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Hersstliiel Kreisbiiltt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Nnterhaltungsölatt".__________

Nr. 16. Tonnerstag den 5. Februar 1891.

Bestellungen auf das Hrrvfrlder Kreisblatt mit der wöchentliche« «ratts Beilage ^Jllustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

* Der 4. Februar.

Ein Jahr ist verflossen seit dem denkwürdigen Tage, von welchem die beiden ersten großen social» politischen Kundgebungen unseres Kaisers dattren. »Ich bin entschlossen- so beginnt der eine an den Reichskanzler gerichtete Erlaß »zur Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter die Hand zu bieten.- Es wird darin die Einbe­rufung einer internationalen Couferenz zur Prüfung der den Arbeiterschutz betreffenden Fragen angeregt. Der andere, au den Minister der öffentlichen Arbeiten und für Handel und Gewerbe gerichtete Erlaß fordert eine Prüfung der bestehenden Vorschriften der Gewerbeordnung über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter für Preußen und Deutschland und die Durchführung größeren Schutzes ihrer Interessen durch gesetz­liche und organische Einrichtungen.

Mau wird sich des gewaltigen Eindrucks dieser Kundgebungen noch erinnern. Sie stellten Staat und Gesellschaft vor neue Aufgaben, welche bis dahin mehr oder weniger nur der Gegenstand öffentlicher Dtscusston und Agitation gewesen. Indem die Autorität des Kaisers den Arbeiter­schutz zu einem Programm ebenso für die innere Verwaltung und Gesetzgebung, wie für die inter­nationale Verständigung machte, prägte sie

(Unbefugter Nachdruck verboten.) | etwas. Können Sie sich jetzt noch wundern, daß [ ich Sie ebenso erstaunt nach der Ursache dieses Mißverhältnisses fragte? Sie müssen nämlich wissen, gnädige Frau,- wandte er sich dtreet an Dora, »daß ich Wehrkttten vor acht Jahren kaufte. Ich bezahlte es theuer genug und nahm die Grenzen, wie ich sie fand, ohne viel Karte und Grundbuch zu studiren. Kürzlich kam ich aber doch auf den Einfall und da erwies es sich, daß ein großes Stück von dem Walde, das Weißner als sein Eigenthum betrachtet, noch zu meinem Grund und Boden gehört und nun wundert sich Ihr Gatte, daß ich mir Aufklärung

Aus heiterm Himmel

Von J. H utten.

Ä h (Fortsetzung.)

$et Angeredete zog ein zusammengefaltetes Blatt aus der Tasche, das Felix auf dem Tisch ausbreitete.Steh, Dora, der Plan von unserem Kreise. Dies ist die Stelle, an der wir von der Stadt kommend auf die Landkeimer Chaussee ab» biegen. Hier links liegt Gajellen, das anfangs nur durch die Straße von unserem Emilienhof hier rechts getrennt wird. Hier folgt dann noch der Waldkrug und da weiter liegt Glauken. Kannst du dir ein Bild davon machen?"

Dora, die jeder seiner Weisungen gefolgt war, nickte mit dem Kopfe.

w^un, so achte noch darauf, daß hier, wo die Grenze zwischen Wehrkttten und Emilienhof nicht mehr durch die Chaussee gebildet wird, sie mitten durch den Wald führt. Herr Schultze inter- pellirt mich nun eben, wie es komme, daß, während auf der Karte unsere Antheile an der Forst fast gleich groß sind, thatsächlich mir ein viel umfangreicheres Stück davon gehört.-

»Jst das denn wirklich der Fall?" fragte Dora erstaunt.

.«Bravo-, rief Schultze mit lautem Lachen, »dies Wort Ihrer Frau Gemahlin, Weißner, rechtfertigt mein Vorgehen bester, als irgend

I unserer Zeit eine neue, den inneren Bedürfnissen I entsprechende Richtung auf. Es war ein euro­päisches Ereigniß, und alle Welt erkannte sofort die hohe Bedeutung der ihr gestellten Aufgabe an. Freilich gab es einzelne Kreise, welche ihre Zweifel an der Möglichkeit und Durchführbarkeit der Aufgabe laut werden ließen; aber auch sie konnten sich dem Eindruck nicht entziehen, welches das socialpolitische Manifest überall machte.

Der erste Theil des Programms erhielt als­bald durch die Berufung einer internationalen Arbeiterschutzeonferenz nach Berlin, der ersten, welche überhaupt je stattgefunden, eine werthvolle Förderung. Die Staaten einigten sich über ge­meinsame Grundsätze, welche die Interessen der Industrie und der Arbeiter in gleicher Weise be­rücksichtigen. Seitdem hat der Arbeiterschutz in allen Staaten den Gegenstand eifriger Fürsorge gebildet, und kein Staat entzieht sich mehr der Aufgabe, an seinem Theil auf dem Gebiete der Verwaltung und Gesetzgebung den Arbeiterschutz zur Durchführung zu b^mheu. In Frankreich, in Italien, in Belgien, in Spanten, in Däne­mark und Schweden bilden die damit in Verbin­dung stehenden Fragen einen Hauptgegenstand des öffentlichen Interesses.

