimmung der Ge- meinbehörde nachstehende Polizei - Verordnung erlassen.
§. 1.
Die hiesige schadhaft gewordene Fuldabrücke darf mit Fuhrwerk von einem Gewicht mit mehr als 15 Centner einschließlich der Ladung nicht befahren werden.
§. 2.
Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe von 3 bis 30 Mark, im Unvermögensfall mit entsprechender Haft, geahndet.
Friedlos, den 24. Februar 1891.
Der Bürgermeister Kaufmann.
# Die Kaiserrede im brandenburgischen Provinziallkudlage.
Unser Kaiser hat am 20. Februar auf dem von dem brandenburgischen Provinziallandtage im Kaiserhofe zu Berlin abgehaltenen Mahle eine hochbedeutsame Ansprache gehalten. Es war nicht das erste Mal, daß Se. Majestät hier inmitten seiner treuen Märker politische Irrthümer richtig stellte und seine Ansichten und Empfindungen über besondere Zeitereignisse und Strömungen kundgab, Vor Drei Jahren trat er als Prinz Wilhelm den Gerüchten über «leichtsinnige, nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken- scharf entgegen, das Jahr darauf verwies er aus die schwere Leidenszeit, die Schule genug sei für einen jungen Herrn, und am 5. März 1890 schilderte er, wie er oft auf seinen Auslandsreisen, auf der Schiffsbrücke stehend, den Sternenhimmel über sich, die heimischen Verhältnisse ernst geprüft habe und nun nach Sicherung des Friedens nach außen seine vornehmste Sorge sei, das Wohl der unteren Klassen zu fördern und in den Fuß- tapfen seines Großvaters fortschreitend daS ihm
sagte: «Felix, mein Vater erklärte mir bet seinem । letzten Besuch, daß deine Lebensdauer von deiner vernünftigen Lebensweise abhinge, daß nur bei viel Bewegung in frischer Luft dein Körper gedeihen könne. Ich schicke das voraus, da meine heutige Entscheidung dadurch beeinflußt ist. — Ja fliehe, überall in der Freiheit ist es besser, als im Gefängniß!-
«Aber mein reiner Name, meine Ehre,- stöhnte Felix und ließ den Kopf auf seinen Arm sinken.
«Die sind in guten Händen. Was auch geschehen mag, ich harre hier aus und verzichte lieber auf alles Glück und jedes Wiedersehen mit dir, als daß ich die Hoffnung und die Bemühung aufgebe, den wahren Mörder zu er» mitteln.-
Scheppwitz brach auf; Dora reichte ihm die Hand, die er fast heftig küßte. «Leben Sie wohl, gnädige Frau. Möchten Sie Ihren Entschluß nie zu bereuen haben.-
Er wollte sich auch von Meißner verabschieden, aber der begleitete ihn noch vor die Hausthür. In Vorbeigehen gab er dem Kutscher Befehl zu baldigem Anspanneu. Als Dora, am offenen Fenster stehend, die Worte ihres Mannes vernahm, ging sie in die Gefindestube, um Frau
von Gott anvertraute Pfund zu mehren, wobei ihm jeder Helfer, wer er auch sei, willkommen sein werde. Am Schlüsse dieser Rede hieß es: «Sollten ernste Zeiten bevorstehen, so bin ich der Treue meiner Brandenburger gewiß und hoffe, daß sie mir bei der Erfüllung meiner Pflichten treulich beistehen werden.-
In seiner Ansprache vom 20. h. gedachte der Kaiser zunächst des kürzlich Heimgegangenen Vorsitzenden des ProvinzialauSschusses von Rochow, eines alten märkischen Edelmannes von festem Schrot und Korn und dann des unlängst abgehaltenen 250jährigen Gedenktages der Geburt des großen Kurfürsten, der den Staat aus tiefem Elend emporhob und der von jeher feiner (unseres Kaisers) Jugend vorangeleuchtet habe. Was der Kaiser weiter sagte über das Vertrauen zwischen Fürst und Volk in Preußen, wie es sich am deutlichsten in der schweren Zeit nach Jena gezeigt habe, über ein gewisses Zagen und Zaudern gegenüber dem von Sr. Majestät einge- schlsgenen Weg, k^ den Geist des Ungehorsams, der durch das Land schleiche und sich zur Verwirrung der Gemüther eines Oceans von Papier und Druckerschwärze bediene, über die Nothwendigkeit, den Blick stets auf das Ganze gerichtet zu halten, über die Stellung der Krone über den jetzigen, auf Interessen gegründeten Parteien, über das Vertrauen und die Mithülfe, die er verlange, über seine täglichen Gebete zu Gott zum Wohle seines Volkes — das waren so warm empfundene, ernst mahnende und eindringliche Worte, daß sich der tiefe Eindruck dieser Rede von der Tafelrunde der treuen Märker auf das ganze Land fortsetzen mußte.
«Wir müssen vorwärts streben, Wir müssen arbeiten und im Innern kämpfen. Aber wenn das Ganze gedeihen soll, so seien Sie sich dessen 'Har, müssen hier und da im Einzelintertsse Opfer gebracht werden.- Möge sich Jeder diese ! Worte tief einprägen. Das Zagen mag in einer I Übergangsperiode, in der neue Bahnen beschritten werden, b'greiflich erscheinen; aber es muß vor
Regine in Gegenwart der Dienstboten mitzü» theilen, daß der Herr noch heute in einer Gr- schäftSsache verreisen müsse. Da Meißner schon oft, wenn eS sich um Besichtigung seltener Pflanzen oder um den Ankauf von feinem Samen gehandelt hatte, plötzlich ohne Vorbereitung fortgefahren war, so verwunderten sich die Leute weniger, als es sonst der Fall gewesen wäre, und DoraS unbefangene Art erregte bei niemand Mißtrauen. Dann kehrte sie ins Wohnzimmer zurück, wo sie schon Felix ihrer harrend fand.
Nun folgte eine lange, tiefernste Unterhaltung. Als eine halbe Stunde später Meißner abfuhr, galt sein letzter Abschiedsblick Dora, die vom bellen Lampenlicht beleuchtet, in der Thür stand und ihm mit einem ermuthigenden Lächeln zunickte.
Dora ging am nächsten Tage wie im Traume umher. Alles, was sie gestern erlebt hatte und was ihr in der Erinnerung deS Abends zuM Schluß auch natürlich vorgekommen war, erschien ihr jetzt ganz unglaublich. Selbst ihre Ent' scheidung machte ihr schwere Sorge und eS be» ruhigte sie nur, daß WeißuerS Verschwinden jq