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Htlsskl-er IreisHitt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIllufirirtes Zlukerhaltuugsölatt".__________

Nr. 13. Donnerstag den 29. Januar 1891.

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Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wScheEche« Grati-Beilage »Jllustrirtes Unterhaltung-blatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postaustalten Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Berlin, den 12. Januar 1891.

Seitens der Englischen Regierung ist die Er« Mittelung und eveutl. Festnahme eines gewissen, in Kanada wegen Urkundenfälschung verfolgten Tourex, welcher sich nach Deutschland geflüchtet haben soll, nachgesucht worden.

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, auf den Verfolgten gefälligst fahnden, denselben im Betretungsfalle in sichere polizeiliche Haft nehmen zu lassen und falls die Festnahme gelingen sollte, mir und dem Herrn Minister der auswärtigen Angelegenheiten telegraphische Anzeige zu er« statten.

Der Minister des Innern.

Im Auftrage.

gez. Lodemann.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe, Hochwohlgeboren zu Caffel.

Cassel, den 19. Januar 1891.

Abschrift übersende ich Euer Hochwohlgeboren zur weiteren gefälligen Veravlaffung.

Im Betretungsfalle wollen Ew. Hochwohl«

| geboren unverzüglich eventuell telegraphisch mir Mittheilung machen.

Der RegierungS-Prästdent. I. V. von Pawel.

An die Königlichen Landräthe des Regierungs- bezirkS und den Königlichen Polizeidirector hier. A. II. 509.

* * - *

Hersfeld, den 26. Januar 1891.

Wird den Ortspolizeivcrwaltungen uud der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Fahn­dung nach dem Verfolgten mitgetheilt.

Im Betretungsfalle desselben ist mir unver­züglich Anzeige zu erstatte:;.

862. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinttz.

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Aus dem Reichstage.

Berlin, 26. Januar. Die heutige (52.) Plenarsitzung deS Reichstages wurde vom ersten Viceprändenten Grafen B a l l e st r e m um 1 Uhr 20 Minuten eröffnet. Bei Fortsetzung der Ei-i^-rot^ng '»umt dv Etat des Reichs- schatzamtS zur Verhandlung. Hierzu liegt ein Antrag des Abg. Richter vor, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die den Reichsbeamten bei dienstlicher Beschäftigung außerhalb ihres Wohnortes zustehenden Fuhrkosten derart zu regeln, daß für Dienstreisen, welche auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen zurückgelegt werden, an Stelle der Kilometergelder die für die Fahrkarten thatsächlich verausgabten Beträge gezahlt werden. Abg. Richter erinnert bei Begründung des Antrages daran, daß er den Gegenstand bereits bei der ersten Berathung des Etats zur Sprache gebracht habe. Die jetzigen, den preußischen nachgebildeten bezüglichen Sätze bestanden seit vielen Jahr­zehnten. Inzwischen seien aber die Fuhrkosten auf den Eisen­bahnen sehr erheblich niedriger geworden, so daß bedeutend mehr gezahlt werde, als verauslagt wäre. So würden für eine Reise von Berlin nach Cöln jetzt 144 Mk. vergütet, während ein Retourbillet zweiter Klasse etwa 60 Mk. koste. Die Mehrvergütungen beliefen sich im Ganzen auf mehrere Millionen, und seien geradezu eine Prämie für AuSfindung vieler und ausgedehnter Dienstreisen. Abg. Hahn stimmt der Tendenz ^eS Antrages zu; eine Regelung der Frage liege zudem nicht nur im Interesse der Reichs- und Staatskasse, sondern auch mancher Privatpersonen, welche solche Kosten

zu ersetzen hätten. ES empfehle sich wohl, den Antrag auch auf die Reisen aus der Post auSzudehnen. Indessen dürften andererseits aus sachlichen Gründen auch die Kosten nicht zu sehr herabgesetzt werden. Man würde gut thun, den Antrag in der Budgetcommission näher zu prüfen. StaalSsecretair Frhr. v. M a l tz a h n bemerkt, daß ReichSentschädigung und Diäten für den Beamten allerdings keine Einnahmequelle bilden sollten. Wenn der Reichstag eine bezügliche Resolution beschließen sollte, würden die Regierungen sich zwar einer Prüfung derselben nicht entziehen; er könne indeß nicht in AuSsicht stellen, daß die verbündeten Regierungen sich im Sinne der Resolution entscheiden würden. Wenn die Fahr- kosten verringert werden sollten, würde voraussichtlich die Er­höhung der Diäten nöthig werden. Abg. v. Strombeck ist zwar mit der Tendenz der Anträge« einverstanden, hält aber auch dafür, daß eventuell eine Erhöhung der Diäten werde eintreten müssen. Abg. Richter begreift, daß die Regie­rung in dieser Frage nicht die Initiative ergreift, um nicht die Competenzen der Bc«Äen zu vermindern. Sei der Satz der Tagegelder gegenwärtig zu niedrig, so würde sich Ersatz wohl aus chm selbst finden lassen, indem man zwischen Reisen, die mit Nachtquartier verbunden, und solchen, die e« nicht seien, unterschiede.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 26. Januar. Das Abgeordnetenhaus hielt heute Vormittag seine 21. Plenarsitzung, welche indeß nur von kurzer Dauer war. Nachdem in schneller Reihen­folge die Gesetzentwürfe, betreffend Abänderung der Kirchenge­meinde- und Synodalordnung für die östlichen Provinzen (in zweiter Berathung), betreffend die Errichtung eines Amtsge­richts in der Stadt Kirn (in erster und zweiter Berathung), sowie betreffend die EmeritirungSordnung für die evangelisch« lutherische Kirche der Provinz SchleSwig-Holstein (in erster Berathung) erledigt waren, wurde nach kurzer Debatte be­schlossen, den Gesetzentwurf, betreffenb die Abänderung des §. 79 des AuSführungSgesetzeS vom 24. April 1878 zum deutschen GerichtSverfassungSgesetze, mit Rücksicht auf die am Freitag über diesen Gegenstand stattgehabten Verhandlungen von der heutigen Tagesordnung abzusetzen. Nächste Sitzung Mittwoch 28. Januar, Vormittag« 11 Uhr. (Interpellation, betreffend die Auswanderung nach Brasilien: Anträge und kleinere Vorlagen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterm Himmel.

