den Vortrag des commandirenden Admirals Freiherrn v. d. Goltz unb daran anschließend den des Staatssecretairs des Reichs-Marineamts, Hollmann, sowie des Chefs des Jngenieurcorps und der Festungen, Generallieutenants Golz, und arbeitete von llj/2 Uhr ob mit dem Chef des Marinecabinets und alsdann auch noch mit dem Chef des Militärcabinets.
Der Entwurf eines Gesetzes, die Einrichtung eines Reichsschuldbuchs betreffend, ist nahezu festgestellt. Derselbe schließt sich im wesentlichen den bezüglichen preuß. Gesetzen an. Den Besitzern von Reichsanleihe wird dadurch die Umwandlung in Buchschulden des Reichs in gleicher Weise ermöglicht, wie diese bei preuß. Staatsschuldverschreibungen stattfindet.
Die Hauptversammlung des Kongresses deutscher Landwirth e beschloß einstimmig eine Resolution, worin Maßregeln zur Abwehr der socialdemokratischen Agitation unter der Landbevölkerung empfohlen werden. Der anwesende Minister Heyden erklärte, über ihre Wünsche habe die Versammlung keinen Zweifel gelaffen und daß denselben Werth beigelegt werde, habe er bereits an anderen Orten ausgesprochen.
Das Reichs-Versicherungsamt hat dem Reichskanzler den alljährlich abzustattenden Geschäftsbericht für das Jahr 1890 erstattet. Nach demselben haben die dem Reichs-Versiche- rungsamte im Berichtsjahre vorgelegten Recurse und Beschwerden die Zahl von 13418 erreicht. Davon wurden 9877 erledigt, 3541 blieben unerledigt.
Nach Chile wird auf Beschluß des Berliner Auswärtigen Amtes auch ein deutsches Kriegsschiff abgesandt werden.
. Dem Reichstage ist der Geschäftsbericht des Reichsversicherungsamtes für das Jahr 1890, sowie das internationale Abkommen zwischen dem Deutschen Reich, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Oesterreich-Ungarn, zugleich für Lichtenstein, Rußland und der Schweiz, betreffend den Eisenbahn-Frachtver- kehr, zugegaugen.
Die S t euereommissioö des Abge- orduetenhauses lehnte die Novelle zum Erbschaftssteuergesetz in ihren hauptsächlichsten Bestimmungen ab.
Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Herr V. K ö l l e r, geboren 1823, feierte am Dienstag seinen Geburtstag. Die Mitglieder des Hauses hatten ihm einen prächtigen Blumenstrauß verehrt, welcher während der Sitzung das Präsidialpult schmückte.
Gegen deutsche Eisenbahnverwaltungen sind beim ReichS-Eisenbahnamt im Jahre 1890 im Ganzen 107 Beschwerden aus dem Publikum eingelaufen. Davon beziehen sich 31 aus den Personenverkehr, 50 auf den Güterverkehr und 26 auf andere Gegenstände. Das Reichs-Eisenbahnamt hat von diesen Beschwerden für begründet erachtet 18, als nicht begründet abgelehut 32, auf den Rechtsweg verwiesen 4. In 7 Fällen war die Zuständigkeit des Reichs nicht begründet, in 2 Fällen sind die angeordneten Erhebungen noch nicht abgeschloffen. Die übrigen
Herrn von Mohrthal zum nächsten Tage zur Jagd eingeladen sei.
„Ich möchte ihm keinen abschlägigen Bescheid geben,* fügte er hinzu, aber du, Dora, könntest unterdessen nach Königsberg fahren, unsere Besorgungen haben dort wirklich schon Eile.*
„Ja,* erwiderte sie, „das wäre wohl gut, aber du lässest mich nach der Stadt doch nur mit unserem alten Lehmann fahren und magst selbst nicht gern einen anderen Kutscher annehmen.*
Felix stutzte, sagte jedoch sofort: „Wenn es weiter kein Hinderniß gibt, so kannst du ruhig sein, denn mir macht es Vergnügen, die halbe Meile nach Glauken zu gehen, und dort steige ich zu einem der anderen Herren auf den Jagdwagen. Also eS bleibt dabei Dora.*
Sie redete ihm nicht ab — hatte ihr Vater doch oft gesagt, daß viel Bewegung im Freien das beste Heilmittel für Felix sei, — sondern erklärte sich bereit, in KönigSverg alles gut zu besorgen.
„Fahre nur recht früh,* mahnte er noch, „damit ich dich bei meiner Rückkehr schon zu Hause finde. Ich komme nicht spät heim, die der Jagd folgenden Gelage sind mir zuwider, da drücke ich mich, sobald ich kann.*
„Ich werde bald nach deinem Fortgehen aus- obren unb in der Zeit, welche die Pferde zu ihrer Ruhe bedürfen, kann ich ganz gut meine Besorgungen erledigen. Es ist mir gar nicht recht, Helene für den größten Theil deS Tages
44 Beschwerden wurden zur Erledigung au die zunächst zuständigen Eisenbahnverwaltungen abgegeben. Betroffen von Beschwerden sind überhaupt 24 Eisenbahnverwaltungen.
