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Hersftliiel Irtisilitt

Mit wöchentlicher Hratis-WeilageIllugrirtes Nuterhaltungsölatt".

Nr. 8.

Sonnabend den 17. Januar

1891.

Amtliches.

I digen nicht nur gerichtliche Bestrafung zu ge- wärtigen haben, sondern u. A. auch zum Ersatz der entstehenden Instandsetzungskosten Herange- zogen werden können.

218. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

~ Hersfeld, den 9. Januar 1891.

Zum Schutze der Reichs-Telegrapheulinien sind im Reichs-Strafgesetzbuch vom 15. Mai 1871 nach­stehende Bestimmungen erlassen:

§. 317.

-Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraphenanstalt vorsätzlich Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß von Einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

8. 318,

-Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraphenanstalt fahrlässiger Weise Handlun- gen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu drei- hundert Thalern bestraft.

Gleiche Strafe trifft die zur Beaufsichtigung und Bedienung der Telegraphen-Anstalten und ihrer Zubehörungen angestellten Personen, wenn

Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten die Benutzung der Anstalt verhindern oder stören.

* * *

Gleichwohl sind in letzter Zeit nach Mittheilung 8^^?5^rlichen Ober-Post-Direction mehrfach Beschädigungen der Telegraphenlinien durch un­vorsichtiges und unzweckmäßiges Verfahren beim Fällen von Bäumen in der Nähe von Telearaphen- avlageo Herbetgeführt worden.

Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß bei vorkommenden vorsätzlichen und fahrlässigen Be­schädigungen der Telegrophenanlagen die Schul-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus Heiterm Himmel.

Von Z. Hütten.

. Auf dem Gutshof von Emilienhof herrschte reges Leben. Geputzte Burschen und Mädchen warm damtt beschäftigt, die Fassade des Herren- Hauses mit Kränzen und Guirlanden zu schmücken, während Tagelöhner die Auffahrt an beiden Zeiten Mit Tannenbäumen bepflanzten. Eine Ü^uße, kräftige Frau beaufsichtigte die Arbeiten, und während sie mit Befriedigung das festliche Aussehen des Platzes musterte, entging auch nicht die kleinste Unregelmäßigkeit ihrem scharfen Blick.

»Johann, dieser Kranz hängt höher, alS der auf der anderen Seite! Anton, hier muß die Guirlande straffer gezogen werden. Dieser Tanneubaum ist zu groß gegen die Übrigen, der muß fortbleiben. Sehen Sie einmal, Schmidt- Bwandte fie sich an einen jungen Mann, der s^^all selbst Hand mit aulegte, aber sich durch I,uk Kleidung und Haltung wesentlich von den anderen Leuten unterschied.

, Haben recht, Frau Regine. Wir fanden keine besseren, Herr Juspector," entschuldigte sich der den Baumtransport leitende Aufseher;bte Sannen warfen nun einmal nicht so gleichmäßig

D» junge Mann sah etwas Besiegt« an».

Fulda, den 11. Jannar 1891.

Wegen der in verschiedenen Gemeinden des hiesigen Kreises unter dem Rindvieh ausgebrocheven Maul- und Klauenseuche ist durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten in Cassel vom 8. d. MtS. der inFulda auf den 29. Januar l. JS. angesetzte Viehmarkt aufgehoben worden, wovon ich ergebeust Nachricht gebe.

J.-Nr. I. 348. Der Königliche Landrath

Trott.

An das Königl. LaudrathSamt zu HnSfeld.

* * *

HerSfeld, den 14. Januar 1891.

Wird veröffentlicht.

859. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

___ Braun, KreiSdeputirter.

Der Herr Minister des Innern hat dem ge- schäftsführenden Ausschuß für den Luxuspferde- markt zu Schneidemühl die Erlaubniß ertheilt, im Laufe dieses JahreS eine öffentliche Verloo- sung von Wagen, Pferden, Rett- und Fahrge- räthen rc. zu veranstalten und die in Aussicht genommenen 100000 Loose zu je 1 Mark im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Cassel, den 9. Januar 1891.

Der RegierungS-Präsident. I. V.: v. Pawel.

Der Herr Ober-Präsident hat mittelst Erlaffes vom 5. Januar 1891 dem Vorstände der Kolonie für Epileptische zu Betbel bei Bielefeld gestattet, auch in den Jahren 1891 und 1892 je eine ein­malige Sammlung freiwilliger Gaben zum Besten

Was thun wir nun, Frau Regine? Andere holen zu lassen, dazu ist e8 zu spät.

