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Rr. 10.
Amtliches.
Caffel, den 10. Januar 1891.
Zur Unterweisung von Volksschullehrern im Obstbau wird auch im laufenden Jahre ein Cursus im hiesigen pomologischen Garten abgehalten werden. Euer Hochwohlgeboren wollen binnen 14 Tagen uns diejenigen Lehrer des Kreises bezeichnen, welche für den Cursus geeignet und zur Theilnahme freiwillig bereit sind. Bei der Auswahl derselben ist insbesondere zu berücksichtigen, daß sie Jutereffe und Verständniß für den Obstbau zeigen und Gelegenheit haben, das Erlernte praktisch zu verwertheo. Auch sind die in Vorschlag zu bringenden Lehrer darauf hinzuweisen, daß sie im Falle ihrer Einberufung sich mit einem s. g. Arbeitsanzuge zu versehen haben, damit sie ohne Rücksicht auf ihre Bekleidung alle nöthigen gärtnerischen Arbeiten auszuführen vermögen. Weiter erwarten wkr Euer Hochwohlge- doren Aeußerung darüber, ob die ausgewählten Lehrer einer Beihülfe zu den Kosten ihres hiesigen Aufenthalts bedürfen, sowie ob die Gemeinden sich mit einem Beitrage an den Kosten der Unter» richtseurse und in welcher Höhe betheiligen, wobei darauf aufmerksam zu machen ist, daß diese Beiträge demnächst nicht direct an den Lehrer, sondern an unsere Hauptkasse zu zahlen sind.
Königliche Regierung,
Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. „ O p i tz.
An die Herrn Lavdräthe des Regierungsbezirks. B« Nr. 16119.
* *
Hersfeld, den 20. Januar 1891.
Wird den Königlichen Herren Localschulin- spectoreu des hiesigen Kreises zur gefälligen Kennt- mßuahme und entsprechenden Bescheidung der Ihnen unterstellten Herren Lehrer und mit dem
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus Heiterm Himmel.
Von I. Hütten.
. (Fortsetzung.)
Das junge Paar in Eunttenhof ahnte nicht, daß es für die ganze Umgegend ein Gegenstand lebhafter Theilnahme und Neugter war. Wenn auch Weißner im Laufe von fünfzehn Jahren nur selten zu Hause gewesen war, hatte er sich doch den Besitzern dieses Kreises, die alle fest zusammenhielten, nie ganz entfremdet, und sie waren stolz aus den jungen Mann, dessen Lob sie bei ihren Besuchen in Königsberg von berufenster Seite verkünden hörten und der durch ein glänzendes Examen Aufsehen machte. Auch seine Verlobung befriedigte allgemein, denn Professor Heimer, der Vater seiner Braut, hatte wett über die Grenzen der Provinz hinaus den Ruf eines bedeutenden Arztes und seine Tochter galt für ein schönes, liebenswürdiges, hoch begabtes und gebildetes Mädchen. Nur eins machte den Besitzern und namentlich ihren Damen Sorge. Würde das junge Paar sich ihnen auch zugesellen oder würde Felix seinen Schatz auf seinem Gute vergraben? Diese Frage beschäftigte die Gemüther lebhaft und es gab nur die eine zufriedenstellende Antwort darauf: Auf dem Sommerfeste im Waldkrug, das, wie all»
Donnerstag den 22. Januar
ergebensten Ersuchen mitgetheilt, mir bis zum 28. d. M t s. diejenigen Lehrer zu bezeichnen, welche zur Theilnahme au dem fraglichen Cursus bereit und geeignet sind.
Gleichzeitig werden die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises angewiesen, in dem Falle, wo der Herr Lehrer Ihrer Gemeinde bereit ist, an dem fraglichen Cursus thetlzunehmen, wegen Bewilligung einer Beihülfe zu den betreffenden Kosten aus der Gemeindekasse die Gemeinde-Behörden alsbald zur Beschlußfassung zu veranlassen und das Ergebniß der Letzteren dem Herrn Lehrer ungesäumt mitzuthetlen.
631. Der Königliche Lavdrath.
In Vertretung:
Braun, KreiSdeputirter.
Hersfeld, den 19. Januar 1891.
Das Königliche Eisenbahn-Betriebs - Amt zu Frankfurt a/M. hat zur Ausführung der nothwendig gewordenen Erweiterung deS Bahnhofes zu H e r s f e l d den Erwerb des dazu erforderlichen Geländes im EnteignungSverfahren beantragt.
Es kommen dabei in Betracht die Grundstücke: Blatt E. Nr. 380 u. Nr. 390. Weg, auf der 1Q1
Clauskirche; Nr. Weg, hinterm Siechen.
Blatt G. Nr. 7. Nr. 8b. Nr. 58. Nr. 66 bis mit 70. Nr. 75. Nr. 77 bis mit 80. Nr. 62. Nr. 63. Nr. 181. Nr. 182, Nr. 183. Acker und Wiesen im Ententeich; Nr. 180. Nr. 184. Nr. 186. Wege daselbst, und Nr. ™ Nr. ^ und Nr.
