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Htrssel-tl Kltisblatt.

__________Mit wöchentlicher Hrakis-WeilageIllugrirtes Nnterhaltuugsblatt".__________

Nr. 23. Sonnabend den 21. Februar 1891.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Fulda, den 15. Februar 1891.

Dem Königlichen Landratbsamt gebe ich zur weiteren gefälligen Veröffentlichung davon er» gebenst Nachricht, daß wegen der im hiesigen Kreise noch herrschenden Maul- und Klauenseuche der in Fulda auf den 26. d. Mts. angesetzte Viehmarkt durch Verfügung deS Herrn Re­gierungspräsidenten in Cafsel vom 13. d. Mts. aufgehoben worden ist.

Der Königliche Landrath Trott.

An das Königliche LavdrathSamt zu Hersfeld. J. Nr. I. 2415.

* * *

Hersfeld, den 19. Februar 1891. Wird veröffentlicht.

1728, Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, Kreisdeputirter.

Da durch Verfügung Königlicher Regierung in Caffel vom 24. Dezember v. I. über die Körung der Zuchtbullen neue Bestimmungen erlassen worden sind, liegt es sehr im Interesse der ein­zelnen Gemeinden, sich mit der Körungscommisstou über die Anschaffung neuer Bullen in Einver­nehmen zu setzen.

Es werden deshalb hiermit die Ortsvorstände der Gemeinden des Körungsbezirks Amtsgericht Hersfeld zu einer gemeinschaftlichen Sitzung auf

Mittwoch den 25. d. Mts.

Nachmittags 2 Uhr

in die Bolendersche Wirthschaft eingeladen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus Heiterm Himmel.

Von J. Hütten.

_ m . (Fortsetzung.)

Die Besorgungen in Königsberg wurden schnell erledigt; sie kam noch früher zurück, als sie es für möglich gehalten hatte. Felix war noch nicht zu Hause und so spielte sie mit ihrem Töchterchen, seine Rückkehr erwartend. Als aber Stunde um Stunde verging, ohne daß er kam, wurde sie erst ungeduldig, dann auch ein wenig unruhig, und zuletzt machte sie sich auf den Weg, um ihm entgegenzugehen. Sie traf ihn erst, nachdem sie eine ganze Strecke in den Wald hineingewandert war. Sofort bemerkte sie, daß ihm etwas Un­angenehmes begegnet sein müsse und fragte ihn besorgt danach.

»Es war ein böser Tag," sagte er. »Du hast wich gewiß schon lange erwartet, aber ich mußte erst ein wenig herumlaufen, um mich zu beruhigen. Schultze war dort, und heute, ohne seine heuchlerische Maske, zeigte er sich so boshaft und widerwärtig, daß es unerquickliche Auftritte gab."

»Aber um Gotteswillen, Felix, wie war das nur möglich? Du hast ihm doch nichts zu leide gethan, und ich dachte, er hätte sich dir schon feindlich genug bei dem Prozesse gezeigt."

Die nicht erscheinenden Herren würden event, den Bullenhaltern ihrer Gemeinde hierdurch großen Nachtheil zufügen können.

Meisebach, den 18. Februar 1891.