(Amerika.) In dem am 14. d. im Alter von 71 Jahren verstorbenen General William T. S h e r m a n verlieren die Ver. Staaten ihren bedeutendsten Heerführer. Im Kriege des Nordens gegen die Südstaaten hat er sich ruhmreich hervorgethan; er war kühn in seinen Entwürfen, umsichtig in der Ausführung derselben und rücksichtslos gegenüber allen persönlichen Interessen. Dabei war er bei den Soldaten sehr beliebt. — Am gleichen Tage wie Sherman starb der Oberbefehlshaber der amerikanischen Flotte, Admiral David Dickson Porter, 78 Jahre alt; derselbe hat sich im Bürgerkriege ebenfalls einen Namen gemacht. — Privatmeldungen aus Chile besagen, die F l o tte der A u f st än d i - scheu bätte Chanaral de la Animas und Taltal angegriffen; die der Regierung treu gebliebenen Truppen seien nach kurzem Widerstand aus ihren Stellungen vertrieben worden. Die Aufständischen hielten die Ortschaften besetzt.
N«S Provi«- und Rachdargevist.
HerSfeld, 18. Februar 1891.
* In Sachen des Koch'fchen Heilverfahrens bringt die neueste Nummer der „Berl. Klin. Wochenschr.* verschiedene wichtige Mittheilungen. Nach den Beobachtungen von Koenigshoefer in Stuttgart kommen skrophulöse Augenleiden schneller als sonst unter der Einwirkung des Koch'schen Mittels zur Besserung. Diese Wahrnehmung zu bestätigen, ist Prof. Dr. Uhthoff in Marburg in der Lage. „Wenn ich*, sagt er, „den unmittelbaren persönlichen Eindruck hier anführen darf, so ist derselbe ein im Ganzen günstiger; die Affect'onen sind fast immer schnell geheilt, und selbst in den Fällen, wo Anfangs lokalentzündliche Reactionserscheinungevauftratev, ist der Heilungsproz^ß später ein guter und kurzer gewesen. Namentlich aalt dies von einem Patienten, der schon früher wiederholt wegen langdauernder Reetdive seiner Augenentzündung in die Klinik ausgenommen gewesen war und der dieses Mal nach relativ kurzer Zeit wieder her- gestellt wurde.* Auch bei tuberkulösen Leiden im engeren Sinne, wie bei Tuberkulose der Augenbindehaut, kann über die Heilwirkung deS Koch- schen Mittels nach Dr. Uhthoff sitzt kein Zweifel mehr sein. Sehr beachtenswerth sind die Mittheilungen von Dr. Stricker über die Ergebnisse, welche er bei der Behandlung lungenkranker Soldaten mit dem Koch'schen Mittel erzielt hat. Bei sechs seiner Patienten hat er alle Erscheinungen der Lungentuberkulose verschwinden sehen. Die Heilung ist sechs Wocheu lang genau beobachtet worden und stets festzustellen gewesen. Tuberkelbacillen sind im Auswurf auch mit den sichersten Methoden, wie Anlegung von Culturen, nicht mehr nachweisbar gewesen. Dr. Stricker erwartet mit Sicherheit, daß die Heilung der Kranken von Dauer sein, und wenn nicht eine neue Ansteckung stattfindet, bei ihnen nicht mehr etwa durch Selbstiufection bedingte Tuberkulose auftreten wird.
zu verlassen.*
Als sie am Abend beisammen saßen, kam die Rede auf Herrn von Scheppwitz. Dora fragte ihren Mann, ob er nicht wisse, warum derselbe in letzterer Zeit weit seltener käme und so zerstreut und aufgeregt sei.
Fel'x war ernst geworden. „Also das ist dir auch schon aufgefallen? Ich fürchte, es hat seinen guten Grund; ich hörte neulich erzählen, daß er seit kurzem viel in Königsberg sei und dort vorzugsweise mit einigen ziemlich unsoliden Officieren verkehre.*
„Könntest du ihn nicht warnen und ihm zureden, uns wieder zu besuchen?*
„Ich habe eigentlich keine Veranlassung dazu, da wir Scheppw'tz stets gezeigt haben, wie willkommen er uns ist, will es aber doch thun, wenn ich ihn morgen in Glauken treffe.*
„Ich kann eigentlich nicht behaupten, daß mir seine Natur besonders zusagt; er ist launisch, eitel und blasirt, aber oft bricht so viel Gemüth durch sein gleichgültiges Wesen, daß ich ihm nicht ernstlich böse sein kann. Es wäre ein rechter Segen für ihn, wenn er eine brave Frau fände.*
„Hast du schon eine für ihn ausgesucht?* fragte Felix neckend.
„Nein, lache nicht,* bat Dora. Ich habe oft gedacht, er interesstre sich für Anncheu. Wenn ich bedenke, wie geringschätzig er früher von ihr sprach und wie zuvorkommend er sie jetzt behandelt.*
* Die Generalversammlung des Vereins der Spiritusfabrikanten in Deutschland und des Vereins der Stärkeinteressenten in Deutschland findet in Berlin am 20. und 21. Februar statt.
