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Htlsstl-er Kttisblatt
_________Mit wöchentlicher Hratis-Weilage „Illugrirtes Auterhaltungsölatt"._________
Nr. 24. Tienstag den 24. Februar 1891.
Amtliches.
Berlin, den 31. Januar 1891.
Der hiesige Königlich Niederländische Gesandte hat die Vermittelung des Auswärtigen Amts in Anspruch genommen, um über den Verbleib des Eisenhändlers Gerhards zu Deventer, welcher seinen Wohnsitz am 3. d. M. verlasien und sich vermuthlich in Deutschland entleibt hat, Aus- x kunst zu erhalten. Der Vermißte ist 45 Jahre ; alt, von ziemlich hohem kräftigen Wuchs und dunkler Gesichtsfarbe, er trägt einen langen Kinn- < sowie einen Schnurrbart und war bei seiner Ab- ■ reise mit einem braunen Ueberzieher und Cylinderhut bekleidet somit mit einer Reisedecke versehen.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, " gefälligst geeignete Nachforschungen zu veranlassen | und über das etwaige Ergebniß mir Anzeige zu ; erstatten.
Der Minister des Innern.
Im Auftrage: gez. Lodemann.
M An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Cassel. II. 1107.
Cassel, den 13. Februar 1891.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren rc.
' zur gefälligen weiteren Veranlassung.
I Im Falle der Ermittelung des rc. Gerhards [ ist,mir sofort Anzeige zu machen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe.
J An sämmtliche Herren Landräthe des Regierungsbezirks und an den Herrn Polizeidirector hier. A II 1312.
* * *
Hersfeld, den 21. Februar 1891.
Wird den Ortspolizeibehörden und der König«
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
A«s heiterm Htmmet.
Don Z. Hutten.
(Fortsetzung.)
»Wer hätte gedacht, daß er so bald vor seinem höchsten Richter stehen werde," sagte Felix er« schultert. „Ich habe den Mann nie gemocht und heute nahezu feindselige Gefühle gegen ihn gehegt, aber diese Kunde ist mir doch schrecklich."
»Sie wird eS Ihnen noch mehr sein," sagte Scheppwitz zögernd, „wenn ich Ihnen mittheile, was mich besonders dazu bewog, sie Ihnen gleich zu überbringen. — Ich fragte natürlich die Leute, ob man keinen Verdacht hege, und da meinte ein alter Mann, so weit sie wüßten, habe der Todte Im ausgesprochener Feindschaft nur mit Doctor Meißner gelebt, der die That wohl aus Rache wegen des Prozesses verübt haben könne."
Dora war ganz bleich vor Schrecken geworden. | Felix sprang auf und rief entrüstet: „Also diese * Nichtswürdigkeit traut man mir zu! Aber freilich, wie können mich die Leute aus Wehrkitten besser beurtheilen, da ihr Herr eS nicht für zu gemein gehalten hat, unter ihnen allerhand falsche Ge» rüchte über mich zu verbreiten. Wer weiß, ob nicht gerade einer von thuen den Mord begangen . hat; unbeliebt genug war Schultze dazu." J | „Ja, wer kann das wissen," sagte Scheppwitz,
lichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme rc. mitgetheilt.
Im Falle der Ermittelung des rc. Gerhards ist mir alsbald Anzeige zu erstatten.
1797. Der Königliche Landrath.
In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.
Cassel, den 12. Februar 1891.
Es ist zu meiner Kenntniß gekommen, daß Uebertretungen der Polizeiverordnung vom 8. November 1873 — Amtsblatt 1874 pag. 62 — seitens der Ortspolizeibehörden, insbesondere der ländlichen mehrfach mit Geldstrafen von Einer Mark gesühnt worden sind, während die Polizei-Verordnung einen Thaler als geringstes Strafmaß bestimmt.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, die Orts-Polizeibehörden Ihres Kreises gefälligst darauf hinzuweisen, daß Uebertretungen der gedachten Polizei-Veroxdnüng^ mit Geldstrafen von mindestens 3 Mark belegt werden müssen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe. An sämmtliche Königliche Landräthe des Regierungsbezirks. J. A. II. Nr. 1175.
* . *
Hersfeld, den 21. Februar 1891.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt. 1807. Der Königliche Landrath.
In Vertretung: ■
Braun, Kreisdeputirter.
Berlin, den 5. Februar 1891.
