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Htrsstlder Klkisbliitt.

Mit wöchentlicher Hratis-WeilageIllustrirtes Muterhattnugsblatt".

Nr. 9. Dienstag den 20. Januar 1891.

Amtliches.

Hersfeld, den 17. Januar 1891.

Die Fouragelieferung für die Pferde der dahier stationirten berittenen Gendarmen für das Etatsjabr 1891/92 soll öffentlich verdungen werden.

Termin hierzu habe ich auf

Donnerstag den 29. d. Mts.

Vormittags 11 Uhr in mein Gesckäftslocal anberaumt, wozu etwaige Lieseruvgslustige mit dem Bemerken hierdurch eingeladen werden, daß die deSbezüglichen Be« dingungen im Termine bekannt gemacht werden. 685. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun. KreiSdeputirter.

, Bekanntmachung.

Zur Erhebung der am 2. v. Mts. fällig aewe- fen'N Landeskred-tkaffen-Z rasen werden folgende Termine bestimmt:

1) für die G meinden HillaMhausen, Lauten« Hausen, Philippsthal mit Hof Thalhausen, Heimboldshausen. Röhrigshof mit Nippe, Gethsemave, Oberneurodej, Unterneurode, Harnrode, Lengers, Heringen, Leimbach und Herfa auf Donner stag den 22. Ja­nuar 1891

2) für die Gemeinden Wölfershausen, Bengen» darf, Widdershausen, Kleinensee und Frie» bewald auf Freitag den 23. Januar 1891

' jedesmal von 8 biS 12 Uhr Vormittags und 1

bis 3 Uhr Nachmittags in der Mevrer'schen Gastwirthschaft zu Friedewald.

3) für alle übrigen Gemeinden deS Amtsgerichts» bezirksSchenklengsfeldauf Montag den 26. Januar 1891

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(Unbefugter Nachdruck verboten.)

An» heiterm Himmel.

Von I. Hütten.

(Fortsetzung.)

»Bas ist unmöglich/ beruhigte ste der In« spector, »außerdem muß dies ein einzelner Reiter sein. Es ist Herr von Scheppwitz aus Gajelleu/ fügte er gleich darauf hinzu, als ein auffallend schöner, stattlicher Mann auf einem prächtigen Rappen heransprengte.

Iwas will denn der hier/ brummte die Wirthschafterin unwirsch, ging aber doch mit ge« vuhrender Ehrfurcht dem Ankommenden entgegen.

»Schönen guten Tag, Frau Regine! Ich bin eben auf dem Wege nach Glauken und spreche vur hier vor, um zu hören, ob ich Ihnen noch mit irgend etwas aushelfen kann. Aber ich sehe, Sie sind mit Ihren Vorbereitungen fertig und der Ausputz macht sich sehr gut. Wann erwarten Sie Ihre Herrschaft?"

Unser Herr sagte, ste würden noch vor Abend vier sein, denn die Trauung sollte Mittags statt« finden, und sie wollten gleich nach dem Essen fort« fahren."

Aber der Weg ist über zwei Meilen lang," weinte Herr von Scheppwitz.Da wird eS wohl noch eine Weile dauern, bis sie ankommen."

Das thut nichts, gnädiger Herr, Arbeit gibt^S

ebenfalls von 8 bis 12 Uhr Vormittags und 11 bis 3 Uhr Nachmittags in der Kroneberg'schen Gastwirthschaft zu Schenklengsfeld.

Die Herren Bürgermeister werden um gefällige Bekanntmachung in ihren Gemeinden ergebenst ersucht.

Hersfeld, am 19. Januar 1891.