* Eine für Krankenkassen wichtige Entscheidung wurde von der Strafkammer in Düsseldorf gefällt. Eine Ehefrau aus Cre- feld war vom Schöffengericht in Crefeld mit 20 Mark bestraft worden, weil sie die Krankenkasse um das Krankengeld betrogen haben sollte. Obgleich der Arzt sie für arbeitsunfähig erklärt und ihr das Arbeiten verboten hatte, ließ sie sich für die Zeit, wo sie dennoch gearbeitet hatte, daS Krar kengeld auszahlen. Der Amtsanwalt zu Crefeld legte im Interesse der Frau Berufung ein, da nach seiner Ansicht kein Betrug vorliege. Die Strafkammer stellte sich auf Seite des AmtS- anwalts, indem auch diese urtheilte, es liege kein Betrug vor. Das Gesetz verbiete dem Kranken nirgends die Arbeit und der Kranke habe nicht die Pflicht, der Kasse mitzutheilen, er habe gearbeitet. Anders liege die Sache, wenn der Gesunde, welcher arbeitet, vorspiegelt, er sei krank gewesen und erschwindelt sich das Krankengeld.
* DieErfüllung einer Grundschuld (Zahlung derselben gegen Session oder Quittung) hat nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Civilsenats, vom 6. November 1890, im Gebiet des Preuß. Rechts Mangels besonderer Bestimmung an demjenigen Orte zu erfolgen, wo das Grundbuch des verpfändeten Grundstücks geführt wird.
* Eine für Hausfrauen wichtige Rechtsfrage ist kürzlich vor dem Amtsgericht I in Berlin entschieden worden. Die Köchin eines Kaufmanns F. hatte ihren Dienstherr» auf Herauszahlung des innebehaltenen Theiles ihres Quartalslohns verklagt. F. machte geltend, daß das Mädchen ihm beim Abwaschen kostbaren Porzellans mehrere Stücke zerschlagen habe, deren Werth die Höhe der innebehaltenen Summe bei Weitem überträfe; seine Frau habe dem Mädchen wiederholt Vorstellungen über das nachlässige Hantiren mit Geschirr, Porzellan u. s. w. gemacht, bis er schließlich, da dies nicht gefruchtet, dem Dienstmädchen Ab« zöge am Lohn gemacht habe. Dagegen wandle das Mädchen ein, daß derartige Gehaltsabzüge „beim Miethen* nicht ausgemacht seien und sie das Geschirr nicht böswillig, sondern bet der ihr aufgetragenen Arbeit zerbrochen habe. Der i Richter erkannte denn auch auf Herauszahlung des abgezogenen Lohnes, weil es in der That einer diesbezüglichen Abmachung beim Miethe« bedurft hätte.
* Die Bestimmung in Lebens verficht- rungs - Verträgen, daß bet Aufkündigung des Versicherungsvertrages Seitens deS Versicherten die Gesellschaft diesem „die aus den bisher gezahlten ordentlichen ganzen Jahres- prämten angesammelte Reserve abzüglich 3*/* Proc.der versicherten Summe* baar zurückgewährt, findet, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Civilsenats, vom 12. November 1890, in dem Falle, in welchem von dem Versicherungsnehmer wegen erhöhten Risikos (mangelhafter Gesundheit rc.) eine erhöhteJahresprämtezu zahlen ist, regelmäßig in der Weise Anwendung,
„Ich hoffe, du irrst dich,* fiel ihr Felix inS Wort, „denn so sehr ich auch Scheppwitz alles Gute wünsche — deine Freundin ist für ihn zu schade. Er würde nie ihre tüchtige Natur zu schätzen verstehen und hat auch zu lange ungebunden gelebt, um nicht immer die Ehe als Fessel zu betrachten.*
„Aus Anna werde ich erst recht nicht klug,* meinte Dora bekümmert. „Während ich früher glaubte, es walte eine Neigung zwischen ihr und Radowsky, will es mir jetzt oft scheinen, alS sei sie gegen Scheppwitz' Aufmerksamkeiten gar nicht unempfindlich.*
„So sei froh, daß wir nicht Vorsehung zu spielen haben,* tröstete Felix.
Am folgenden Tage war herrliches Wetter. Beide Gatten freuten sich dessen, als sie am frühen Morgen in das Freie traten — Felix, um seine Wanderung zu beginnen, und Dora, um dem Kutscher Befehl zu baldigem Anspanne« zu geben. Dann kehrte sie in das Haus zurück, wo Lenchen, schon erwacht, ihr jauchzend die Aermchen entgegenstreckte. So schwer es ihr wurde, sich von dem Kinde loszureißen, fuhr sie doch, um ihres Mannes Wunsch zu erfüllen, eine halbe Stunde später ab. (Forts, f.)
— Lugano, 14. Februar. In Brusino» Arsizio am Luganer See sind heute Morgen drei w Häuser in den See gesunken; weitere Nachstürze & werden befürchtet.