185. Hofraum und Hausgarten daselbst.
Der Plan nebst Beilagen liegt während 14 Tagen, vom 22, d. Mts. ab gerechnet, im Ge- schäftslocale des hiesigen Landrathsamtes zu Jedermanns Einsicht offen, und sind Einwendungen gegen den Plan innerhalb der Offen
jährlich, auch jetzt stattfiaden sollte und bet dem Felix, wenn er daheim war, noch nie gefehlt hatte — da mußte man die junge Frau kennen lernen.
„Also, Geduld bis zum Sommerfest," sagten die Kuhns, Romeikes, Friedenthals untereinander, sagte Herr Braun in Birkenau zu seiner Frau, und „gedulde dich bis zum Sommerfest," rief auch Herr von Mohrthal in Glauken seiner Tochter zu, als er sie wieder einmal im Garten traf, wie sie sehnsüchtigen Blickes in der Richtung nach Emilienhof hinausspähte.
Das junge Mädchen erröthete. „Du mußt mich nicht auslachen, Papa. Wenn du wüßtest, wie lieb und reizend Dora ist."
„Nun, allmählich werde ich es doch schon begriffen haben," meinte der alte Herr scherzend. „Erzählt hast du mir wenigstens genug davon."
Anna hing sich an seinen Arm, indem sie eifrig sagte: „Ich wäre undankbar, wenn ich ihr nicht gut wäre."
„Und Undankbarkeit ist ein großes Laster," neckte ihr Vater.
„Ich hoffe, Anna begreift, daß sie kein Kind mehr ist," ltiß sich in diesem Augenblick die scharfe Stimme Frau von Mohrthrls veruebmen und die große, hagere Dame erschien am Eingang der Laube. „Es würde sich schlecht für dich schicken, wenn du dich um die Freundschaft der Frau
1891. legungsfrtst entweder schriftlich oder mündlich bei dem unterzeichneten Kommissar deS Herrn Regierungs-Prästdeuten anzubringen.
645. H e e g,
Königlicher KreiSsecretalr.
Hersfeld, den 17. Januar 1891.
Der am 15. September 1859 zu Meckbach geborene Bauer und Schmied Eckhard Wilhelm Möller hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem preußischen StaatSverbaude behufS Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 581. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, KreiSdeputirter.
Die unter dem Rindvieh deS Gutsbesitzer- ^aase dahier ausgebrochene Maul« und Klauen« euche ist erloschen.
Grthsemane, den 20. Januar 1891.
Der Bürgermeister Heiner.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 19. Januar. In der heutigen (47.) Plenarsitzung deS Reichstage« führte der Antrag Auer und socialdemokratische Genossen — betreffend die Einstellung der vom Staatsanwalt am Landgericht Nürnberg »unter Nicht» beachtung der Bestimmung der Art. 31 der deutschen Reich «- Verfassung nach dem 6. Mai 1890" gegen den Abg. Grillen» berger eingeleiteten UntersuchungSmaßregeln ic. — zu eingehender Debatte. Abg. Freiherr v. Unruhe-Bomst beantragt: den principiellen Antrag Auer nach seiner principiellen Seite der GeschäftSordnungScommission zu überweisen, im Uebrigen aber die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung im concreten Falle deS Abg. Grillenberger wegen Beleidigung des Amtmann« Lücke und des General- fecretairS Buek (Termin ist bereit« zum 7. Februar anbe» räumt) nicht zu ertheilen. Da« HauS nahm schließlich den Antrag des Abg. Freiherrn v. Unruhe-Bomst mit Majori. tät an und trat dann gegen 3 Uhr in die zweite Berathung deS Etats (zunächst des Specialetat« des Reichstage«) ein.
Berlin, 20. Januar. In der heutigen (48.) Plenarsitzung de« Reichstage«, welche Präsident v. L e v«tz o «
Doctor Weißner so stürmisch bewerben wolltest." „Wir sind doch schon befreundet," wandle da- Mädchen schüchtern ein. „ , .
„Ach, komm mir nicht mit solchen Schulge- schichten! Wenn sich die junge Frau deiner noch erinnert, so soll mir das lieb sein, denn ich habe gar nichts gegen sie einzuwenden. Weißner hat sebr vernünftig gewählt, aber du darfst nie vergessen, daß beide nur bürgerlich sind, während dein Vater von Adel und deine Mutter sogar
eine geborene Gräfin von Werthen ist."
„Ich bitte dich, Klara, laß das," wandle Herr von Mohrthal ein, der mit Unruhe bemerkte, wie das Mädchen nur mühsam die Thränen zurückhielt. eß ihn nicht weitersprechen.
e nicht Anna in ihren
Doch seine Gattin liu ------------------„ .
„Unterbrich mich nicht, Theodor," sagte sie unwillig, „und bestär e nicht Anna tu ihren Kindereien. Sie ist über siebzehn Jahre alt und muß endlich anfangen, sich als Dame von Stand zu fühlen. Alle ihre Schwestern zusammen haben mir nicht so viel Sorge gemacht, wie sie: dafür sind jene aber auch gut verheirathet, während
Anna —"
„O Mama, eS thut mir so leid, daß ich dir nicht zum Danke lebe," fiel ihr das Mädchen tni Wort und dabei liefen ihr wirklich die hellen Thränen über die Wangen. „Ich möchte so gern thun, was du wünschest, aber ich verstehe es nicht, und gegen Dora kann ich nicht fremd thun, daß