Im Namen der Körungscommisstou: Franz Noll.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 18. Februar. Der Rei chstag setzte in seiner heutigen (69.) Sitzung die zweite Berathung des Arbeiter­schutzgesetzes fort mit §. 105 f, welcher Ausnahmen durch die unteren Verwaltungsbehörden für bestimmte Zeit zuläßt für den Fall, daß in einem einzelnen Betriebe zur Verhütung eines unverhaltnißmatzigen Schadens Sonntagsarbeit noth­wendig wird. Ein Antrag Auer will diese Ausnahmen auf höchstens 14 Tage gestatten. Ein Antrag Dr. Böttcher will für den Fall, daß eine vorherige Einholung der Erlaubniß un­möglich ist, eine nachträgliche Erlaubniß zulassen. Abg. St o lle be­fürwortet den Antrag Auer, welcher einen etwaigen Mißbrauch, den die Unterbehörden mit ihrer Befugniß, darüber zu ent­scheiden, was ein unverhältnißmäßiger Schaden ist, zu Gunsten der Fabrikanten treiben könnte, durch eine zeitlich bestimmte Begrenzung der AuSn- hm?', verhindern wolle. Man müsse verhindern, daß der Sonntag zum Werktag ge­macht werde. Bundescommissar Gehcimrath Dr.Wilhelmi wendet sich gegen den Antrag Auer. Eine große Zahl von unvorhergesehenen dringenden Arbeiten lasse sich gar nicht in 14 Tagen erledigen. Den Antrag Böttcher hält er für un« nöthig und schädlich, da durch ihn ungerechtfertigter Sonn, tagSarbeit Vorschub geleistet werden würde. Abg. Dr. Böttcher hält dagegen seinen Antrag für unentbehrlich. Ein Mißbrauch sei dadurch ausgeschlossen, daß der Arbeitgeber ge­zwungen werde, sich unter allen Umständen selbst zu denun- ciren und er dann unter die Strafbestimmungen fallen würde. Abg. Dr. H a r t m a n n erklärt sich aus denselben Gründen wie Geh. Rath Wilhelmi gegen die Anträge und wendet sich dann in längerer Ausführung gegen die Behauptung, daß die Arbeiter mit den Anträgen Auer einverstanden seien. Die Socialdemokraten forderten so viel, damit nichts erreicht werde, denn je schlechter eS den Arbeitern gehe, desto mehr blühe der Weizen der Socialdemokratie. (Vicepräfident Graf Balle- stre m bittet die Redner aller Parteien, nicht bei jedem Para­graphen eine Generaldebatte zu halten, da sonst eine Verab­schiedung des Gesetzes in absehbarer Zeit unmöglich sei.) Aba. Dr. Hirsch erklärt sich gegen den Antrag Böttcher und für den Antrag Auer. Abg. B e b e l will die Entscheidung, ob

»Ehe ich dir näheres erzähle," unterbrach er sie,komm erst zum Pavillon. Ich bin mittler­weile doch müde geworden."

Der stolze Name galt einem ehemaligen Wald- Hüttchen, das Weißners Vater durch kleine Aus­bauten vor dem Verfall bewahrt und zu einem ganz gemüthlichen Raum umgeschaffen hatte. Sie erreichten es in wenigen Minuten, und da Felix den Schlüssel stets bei sich trug, saßen sie bald ausruhend am Fenster, aus dem der Aus­blick um diese Tageszeit besonders reizend war, da die sinkende Sonne noch die Baumgipfel vor ihnen mit rosiger Gluth überhauchte. Sie hatten hier schon früher manche Stunde in traulichem Gespräche zugebracht, aber heute war ihnen das Herz zu schwer, als daß sie die Schönheit ihrer Umgebung hätten genießen können. Sie saßen eine Weile schweigend, bis ein bittender Blick DoraS Felix an sein Versprechen mahnte und er berichtete:

»Ich hätte nicht gedacht, alS ich heute früh nach Glauken wanderte und mich deS herrlichen Wetters freute, daß der Tag mir noch so viel Aerger bringen sollte. Es ließ sich auch anfangs alles gut an; ich fand ein Unterkommen auf Brauns Wagen, und daß die Jagd nicht sehr ergiebig war, störte mir mein Behagen nicht. Vor der Abfahrt hatte uns Mohrthal einen