Ständische Landes-Renterei. F a s o l d.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 16. Januar. In der heutigen (45.) Plenar­sitzung des Reichstages erhielt bei Fortsetzung der Be­rathung der Antrag A u e r und Richter zuerst der Abg. Schüler (3. badenscherWahlkreis, Centrum) das Wort, um sein Votum gegen dieselben zu begründen. Sein Versuch, den vorgestrigen Citaten des Abg. Stolle aus der Bibel andere Bibelstellen entgegenzuhalten, sowie die Hungerlöhne der Ber­liner Arbeiterinnen auf Grund vielgenannter, vor Gericht er­örterter Vorgänge des Näheren in die Debatte zu ziehen, wurde vom Präsidenten verhindert. Der Bauer habe heute trotz der Schutzzölle keine höher.»:! Einnahmen, als in den vierziger Jahren, während feint Lasten erheblich gewachsen seien. Der Redner tritt überhaupt von den Ausführungen seiner engeren Landsleute denjenigen des Abgeordneten Frei­herr» v. Hornstein bei, denjenigen des Abgeordneten Dillinger aber bestimmt entgegen. Abg. Schultze (Socialdemokrat) sucht nachzuweisen, daß die Unzufriedenheit im Osten über das System der Getreidezölle so groß sei, daß es der social­demokratischen Agitation gar nicht bedürfe, um die Unzufrieden­heit zu schären. Wenn c« wirklich darauf ankomme, der Landwirthschaft als solcher zu Hülfe zu kommen, wären auch seine Freunde dazu bereit. Indeß die Getreidezölle nützten nur den Großgrundbesitzern, während dieselben namentlich auf die ganze Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung in höchst bedrückender Weise wirkten. Man sage wohl, es sei besser, der Arbeiter habe lohnende Arbeit, alS billiges Brot. Aber er bcstreite, daß die Schutzzölle den Arbeitern Arbeit geschafft hätten. Ein wirklicherBauer" werde wohl hier erst zu Worte kommen, wenn seine Partei solcheBauern" hierher gesandt haben werde. Herr v. Kardorff solle doch bedenken, daß die.Stimmen für ihn gerade der Getreidezölle wegen um 3000 zurückgegangen seien. Charakteristisch sei das Auftreten des Herrn Zorn von Bulach. Die Herren aus Elsaß- Lothringen treten hier immer nur dann auf, wenn es sich um ihre eigenen Interessen handele. (Bicepräsident Graf Balle-

noch immer. Da ist ja endlich der August/ unterbrach sie sich und wandte sich, deS Reiters vergeffend, an einen größerem Knaben.Na, warte, du Schlingel, brauchst du ein paar Sinn» den, um dich auszuputzen? Nun mach' aber flink, daß du auf den Boden kommst."

Was bedeutet das?" fragte Herr von Schepp« Witz belustigt.

Es ist nur der Sohn des Kutschers Lehmanu, der vom Bodenfenster aus aufpaffen soll, wenn der Wagen von unserer Herrschaft von der KönigSberger Chaussee auf die Landkeimer ab« biegt. Von oben kaun man die Stelle gut sehen und sind sie erst dort, dann haben wir sie in einer reichlichen Viertelstunde hier."

Sie denken doch an alles, Frau Regine," sagte Scheppwitz mit dem Ausdruck harmlosester Bewunderung, konnte aber sein Lachen nicht unter­drücken, als der Knabe in der Bodenluke sichtbar wurde und die Wirthschafterin ihm ein energisches: Nun aber aufgepaßt, Schlingel, und nicht ge­spielt," zuschrie, das sie mit einer sehr verständ­lichen Handbewegung begleitete.

»Ich will Sie nicht weiter aufhalten, Frau Regine. Empfehlen Sie mich Ihrer Herrschaft bestens/ Dann ritt der Gutsbesitzer fort.

»Gottlob, daß er weg ist," murmelte die Zurückbleibeude und trat dann wieder auf die Veranda zu dem Juspector, »Er wäre im

