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Httsselder Kreisblatt.
__________Mit wöchentlicher Hratis-Meilage „Illustrirtes Anterhaktungsölatt".
Nr. 14. Sonnabend den 31. Januar 1891.
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Hersfelder Kreisblatt ' mit der wöchentlichen Gratt- Beilage
„Mustrirtes Unterhattungsblatt"
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Amtliches.
Cassel, den 10, Januar 1891.
Auf den gefälligen Bericht vom 29. Dezember v. I. Nr. 11543 erwidere ich Ew. Hochwohlge- boren ergebenst, daß die Feuerspritzen der Ge- meinden nach § 715 der Civilprozeßordnung von der Pfändung an sich nicht ausgeschlossen sind. Die Pfändung soll sich aber innerster Linie auf die dem Schuldner entbehrlichsten Sachen erstrecken (§ 63 Abs. 2 der GeschäftSanweisung für die Gerichtsvollzieher vom 24 Juli 1879; Art. 2 Abs. 2 der Anweisung vom 15. September 1879, betreffend das Verwaltungszwangsverfahren). Es würde daher die Aufhebung der Pfändung eventuell im Wege der Beschwerde erwirkt werden können. Im Allgemeinen sind aber die Gemeinden verpflichtet, es nicht zur Pfändung kommen zu lassen, sondern ihre Schulden rechtzeitig zu bezahlen.
Die Gemeindevorstände sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie für die Folgen, wenn dies Nicht geschieht, haftbar sind.
Der Regterungs-Präsident.
I. V.: von Pawel.
An den Königlichen Lavdrath Herrn Freiherrn von S ch l e i n i tz Hochwohlgeboren zu HerS- feld. J. A. I. Nr. 8.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus Heiterm Himmel.
Von J. Hütten.
(Fortsetzung.)
„Dann haben Sie den falschen Weg einge- Magen, denn ich sprach Meißner noch vor wenigen Minuten in einem der Nebenzimmer."
Dora wollte sofort umkehren, doch Scheppwitz sagte bittend: „Bleiben Sie, gnädige Frau. Ich werde Ihren Mann hierherrufen, doch da ich ihn eben in einem eifrigen Gespräch mit Echultze verließ, daS jetzt wohl kaum schon beendet sein dürfte, lassen Sie uns erst eine Weile auf- und abgehen."
»Ja, eS ist schön hier," sagte Dora leise, und wärmer fügte sie hinzu: „Nie fühle ich's klarer, wie viel Grund wir zur Dankbarkeit für alles Gute, das uns beschteden ist, haben, als wenn der Zauber der Natur auf mich einwirkt." ^ »Wer hätte auch begründeteren Anspruch auf Glück, als Sie?" murmelte Herr v. Scheppwitz, sich Über sie beugend.
Sie überhörte den leidenschaftlichen Ton seiner Stimme und sagte verwundert: „Anspruch auf Glück? Den gibt es für uns nicht."
„Welche Ansichten, gnädige Frau!"
Hersfeld, den 28. Januar 1891.
Wird den Herren Ortsvm ständen des KreiseS zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt.
944. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 24. Januar 1891.
Auf Grund b?§ §. 82 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wird nachstehend das Ergebniß von der am heutigen Tage in dem resigen Rathhaussaale stattgefundenen Kreistagssitzung, welche in dem Kreisblatt Nr. 5 bekannt gemacht worden ist, zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
ad 1. der Tauesordnung.
Es wurde beschlossen in Hersfeld eine land- wirthschaftliche Winter schule zu begründen und zu diesem Zwecke in den Kreisetat jährlich 1000 Mark einzustellen.
ad 2. der Tagesordnung.
Die Uebernahme der 2, udwegevavpsstcht auf den Kreis wurde abgelehnt, dagegen beschlossen, den Gemeinden für den Landwegebau aus Kreis- mitteln eine Unterstützung zu gewähren in der Art, daß den Gemeinden die nicht aus Communal- fonds zu vergütenden Hand- und Spanndienste, soweit dieselben vier Hand- und drei Spanndienste für den Hand- hezwse. Spanndienstpflichtigen überschreiten, aus Kreismitteln vergütet werden und zwar mit 80 Pfg. für den Handdieust und mit 6 Mk. für den Spanndienst.
Diese Unterstützungen sollen vorläufig nur so lange gewährt werden, als die Ueberwetsungen aus den Zollerträgen (lex Huene) stattfinden, und sollen erst nach Nachmessung der geschehenen Leistungen ausbezahlt werden.