ein unverhältnißmäßiger Schaden abzuwenden ist, so wenig wie möglich in das subjective Ermessen der unteren Verwal­tungsbehörden legen, eS würben Concurrenzrücksichten, Rück­sichten auf möglichste Kürzung der Lieferungsfrist u. s. W. unter die Bestimmungen dieses Paragraphen fallen. Des­halb müsse man wenigstens die Ausnahmen auf eine möglichst kurze Zeit beschränken. RegierungScom il;|^t Geh. Rath Wilhelmi tritt nochmals dem Antrag Auer entgegen, Abg. Böttcher vertheidigt seinenAnttag. Abg.Frhr.v. Stumm spricht sich gegen beide Anträge aus. Der §. 105 f wurde darauf unter Ablehnung zweier Abänderungsanträge unver­ändert nach den CommissionSbeschlüssen angenommen. Auch $. 105 g, wonach das Verbot der Beschäftigung von Arbeitern an Sonn- und Festtagen durch kaiserliche Verordnung mit Zustimmung deS BundeSraths auf andere Gewerbe ausgedehnt werden kann, und diese Verordnungen dem Reichstage bei seinem nächsten Zusammentritt zur Kenntnißnahme vorzu- legen sind, veranlaßte längere DiScussion, indem gegen denselben constitutionelle Bedenken geltend gemacht, auch ein thatsächliches Bedürfniß solcher Verordnungen bestritten wurde. Der Paragraph wurde indeß gegen die Mehrzahl der Frei­sinnigen und die Stimmen der Volkspartei unverändert an­genommen. Schließlich wurde noch § 105 h, welcher in seinem ersten Absätze bestimmt, daß die Bestimmungen der 88. 105 a bis 105 g weitergehenden landeSgesetzlichen Be­schränkungen der Arbeit a r Sonn- und Festtagen nicht ent­gegenstehen, unverändert genehuügr, nachdem ein Anttag, wo­nach die weitergehenden landeSgesetzlichen Beschränkungen nur die bestehenden umfassen sollen, abgelehnt war.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 18. Februar. DaS Abgeordnetenhaus setzte in seiner heutigen Sitzung die Berathung der Ein­kommensteuer fort. Der Antrag Brömel, bei den Einkommen auS gewinnbringender Beschäftigung ein viertel deS Steuer­satzes abzuziehen, wurde abgelehnt. Die die VeranlagungS- stelle ic. behandelnden 88- 20 bis 23 wurden ohne Debatte angenommen. Die 88- 2-rTiS 30 (Declaration) werden zu­sammen berathen. Miquel erklärte die Commissionsfassung für besser als die Regierungsvorlage. Wer die Declaration wolle, müsse auch den Zwang wollen. Die 88- 24 bis 29 wurden in CommissionSfassung angenommen, ebenso in nament­licher Abstimmung mit 183 gegen 134 Stimmen der §. 130 und die Weiterberathung sodann auf morgen vertagt.

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Imbiß vorgesetzt, weil wir das Frühstück nicht im Walde, sondern nach unserer Rückkehr ein- nehmen sollten. Als wir uns zu derselben sammelten, kam Schultze au mir vorbei und warf mir einen so boshaften Blick zu, daß ich ganz überrascht war. Du weißt, au äußerer Freundlichkeit läßt er es sonst nicht fehlen. Braun bemerkte dies auch.

»Er schob es auf Rechnung deS Cognacs, den Schultze für höchst zuträglich im Freien halte und darum bei solchen Gelegenheiten reichlich zu genießen pflege. Daß Braun recht habe« müsse, merkte ich bald, denn Schultze war in seiner lautesten, mir unerträglichen Laune, und eS schien ihm Vergnügen zu wachen, sich gerade an mich zu wenden, während wir, da an die dreißig Herren anwesend waren, unS leicht hätten auS dem Wege gehen können. Er schien es. darauf abgesehen zu haben, mich zu reizen, und ze mehr er trank, desto ungezogener wurde er. AlS ich daS nicht mehr ruhig hiunabm, meinte er, wenn ich nur wüßte, was er bei sich hätte, würde ich ganz anders zu ihm sprechen. Er gab keine Erklärung zu diesen Worten und ich war io empört, daß nur die Rücksicht auf unseren Wirth mich verhinderte, wirklich grob zu werden. Mohrthal gab sich umsonst Mühe, Schlultze von mir abzulenken und dankte mir für meine Zurück-