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ersstiber Kreisblatt

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Nr. 12

Dienstag den 27. Januar

1891

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Latz ruh'n, mem Volk, für wen'ge kurze Stunden Die fleiß'ge Hand, die Werkeltags geschafft, Mit Eichenreis des Hauses Thür umwunden! Ein Festtag ist's der deutschen Volkeskraft! Germania ruft in allen deutschen Gauen, Im ernsten Nord, im lebensfrohen Süd Zu Häuf', ihr Männer alle und ihr Frauen, In deren Brust die deutsche Treue glüht, Laßt Sorge heut und Leid vergessen sein: Dem Kaiser gilt's den Segenswunsch zu weih'n!

Dem Kaiser Heil! von hehrem Glanz umflossen, Wie thront er fest voll Kraft und Jugendmark, Ein Edelreis, von altem Stamm entsprossen, Ein neuer Siegfried, stolz und rein und stark; Auf seiner Heldenväter Ruhmesthrone Strahlt neu verjüngt des Reiches Herrlichkeit, Denn mit dem Schwert, dem Scepter gab dem Sohne Des Vaters Hand die Kraft auch, die sie weiht Ein Hort zu sein, ein Schild zum Kampf im Feld, Ein Fels im Meer, den keine Macht zerschellt.

So wird er deine Fahnen einst erheben

Mein Deutschland, geht es wirklich zum Gefecht, Der Kaiser ist mit dir du wirst nicht beben, Der Kaiser ist mit dir es siegt dein Recht! Vorbei der Kampf, und wie sie dräuend kamen, Des Kriegs Gewalten, so zerstieben sie; Doch auf der Wahlstatt preist du seinen Namen, Der Kraft und Muth und Stärke dir verlieh, Reichst jauchzend ihm die Lorbeerreiser dar, Dem freudig-kühnen, jungen Kaiseraar.

Und doch, deß Macht gewaltig ohne Schranken, Nicht buhlt um blut'gen Kriegesruhm sein Sinn, Ein Vater sein der Armen und der Kranken Dünkt ihn fürwahr ein köstlicher Gewinn. Er sprach das Wort, verheißend allen Schwachen: Die euch die Noth ins Elend grausam stieß, Getrost, laßt meine Sorge für euch wachen, Die nicht umsonst mein Königswort verhieß! Schmückt' doch der Väter Krön' von alter Zeit Das köstlichste Juwel: Barmherzigkeit!

In Eis und Schnee wohl klaftertief vergraben Ruh'n deine Wälder, deutsches Vaterland, Und krächzend tönt der Schrei der heisern Raben, Ein weißes Tuch die Fluren rings bespannt; Doch ob auch ferne noch des Lenzes Sonne, Mit Glanz und Lebenswärme eng gepaart, Heut sprießt sie auf voll Duft und süßer Wonne Die schönste Blüthe echter deutscher Art: Des Volkes Liebe wundersame Blum', Du blühst in treuer Herzen Heiligthum!

So bringt denn ihre hoffnungsfreud'gen Triebe Bringt sie dem jungen Kaiser heute dar: Und wenn auf Erden dauernd nichts mehr bliebe, Es bleibt des Volkes Liebe dauernd wahr! Erneut ihn denn, den ihr dereinst geschworen, Den Schwur der Treue: Was auch kommen mag, Du bist es, Fürst und Herr, den wir erkoren, Dein unser Herz bis zu dem letzte« Schlag! Daß golden sich erfüll' zu jeder Frist: _ Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist!"

Fritz Eberhardt.

Zu Kaisers Geburtstag.

Am 27. Januar tritt unser Kaiser und König N sein 33. Lebensjahr ein. In Preußen ist es tue gute Tradition, daß das gesammte Volk n Königs Geburtstag warme Segenswünsche um Throne emporsendet. In diesem Jahre aber at Preußen und Deutschland ganz besonderen rund, seiner Verehrung, Liebe und Dankbarke t luSdruck zu geben. Als Kaiser Wilhelm II. die negterung antrat, trauerte die Nation um zwei trotze Todte, die in kurzer Zeit von ihr gegangen baren. Die Liebe, die sich Kaiser Wilhelm I. Md Kaiser Friedrich erworben hatten, konnte ich nicht sofort in gleicher Stärke auf den Enkel ind Sohn übertragen, der in der großen Zeit ter Errichtung des Kaiserthrones noch ein Kind »nd dem es noch nicht beschieden gewesen war, pit seiner Persönlichkeit Allen sichtbar hervprzu»

treten und zu den Herzen des Volkes zu dringen. Den auswärtigen Nationen, die nicht ohne Be- sorgniß auf den jungen thatkräftigen, vielleicht unruhigen und ruhmsüchtigen Herrscher sahen, mußte Kaiser Wilhelm II. erst beweisen, daß er in den Fußtapfen seines Vaters und seines Groß­vaters zu wandeln und wie sie ein Schirmer des Friedens zu sein entschlossen war. Schneller, als Manche erwartet hatten, gelang dem jungen Kaiser diese Aufgabe und in demselben Maße, wie er dabei in glücklichster Weise seine Persön­lichkeit einsetzte, mehrte sich der Schatz der Ver­ehrung für seine Person.

Nachdem die erste große Aufgabe vollbracht war, wandte sich der Kaiser den inneren Ange­legenheiten zu, und welche Summe von An­regungen und Entschüssen, von kühner Initiative, von unverzagter Thatkraft in der Lösung der schwierigsten Probleme zum gemeinen Besten liegt

gerade, wenn wir zurückblicken, in dem abge- laufenen Lebensjahre beschlossen. Wir brauchen die Arbeiten, die der Kaiser, und zwar er Höchst- persönlich, in Fluß gebracht hat, nicht einzeln aufzuzählen; Jeder kennt sie, Jeder nimmt au ihnen Theil. Das Bezeichnende ist vor Allem, daß jede einzelne dieser Aufgabe» den zusätzlichen Titel »Reform* trägt.

So ist Kaiser Wilhelm II. der Nation immer mehr in dem Lichte eines Reformators erschienen, der mit unbefangenem Blick die Schäden der Gesellschaft studirt und sie mit edlem Gerechtig» keitssinn und zielbewußter WillenSenergie zu bessern und zu heilen bestrebt ist. Das schwerste Stück, das er sich vorgesetzt, ist die Neuordnung der socialen Verhältnisse, welche nicht bloß den Gegenstand der Socialreform im engeren Sinne ausmachen, sondern auch in die anderen Reformen, Steuer», Gemeinde-, Schulreform, hineinspielev«