Außer der Tagesordnung
wurde den Zahlungspflichtigen deS Schulder- bandes Holzheim, Cruspis und Stärklos zur Bestreitung von Kosten deS SchulbausbaueS in Holzheim eine Unterstützung von 1000 Mk , sowie der G meinde K?eba, ebenwohl zur Zahlung von
„Das hat mich früher oft traurig gemacht," fuhr sie in ihrer ruhigen Weise fort, „daß, wenn ich andere unglücklich sah, ich mir sagen mußte: wie nichtig ist-jeder Trost, da wir keinen Ausgleich zwischen Leid und Freude zu fordern haben. Ich sprach mit meinem Vater darüber und er sagte, wir hätten umsomehr Grund zur Dankbarkeit für jedes Glück. Seitdem ich darüber nachgedacht habe, sehe ich ein, wie recht er hat."
„Unb doch," fiel Scheppw'tz ihr ins Wort, „ich kann Ihnen den Satz, von dem Sie ausgehen, nicht zugeben. Wir sind ohne unsern Willen in die Welt gesetzt und sollten nur Pflichten, aber keine Rechte haben?"
Sie lächelte. „Ich bin kein Jurist, aber soviel weiß ich doch, daß, wo es rechtliche Ansprüche gibt, auch jemand sein muß, bei dem mau sie einklagen kann. Au wen wollten Sie sich damit wenden?"
„Mit Ihnen ist schwer zu streiten," sagte er, ohne auf ihren Einwand einzugehen, „aber das weiß ich, meinen Antheil am Glück verlange ich, und wird er mir vorenthalten, so werde ich ihn mir einfach erzwingen."
Dora blickte fast mitleidig zu ihm auf.
„Ich glaube nicht, daß es Ihnen gelingen
Schulhausbaukosten eine Unterstützung von 1500 Mark aus der Kreiskasse bezwse. den landwirth- schaftlichen Zöllen bewilligt.
Der Vorsitzende des KreisauSschusses.
A. Nr. 79. In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
HerSfeld, den 29. Januar 1891.
Die Herren Ortsdorstäude erhalten hierdurch die Weisung, bis spätestens zum 12. Februar d. J. diejenigen Kinder, welche in der betreffenden Gemeinde (Gutsbezirk) nicht geboren, aber in dieselbe mit den Eltern oder sonst wie ungetmpft überzogen sind, in Gemäsheit der Bestimmungen im § 8 des Reglements vom 4. März 1875 (Nr. 15 des Amtsblattes de 1875) mittelst besonderer Verzeichnisse zu meiner Kenntniß zn bringen.
Gleichzeitig erhalten die Herrn StaudeSbe- amten des KreiseS hiermit die Weisung, unter Benutzung des ihnen in den nächsten Tagen zage- benden Forwularpapi-^s die nach dem Reichsgesetz vom 8. April 1874 über die Ausführung der öffentlichen Schutzpockentmpfung vorgeschriebenen Jmpflisten durch Eintragung der, im Jahre 1890 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder vorzurtchten, und mir bis zum 10. k. MtS. einzureichen. Die Jmpflisten sind in der Weise aufzustellen, datz die Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen, untereinander, 'aufgeführt werden.
Den Herren Localschuliuspectoreu wird ebenfalls das nöthige Formularpapter zu den für Impfung und Rcvacctnation getrennt zu haltenden giften
1) über diejenigen Zöglinge der ihnen unterstellten Lehranstalten oder Privatschulen, welche im laufenden Jahr daS zwölfte Lebensjahr zarücklegeu werden und
2) über die Schüler, für welche der NachweiS der Impfung nicht erbracht ist,
mitgetheilt werden, deren Rücksendung ich biS spätestens zum 15. Februar er. erwarten muß.
würde. Ich bin längst nicht mehr darüber traurig, daß wir seinen Anspruch auf Glück haben. Ich genieße das meine mit derselbe« Freudigkeit, nun es mir als eine Gnade zu Theil wird und bin um so dankbarer dafür."
„Sie sind leicht zu befriedigen," sagte er mit einem Ausdruck, der fast ein wenig geringschätzig klang.
Sie fühlte das wohl, erwiderte aber trotzdem mit dem Hellen Lächeln: „Ich hoffe wenigstens, es zu sein, und was könnte ich wohl auch von einem Auflehnen gegen daS Schicksal erwarten? DaS klügste bleibt doch, ihm die beste Seite ab- zugewinnen und sich der frohen Stunde zu freuen, da in jedem Augenblick der Blitzstrahl nieder- fahren kann, der uns oder unser Glück zertrümmert."
„Da haben Sie recht," gab er jetzt mit unverhohlenem Spott zu, „und ich werde fortan jedesmal, wenn ich unter einem Baum fitze, ohne daß er umbricht und mich erschlägt — wenn ich auf dem Wasser fahre, ohne zu ertrinken - wenn ich eine Mahlzeit esse, ohne zu ersticken, nicht ermangeln, tief gerührt über diese Fügung zu sein. Gott sei Dank," fuhr er noch spöttischer fort, „auch diesen Baumgang hätten wir ohur jeden Unfall durchschritten."