nachtsbescheerung fand in gewohnter Weise am Sonntag vor Weihnachten in der von Herrn Hanptlehrer Bachmann bereitwilligst zur Verfügung gestellten städtischen Turnhalle statt. Herr Pfarrer S ch a u b hielt den liturgischen Theil der Feier ab, Herr Lehrer H e i n e m a n n hatte einige mehrstimmige Weih- nachtSlieder trefflich eingeübt. Bescheert wurde 19 Knaben und 16 Mädchen. Die Kinder mit guten resp, recht guten Zeugnissen besamen noch eine besondere Gabe. Erfreulicher Weise brauchte kein Kind wegen ungenügenden Zeugnisses zu- rückgewiesen zu werden. Die Näh- und Flickschule konnte in gewohnter Weise in dem gütigst von der städtischen Behörde zur Verfügung gestellten oberen Rathhaussaal links abgehalten werden, erlitt nur im Lauf des Sommers in Folge der vorgenommenen Reparaturarbeiten eine längere Unterbrechung. ES wäre zu wünschen, daß von dieser für die confirmirten Mädchen veranstalteten wohlthätigen und heilsamen Einrichtung mehr Gebrauch gemacht würde, da dieselben dort unentgeltlich Anleitung in den für den Hausgebrauch nöthigen weiblichen Handarbeiten empfangen. — Arme Familien wurden, namentlich durch Verabreichung von Kohlen unterstützt. Die Scction für Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger hatte glücklicher Weise nur auf dem Felde der Vorbereitungen ihre Thätigkeit zu entfalten. AuS der Rechnung heben wir hervor 106,90 Mk. an HülfSbedürftige in Geld und Naturalunter- stützungen, zur WeihnachtSbefcheerung 287,82 Mk., für arme verhcirathctc Wöchnerinnen 127,14 Mk. Die Summe der Ausgaben beträgt 799 Mk., der Einnahme 812,79 Mk. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt, nur wurde statt der auf eine Wiederwahl verzichtenden Frau Oberförster Klein Frau Braun geb. Auel gewählt. Der Hauptverein zu Gaffel hat zur Hauptversammlung am 5. Februar Vormittags 11 Uhr im VereinSsaal dortselbst eingeladen.
< Hersfeld, 2. Febr. (Mittheilung aus dem Geschäftsbericht der Molkerei-Genossenschaft Hersfeld eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht.) Es wurden im Jahre 1890 eingeliefert 1916403 Liter Milch, ohne Verarbeitung wurden verkauft 117545 Liter Milch, verarbeitet wurden 1788858 Liter Milch, aus diesen wurden gewonnen 143093 Pfd. Butter wovon 126773 Pfd. nach auswärts versendet wurden. Die Gesammteinnahme aus Molkerei- producten betrug 220 668 Mk. 72 Pfg., die Ausgabe für Milch betrug 196441 Mk. 72 Pfg. Die Geschäftsunkosten betragen pro Liter eivge- lteferter Milch incl. Zinsen und Abschreibungen Via Pfg. Der Genossenschaft gehörten am 31. Dezember 1890 246 Mitglieder an.