,3a, erst heißt eS immer, nicht zu früh, nicht zu früh," raifonnirte die Wtrthschafterin, »und nachher fehlt's an allen Ecken und Enden. Na, zeigen Sie einmal ihren Kram, Herr Waldmann, findet sich noch ein größerer Tanneubaum, dann können die beiden hier am Eingang stehen und es ist noch nichts verloren."

Ein solcher fand sich nun wirklich zur sichtlichen Erleichterung der beiden Männer, die große» Respect vor der resoluten Frau zu haben schienen. Kaum war aber diese Angelegenheit zu deren Zu­friedenheit erledigt, so erregte schon wieder etwa- anderes ihren ttnwillev.

»Lehmavnin, wo haben Sie denn Ihren Jungen?" schrie sie eine Frau au, die eben den Hof betrat.

»Er wird gleich kommen, er macht sich nur noch fein," lautete die Antwort.

»In fünf Minuten muß der Schlingel hier sein. Ich kann nicht im letzten Augenblicke alles, was ich brauche, zusammensuchen."

Während die Lehman» sich eiligst entfernte, trat ein zierlich geputztes Stubenmädchen vor die Thür und meinte schnippisch: »Na, »a, Frau Re­gine, thun Sie nur nicht gar zu stolz. Wenn unsere junge Herrschaft kommt, hört'» doch mit dem Regieren auf.*

der genannten Kolonie bet den Einwohnern der Provinz Heffen-Naffau zu veranstalten.

Die Verwaltungs- und Polizeibehörde» deS diesseitigen BezirkeS werden veranlaßt, dafür zu sorgen, daß den zu veranstaltenden Sammlungen keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden. Ich bemerke hierbei, daß die Collectanten mit vom Vorstand der Anstalt ausgestellten, und von der Polizeibehörde beglaubigten Legittmations- Papieren, sowie paginirteu Sammellisten versehen sein müssen.

Cassel, den 10. Januar 1891.

Der Regieruvgs-Prästdent. J. V.: V. Pawel.

Cassel, den 8. Januar 1891-

Auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeiten deS Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- vnd Fasanenhenven, Haselwild »^ Wachteln auf den 20. d. M. AbendS festgesetzt.

Namens des Bezirks-AuSschusseS.

Der Vorsitzende.

HerSfeld, den 8. Januar 1891.

Die Mitglieder des Krei-verei«Szur Pflege im Felde verwundeter und ertränkter Krieger werden hierdurch auf

Sonnabend den 24. d. Ms.

Nachmittags 3 Uhr

in den oberen Rathhaussaal dahier zu einer General-Versammlung eingeladen.

Auf der Tagesordnung steht:

1. Rechnungsablage.

2. Beschlußfassung über die Verwendung der Vereinsmittel und die Thätigkeit des Ver­eins im Falle einer Mobilmachung.

Der Vorsitzende

Freiherr von Schleinitz.

»Schwatzen Sie keinen Unsinn, Minna," ant­wortete die Wtrthschafterin ziemlich gleichmüthtg, »sondern gehen Sie lieber ins Gewächshaus und lassen Sie sich die Blumen geben, die ich beim Gärtner bestellt habe. Wozu sind denn die schönen Vasen da, wenn sie leer stehen sollen?"

»Ich weiß wirklich nicht, warum die sich so über den heutigen Tag freut," sagte das Dienst­mädchen noch halblaut, verschwand aber schleunigst, um ihren Auftrag auSzuführeu.

Frau Regine sah ihr achselzuckend nach und wandte sich dann mit leiserer Stimme an den Juspector Schmidt, der unterdessen die Tage­löhner fortgeschickt hatte. »Was weiß so ein dummes Ding davon, wie es einem um- Herz ist, der seine Herrschaft wirklich lieb hat. Unser Herr wird erst wieder froh und glücklich sein, wenn er seine junge Frau hier hat, und da sollte ich mich über seinen Hochzeitstag nicht freuen! Ich habe ihn auf meinen Armen getragen, als er noch klein war," und Frau Regine bezeichnete mit der Hand einen so unscheinbaren Raum, daß dem jungen Juspector, der die Größenverhältnisse neugeborener Kinder noch nicht kanute, ganz ängst­lich zu Muthe wurde.

»Ja, und als mein seliger Mann starb, und ich vor Herzeleid nicht auS noch ein wußte, da kam der kleine Felix, kroch mir auf den Schooß und hat immerfort: Richt weinen, Regine, nicht