strem ruft den Redner letzterer Aeußerung wegen unter Ver­fall der Rechten zur Ordnung.) Daß die Elaß-Loth- ringer so sehr zufrieden seien, stehe mit der Wahl seines FractionSgenossen Hickel im Widerspruch. Wenn das jetzige System beibehalten werde, werde unser Nationalwohlstand und damit auch unsere Wehrfähigkeit geschwächt werden. Auch auf dem Gebiete der Landwirthschaft sei die socialistische ProductionSweise die einzig richtige. Abg. Graf v. Wirb ach trat zunächst den Ausführungen deS Vorredner- namentlich in Bezug auf dessen unzutreffende Angaben über die ost- preußischen Verhältnisse und darauf den gestrigen Reden deS Abg. Wisser, sowie vorzugsweise deS Abg. Dr. Barth ent­gegen. Redner betonte besonders, daß Alles darauf ankomme, ob es ohne Schutzzoll möglich fei, den feit Jahrhunderten auf seiner Scholle seßhaften Bauernstand in seinem Besitzstände zu erhalten. Was den Abg. Richter betreffe, so könne er dem­selben nur danken für die Offenheit, mit welcher er den frei­sinnigen Antrag als wahltaktisch bezeichnet habe. Inzwischen möchte er (Redner) doch bezweifeln, ob die Herren mit Be- friedigung auf den Erfolg diese« Anträge« zurückblicken werden. Thatsächlich seien durch den Antrag schon zahlreiche Existenzen ruinirt. In der agitatorischm Thätigkeit det Herrn Ab^. Richter und der Socialdemokraten bestehe im Grunde wcmg Unterschied. Der Sch^ ^tmfeet nationa''» Arbeit sei ein System, ein Räderwerk,' aus dem sich kein einzelnes Glied ohne Störung des Ganzen entfernen lasse. In diesem Sinne bitte er um Ablehnung der Anträge. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. Pfetten (Centrum) betont früheren Rednern gegenüber besonders, daß die Getreidezölle nicht etwa einen Auswuchs, sodern vielmehr die Grundlage des ganzen Schutz­zollsystems bildeten, und hob die wohlthätige Wirkung der agrarischen Zölle hervor. Al« Antragsteller erhielten darauf das Wort der Abg.Schuhmacher und dannAbg.Richter. Demnächst wurde durch Ablehnung des Anträge«, den social, demokratischen Gesetzentwurf der Budgetcommission zu über, weisen, die zweite Berathung desselben im Plenum beschlossen und dann in namentlicher Abstimmung der Antrag Richter mit 210 gegen 106 Stimmen abge. lehnt. Schluß der Sitzung 6 Uhr.

Berlin, 17. Januar. In der heutigen (46.) Plenar- sitzung des Reichstages wurde zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Controle des ReichShauShaltS und des Landes. Haushalt« für Elsaß-Lothringen für das Etatsjahr 1890/91, in dritter Berathung und ebenso Petitionen, die für Erörte- rung im Plenum von der Commission nicht für geeignet er. klärt worden, debattelo« erledigt. Zu längerer Debatte führte aber der Bericht der WahlprüfungS-Commission über

Stande, aus lauter Neugier hier abzuwarteu, biS unsere junge Frau kommt und mir damit den ganzen Empfang zu verderbeu/

Wte können Sie ihm das nur zutrauen?-

Ste wollen mich wohl den Herrn von Schcppw'tz kennen lehren? Und er bildet sich am Ende auch noch ein, daß ich ihm glaube, wenn er erzählt, er habe mir behilflich sein wollen. Nein, so dumm bin ich noch lange nicht/

,@r ist doch aber sehr befreundet mit unserem Herrn Doctor/ wandle Schmidt ein.

Na, lauge her ist die Freundschaft noch nicht, denn obgleich sie kaum eine Meile von einander entfernt ausgewachsen sind, haben sie sich doch bis vor zwei Jahren kaum gekannt. AIS Kinder, glaube ich, sahen sie sich nie und während unser junger Herr iu Königsberg aufs Gymnasium und dann zur Universität ging, war Herr von Scheppwitz im Kadettenhause und spielte später irgendwo in einer Stadt Officier. Er kam erst nach dem Tode seiner Vaters hier nach Gajelleu, um eS zu bewirthschaften, und seitdem sind die Herren öfters zusammeugekommen.-

Sie müssen aber jetzt sehr befreundet sein/ beharrte der Juspector, »denn ich hörte noch vor einigen Tagen, wie Herr Doctor Weißner jenen aufforderte, recht oft herzukommeu, da er wie ! seine Frau ihn jederzeit willkommen heißen ^würden/