* Hersfetv, 2. Februar. Wie unsere Leser schon wahrgenommen haben werden, ist mit dem 1. d. M. in Betreff des Nachtwächter- diensteS in hiesiger Stadt eine Aenderung eingetreten, die überaus zweckmäßig erscheint. Das Pfeifen und Abrufen der Uhren von Seiten der Nachtwächter ist in Wegfall gekommen. Dagegen sind zu den vier vorhandenen Nachtwächtern noch zwei neue Hinzugekommen, so daß jetzt 6 Nachtwächter vorhanden sind, von denen drei den Dienst Vormitternachts und drei Nachmitter- nachts versehen. Diese Nachtwächter sind mit Controluhren ausgerüstet und müssen auf jedem Patrouillengang diese Uhren mittelst eines Schlüssels aufziehen, den sie aus jedem der in ihrem Bezirke zahlreich angebrachten schwär- zen Controlkastev entnehmen. Bei jedesmaligem Aufziehen der Uhr wird ein in derselben angebrachtes Band durchlöchert. Hat beispielsweise ein Nachtwächter in seinem Bezirke 10 Controlkasten, so muß er in jeder Stunde die Uhr zehnmal aufziehen und dieselbe zeigt dann beim Oeffnen mit Genauigkeit an, zu welcher Zeit der Nachtwächter die einzelnen Controlkasten seines Bezirks passirt hat. Zur Controlirung der Nachtwächter sind ferner 2 Oberwächter angenommen, dieVormitternacht undNachmttternachtabwechseln, sich ständig im Wachtlocal aufhalten und das Ankommen und Abgehen der Nachtwächter überwachen. Ebenso muß zu jeder Nachtstunde ein Polizetofficiant im Wachtlocal anwesend sein. Die für die Bürgerschaft so überaus lästige Einrichtung des Nachtwachedienstes in der Reihenfolge, ist dagegen in Wegfall gekommen und wird man daher von jetzt ab den sogenannten „Schaar- wächtern", die in nächtlicher Stunde mit langen Lanzen und weiten Mänteln die Straßen der Stadt durchzogen, nicht mehr begegnen.
O Hersfeld, 2. Februar. Am heutigen Viehmarkt waren aufgetrieben: 256 Stück Rinder und 346 Stück Schweine. Das Wetter war günstig, der Handel sehr lebhaft. Die Preise waren recht hoch, namentlich bet den Schweinen, von denen das Paar Ferkel mit 24 bis 28 Mark bezahlt wurde.
* Hersfeld, 2. Februar. Zum Abraupen der O b st b ä u m e und W e i tz d o r n h e ck e n ist jetzt eine sehr geeignete Zeit. Insbesondere schäo- liche Jusecten sind der Goldafter und der Schwamm- spinuer, welche auf Obstbäumen und Weißdorn- Hecken sich vorfinden. Der Goldafter ist abzulesen und zu verbrennen; der Schwammspinner ist von den Bäumen mittelst eines Messer abzukratzen.
* Wte uns von der Direction des Nord
deutschen Lloyd mitgetheilt wird, erhalten die Passagiere des Zwischendecks auf den nach New-Iork und Baltimore gehenden Dampfern der Gesellschaft vom 1. März d. I. ab Eßgeschirr unentgeltlich geliehen. Dasselbe besteht aus einem emaillirten Geschirr zum Empfange der Speisen und einer Schüffel nebst Löffel und Gabel. Außerdem liefert die Gesellschaft unentgeltlich auf jedes ganze Billet eine wollene Decke, die beim Verlassen des Schiffes mitgenommen werden kann.
Schentlengsfeld, 29. Jan. Heller Feuerschein in südlicher Richtung ließ gestern Abend gegen 8 Uhr einen großen Brand vermuthen. Dem Vernehmen nach ist in Oberweisenborn, Kreis Hün- feld, eine neue Scheuer abgebrannt. Dieselbe war an Stelle einer vor einigen Jahren abgebrannten wieder aufgebaut worden.
+ Gittersdorf, 2. Februar. Gestern Nachmittag fand die 7 Jahre alte Tochter des Fabrikarbeiters Conrao Schmidt von hier in der Geis durch Ertrinken ihren Tod.
Klein-Steinheim, 30. Januar. In dieser Nacht endete der Hirt Schmidt unserer Gemeinde in Folge eines vorgestern erlittenen Ua- falls. Der Zuchtbulle war von ihm herausgeführt worden und ließ sich scheinbar willig wieder an die Kette legen. Eben war dies geschehen, als das tückische Thier seinen Wärter faßte und ihm durch wiederholtes Stoßen beide Nippen- seiten eindrückte. Der Bedauernswerthe wurde von herbeigeeilten Knechten aus seiner schrecklichen Lage befreit, weitere innere Verletzungen führten indessen, wie erwähnt, in vergangener Nacht den Tod herbei. Der Verunglückte hinterläßt Frau und drei Kinder, von denen das jüngste fünf Jahre alt ist.