Was den zweiten Theil des Programms, der sich auf die Gestaltung der Arbeiterverhältnisse im Innern bezieht, anbetrifft, so stehen wir jetzt, abgesehen davon, daß in privaten wie in Staats­betrieben inzwischen schon viel zur Förderung des Arbetterschutzes geschehen, unmittelbar vor dem ersten großen gesetzgeberischen Schritt, welcher als die unmittelbare Ausführung des Programms für Deutschland zu betrachten ist. Die Novelle zur Gewerbeordnung, das sogen. Arbetterschutz­gesetz, welches im Mai vorigen Jahres dem Reichstag vorgelegt worden, ist durch die Be­rathungen der Commission jetzt so weit gefördert I worden, daß die zweite Lesung im Plenum be­

erbitte.*

Während Dora rathlos zu ihrem Manne auf« blickte, sagte dieser zu Schultze: »Ich hätte Ihnen Unrecht gethan, wenn Sie wirklich von der Sache nichts wüßten, wie es bei meiner Frau der Fall ist, aber Ihnen, als einen umsichtigen Geschäfts­mann mußte ich doch zutrauen, daß Sie sich mit den Grenzen Ihres Gutes vollständig bekannt gemacht hätten, ehe sie es kauften. Außerdem widerspricht Ihrer Behauptung das Ehrenwort Sptndlers, Ihres Vorgängers auf Wehrkttten, das derselbe meinem Vater gegeben hat.-

»Ich verstehe noch nichts davon,- sagte Schepp- witz, sich über DoraS Stuhl beugend.

»Wie also hängt nun die Sache zusammen?* rief Braun, ein hübscher Mann, nur wenig älter als Weißner, ungeduldig.

ginnen kann. Dieser Arbeit wegen war der Reichstag im Juni vertagt worden. Im Novem­ber konnte in Folge dessen die Commission ihre Berathungen wieder aufnehmen und so au ihre im Juni begonnenen Berathungen wieder an« knüpfen. Sie hat einen umfangreichen Bericht über ihre Thätigkeit erstattet, welcher nunmehr die Grundlage für die Plenarberathungen bilden wird.

Es läßt sich heute noch nicht sagen, in wie wett das Ergebniß der Commissionsberathungen für die verbündeten Regierungen annehmbar, in wie weit es abänderungsbedürftig sein wird. Jedenfalls hat die Commission sich bemüht, in einem dem Kaiserlichen Programme entsprechenden arbeiterfreundlichen Sinne thätig zu fein; ob und in wie weit auch den allgemeinen Interessen dabei volle Rechnung getragen worden, wolle» wir hier im Einzelnen nicht untersuchen. Aber wir dürfen uns der Ueberzeugung hingeben, daß der Reichstag Einsicht genug haben werde, um den putschen BedüriUrffen nach Selben Rich­tungen hin gerecht zu werden. In den Kund­gebungen des Kaisers vom 4. Februar vorigen Jahres ist wie dem Schutze der Arbeiter so auch dem Interesse der Industrie, deren Coucurrenz- fähigkeit erhalten werden müsse, das Wort ge­sprochen, weil dadurch erst die Existenz der Arbeiter gesichert werde. Aber eine schließliche glückliche Regelung dieser Fragen wird zu er- reichen sein, wenn sich Alle von dem Geiste durchdrungen fühlen, welche in den beiden großen Kaiserlichen Kundgebungen enthalten ist. Die Nation erwartet von ihrer Vertretung, daß sie sich der Lösung dieser Aufgabe gewachsen zeige, und es ist kein Grund vorhanden, an dem glück­lichen Gelingen zu zweifeln.

»Ja, erzähle Felix,- stimmte ihm Mohrthal bei, »denn wenn ich auch der Geschtchte nicht ganz fremd gegenüberstehe, möchte ich sie doch aus deinem Munde im Zusammenhang hören.-

DoraS Augen unterstützten die Bitte und Weißner begann:

»Ich kann Ihnen jede Aufklärung geben, denn obgleich mein Vater den betreffenden Kauf machte, bin ich doch in alle dabei obwaltenden Umstände eingeweiht, da er sie mir noch kurz vor seinem Tode auseinandersetzte. Er war über daS Ge­schehene vollständig beruhigt, da er Spindler alS Ehrenmann kannte. Der Vorgang war folgen­der: Spindler war oft in Geldverlegenheit und bot daher meinem Vater jenes Stück Wald, von dem wir sprechen, zum Kauf an mit der Bitte, falls er wieder einmal bei Kaste sei, denselben rückgängig machen zu dürfen, und mein Vater, dem der Mann leid that, ging darauf ein, ob­gleich er eS lieber gesehen hätte, die Bedingung wäre nicht gestellt worden. So aber kamen die beiden Herren überein, um unnöthige Rosten zu vermeiden, den Kauf nicht gerichtlich zu machen und also nichts ins Grundbuch eimrageu zu lassen. Als Jahr um Jahr verging, ohne daß Spindler in eine bessere Lage kam, drang mein Vater ernstlich auf Nachholung dieser Versäumnitz, aber der Nachbar bat immer von neuem um Auf­schub, da er das Stück Wald gar zu gern wieder eingelöst hätte. Er verpflichtete sich, bei einem