Von I. Hütten.

(Fortsetzung.)

;e Ge-

Halt, halt," sagte Dora bewegt,Sie wecken viele Erinnerungen auf einmal in mir. Ja, ich habe das alles gesehen und fühle noch jetzt die Begeisterung, die mich bet dem Anblick all der Herrlichkeiten überkam, und doch wie ich mit andächtigem Entzücken einen schönen Menschen sehen kann, ohne Liebe für ihn zu empfinden, so kann ich auch diese Gegenden bewundern aber meine Liebe gehört der Heimath; sie mag un­scheinbar und für verwöhnte Blicke reizlos sein, doch sie hat die Luft, die ich brauche zum fröh­lichen Gedeihen."

Sie sind zu jung für so vernünftige Ge­danken," meinte Scheppwitz fast ungeduldig.

Lächelnd erwiderte sie: »Ich weiß, Sie nennen Mich jetzt in Ihrem Innern kalt und sprechen mir den rechten Sinn für Schönheit und Poesie ab; Sie mögen eS thun, aber gönnen Sie wenigstens meinem Manne eine Frau, deren Verlangen nicht zwecklos in die Ferne schweift, sondern die sich wohl fühlt innerhalb der Grenzen, die ihr gesteckt sind.-

JXJ400 in seiner gewöhnlichen, nachlässig verbindlichen Art antworten, doch all

er in ihrem schönen Gesicht den Ausdruck ernster Ueberzeugung erblickte, erschien sie ihm erhaben über leere Redensarten und er entgegnete mit Ehrerbietung: »Seien Sie überzeugt, daß ich Ihrem Gatten alles Gute gönne und wüosche.-

Der freundlich dankbare Blick, mit dem le zu ihm aufsah, verwirrte ihn fast, so daß er be­friedigt aufathmete, als jetzt der Zug, nachdem er sich durch alle Laubgäage des Gartens ge« schlängelt hatte, den Saal erreichte und damit ein weiteres Gespräch abgeschnitten wurde. Er führte Dora zu einem Platze, wo sich ihnen so­fort auch Felix anschloß.

~ »Ist es nicht schade,- wandte sich die junge Frau an ihn, als die Musik zum Tanze auf« spielte, »daß aus diesem Sommerfest ein Ball gemacht werden soll? So geräumig der Saal ist, wieviel schöner war es draußen.-

»Der Garten steht Ihnen jeden Augenblick zur Verfügung, wenn Sie den Aufenthalt darin vorziehen,- beeilte sich Scheppwitz zu versichern. »Nur den ersten Walzer dürfen Sie mir nicht versagen, gnädige Frau.-

»Jch danke Ihnen,- sagte Dora zögernd, aber da mein Mann möglichst wenig tanzen soll, so ziehe auch ich es vor, mich vom Tanz fern zu halten.-

»Nicht doch, Liebchen,- fiel ihr Felix inS Wort; »wenn du so sprichst, muß ich doch wohl um deinetwillen mich noch einmal in der alten, fast

vergessenen Kunst üben."

»Nein,- sagte sie schnell, »so war eS nicht gemeint. DaS Tanzen ist dir nicht gesund, mein Vater warnte dich davor.-

»Und seiner Autorität beuge ich mich,- meinte er befriedigt, »vorausgesetzt allerdings, daß du meinem Freunde keinen Korb gibst.*

Dora willfahrte also Scheppwitz, und als sie sich erst einmal unter die Tanzenden gemischt hatte, gab eS für sie auch keine Ruhe mehr. Die jungen Landwirthe sowohl, als die Offictere drängten sich herzu, mit der reizenden Frau zu tanzen und ihr Aufmerksamkeiten zu erweisen.

Eine Weile sah Felix diesem Treiben zu, aber allmählich ermüdete eS ihn, und nachdem er noch mit diesem und jenem Bekannten ein paar freund­liche Worte gewechselt hatte, verließ er den Saal, um in einem der Nebenzimmer die nicht tanzenden Herren aufzusuchen. Dabei begegnete er im Flur dem Wirthe, der eilfertig hin und her lief.

»Nun, Veit, wie geht's S Ist Euer Junge jetzt ganz gesund?- .

»Ja, gnädiger Herr, Gott sei Dank, aber wenu Sie unS nicht den Arzt geschickt hätten, wäre er wohl nicht geworden, denn der Bader hier aus Dorf Wehrkitten versteht nicht- von so schlimmen Kraukhetten.-

»Zu viel muß man auch nicht von ihm vex»