Caffel, 31. Januar. In vergangener Nacht 1 Uhr wurde aus dem Uebergang zwischen der Station Görsbach und Heringen der Halle- Casseler Strecke ein Handwerksbursche von einem Güterzug überfahren und vollständig zermalmt.
Nieste, 31. Januar. Am 28. d. Mts. Abends brach in den Stallungen des Wirths K. hier Feuer aus. Trotzdem die Feuerwehr schnell zur Stelle war, brannten doch die Nevengebäulichketten nieder; das Wohnhaus blieb glücklicherweise verschont.
Waylershattsen, 31. Januar. Der 12jährige Sohn eines hlesigen Metzgers wurde gestern aus dem Boden erhängt aufgefunden, nachdem man anderthalb Tage vergeblich nach ihm gesucht hatte. Furcht vor Bestrafung soll der Beweggrund dieser unseligen That gewesen sein.
Marburg, 29. Januar. In dem in der Gemarkung Wehrda belegenen Seyfarthschen Steinbruch erfolgte gestern eine vorzeitige Spreog- pulverexplosion, wodurch ein Maurerpolier sowie ein Lehrling so erheblich verletzt wurden, daß ihre Aufnahme tu die hiesige chirurgische Klinik erfolgen mußte.
Frankfurt a. M„ 29. Januar. Es sind hier Fälschungen von Zehnpfennig- Marken entdeckt worden. Sie sind so vorzüglich hergestellt, daß selbst bet genauester Vergleichung mit echten Marken der Unterschied kaum auffällt. Dieser besteht fast allem tu der Zähnung, die bet den unechten Marken um einen Gedanken enger beisammen ist. Die Post nimmt fortwährend die genaueste Untersuchung der zur Aufgabe gelangenden Briefe vor, mtt unechten Marken frankirte Briefe werden nicht befördert, sondern behufs Ermittelung des Absenders geöffnet und die weiteren Schritte etugeleitet. Die Bescklagnahmuugen sind bereits sehr beträchtlich. Die Falsifikate sind bereits länger in Umlauf und scheinen tn weiten Kreisen verbreitet. Die Recherchen der Postbehörden waren schon lange eingeleitet und führten endlich nach Frankfurt, Höchst am Main und Montabaur. In Höchst wurden bereits zwei Lithographen, Gebrüder Bauer, verhaftet. An einer Perforir- Maschine, welche bei den Verhafteten beschlagnahmt wurde und mit welcher offenbar die Falsifikate gezähnt wurden, soll ein Zahn fehlen, ein wichtiges Erkennungszeichen, da dann an dem ganzen Markenbogen an der Stelle die Durch- lochung fehlen müßte.
Frankfurt a. M„ 30. Januar. Die Civil- kammer des hiesigen Landgerichts verhandelte heute die Entschädigungsklage des Bankhauses Gattoni in Rom gegen die ^Frankfurter Zeitung- wegen der von derselben gebrachten falschen Nachricht von der Zahlungseinstellung des klägertschen Bankhauses. Die Verkündigung deS Urtheils wurde auf den 13. Februar vertagt.
Frankfurt a. M., 30. Januar. Der 16jährige Kellner Joseph Müller, welcher mit einer Sängerin einer kleinen Singsptelgesellschast
i ein Verhältniß unterhielt, theilte derselben gestern brieflich mit, er werde sich das Leben nehmen, und führte Nachmittags den Entschluß aus, indem er einen Sprung am eisernen Steg hier in den Main that. Er schien jedoch im Wasser Reue zu bekommen und kämpfte einen furchtbaren Kampf in den eiskalten Flutheu. Er tauchte unter, kam wieder hoch und verschwand dann unter erschütternden Hilferufen, ohne daß man ihm Hilfe bringen konnte.
Vermischtes.
— C ö l u, 30. Januar. Es ist Regenwetter eingetreten. Das Waal-Eis ist in der vergangene» Nacht losgegaogen, dagegen lauten die Berichte über die Lage an der Mündung des Main nicht befriedigend.
— Holzmiude», 30 Januar. Hier ist die Weser wieder frei von Eis und tu ihre Ufer zurückgetreten. Der Fährbetrieb über den Strom konnte wieder ausgenommen werden, auch der Fahrpostverkehr ist wieder regelmäßig.