In Verfolg meiner Verfügung vom 12. v. Mts., betreffend die Fahndung auf den in Kanada wegen Urkundenfälschung verfolgten Tourex, benachrichtige ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst,
„und Ihnen wird es gewiß leicbt sein, jeden Ver» dacht zu entkräften. Sie müssen zur Zeit der That schon lange zu Hause gewesen sein."
„DaS nun wohl schwerlich," meinte Felix, „denn ich war nach all den Vorkommnissen in Glauken so aufgeregt, daß ich mich auf dem Wege zu meiner Behausung länger als nöthig im Walde aufhielt. Wann soll der Schuß gefallen fein?*
„Der Kutscher rechnet, daß er etwa nach sieben Uhr ausgefahren ist und meint, eine gute Viertel» stunde könnten sie schon hinter sich gehabt haben."
„Also ungefähr um die Zeit, als wir unS trafen, Dora," sagte Felix, seine Hand auf ihre Schulter legend.
„Sie waren mit Ihrem Manne im Walde?" fragte Scheppwitz, sich lebhaft an sie wendend, und als sie zur Antwort nur leise mit dem Kopfe nickte, fuhr er fort: „Aber Sie sind doch gewiß noch anderen beaeanet?"
„Keinem Menschen," erwiderte statt ihrer Felix und ließ sich auf einem Stuhle nieder, Schepp- witz ansehend, als wünsche er zu erfahren, war diese Frage bedeute.
„Nun," rief dieser aufgeregt, „dann verstehe ich Ohre Ruhe nicht, Weißner. Begreifen Sie denn hre Lage gar nicht? Der einmal ausgesprochene Verdacht wird nicht schwinden und Sie scheinen mir nicht die Mittel zu haben, ihn sofort zu ent- kräften. Sie wissen selbst nicht bestimmte An»
daß nach einer Mittheilung des Herrn Ministers der auswärtigen Angelegenheiten der Gesuchte, welcher in Wirklichkeit Ehester Willmot Pourex heißt, in Bremen zur Haft gebracht worden ist.
Der Minister des Innern.
Im Auftrage: gez. Lodemann.
An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Cassel.
II. 1252.
* *
Cassel, den 13. Februar 1891.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren rc. unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 19. v. Mts. (A II 509) zur gefälligen Kenntnißnahme.
Der Regierungs-Präsident.
In Vertretung: von Pawel.
An die Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks und den KöuMchen Polizeidirector hier. A II 1411.
* * *
Hersfeld, den 18. Februar 1891.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königl. Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 26. v. Mts. Nr. 862, Kreisblatt Nr. 13, mitgetheilt.
1683. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg, Kreissecretair.
Hersfeld, den 21. Februar 1891.
Zur Erörterung der gegen die Erweiterung des Bahnhofs dahier insbesondere gegen die da- mit in Verbindung stehende Verlegung des Ueber- ganges über den Bahnkörper in der Nähe des Luckhardt'schen Hauses erhobenen Einwendungen
gaben über die Zeit Ihres Aufenthaltes im Walde zu machen und Ihr Zeugniß und daS Ihrer Frau gilt vor Gericht gar nichts."
„Aber um GottcSwtllen," rief Dora entsetzt, man wird doch nicht im Ernst Felix dieser schauderhaften That für fähig halten?"
„Die Polizei hält jeden für einen Spitzbuben, der ihr keinen Beweis deS Gegentheils geben kann. Und waS wollen Sie, gnädige Frau? Um eine Verhaftung zu rechtfertigen, liegt genug Material vor. Die Feindschaft zwischen dem Todten und Ihrem Manne war allgemein bekannt und m.hr als zwanzig Zeugen werden auSsagen, daß die beiden auch heute im Zorn von einander geschieden seien. Außerdem kann Meißner sein Alibi nicht beweisen."
Während Dora niedergeschlagen den Kopf in den Händen barg, begannen Scheppwitz Worte auch Felix zu beunruhigen, doch faßte er die Sache noch ziemlich leicht auf und meinte: „Nun ja, Sie mögen recht haben, eine kleine Untersuchungshaft wird sich nicht vermeiden lassen, aber wann käme eS jetzt vor, daß unsere Polizei die Thäter solcher Verbrechen nicht entdeckte."
„Doch, doch, das ist auch schon dagewesen," sagte Scheppwitz dringend. „Machen Sie sich die Gefahr, in der Sie augenblicklich schweben, nur vollkommen klar."
Felix sah nachdenklich vor sich hin. »ES ist