— D a u z i g, 30. Januar. Mittwoch Nachmittag entgleisten, der „Danz. Z,- zufolge, auf der Labiauer Bahn zwischen Kuggen und Nautzken auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise zwei Maschinell und zwei Wagen, wobei das Lokomotivpersonal zum Theil erheblich verletzt wurde. Die Reisenden blieben unbeschädigt. Wie es heißt, soll der Hetzer seinen Verletzungen bereits erlegen sein.
— Jnsterburg. Im hiesigen Zuchthause starb dieser Tage der Kaufmann Robert aus Königsberg an Entkrästung. Robert hat ein Vermögen von 600 000 Mark hinterlassen, welches seinen beiden Schwestern, einer armen Erzieherin und der Gattin eines Kaufmanns in Angerburg zufällt. Auf die Frage eines Austaltsbeamten, wem er sein großes Vermögen vermachen würde, erklärte Robert wenige Tage vor seinem Tode: „ber Stadt Königsberg,- es ist indessen zu einem Testament nicht gekommen. Robert hat in der Jnsterburgev Anstalt meistens als Schuhmacher gearbeitet. Zum Mai dieses Jahres sah er seiner Entlaffung entgegen.
— C a t a n i a. Im hiesigen Dome wurde in einer der letzten Nächte der Sarg der heiligen Agathe gesprengt und der ganze kostbare Schmuck entwendet. Das Volk befindet sich in großer Aufregung. Es sind bereits von der Polizei mehrere Personen, welche des DiebstahlS verdächtig sind, verhaftet worden.
— Athen. Im Bezirk Athamana bei Trtkala ging am 29. Januar eine Lawine nieder, wobei gegen 80 Häuser verschüttet, etwa 25 Personen getö dtet uud zahlreiche Andere verletzt wurden.
— Rom. Dem Wiener „Tgbl.- wird vo» hier gemeldet: Die Propaganda sendet am 4. Februar zwanzig Missionaire nach dem Feuerlande, welche dort zugleich auch nach I o h a » u O rth forschen sollen.
— N e w - N o r k, 29. Januar. Der Secretär des Schatzes, William Window, ist heute Abend bei einem von dem New - Aorker Handelsgericht veranstalteten Banket plötzlich gestorben. Derselbe hatte soeben eine Rede beendet, als er todt vom Sitze sank.
— Chicago, 29. Januar. Durch einen Schneesturm ist der Verkehr mit dem Nordwesten unterbrochen. Im westlichen Omaha ist die Union-Pacific-Eisenbahn unfahrbar; der Telegraphenverkehr ist fast aufgehoben.
— (Zwei denkwürdige Bässe.) Am 13. Juli 1615 wurde am Dresdener Hofe ein Oratorium aufgeführt, zu welchem man für die Partie des HoloferneS den Studenten Rümpler, einen gewaltigen Bassisten aus Wittenberg, ver» schrieben hatte. Er sang seine Rolle unter Begleitung feilte» großen ViolonS, sowie anschließend eine Batzarie mit solcher Stärke, daß Alles zitterte. Rümpler wurde während seine» Aufenthalts in DreSden vom Kurfürsten verpflegt und hatte dabei die Begünstigung erhalten, in dem ihm angewiesenen Gasthofe seine an sich schon vehemente Baßstimme durch beliebiges Biertrinken noch mehr zu verstärken. — Ein gleich gewaltiger Bassist war daS Mitglied der königlichen Hoscapelle zu DreSden, Johann Führig, dessen Stimme so stark war, daß sie bei den großen Opern in DreSden und Warschau, wo daS an sich schon gut besetzte Orchester noch durch doppelt besetzte Trompeten und Pauken verstärkt wurde, die Chöre über« tönte. So stark seine Stimme, so unlvschlich war auch sein Durst. Er starb 1750 zu Warschau, wo man ihm auf beut protestantischen Kirchhofe ein Denkmal setzte, mit der Inschrift: „Führig, der so trefflich sang, Führig, der so sehre trank, Führig ruht in dieser Gruft, bis der liebe Gott ihn ruft."
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